Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- Sep. 3 (18.8.1907)
- Date
- 1907-08-18
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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missionen unterstellt sind, nämlich die Agrarkommission, die Wirtschaftskommission und die Kulturkommission. Mindestens drei Mitglieder dieser Kommissionen inkl. der Vorsitzenden derselben müssen an dem Sitze des Palästina-Ressorts ihren Wohnsitz haben. Der Vorsitzende des Palästina-Ressorts hat in sämtlichen Palästinakommissionen Sitz und Stimme und kann dieselben selbständig einberufen. Die Vorsitzenden der Palästinakommissionen werden vom Kongreß ernannt, die Mitglieder derselben in den Kommissionen kooptiert, sie bedürfen aber der Bestätigung des Palästina-Ressorts. Die Verfügung über die Palästinaquote des Schekels steht dem Palästina-Ressort zu. Nach Abzug der für Bureau und Verwaltung sowie für Forschungsarbeiten bestimmten Summen wird der Rest der Quote alljährlich dem Palästina-Zentralfonds überwiesen, desgleichen die sonst für die Palästinaarbeit ohne nähere Zusatzbestim-;iiung aufgebrachten Gelder. Die Verfügung über den Zentralfonds haben die einzelnen Kommissionen, und zwar schlägt die Palästina- Äommission vor, daß die Hälfte des Zentralfonds solange dem Agrarfonds zugeführt werde, bis letzterer die Summe von 50 000 £ erreicht hat; die andere Hälfte ist in gleichen Teilen dem Kultur-;nd Wirtschaftsfonds zuzuführen. Die Grundidee unserer Vorschläge ist die, eine in ihrer Arbeit eistungsfähige und ungehinderte Zentrale für die Palästinaarbeit zu schaffen, die mit einem, wenn auch kleinen, so doch einigermaßen gesicherten Budget arbeitet, die durch die Kommissionen sich den verschiedensten Landesverbänden angliedert und durch die auswärtigen Vertreter derselben das Interesse für die Palästinaarbeit in ganz anderer Weise zu verbreiten vermag, als es bisher der Fall ist. Nur auf diese Weise kann es gelingen, in den nächsten Jahren ie verschiedenen noch fehlenden Kadres für Palästina zu schaffen,;n denen sich die Privatinitiative dann anlehnen und entwickeln arm. Das „laissez faire, laissez aller" paßt nicht für die palästinensischen Verhältnisse; für uns heißt es nicht mehr, die Entvicklungsmöglichkeiten zu studieren und ihre Resultate zu veröffentlichen, sondern wir müssen die Grundsteine der Organisationen clbst legen und dann aufs energischste dafür agitieren, daß Privatste darauf weiter bauen. Die Palästinisten wollen nicht die politischen Bestrebungen des 'ionismus durch wirtschaftliche Arbeit vor Erlangung des Charters isetzen, sondern sie halten eine Bearbeitung und Vorbereitung ies Bodens für eine spätere diplomatisch-politische Aktion für notwendig. Sehr richtig formuliert der Schreiber des Artikels „Zehn Jahre Zionismus", Rektor Eberhard, in dem letzten Heft der deutschen Monatsschrift „Grenzboten" diese Aufgabe, indem er schreibt: „Das Ziel dieser Arbeit ist einerseits, den Komplex von Bedingungen zu schaffen, der für eine natürliche, stets wachsende Einwanderung nötig ist, anderseits, den jüdischen Massen einen entsprechenden Einfluß auf das kulturwirtschaftliche und soziale Leben in Palästina zu sichern. Keins der beiden Ziele benötigt als Grundlage des Charters. Der Charter schafft überhaupt nicht als solcher die Bedingungen für eine jüdische Masseneinwanderung. „Eine Großkolonisation wird nicht gemacht." Es liegt vielmehr in ihrem Wesen, daß sie mit einer systematischen Tätigkeit von bescheidenem Umfange beginnt, und, von den natürlichen Bedingungen des Kolonisationsgebietes begünstigt, fortdauernd den Boden für eine Massensiedlung schafft. Das ist eine Erkenntnis, die sich aus der Betrachtung der Geschichte der großen Wanderungen und Siedlungen in den letzten Jahrhunderten ergibt. Und daß dieser Erkenntnis zufolge nun auch in Palästina eine der Wirklichkeit entsprechende Kolonisationsmethode eingeschlagen ist, eröffnet für den Zionismus verheißungsvolle Aussichten.u Dasselbe, was der Staat in jedem von der Kolonisation erschlossenen Lande tut oder tun sollte, das müssen wir auch nach unsern bescheidenen Kräfte in Palästina zu tun versuchen. Grundfalsch ist es, stets zu denken, dies oder jenes gehe über unsere Kraft; wenn wir nur wollen und jeder mit einspringt und hilft, nicht nur in Wort und Schrift, sondern je nach seinen Kräften, durch Handlungen und pekuniäre Unterstützung, so werden wir staunen, in wie kurzer Zeit überall neues Grün aus dem anscheinend verbrannten Boden Palästinas hervorsprossen, und in wie wenigen Jahren das Land in kommerzieller, industrieller und kultureller Beziehung einen ungeahnten Aufschwung nehmen wird. Dann ist die Zeit gekommen, wo wir stolz und selbstbewußt vor die Mächte und die türkische Regierung hintreten können, und, indem wir auf unsere Taten verweisen, mit Aussicht auf Erfolg verlangen können, daß man uns nun auch die Bahn für größere und schwierigere Arbeiten eröffnen solle, zum Segen der Türkei und zum dauernden Gewinn für Kultur und Zivilisation. (Minutenlang andauernder stürmischer Beifall,, die Versammlung akklamiert den Referenten durch Händeklatschen und Tücherschwenken.) Jbersicht über die Einnahmen u. Ausgaben der Palästina-Kommission von Ende Aug. 1905 bis 1. Juli 1907 \n Palästina -Kommissions-Konto: Rückzahlung auf Expeditions-Konto . . Ji I 000.— Rest vom Baumwollfonds........„ 153.60 Rest vom Landbureau..........„ 880.70 Rimessen des Aktions-Komitees .... „ 7 500.— Spenden vom Zentralbureau Köln . . . 1 167.77 Spenden vom Zentralbureau Wilna. . . „ 719.80 Spenden aus Lemberg, Irkutsk, Baku etc................. „ 1 009.70 'alästina-Schekel-Konto Saldo.............. >aldo-Ausgleich (Schulden) am 1. Juli 1907 ..... Summa h 12 431 57 66 60 9 134 21 21 632 |38 Per Palästina-Kommissions-Konto, Saldo vom 1.8.1905 Palästina-Zeitschrift-Konto Saldo ............ Altneuland-Konto Saldo ................. ■j'j/ - * Bureau-Konto Saldo.................... Bibliothek-Konto Saldo.................. Ferienkurse-Konto Saldo................. Expeditions-Konto Saldo................. Ji 3 6 491 37 771 61 6 682 71 4 804 61 599 63 273 25 2 009 20 Anträge des Herrn Prof. 0. Warburg für den achten Zionistenkongreß 1. Das Palästina-Ressort des engeren Aktionskomitees unterhält ein eigenes Bureau, das vom ehrenamtlichen Chef des Ressorts geleitet wird. 2. Das Palästina-Ressort verwaltet den zu gründenden Palästina- Zentralfonds. 3. Der Palästina-Zentralfonds zerfällt in: a) einen Agrarfonds, b) einen wirtschaftlichen Fonds,