Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- Sep. 3 (18.8.1907)
- Date
- 1907-08-18
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 DIE2 c) einen Kulturfonds. 4. Den Verteilungsmodus des Palästina-Zentralfonds unter die drei Spezialfonds bestimmt der Kongreß, so lange jedoch der Agrarfonds die Höhe von einer Million Mark noch nicht erreicht hat, wird ihm die Hälfte der Einkünfte des Palästina-Zentralfonds zuerkannt. 5. Zur Verwaltung der drei speziellen Fonds wählt der Kongreß drei Kommissionen, und zwar: a) eine Agrar-Kommission, b) eine wirtschaftliche Kommission, c) eine Kultur-Kommission, bestehend aus ehrenamtlichen Mitgliedern, von denen mindestens drei im Orte des Sitzes des Bureaus des Palästinaressorts wohnhaft sind. 6. In sämtlichen drei Kommissionen hat der Chef des Palästina- Ressorts Sitz und Stimme; auch hat er das Recht, die Kommissionen selbständig einzuberufen. 7. Ausgaben der Kommissionen über je Mk. 500.— bedürfen der Genehmigung des Palästinaressorts, dem die drei Kommissionen unterstehen. 8. Zur Deckung der Kosten des Bureaus des Palästinaressorts sowie des Sekretariats des Palästinarates und der andern, laufenden Ausgaben des Palästinaressorts erhält derselbe 25% des Parteischekels, so lange der Kongreß keinen obligatorischen Palästinaschekel resp. Palästinazuschlag zum Schekel eingeführt haben wird. 9. Ebensolange bleibt auch der freiwillige Palästinabeitrag in Kraft, der gleichfalls vom Palästinaressort verwaltet wird. Hierauf erhält das Wort zum Bericht des Direktoriums des Nationalfonds, dessen Vorsitzender, Dr. Bodenheimer, der lebhaft akklamiert wird. Wir veröffentlichen hiervon nachfolgend eine kurze Inhaltsangabe, das Referat in extenso werden wir in einer spätem Nummer bringen. Dr. Bodenheimer begann mit einem Hinweis darauf, daß das Direktorium des Jüdischen Nationalfonds sich erst seit einigen Monaten konstituiert habe, er also noch kein ausgearbeitetes Programm vorzulegen in der Lage sei. Er könne lediglich einen Wechsel auf die Zukunft ausstellen, den er hoffe, in Kürze einlösen zu können. Redner wolle auch nicht über die Geschichte des Nationalfonds sprechen, da diese allen Anwesenden bekannt sei, auch die Legalisierung des N.-F. gehöre nunmehr der Geschichte an, und es sei daher nicht notwendig, den Kongreß durch die steinigen Pfade juristischer Formaiistik zur Höhe juristischer Gesetzlichkeit zu führen. Redner besprach hierauf die Statuten und das Memorandum der Genossenschaft des Nationalfonds. Die Mitglieder der Generalversammlung des N.-F. werden aus den Mitgliedern des Aufsichtsrats der Bank gebildet, diese wähle das Direktorium. Die Direktoren stehen unter der Kontrolle des Engeren Aktionskomitees, dem ein absolutes Vetorecht gegen alle Beschlüsse des Direktoriums zusteht. Die erste Aufgabe des Direktoriums sei die Einrichtung des Hauptbureaus in Köln und die Übersiedlung desselben voii Wien dorthin gewesen. Für Sammelmaterialien aller Art, Büchsen, Sammelbogen, Broschüren, Flugblätter habe der unermüdliche Herr Johann Kremenetzky, dessen Verdienste der Redner besonders warm würdigt, gesorgt. (Langanhaltender Beifall.) Die Einrichtung des Hauptbureaus sei mit Schwierigkeiten verknüpft gewesen, weil nicht in allen Landesorganisationen gleichmäßig die Beschlüsse des letzten Kongresses, betreffend die Bildung von Nationalfondskomitees, ausgeführt worden seien. Das Direktorium habe sodann die Beschlüsse der früheren Verwaltung erledigt, indem es ein Grundstück zur Anpflanzung des Herzlwaldes sowie ein Grundstück für die Kunstgewerbeschule „Bezalel" in Jerusalem käuflich erworben habe.Als seine wichtigste Aufgabe habe das Direktorium die informatorische Tätigkeit in Palästina betrachtet. Es habe daher als Experten Herrn Dr. Ruppin nach Palästina gesandt, welcher Bericht über alle wichtigen Fragen KE LT Sep. 3 erstatten soll, und habe den vereidigten Landmesser Herrn Treid el mit der Anfertigung einer Liegenschaftskarte der Besitzungen des Nationalfonds in Palästina beauftragt. Es seien auch gleich eine Anzahl von Ansiedelungsprojekten aufgetaucht, welche der Gegenstand der lebhaftesten Aufmerksamkeit des Direktoriums gewesen seien. Das Vermögen des Nationalfonds betrage gegenwärtig ca. £ 60000. Als Frage für eine günstige Tätigkeit betrachtet der Redner die Gewährung von Krediten auf Grundbesitz an Gesellschaften und Genossenschaften, wie auch an Einzelpersonen auf längere Dauer, sobald die nötige Kreditbasis geschaffen ist. Doch müsse hierbei mit größter Vorsicht verfahren werden, und müsse immer ein erheblicher Teil des Nationalfonds in sicheren Wertpapieren Anlage finden. Redner bittet den Kongreß, durch keinerlei Beschlüsse dem Direktorium die Hände zu fesseln, welches sich vollkommen seiner schweren Verantwortlichkeit bewußt sei. Es sei noch nicht in der Lage, ein festes Aktionsprogramm zu entwerfen, es könne sich nur um tastende Versuche handeln. Redner wolle aber feierlich versprechen, sich von dieser Verantwortung nicht niederdrücken zu lassen, und in allen Entschließungen des Direktoriums dahin zu wirken, daß Palästina für das jüdische Volk gewonnen werde. Jeder Ölbaum soll ein Symbol sein des unerschütterlichen Wunsches des jüdischen Volkes zum Leben, zum neuen Leben in unserer alten Heimat. Das fast einstündige Referat Dr. Bodenheimers wurde mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Die Sitzung wird hierauf geschlossen und der Nachmittag für Sitzungen des Palästina- und Organisationsausschusses reserviert. Palästina-Kommission des Kongresses In die Palästina-Kommission des Kongresses wurden von den Landsmannschaften entsandt: Alejnikow, Boruchow, Rabbinowitz, Weißenberg (Petersburg), Nissenbaum, Nossig, Markus Kohen aus Rußland, Dr. Heymann und Dr. Loewe aus Deutschland, Bentwich, Shire aus England, Böhm und Dr. Salz aus Österreich, Jean Fischer aus Belgien, Schein aus Rumänien, Hepp aus Ungarn, Pool aus Holland, Wolpert aus Südafrika, N. Gross für die Poalei Zion, und Struck für die Misrachi. Ausstellung jüdischer Künstler im Kongreßgebäude Im KongreßgebUude ist eine Ausstellung jüdischer Künstler eröffnet, die Arbeiten von Pilichowski, Struck, Boris Schatz, der Bezalelschule, Alfred Nossig, Ira Jann enthlät. Pilich owski zeigte außer seinen von der Wiesbadener und Frankfurter Ausstellung her bekannten Gemälden ein sehr feines und interessantes, „Der Baum des Lebens" betiteltes Bild, das den Herzlbaum in Palästina darstellt, zu dem ein Zug von Volksgenossen aus aller Welt wandert. Von den zahlreichen Radierungen Strucks ist besonders ein neuer Herzl erwähnenswert, Boris Schatz zeigt in Reproduktionen und Photographien die glänzenden Fortschritte des „Bezalel". Die Zeichnungen zeugen durchweg von sehr feinem Geschmack und von äußerst originellem Erfassen jüdischer Motive. Wir werden auf die hochinteressante Ausstellung, die sich des lebhaften Zuspruchs der Kongreßbesucher erfreut, noch zurückkommen. Die hebräischen Schriftsteller auf dem Kongreß Auf dem 8. Kongreß befindet sich eine große Anzahl bedeutender hebräischer Schriftsteller und Gelehrten, wie fast auf keinem Kongreß zuvor. Unter den Delegierten und den Gästen bemerken wir die Schriftsteller, Dichter und Publizisten: Bernfeld, Bialik, Boruchow, Brainin, Daiches, Ehrenpreis, Gaster, S. Hurwitz, J. Kahan, M. Kahan, Klausner, Kleinmann, Lewinski, Nacht, Niemirower, S. P. Rabinowitz, Sloutsz, Sokolow und