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Die Welt · 1907-08-23 · 34 (23.8.1907) · page 2

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
34 (23.8.1907)
Date
1907-08-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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DIE1SKE LT No. 3i Lewin-Epstein schlägt Schluß der Generaldebatte vor, um die Resolutionen der Kommissionen zu besprechen. Dr. Friedeman n beantragt 10 Minuten Redezeit. Antrag Friedemarin wird angenommen, Antrag Lewin-Epstein abgelehnt. Der Antrag auf Wahl von Generalrednern wird abgelehnt. Es erhält das Wort Greenberg (mit Beifall begrüßt): Ich habe nicht die Absicht, irgendwelchen Zwiespalt in die Diskussion hineinzutragen, ich bin aber gezwungen zu sagen, was ich für wrahr halte. Wenn das A.-C. nicht imstande ist, politische Arbeit zu tun, wenn es nichts mehr bezüglich El-Arisch tun kann, so ist das die Schuld des VII. Kongresses durch die Art und Weise, wie Sie das Ostafrikaprojekt abgelehnt haben. (Beifall und Widerspruch.) Die englische Regierung trat in Beziehung zur zionistischen Bewegung in einer möglichst intimen Weise. Warum, glauben Sie, hat Dr. Herzl sich bestrebt, in so intimen Beziehungen mit England zu stehen? Weil er, wie jeder anderer ganz genau wußte, daß, was auch immer in Palästina geschehen werde, die englische Regierung ein großes Wort mitzusprechen haben werde. Das Ostafrikaprojekt hatte einen Wert, weil es uns in Beziehung zu Ostafrika gebracht hatte. Ich habe nicht die Absicht, irgendwelches Bedauern zum Ausdruck zu bringen; ich erwähne nur das Ostafrikaprojekt, um Herrn Trietsch zu antworten. Auch ich bin für praktische Arbeit in Palästina und war es immer. Noch lange, bevor man so laut von praktischer Arbeit in Palästina sprach, schrieb ich einen offenen Brief an das A.-C, in welchem ich bat, in Palästina praktische Arbeit zu nehmen. (Rufe: Wann?) Als wir die Kommission nach Ostafrika aussandten! Ich finde in den Resolutionen der Palästinakommission eine ganz merkwürdige Unterlassung, Sie übersehen die erste wichtige Sache, die für eine praktische Arbeit in Palästina erforderlich ist, d. i. die Bildung eines Komitees mit dem Sitze in Palästina, unter der Oberleitung des A.-C, das diesem mit seinem Rate beistehen und jene praktische Arbeit durchführen soll, die beschlossen wird. (Beifall.) Ich habe diese Resolution auf der letzten Jahreskonferenz in Köln vorgeschlagen; ich unterlag aber, weil Herr Ussischkin dagegen war. Warum war Herr Ussischkin dagegen? Weil ich es vorgeschlagen habe, sagte er. Es ist Zeit, daß wir mit solchem Wahnsinn aufhören. Wir müssen auch unsere zentrale Palästinaarbeit anders anlegen. Wie kann jemand, der außerhalb Palästinas wohnt, entscheiden, was in Palästina unternommen werden soll? Wir müssen in Palästina ein vertrauenswürdiges Komitee haben, das uns über alles dort Mögliche und Erforderliche verläßliche Ratschläge gibt. (Beifall.) Ussischkin (mit stürmischem Beifall begrüßt): Es ist richtig, daß ich gegen die Einsetzung eines in Palästina sitzenden Komitees, gebildet vom A. C, gewesen bin. Ich werde Ihnen auch meine Gründe sagen. Ich werde gegen ein solches Komitee sein, das dazu dient, nur ein Organ des .A. C. zu sein und die Meinung anderer nicht zum Ausdruck zu bringen. Wenn wir ein vom Kongreß gewähltes unabhängiges Komitee haben, werden wir die richtige Stimmung des Kongresses vor -'uns haben. Wenn es vom A. C. eingesetzt ist, sind es immer beeinflußte Leute des A. C Dr. Gaster: Es handelt sich um eine Klärung der Begriffe „politische" und „praktische" Arbeit in Palästina. Wir wollen nicht wie die Chowewe Zion eine ökonomische, Frage lösen, sondern eine nationale. Den Anfang der nationalen Heimat wollen wir schaffen. Diese praktische Arbeit ist in jedem Augenblick eine politische. Leute, die draußen stehen, haben kein wirkliches Anrecht auf das Land. Der historische Anspruch genügt nicht. — Aber welche Bedeutung hat die Erwerbung Palästinas für die Mehrheit, die draußen bleiben muß? Wir müssen den archimedischen Punkt schaffen, für die moralische Stütze der Diaspora. Die nationale Erziehung in Palästina ist nur der Ansatzpunkt für die nationale Erziehung der Juden überhaupt. Wir müssen wieder lernen, uns alle als Kinder des Landes Palästina zu fühlen. Denn ein Volk lebt nicht von seiner Macht, sondern von seiner moralischen Kraft. Das sieht man gerade an Holland. Das moralische Ansehen können uns nicht Millionen Geld geben. Redner setzt dann die Prinzipien nationaler innerlicher Erziehung und Kultur auseinander. Er schließt damit, daß nur in Palästina die Wiedergeburt des jüdischen Volkes erfolgen kann. (Großer Beifall.) Schluß der Vormittagssitzung l\-> Uhr. Nachmittagssitzung Beginn 4 Uhr Del. Schachtel (Breslau) berichtet über eine Versammlung der Nationalfondskommissäre, die den Zweck gehabt habe, durch gegenseitige Aussprache Anregungen für eine intensive Sammeltätigkeit zu geben. Es wurde festgestellt, daß in den Ländern, welche dem Beschlüsse des 7. Kongresses folgen ii. Nationalfondskommissionen eingerichtet haben, das 'Ergebnis de Sammlungen für den jüdischen Nationalfonds ein weit günstigere; war, als in jenen Ländern, welche diesen Beschluß nicht durchgefühn haben. Es ist im Interesse des Nationalfonds, diesen Beschluß de; Kongresses ehestens auszuführen. Mit Bedauern muß konstatier: werden, daß einerseits die Selbstbesteuerung, anderseits die testamentarischen Zuwendungen zugunsten des 'Nationalfonds noc;; wenig Anklang gefunden haben. (Beifall). Präsident Wolffsohn legt dem Kongresse eine Resolution vor derzufolge der Jewish Colonial Trust (Jüd. Kolonialbank) formt! zum Schatzmeister des Zionistenkongresses bestellt wird. (Wir< angenommen). Hierauf erstattet das Referat über nationale Erziehung Herr Großrabbiner Dr. Ehrenpreis. Wir werden dieses Referai das mit großem Beifall aufgenommen wurde, in einer späterer Nummer bringen und verzeichnen nachfolgend die von Herrn Di Ehrenpreis vorgelegten Anträge: Thesen zu rFrage der nationalen Erziehung in der Diasponi 1. Die nationale Erziehung in der Diaspora bildet einen inte grierenden Bestandteil der zionistischen Arbeit und gehört zu de; ständigen Agenden der zionistischen Organisation und der Kongresse 2. Diese Arbeit soll unabhängig von der Möglichkeit eine Einflußnahme auf die bestehenden Gemeinde- und Erziehungs Institutionen sofort in Angriff genommen und mit den materiellei und moralischen Machtmitteln der Organisation betrieben werden 3. Zur Leitung der einschlägigen Arbeiten wird am Sitze de Engeren A.-C. ein Erziehungsamt geschaffen, für dessei Dotierung im diesjährigen Budget ein entsprechender Betrag ein gestellt werden soll. 4. Zu den ersten Aufgaben dieses Erziehungsamtes würde gehören: a) Studium der Frage der Schaffung eines zentralen hebräischer Lehrerseminars in Palästina, wenn möglich im Anschlüsse an da bereits bestehende, vom Hilfsverein begründete hebräische Lehrer seminar für Palästina. b) die regelmäßige Veranstaltung von zentralen Ferialkursei für hebräische Lehrer aus verschiedenen Ländern. c) Einsetzung einer aus Fachmännern bestehenden Schul bücherkommission zur Approbierung der Lehrbücher für der nationaljüdischen Unterricht. d) im Einvernehmen mit den Landesorganisationen für dii Errichtung Unentgeltlicher hebräischer Sprachkurse für Erwachsen! zu sorgen. 5. Der Kongreß begrüßt die Entstehung der Sonderorganisationer für die geistigen Aufgaben der Zionisten „Sinai" und „ibriah" uni empfiehlt dem zu schaffenden Erziehungsamt bei Durchführung seines Arbeitsprogramms tunlichst im Einvernehmen mit diesei Organisationen vorzugehen. * Es folgt sodann die Fortsetzung der Palästinadebatte. Es wird der Beschluß gefaßt, Generalredner zu wählen. Rechtsanwalt Rosen bäum setzt auseinander, wie von dei Rednern die Generalredner verteilt worden sind. Kaplansky-Kaplan beantragt noch einen Redner für di» Poale Zion zuzulassen. (Angenommen.) Es sprechen nunmehr die Generalredner: Scheinkin entschuldigt sich zunächst hebräisch dafür, daß ei sich zum allgemeinen Verständnis des Jüdisch-Deutschen bedient. Man braucht nicht gerade ein Fachmann zu sein, um übe: palästinensische Dinge mitzusprechen. Man muß nur die Bedürf nisse Palästinas kennen. Für die wirkliche Arbeit ist es theoretische: Streit, ob Politik oder praktische Arbeit, ob Industrie oder Land Wirtschaft, sondern all dies ist untrennbar miteinander verbunden Auch Kultur ist nicht etwas Besonderes, sondern mit dem ganzer wirtschaftlichen Leben verknüpft. Was in Palästina getan wird, ist alles zionistische Arbeit. Mit dem Verbot der Einwanderung brauchen wir nicht zr rechnen. Zunächst haben wir die Juden Palästinas zu organisieren Dann haben wir zu sorgen, daß die, welche ohne unser Zutun hu Land kommen, nicht nötig haben, wieder fortzugehen. Ermunteruni der Immigration beabsichtigen wir nicht. Die neuen Kolonien, die entstanden sind, sind von selbst entstanden und kosten keiner Pfennig. Wir müssen die Bedingungen dafür schaffen, daß kein Arbeiter das Land verläßt. Dafür brauchen wir keine Millionen Aber wir müssen doch dafür sorgen, daß auf anderm Wege Millionen dahinströrnen. Wir müssen nur die Wege ebnen, auf denen das Privatkapital hinzieht. Das Wichtigste ist: Ein Zionist muß

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