Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 34 (23.8.1907)
- Date
- 1907-08-23
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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DIE KÖLN AM RHEIN, UBIERRING 23 ELT ERSCHEINT JEDEN FREITAG ENTRALORGAN DER ZIONISTISCHEN BEWEGUNG XI. JAHRG. KÖLN, 23. August 1907 p-iini? r6nn"<* bt>$ No. 3+. DER ACHTE KONGRESS Spezialbericht Montag, den 19. August Vormittagssitzung Palästinadebatte. Beginn 10 Uhr Der Referent des Palästina-Ausschusses des Kongresses, Herr düif Böhm, stellt in dessen Namen folgende Anträge: 1. Der Kongreß beschließt, daß ein besonderes Palästinaressort ■ncrhalb des Engeren A.C. geschaffen wird, welches das Recht ■it, sich Beiräte zu ernennen. Dieses Palästinaressort soll unter er Leitung eines Mitgliedes des Engeren A.C. stehen. Ihm wird n in Palästina befindliches, aus einem oder mehreren besoldeten eamten bestehendes Palästinaamt unterstellt. 2. Der Kongreß beschließt, daß 25 0 o aller Einnahmen des A. C. •fort nach Eingang dem Palästinaressort beim Jewish Colonial Trust lr Verfügung gestellt werden. Außerdem fließen dem Palästinassort die für seine besonderen Zwecke gesammelten und gesendeten Beträge zu. 3. Der Kongreß beauftragt das Palästinaressort, die Frage der iedlungsgenossenschaft in Palästina zu studieren und der Jahresonferenz darüber Bericht zu erstatten. 4. Der Kongreß beschließt, das Palästinaressort und das »irektorium des J. C. T. zu beauftragen, umgehend ein Institut für ndlichen und städtischen Bodenkredit in Palästina zu schaffen, •ieses Institut soll womöglich einen Teil der A. P. C. bilden und is Recht haben, städtischen und ländlichen Boden zu kaufen und i verkaufen, zu pachten, zu verpachten und zu bebauen. Eventualantrag Tschlenow, 12 gegen 12 Stimmen Der Kongreß beauftragt das Engere A. C. und das Direktorium er A. P. C, dafür Sorge zu tragen, daß bei der A. P. C. eine Abilung für langfristige Kredite auf ländlichen und städtischen Boden in gerichtet werde.L 5. Der Kongreß beauftragt das Palästinaressort, den Bildungsnstalten in Palästina seine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden id zu trachten, für deren Zwecke einen besonderen Fonds zu haften. Er beauftragt ferner das Palästinaressort, für die Enticklung einer hebräischen Mittelschule in Palästina Sorge zu tragen. Nachdem der Referent diese Anträge erklärt und begründet, ■'merkt er sodann zur Debatte: Die österreichische Landsmannschaft steht auf einem gemäßigten, her entschiedenen Standpunkt. Politischer Zionismus ist nicht nur ne Verherrlichung der Diplomatie, sondern schließt die Palästina- •'•;'beit in sich. Eine künstliche Scheidung zwischen den Arbeiten IU sich nicht durchführen. Das Baseler Programm gibt nur die il-iere Form, den Inhalt müssen wir durch unsere Arbeit schaffen. Co wen. Die vorgelegten Anträge sind zu billigen. Das wichpte aber ist der Geist, in dem sie gestellt sind. Es besteht ein einwanderungsverbot. In ein „judenreines" Hotel dürfen wir nicht "hen, und nach Palästina ja? Trotzdem man uns den Eintritt erbietet? Das ist gegen unsere Würde, wir müßten uns ein- 'hmuggeln. Der erste Schritt muß die Arbeit für Aufhebung des Einwanderungsverbotes sein. Wir müssen den Willen kundgeben, türkische Staatsbürger zu werden. Unsere erste Sorge sind die Juden in Palästina. Sie sind durchaus noch nicht alle national brauchbare Juden. Mit der Arbeit für sie haben wir für die nächste Zeit genug zu tun. Der Chowewe-Zionismus hat sich unfähig zur Lösung der jüdischen Frage erwiesen. Eine Stunde politische Arbeit kann mehr wert sein als 50 Jahre der Kleinkolonisation..... Wir müssen Toleranz gegen abweichende Ansichten üben. Jeder, der hinausgedrängt wird, ist ein Verlust für uns. Audi Zangwil! ist ein Verlust für uns. Entweder glauben wir an den Triumph des politischen Zionismus, oder wir haben die nationale Liquidation. Trietsch: Die komplizierten Verhältnisse der Türkei kann man verschieden verwerten. Das Einwanderungsverbot besteht wohl in der Theorie. In der Zeit der jetzigen Einwanderung in Palästina hat keine Erschwerung stattgefunden. In England haben sich die Juden gegen die rumänische Einwanderung gewehrt. Cowen selbst, der gegen das angebliche Einschmuggeln ist, hat sich für die Anglo-Pal. Comp, eingesetzt. In der Türkei haben wir ein Einwanderungsverbot und liberale Praxis, in Rumänien rechtliche Garantie — und Rechtlosigkeit. Die Türkei hat anläßlich der rumänischen Juden Vertreibungen ihre Grenzen geöffnet. Damals hätten wir die Gelegenheit benutzen sollen zur Konzentration von Juden im türkischen Orient. In der Türkei haben wir eine große politische Chance, wenn wir irgendwo eine jüdische Majorität bilden. - Selbst in den Zeiten der Armeniergreuel waren die Juden sicher. Unsere Kräfte sind deswegen zu wenig gewachsen, weil wir zu wenig reale Arbeit geleistet haben. Warum sind die Beschlüsse des 7. Kongresses nicht durchgeführt worden? Wir dürfen nur zwei Arten von Politik treiben: eineloyale türkische und eine reale jüdische. Wir müssen die andern jüdischen Organisationen dadurch heranziehen, daß wir die Arbeiten beginnen. Als Beispiel kann das Informormationsbureau dienen, eine zionistische Gründung, die von andern finanziert wurde. Dasselbe können wir auf vielen andern Punkten versuchen. Wir haben die Jugend nicht gewonnen, weil wir ihr nur das Warten empfehlen konnten. Die Nachbarländerfrage müßte vor allem die „politischen4' Zionisten interessieren, die meinen, man könne jetzt in Palästina nicht viel tun. Es handelt sich um Cypern, vor allem um El Arish. Redner hat sich neuerdings selbst überzeugt, daß das Land brauchbar ist. Er hat auch selbst schon weitere Schritte getan, und belegt das durch Verlesung eines Briefes an eine maßgebende Stelle. Die Leitung hat vieles unterlassen, was sie hätte tun können. Sie hatte Angst vor praktischer Arbeit. Auch die Ito könnten wir wiedergewinnen, die anscheinend jetzt beginnt, sich mit den Nachbarländern Palästinas zu beschäftigen. Das Wesentlichste ist jetzt, daß die Exekutive richtig gewählt wird. (Lebhafter Beifall.)