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Die Welt · 1907-08-19 · Sep. 4 (19.8.1907) · page 2

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
Sep. 4 (19.8.1907)
Date
1907-08-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Zwecke des Nationalfonds zu fallen scheinen, zu annullieren. Das kontrollierende Komitee hat ein absolutes Vetorecht. Dieses Vetorecht erleidet aber ebenfalls eine gewisse Einschränkung. Nämlich, wenn das Direktorium an die Generalversammlung der Mitglieder appelliert, ist diese Generalversammlung berechtigt und in der Lage, über das Veto, des Engeren Aktionskomitees hinwegzugehen, d. h. das Große Aktionskomitee, welches durch den Aufsichtsrat der Bank repräsentiert wird, hat die Möglichkeit, Beschlüsse zu fassen, denen sich auch das Engere Aktionskomitee in den Fragen des N.-F. beugen muß. Es ist nun die Frage aufgeworfen worden, wem das Direktorium verantwortlich ist. Ich glaube, daß ich diese Frage bereits implicite beantwortet habe: das Direktorium ist unmittelbar dem Engern Aktionskomitee und dem Großen A. C. verantwortlich, und die Generalversammlung der Mitglieder ist mittelbar dem Kongreß verantwortlich, und damit ist das Band geknüpft zwischem dem Kongreß und dem Nationalfonds. Wenn nämlich der Kongreß die Oberzeugung gewinnen sollte, — was ich für undenkbar halte — daß ein Mitglied des Nationalfonds, ein Mitglied des Aufsichtsrats der Bank seine Pflichten nicht erfüllt, so ist hier auf. dem Kongreß durch die Stimmzettel die Möglichkeit gegeben, dieses Mitglied aus den Reihen der Mitglieder des Nationalfonds oder des Aufsichtsrats der Bank zu löschen, denn in dem Augenblick, wo dieses Mitglied aufhört, Mitglied des Aktionskomitees zu sein, hört es auch auf, Mitglied des Nationalfonds zu sein und das Recht zu haben, in der Generalversammlung abzustimmen. Wenn ich nun kurz das Wesen der Statuten und des Memorandums gekennzeichnet habe, muß ich nur eben auf einen Punkt hinweisen, den ich zu Anfang meiner Ausführungen bereits die Ehre hatte, anzudeuten, nämlich, daß durch Kongreßbeschlüsse die Tätigkeit des Nationalfonds wesentlich beschränkt wird, und zwar in folgenden Punkten: 1. Der Nationalfonds darf kein Land, das er erworben hat, wieder verkaufen oder veräußern. Das Land, das der Nationalfonds erwirbt, — das ist der Grundgedanke — soll ein ewiger Besitz des jüdischen Volkes sein. (Beifall.) Eine zweite Beschränkung — und darin ist die Antwort auf eine Frage gegeben, die in der gestrigen Diskussion aufgeworfen worden ist und auf einen Vorwurf, der erhoben wurde, und dessen Wichtigkeit sich ohne weiteres hieraus ergeben wird —, diese zweite Beschränkung ist im Memorandum des Nationalfonds gegeben und besteht darin, daß das Land, welches wir erworben haben und besitzen, nur an Juden verpachtet werden darf. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Es ist also nach dem Statute ausgeschlossen, daß ein Stück Land, das der Nationalfonds einmal besitzt, in die Hände von Arabern, Fellachen oder Angehörigen anderer Völkerschaften kommt. Sie wissen, daß im Anschlüsse an die Beschlüsse bezüglich der Reorganisation des Nationalfonds vom Aktionskomitee in Verbindung mit dem neuen Direktorium des Nationalfonds der Beschluß gefaßt worden ist, den Nationalfonds von Wien nach Köln zu verlegen. Es ist an dieser Stelle meine Ehrenpflicht, den Namen zu erwähnen, den Namen des Mannes, der seit vielen Jahren unermüdlich und selbstlos für den Nationalfonds tätig gewesen ist, der Sammelmittel jeder Art in Wien geschaffen hat und dessen schöpferische Tätigkeit es uns ermöglicht hat, unmittelbar in seine Fußstapfen zu treten, unmittelbar die Propagandatätigkeit des Nationalfonds fortzusetzen. Es ist das ein Name, den Sie alle kennen, der Name Joh. Kremenezky. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Es dürfte aber dennoch verständlich sein, wenn ich bemerke, daß trotzdem die Übersiedelung von Wien nach Köln mit einigen Schwierigkeiten verknüpft gewesen ist. Es ist ja begreiflich, daß die Sammelmittel, welche in Wien kreiert wurden, im wesentlichen auf die österreichischen Bedürfnisse zugeschnitten waren. Es war auch erforderlich, infolge der Legalisierung des Nationalfonds, diese Sammelmittel zu ergänzen und in ihrer redaktionellen Fassung abzuändern. Eines der Propagandamittel, das Kremenezky dort geschaffen hat, ist die Broschüre, die Sie jetzt in veränderter Gestalt vor sich liegen haben: „Was ist und will der Jüdische Nationalfonds?" Diese Broschüre bedurfte einer größeren Umänderung. Es mußte die Legalisierung des Nationalfonds in sie aufgenommen werden. Wir haben uns, da wir sie für die Propaganda in ihrer früheren Form nicht mehr zulänglich erachteten, die Mühe gegeben, einige Abänderungen hinzuzufügen. Wir haben ein Verzeichnis der Sammelstellen darin gegeben, und einige Angaben über Palästina gemacht. Wir haben auch eine Karte beigegeben, aus der Sie die Lage der jüdischen Kolonien und der andern jüdischen Siedelungen in Palästina ersehen können. Wir sind uns wohl bewußt, daß diese Broschüre noch nicht das Ideal eines Propaganda mittels darstellt, und erwarten von der Mitwirkung unserer Gesinnungsgenossen in der ganzen Welt und der Nationalfondskommissionen vor allem, daß wir in die Lage gesetzt werden, diese Broschüre in einer verbesserten Auflage erscheinen zu lassen. Wir waren auch genötigt, die Sammelbüchsen, auch eines der Sammelmittel des Wiener N.-F.-Bureaus, umzuändern, und wir haben dabei das Glück gehabt, eine Quelle zu entdecken, durch welche die Kosten dieses Sammelmittels, wesentlich vermindert werden. Während nämlich das Wiener Bureau 15000 Kronen für 10000 Büchsen bezahlen mußte, werden wir in der Lage sein, diese Büchsen zu nicht ganz 4000 Mark zu beschaffen. (Hört, hört! Beifall.) Es ist dies eine wesentliche Ersparnis, die dem N.-F. zugute kommt. Wir haben uns dann bestrebt, die Organisation zu erweitern. Wir haben die Beobachtung machen müssen, daß die Beschlüsse des letzten Kongresses nicht überall in allen Ländern gleichmäßig durchgeführt worden sind. Der letzte Kongreß hat beschlossen daß die Landesorganisationen überall besondere Komitees einsetze! sollen, die sich mit dem Nationalfonds, mit seiner Organisation und Propaganda beschäftigen. Das ist eine absolute Notwendigkeit, denn die Zentrale der Organisation selbst ist mit organisatorische]] und propagandistischen Arbeiten anderer Art so überhäuft, daß es nicht möglich ist, daß sie gleichzeitig die Propaganda des Nationalfonds mit Erfolg betreiben und führen kann. Dafür müssen be sondere Komitees geschaffen werden, hierfür bedarf, es besondere opferwilliger Persönlichkeiten, die mit ihrer Energie und Ausdauer und ihrer ganzen Person dafür einstehen, den Nationalfonds untei den Juden der ganzen Welt populär zu machen. (Lebhafter Beifal: und Händeklatschen.) Meine Damen und Herren! Gerade der Nationalfonds ist ja eine Institution, die in der Lage ist, die Sympathien auch der Juden anderer Richtungen zu erwecken, ist es doch das Heilige Land, das Land unserer Väter, das in allen unsern Brüdern Hoffnungen und Sehnsucht erweckt, welches den Gegenstand des Nationalfonds bildet. Es ist also zu hoffen, daß, was in dieser Richtung bisher versäumt worden ist, in Bälde nachgeholt werden kann. Wir haben auch leider die Erfahrung gemacht, daß in einzelner Ländern nicht die Opferwilligkeit für den Nationalfonds herrscht, die zu erwarten wäre. Es sind Länder, die für den Nationalfonds außerordentlich ergiebig gemacht werden können, und wenn ich auch die Opferfreudigkeit und die Tätigkeit unserer amerikanischen Gesinnungsgenossen für die zionistische Idee durchaus anerkennen und billigen muß, (Lebhafter Beifall) so muß ich doch erklären daß für den Nationalfonds da drüben über dem großen Teiche b.^ jetzt noch recht wenig geschehen ist. (Hört, hört!) Wir dürfen erwarten, daß der heurige Kongreß unsern Brüdern von über den Wasser, die so zahlreich hierhergekommen sind, ein Ansporn sein wird, das Versäumte nachzuholen und für den Nationalfonds zu schaffen und zu wirken. Denn gerade unsere Freunde in Amerika sind in der Lage, für den Natinonalfonds außerordentlich ersprießlich zu wirken. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.)

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