Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- Sep. 4 (19.8.1907)
- Date
- 1907-08-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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dem Jahre 1905 alles getan haben, was wir tun konnten, um die Sache durchzuführen. Der Vorwurf des Herrn Dr. Rosenbaum ist also durchaus unberechtigt. Er hat aber noch eine Andeutung fallen lassen, gegen die ich mich wenden muß. Wenn man kämpft, so kämpfe man nicht mit giftigen Waffen! Wenn Sie, Herr Dr. Rosenbaum, den Vorwurf gegen uns erhoben haben, das Direktorium halte Dokumente hergegeben, warum sagen Sie es nicht gerade heraus, wozu Andeutungen, die mißverstanden werden können? Das hätte ich von einem Kollegen und Freunde * nicht erwartet. Ich möchte die verehrten Herren noch einmal bitten, sprechen Sie jeder seine Ansicht gerade aus, kämpfen Sie für Ihre Ansichten, aber glauben Sie an die Loyalität des Direktoriums! Ich kann nicht nur in meinem Namen sprechen, sondern ich hoffe, daß mich überhaupt niemand verdächtigen wird, ich hätte nicht vollkommen recht und loyal gehandell. Ein Beschluß des Kongresses ist für mich das größte Heiligtum. Ich sehe: der Kampf ist ziemlich weil gediehen, und Sie haben nun zu entscheiden. Entweder Sie fassen den Beschluß, man solle den Prozeß durchführen, dann müssen wir, mit dem Kopfe durch die Wand, weitergehen und selbst auf Kosten unseres Institutes die Sache weiterführen. Es fällt mir da ein. daß ich früher ein wichtiges Moment vergessen habe. Man spricht von der Möglichkeit einer Auflösung der Gesellschaft. Ich habe Ihnen früher die Ansicht des Councils und des Sollieitors dargestellt, und darüber sollte kein Zweifel herrschen. Herr Dr. Gaster aber hat gesagt, daß das unmöglich ist. Glauben Sie, daß dann unsere Vertreter zu den Direktoren kämen und sagen würden, daß sie operieren sollen? Manche Andeutungen des Richters, die ich früher angeführt habe, deuten geradezu darauf hin, daß ein solcher Beschluß möglich ist. Wir haben also drei Möglichkeiten, entweder wir gehen weiter und riskieren dabei, daß wir das, was wir im Laufe der Jahre geschaffen haben, wieder verlieren, oder Sie beschließen, daß der Prozeß nicht weitergeführt wird. Das dritte ist der Beschluß des A.-C, der für uns die Hauptsache bildet und dem ich mich anschließe. Es besteht keine Möglichkeit, noch einen Kongreß einzuberufen, der darüber zu entscheiden hätte. Wenn Sie die Sache dem A.-G. übeigeben, dann, übergeben Sie sie einer Körperschaft die Sie selbst gewählt haben. Ein Herr hat gesagt, daß wir nicht wissen, wer das sein wird. Wählen Sie eben Leute, zu denen Sie Zutrauen haben. (Lebhafte Zustimmung. — Zwischenrufe der Herren Greenberg und Cowen.) Beschließen Sie. was Sie wollen! Wir wollen auf Sie keine Pression ausüben. Wir stehen auf dem Standpunkte, daß wir. die Direktoren der Bank, die Diener der Bewegung sind, und wir alle Ihre Wünsche befolgen werden müssen. Ich habe sogar einmal gesagt: Wenn Sie es verlangen, bin ich nicht nur der Diener des Zionismus, sondern sogar dessen Stiefelputzer. (Heiterkeit.) Und das Eine kann ich Ihnen versichern: umsonst und mit Unrecht hat man wieder die Ugandafrage heraufbeschworen. Wir sehen nicht nach rechts und nicht nach links. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen — Zwischenrufe der Herren Greenberg und Cowen.) Für uns gibt es nur das Interesse für unser Institut, und dafür werden wir arbeiten — bis zum letzten Atemzug. (Erneuter lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Es liegt ein Antrag auf Schluß der Debatte vor. Dr. Magnes (zur Geschäftsordnung): Wir haben kein Interesse an persönlichen Zänkereien. — Spricht für Schluß der Debatte. D. Deiches gegen Schluß der Debatte. Der Antrag ist abgelehnt. Ein Antrag auf Wahl von vier Generalredneni wird mit großer Mehrheit angenommen. Generalredner pro Bentwich (beifällig gegrüßt, spricht englisch: Es wurde gesagt, daß die Ursache aller Unannehmlichkeiten in den Statuten der Bank selbst zu finden sei. Als einer derjenigen, die für die Festsetzung der Statuten eine gewisse Verantwortung zu tragen haben, erkläre ich, daß nichts in den Statuten der Bank ist, was als Ursache dienen könnte für die Agitation, welche gegen die Statutenänderung eingeleitet worden ist. Bei der Abfassung der Statuten habe man sich nur von einem Gedanken leiten lassen, nämlich dem der Schaffung einer Heimstätte in Palästina. Damals gab es genau dieselbe Situation, wie beim Nationalfonds, als er als eine englische Company gegründet wurde. Obwohl der letzte Kongreß eine Resolution gefaßt hat, daß der Zweck und die Mittel der Jüdischen Kolonialbank nur darauf gerichtet sein sollen, die öffentlich-rechtliche Heimstätte in Palästina zu erwerben, fordert doch Zangwill etwas anderes. Daraus ergibt sich, daß das Direktoriuni der Bank durch die Resolution nicht gebunden ist, daß das Geld der J. C. T. für Ostafrika oder für irgend ein anderes Land verwendet werden kann. Redner zitiert eine Stelle aus der Rede Zangwills vom 7. Kongreß, in welcher dieser sagt, daß das Ostafrikaangebot nicht dem Kongresse, sondern der Jüd. Kolonialbank gemacht wurde. Das ist die Ursache, weshalb die Änderung der Statuten vorgenommen werden muß, um solche Forderungen, wie die Zangwills, auszuschließen. Solange die Möglichkeit vorhanden ist, wie sie jetzt Herr Zangwill aufrecht erhält, so lange wird eine Agitation um die Richtlinien unserer Bewegung möglich sein. Diese Sache muß endgiltig beschlossen werden, damit wir Frieden in unsere Bewegung bekommen. Bis jetzt zeigten wir dem englischen Gerichte nur'einen ganz kleinen Teil unserer wirklichen Macht Wir zeigten noch nicht die überwältigende Majorität derjenigen, die für die Änderung der Statuten sind. Nur daher stammt die Schwierigkeit in der Durchführung der Änderung. Zum Beweise führt Redner einige Zitate aus der Gerichtsverhandlung an. Der Richter war nicht überzeugt, daß es der wirkliche Wunsch der Zionisten ist, die Statuten zu ändern. Wäre ihm der nötige Beweis erbracht worden, so wäre die Änderung erlaubt worden. Es liegt an uns. diesen Beweis zu erbringen. (Lebhafter Beifall und Widerspruch. Präsident Wolffsohn gibt eine Erklärung dahin ab, daß da? Statut seinerzeit von ihm auf Rat Bentwichs gegen den Willei- Herzls so gefaßt worden ist, wie es vorliegt. Dr. Katzenelsohn legt einen Vermittlungsantrag vor, den ei mit Rosenbaum verabredet hat: „Der Kongreß steht nach wie vor auf dem Standpunkt, dal das Memorandum nach dem Beschluß des dritten Kongresses ge ändert werden soll, insofern diese Änderung durchzuführen ist ohne die Interessen des J. C. T. zu schädigen. Für alle Fälle sol das Engere Aktionskomitee durch Ergänzung der Statuten Vor sorge dafür treffen, daß der J. C. T. nirgends in der ganzen Welt mit Ausnahme von Palästina, Syrien und den Nachbarländern, ko lonisatorische Tätigkeit vornehmen darf." Dr. Bodenheimer legt hierzu folgendes Amendement vor Der Kongreß überläßt die endgiltige Entscheidung über die Fort Setzung des Prozeßverfahrens dem Engeren A. C. und einer von Kongreß gewählten Kommission von drei Fachleuten, tyir können sagt Redner, feststellen, daß alle Redner prinzipiell einig sind. Nu könnte es vorkommen, daß wegen unüberwindlicher Schwierigkeiter der Prozeß fallen gelassen-wird. Mit Ugandismus kann man un heute nicht mehr schrecken, da wir alle Palästinenser sind. — Bentwicl hat diese'Statuten schaffen helfen. Damals sagte er, das englisch* Gesetz lasse nicht eine andere Fassung zu, heute will er uns von Gegenteil überzeugen. B. sagt, er habe durch Zangwills Auftretei seine Meinung geändert. Das darf für einen Juristen kein Grund seil Trotzalledem treten wir für die Änderung des Statuts ein. Da mit führen wir nur die Beschlüsse des 2. Kongresses durch. Da heißt aber noch nicht, daß wir den Prozeß führen. Der Proze! kann nicht vom ganzen Kongreß begutachtet werden. Dafür wähle: wir das ne"ue Engere A. C, das sich die nötigen Fachleute hinzi; zieht. Wir dürfen nicht sagen: Fiat justitia, pereat mundus. Dr. A. Halpern (Stanislau): Wir können jetzt nicht meh zurück. Das hieße das Schlachtfeld räumen. — Greenberg hat auc nur Schreckbilder aufgestellt. Wenn wir den Prozeß aufgebei dann wird es heißen: Niederlage des Zionismus. Die Ehre de Bank ist hier engagiert. Tschlenow: Die einzige dauernde Bürgschaft für die richtig Verwendung der Gelder gibt nur der Geist unserer Organisator nicht ein Statut. Das Statut allein wird einen Mißbrauch auch nich hindern. "Unsere Ehre wird nicht gekränkt durch Aufgabe de Prozesses, ich spreche mich jedoch für die Fortführung des Prozesse aus, weil vor allem die Kongreßbeschlüsse bindend sein müsse und dann, weil die Sache für England eine allgemein zionistisch Bedeutung zu haben scheint. Doch müssen wir uns fragen, ob e nicht, ausgeschlossen ist, daß bei einer Änderung des Statuts da Geld den Territorialisten ausgezahlt werden müßte. Das mu gründlich studiert werden. Wählen wir also drei Juristen, die m dem Engeren A. C. die Sache beraten sollen. Ein zweites Mz wird eine solche Krankheit wie der Territorialismus in unsere Mitte nicht ausbrechen können. tr Ing. Syrkin wünscht, daß der Sollicitor der Bank selbst Am kunft gibt. Bodenheimer-Tschlenow vereinigen ihren Antrag mit der von Katzenelsohn und Rosenbaum. Unter großer Erregung wird nach mehreren Bemerkungen zv Geschäftsordnung über diesen Antrag abgestimmt. Der Antrag wird mit 130 gegen 102 Stimmen angenommei (Großer Lärm und Unruhe.) Bentwich wünscht wegen Unsicherheit der Zahlen namentliehe Abstimmung. Der Präsident erklärt das für unzulässig ungibt Dr. Sch. Lewin das Wort zu seinem Referat.