Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- Sep. 4 (19.8.1907)
- Date
- 1907-08-19
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Bewegung gegen den Beschluß waren. Außerdem müssen große Indiskretionen in der Bank stattgefunden haben. Der Richter macht sein Urteil von dem Votum unserer Majorität abhängig, und dieses müssen wir schaffen. Redner beantragt schließlich: „Der Kongreß drückt seinen Wunsch aus, daß die Statutenänderung durchgeführt werde. Die Entscheidung der Möglichkeitsfrage wird dem Engeren A. C. unter Hinzuziehung von einigen vom Kongresse zu wählenden Juristen übergeben." (Beifall.) Präsident D. Wolffsohn erklärt, daß das A. C. beschlossen habe : „Der Kongreß möge die Angelegenheit der Abänderung der Statuten dem E. A. C. und den vorn Kongresse hierzu gewählten Juristen übertragen." Dr. H. G. Hey mann: Welchen Zweck soll heute noch die Änderung der Statuten haben? Das Kapital unserer Bank ist schon im Orient investiert, wo auch die ganze Organisation der Bank liegt. Eine Änderung der Statuten ist also überflüssig. Wir tun gut, den Prozeß aus der Welt zu schaffen, da er unsere Bankgeschäfte stört. Die Kosten verschlingen einen großen Teil des Gewinnes. Schon die Möglichkeit einer Rückzahlung von Aktien ist eine ungeheure Beunruhigung. Wir sollten die Tätigkeit der Bank nicht juristisch, sondern praktisch in Palästina festlegen. Lassen wir also den Prozeß fallen. Cowen: Verehrter Kongreß! Es ist von hier aus erklärt worden, daß der Prozeß Leuten übergeben worden ist, die gegen die Abänderung der Statuten waren. (Sehr richtig!) Das ist aber nicht der Fall, denn der Prozeß ist von Köln aus geführt worden. Wenn Sie es jetzt wieder sagen, dann sagen Sie, daß unser Präsident gegen die Abänderung der Statuten war. Der ganze Prozeß ist von Köln aus geführt worden, und sogar Affidaviterklärungen des Sekretärs sind abgegeben worden, ohne daß die Londoner Direktoren davon gewußt haben (hört!), und die Londoner Direktoren haben dagegen protestiert. Es ist sogar in einer Erklärung des Sekretärs erwähnt, daß die Ito, die Jewish Territorial Organisation, eine Rivalorganisation der Company ist. Herr Greenberg und ich geben nie zu, daß die Ito eine Rivalorganisation ist. (Beifall.) Es gibt nur eine nationale Organisation, und das ist unsere Bewegung. Was die Ito ist, sollen die Itoleute sagen. Wir sind nicht der Meinung, daß die Ito eine Rivalorganisation ist. (Sehr richtig! Beifall.) Außerdem sagte unser Sekretär in Erwiderung auf Punkt 7 der Erklärung von Mr. Israel Zangwill: „Es wäre den ganzen Zwecken und Zielen der zionistischen Bewegung zuwidergehandelt, würde man das Vermögen der Company zum Zwecke der Einwanderung einer einzigen Person oder Kolonisation eines einzigen Morgen Landes (nach den Worten des Mr. Zangwill) selbst im vorgeschriebenen Gebiete verwenden, bevor nicht die Einwilligung der bestehenden Regierung in diesem Gebiet zur Kolonisation daselbst erhalten worden ist." Herr Greenberg und ich sind mit dieser Frage nicht einverstanden, denn wir werden nicht warten, bis wir einen Charter haben, um irgendetwas dort zu tun, und damit haben Sie wieder einen Beweis, daß wir nicht mit diesen Erklärungen und diesen Affidavits einverstanden sind, und daß nicht wir diesen Prozeß so geführt haben, vielmehr ist der Prozeß von Köln aus geführt worden durch die Beamten der Bank, und wir wußten nichts davon. Aber wenn wir auch im Prinzip gegen eine Abänderung der Statuten sind, und ich bin im Prinzip gegen eine solche Abänderung (Beifall) (Hört!), so werde ich doch als Direktor der Bank ausführen, was Sie mir befehlen, und die Sache würde vielleicht noch besser ausgeführt werden, wenn sie nicht von Köln aus geführt, sondern uns übertragen worden wäre. Ich habe aber in Köln — obgleich ich Herrn Weizmann gesagt habe, ich werde vors Gericht gehen — ganz spontan im letzten März erklärt, ich werde es nicht tun, und ich habe es nicht getan, und wenn ich es getan hätte, wäre vielleicht die Abänderung schon fertig, wir hätten den Prozeß verloren. Ich habe die Erklärung in Köln deswegen gegeben, damit man nicht sagen soll, daß ich gegen Palästina bin. Ich habe jedoch ganz andere Gründe. Ich will aber nicht mit Leuten zusammenkämpfen, die gegen Palästina sind. Was mich sehr überrascht hat, ist, daß Herr Rosenbaum hier von der Tribüne gesprochen hat — und er ist doch ein Advokat und weiß, wie man bei Gericht vorgeht — und gesagt hat, die gegnerischen Advokaten hätten von ganz privaten Papieren gewußt, und er hat diese unbedingte Insinuation hier ausgesprochen gegen Herrn Greenberg und mich. Meine Damen und Herren! Herr Rosenbaum muß als Advokat wissen, daß man auch dem gegnerischen Advokaten alle Papiere ausliefern, ihn über alles informieren muß. Und noch eines hat Herr Rosenbaum auch vergessen, und ich staune darüber, da er ein so guter Advokat ist. Unser Proze;;, meine Damen und Herren, ist noch nicht einmal gehört wordey. Man hat die gegnerischen Advokaten noch nicht einmal gerufe , und es ist überhaupt eine Frage, und es liegt gar nicht so kla, wie. Herr Rosenbaum meint, ob der Richter unsere Abänderung g< - statten wird, wenn auch eine Majorität, und auch eine gewaltig Majorität dafür ist. Meine Damen und Herren! Vor dem Jahre 1890 war eir; Abänderung von Statuten und Memoranden überhaupt nicht möglicl. (Erst seit 1890 ist eine solche möglich.) Vor dieser Zeit, wenn ma i eine Abänderung wollte, mußte man die Gesellschaft liquidiere, und eine neue Gesellschaft gründen. In diesen ganzen 17 Jahren ist jedoch nur ein einziger Fa! vorgekommen, ein einziger Fall in ganz England, in dem man fi - eine solche Beschränkung der Statuten plädiert hat, und zwar b i einer Yorker Wollkämmerei. Also meine Damen und Herren, ic weiß nicht, ob wir es durchführen könnten, wenn wir auch eine Präzedenzfall schaffen wollten vor dem englischen Gericht. Wa ist denn die ganze Sache? Brauchen wir noch ein koscheres Siegauf unsere Bank zu drücken? Oder glauben Sie, daß sie nicl koscher ist? Es ist auch möglich, daß Sie, wenn Sie vor Gericht gehei mit einem treifenen Siegel weggehen. Ich bitte Sie, wenn Sie mit diesen Insinuationen, die nicht zur erstenmal vorkommen, vorgehen wollen, dann ist es ja ganz einfacl Sie brauchen nur gegen die Direktoren zu stimmen. Schneide, Sie aber die Bewegung wieder entzwei, dann ist die ganze Bewegun fertig. (Zwischenrufe und Beifall.) Spira will nicht über die juristischen Fragen sprechen, sonder über die allgemeinen. Es war sehr richtig, daß zunächst kein Geschäfte gemacht wurden. Das geschah erst durch den Druc der russischen Mitglieder. Diese Geschäfte sind nicht gut am gefallen. Der Kongreß möge beschließen, daß Geschäfte außerhal Palästinas überhaupt nicht gemacht werden dürfen. Resek. Alle Praktiker haben sich dafür ausgesprochen, da der Prozeß abgebrochen würde. Unser Ansehen wird durch eine Ausgleich weniger leiden als durch viele Prozesse. — Es hat sie als richtig erwiesen, die Kolonialbank nicht arbeiten zu lassei Will man das, so soll man die Anglo-Pal.-Comp. selbständig rnachei Dr. Friedemann. Der Gang des Prozesses wird folgendt sein: Bis jetzt sind die Kosten gegen 50000 Mark. Der Proze wird noch lange dauern, denn es ist ein „interessanter Fall". W ruinieren jetzt unser kaufmännisches Ansehen, indem wir theoretisch Prozesse führen, die praktisch keine Bedeutung haben. Kein Finanz mann wird uns unterstützen, wenn wir nicht kaufmännisch arbeite und Gewinne erzielen, und die großen Finanzleute sind es, die \v für unsere Bew^ >ing brauchen. Greenberg (spricht englisch, Kessler übersetzt). Durch d; Angriffe des Herrn Dr. Rosenbaum fühle er sich genötigt, über sein Tätigkeit in der Bank Rechenschaft abzulegen. Er belegt durch Zita eines Schreibens, daß er nie beabsichtigt habe, der Änderung d< Statuten sich zu widersetzen. Als er von den eidesstattlichen Ei klärungen Zangwills und Clemens Salomons hörte, war er dafiii daß man Zangwill, wenn möglich, zur Zurückziehung seiner Opc rationen bewege. Greenberg habe diesbezüglich an Herrn Wolffsoh telephoniert und gleichzeitig den Advokaten unserer Sache ui einen Aufschub von zwei Tagen in Verfolgung des Prozesses ersuch Das einzige, was man als Aktion gegen die Änderung hätte au! fassen können, habe er nur getan, damit unsere Geldmittel nich in Prozeßkosten vergeudet werden. Daß Zangwill ihn und Cowe zitiert habe, sei nicht seine Schuld, habe ja Zangwill auch Aus Sprüche Herzls vorgebracht. Greenberg erklärt weiter: Wenn ich für einen Moment dara: gedacht hätte, daß die geringste Möglichkeit vorliege, es könnte da Geld des Trust für irgend ein anderes Land als Palästina verwende werden, dann würde ich persönlich sagen: Sicherlich, der Prozei soll weitergeführt werden. (Lebhafter Beifall.) Soweit aber di Änderung des Statuts in Betracht komme, sei diese Veränderuni absolut nutzlos. Würde aber einmal eine Majorität für die Ver wendung in anderen Ländern sein, so wäre dies sogar mit Hilf der Anglo-Palestine Company möglich. Der Sinn des Prozesse sei: ein Siegel auf ein Siegel drücken zu wollen. Er warne abe vor einem Hazardspiel, dessen Einsatz nichts weniger als die Existen der Bank sein könne. Die Ausgaben seien bedeutend, und de Richter habe uns beaufragt, auf unsere Kosten zu agitieren, dami Herr Zangwill die erforderlichen Stimmen bekomme. Auch könne der Prozeß im April nur dann beendet werden, wenn wir verlieren. Denn die Gegner hätten immer noch die Möglichkeit, gegen da^ Urteil bis zur Instanz des Hauses der Lords zu appellieren. Die Veröffentlichung des von den Richtern geforderten Aufrufs an die Aktionäre müßte in zwei Formularen, worin der Gegensat/