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Die Welt · 1907-08-18 · Sep. 3 (18.8.1907) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
Sep. 3 (18.8.1907)
Date
1907-08-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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10 DIE ELT Sep. 3 geleistet, hingegen haben außer Rußland, wo ja Entschuldigungsgründe genug vorhanden sind, auch England, Südafrika, Argentinien, Canada leider recht wenig in dieser Hinsicht gebracht. Wir glaubten erwarten zu dürfen, daß jeder Zionist im Laufe der zwei Jahre mindestens einen Baum dem verehrten Begründer unserer Bewegung widmen würde, dann wären wir jetzt in der Lage, nicht einen, sondern 8—10 Herzlwälder zu pflanzen. Was die Verwaltung der Ölbaumspende betrifft, so wird dieser Kongreß wohl diesbezügliche Beschlüsse fassen müssen. Bis zur Organisation der Verwaltung des Nationalfonds hat die Palästina- Kommission die Aufgabe gehabt, den Landbesitz der Partei in Palästina zu verwalten; jetzt ist dies Sache der Nationalfondsverwaltung.- Was aber die Ölbaumspende betrifft, so läßt sie sich den Statuten des Nationalfonds nur schwer unterordnen und wird daher wohl besser getrennt vom Nationalfonds verwaltet werden. Die drei noch aus der Herzischen Zeit stammenden Projekte, landwirtschaftliche Versuchsstation, Lehrfarm und genossenschaftliches Gut, haben leider kaum Fortschritte zu verzeichnen. Einerseits ist der bisher nötige Landerwerb noch nicht vollendet, anderseits existieren noch prinzipielle Meinungsverschiedenheiten im A. C. und in der Nationalfondsverwaltung betreffs der Ausführung der Projekte; vor allem fehlt aber auch noch das Geld zur Durchführung derselben. Die Ansicht der Palästinakommission ist die, daß wir aus prinzipiellen Gründen an den zur Zeit Herzls gefaßten Beschlüssen festhalten sollten; übrigens halten wir eine landwirtschaftliche Versuchsstation für eine absolute Notwendigkeit für Palästina, eine Lehrfarm ist jedenfalls überaus nützlich, und ein genossenschaftliches Gut ist ein eminent wichtiges sozial-wirtschaftliches Experiment. Sobald das Land in Athlit uns übergeben wird, soll sofort mit der Einrichtung der Station, vorläufig als einfache Versuchsfarm, begonnen werden; die Lehrfarm hat Zeit, bis das Land bei Hattin erworben, resp. zusammengelegt ist, während das genossenschaftliche Gut auf Duleikah-Umeljunn am Jordan beim Ausfluß aus dem Tiberiassee zuerst durch eine Administration genügend vorzubereiten ist und erst dann einer Arbeitergenossenschaft in Erbpacht überwiesen werden sollte, vorausgesetzt, daß eine solche genügend Betriebskapital für eine rationelle Bewirtschaftung gesammelt und dasselbe bei der Bank deponiert haben wird. Eine umfangreiche Korrespondenz mit Föderationen, Ortsgruppen und Einzelpersonen wurde seitens der Palästina- Kommission gepflegt, namentlich bezüglich Emigrationsfragen nach Palästina sowie Kapitalsanlagen daselbst. Vor allem war es unser Bestreben, arbeitsame junge Leute dazu anzuregen, Gelder zu sammeln resp. zurückzulegen, um auf genossenschaftlicher Basis in Palästina Orangen- und andere Fruchtplantagen zu begründen. Junge Leute, die über ca. 2800 Mk. verfügen, können sich nämlich, wennsie sich genossenschaftlich organisieren, für die Zukunft ein auskömmliches Besitztum in Palästina schaffen, und in der Zwischenzeit, d. h. bis zur Ertragfähigkeit der Pflanzungen, durch landwirtschaftliche Arbeit in den Kolonien ihren Unterhalt verdienen. Sehr bedeutend war natürlich'auch die Korrespondenz mit Palästina, sowohl um Auskunft zu erteilen, als auch um Auskunft zu erhalten oder zu vermitteln. Wenn die noch ziemlich neue Institution der Auskunftsbureaus in Falästina sich erst mehr entwickelt und größere Erfahrungen gesammelt haben wird, so wird auch der Auskunftsdienst betreffs Palästinas in Europa sehr erleichtert werden. Was die Auswanderung nach Palästin a betrifft, die übrigens nur Leuten mit genügendem Kapital oder jungen, sehr anspruchslosen Arbeitern anzuraten ist, sowie solchen Fachleuten, die nach Erkundigung beim Auskunftsbureau in Jaffa gerade gewünscht werden, so wird sie sich naturgemäß im großen ganzen über Odessa bewegen müssen. In Odessa werden daher vor allem die Auskünfte über Palästina vereinigt und die Auswanderer, soweit möglich, mit Rat und Tat unterstützt werden müssen. Trotzdem glauben noch immer Auswanderer aus Russisch-Polen und Galizien, über Berlin reisen zu sollen, in der irrigen Annahme, dort auch pekuniäre Reiseunterstützung zu finden. Trotz der Ermäßigungen, welche der Österreichische Lloyd der zionistischen Zentrale in Wien gewährt, kostet aber die Fahrt Berlin-Jaffa mindestens 83 Mk., während die Überfahrt Odesssa-Jaffa bei der dem Odessaer Komitee bewilligten Ermäßigung nur 12 Rubel (also ca. 25 Mk.) kostet. Da in Rußland auch die Eisenbahnfahrten überaus billig sind — kostet doch die Strecke Wilna-Odessa nur 6 Rubel —, und da die für Reisen nach Palästina genügenden Polizeipässe nur xk Rubel kosten, so ist es klar, daß Russen stets am billigsten über Odessa fahren. Auch die Galizier würden wohl am billigsten über Odessa fahren, wenn nicht vielfach erhebliche Paßschwierigkeiten an der russischen Grenze beständen; daher ist ihnen in der Regel zu empfehlen, über Wien-Triest zu fahren, von wo sie durch Vermittlung der zionistischen Zentrale Plätze für 60 frs. bis Jaffa erhalten. Die Rumänier werden naturgemäß am einfachsten über Constanza reisen. Es ist aber darauf aufmerksam zu machen, daß die Arbeitsmöglichkeiten in Palästina zurzeit noch geringe sind, und daß zwar ländliche Arbeiter und gewisse Arten von Handwerkern, namentlich vom Baufach, gesucht sind, daß ihnen aber keine volle Beschäftigung das ganze Jahr hindurch garantiert werden kann, da die ländlichen Arbeiter meist im Herbst nach der Ernte auf einige Monate beschäftigungslos sind, während die Bauhandwerker in der trocknen Sommerzeit in Jerusalem nur schwer Beschäftigung finden. Es ist aber anzunehmen, daß der „Bezalel" schon bald arbeitswilligen Leuten durch Hausindustrie resp. Kunstgewerbe die Möglichkeit gewähren wird, auch diese Zeit beschränkter oder gänzlich fehlender Arbeit in ausreichender Weise auszunützen. Zum Schluß seien einige Bemerkungen allgemeiner Natur gestattet. Der Palästina-Kommission kommt es nicht zu, die allgemeine Politik des Zionismus zu kritisieren. Soviel glaubt sie aber sagen zu sollen, daß sie die Ansicht vertritt, der Zionismus wird palästinistisch sein, oder er wird nicht sein. Ohne eine sichere wirtschaftliche Unterlage in Palästina ist und bleibt auch der politische Zionismus ein Kartenhaus. Jüdisch-nationale Bewegungen sind natürlich auch ohne Palästinismus denkbar, Zionismus nicht. Daher wird der Palästinismus immer mehr in den Vordergrund der zionistischen Bewegung treten müssen, mindestens aber kann er Gleichberechtigung verlangen gegenüber den anderen im Zionismus vertretenen Richtungen. Wie aus der finanziellen Lage der Palästina-Kommission, die wir oben geschildert haben, hervorgeht, war diese bisher das Aschenbrödel der Partei. Trotz der Beschlüsse des letzten Kongresses wurden erst aus den Eingängen alle änderen Ressorts gespeist, Bureau, Welt, Agitation, Reisen etc., so daß für die Palästina- Kommission so gut wie nichts übrig blieb. Es ist die Aufgabe dieses Kongresses, hierin Wandlung zu schaffen. Die Palästina- Kommission schlägt dahervor,daß25°/o derEinnahmen der zionistischen Zentrale für das Palästina-Ressort reserviert werden. Da der Schekel bei dem jetzigen Stand der Partei in seiner jetzigen Höhe aber nicht einmal genügt, um die notwendigsten Parteispesen, sowie die Kongreßkosten zu decken, so ist die Palästina-Kommisson für eine Verdoppelung der in Wirklichkeit ja bisher nur einen halben Schekel betragenden und daher nur irrtümlich Schekel genannten Parteisteuer. Sollte aber der Kongreß für diese radikale Kur unserer Finanznöte nicht zu gewinnen sein, so halten wir es für das Richtigste, gleichzeitig mit dem bisherigen Schekel einen obligatorischen Palästina-Zuschlag von mindestens 50 °/o des Schekels einzuziehen, der ausschließlich für Palästinaarbeit gebraucht werden darf und von der Bank direkt dem dafür verantwortlichen Organ zur Verfügung gestellt wird. Was die Organisation der Palästinaarbeit betrifft, so geht unser Vorschlag dahin, daß innerhalb des engeren A. C. ein Palästina-Ressort gebildet wird, dem verschiedene Palästinakom-

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