Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- Sep. 3 (18.8.1907)
- Date
- 1907-08-18
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Sep. 3 die'3§kelt schon eine Anzahl Projekte vor, und einige derselben werden jetzt gerade in Palästina durch Sachverständige geprüft. Stellt sich heraus, daß es dem Syndikat gelingt, das jüdische Kapital für den Zweck zu mobilisieren, so ist eine Kapitalerhöhung des Syndikates ins Auge zu fassen, damit dieses Syndikat, wie die im Orient arbeitenden belgischen, französischen und deutschen Syndikate, auch an größere Betriebe, speziell bergbauliche und Transportunternehmungen, Beleuchtung, Kanalisation, Kraftanlagen, Be- und Entwässerungsunternehmungen herantreten kann. Von zionistischer Seite ist den Syndikatsbestrebungen gegenüber verschiedentlich betont worden, daß die Einleitung derartiger Unternehmungen eigentlich Sache der Bank sei; demgegenüber ist aber zu bemerken, daß die Anglo Palestine Co.. noch auf Jahre hinaus zu viel mit den einfachen Bankgeschäften und der Gründung neuer Filialen zu tun haben wird, um die Gründung neuer Gesellschaften mit Erfolg in die Hand nehmen zu können; auch wird ihr geringes Kapital wohl auf absehbare Zeit durch die gewöhnlichen Bankiergeschäfte völlig absorbiert sein. Der Jewish Colonial Trust aber, der eher hierzu berufen und imstande wäre, hat eine zu komplizierte Verwaltung, 'um Geschäfte, bei denen es in erster Linie auf schnelle" Ausnützung zufälliger Chancen ankommt, selber unternehmen zu können; hingegen ist, falls sich unser Versuch bewähren sollte, bei einer Kapitalerhöhung des Syndikates eine stärkere Beteiligung des Jewish Colonial Trusts ins Auge zu fassen. Im letzten Monat wurde auch der Grundstein gelegt zu einer Arbeiter-Heimstätten-Genossenschaft, welche den Zweck verfolgt, den jüdischen Arbeitern (speziell den ländlichen) die Möglichkeit zu geben, mittels langsamer Amortisation und niedrigen Zinssatzes mit der Zeit Besitzer einer Heimstätte, bestehend aus Haus und zirka V2 ha Gemüseland, zu werden. Vorläufig hat sich hierzu in Berlin ein kleines vorbereitendes Komitee gebildet, welches sich mit der Anglo Palestine Co., juristischen Sachverständigen und mit den Kolonien in Verbindung gesetzt hat, um die rechtlichen Grundlagen für diese Institution festzulegen. Die Anteile der Genossen sollen nicht unter 20 Mark (resp. 1 £) betragen, und es sollen nicht über 3% Dividende verteilt werden; der Oberschuß soll, soweit er nicht durch die Verwaltung verbraucht wird, dem Reservefonds zugeteilt werden und demnach das Vermögen der Genossenschaft vergrößern. Der Wunsch des Komitees geht dahin, die Genossenschaft bezüglich der Verwaltung dem Jewish Colonial Trust anzugliedern, und es wird Sache der englischen Juristen sein, gemeinsam mit dem Board des J. C. T. hierfür die Modalitäten festzustellen. An die viel wichtigere Begründung des Palästina-Agrarfonds konnte die Palästina-Kommission deshalb nicht herantreten, da die letzte Jahreskonferenz das engere Aktions-Komitee mit der Ausarbeitung dieses Projektes betraut hat. Die Palästina-Kommission legt aber Wert darauf, auch hier wieder zu betonen, daß sie die Schaffung eines gesunden und billigen Agrarkredits für die momentan bei weitem wichtigste Aufgabe der praktischen Palästinaarbeit ansieht und jede Verschleppung dieser bedeutungsvollen Angelegenheit im Interesse der Erreichung der Endziele unserer Bewegung für außerordentlich bedauerlich halten würde. Welche vorzüglichen Erfolge man auf diese Weise erreichen kann, erkennen wir an den sich schnell vennehrenden deutschen Siedelungen in Palästina, in Wilhelma, Betlahm in Galiläa und Amm el Amad zwischen Haifa und Nazareth, die im wesentlichen durch in Württemberg aufgebrachte Fonds, speziell der „Stuttgarter Gesellschaft zur Förderung deutscher Ansiedelungen in Palästina", begründet werden. Was die kleine Templergemeinde und der immerhin an Zahl und Mitteln beschränkte evangelische Verein vermag, das sollte die gesamte Judenheit doch mit Leichtigkeit zustande bringen. Die Palästina-Agrikultur-Gesellschaft, welche durch rationellen Großbetrieb neue verbesserte Methoden der Landwirtschaft resp. neue Kulturen einführen soll, ist noch nicht über das Stadium der Vorbereitung hinaus. Wir hätten vielleicht schon den nötigen Fonds beisammen, wenn wir uns mit Aufforderung für kleinere Beiträge an der großen Masse gewandt hätten; wir scheuten aber, die Verantwortung auf uns zu nehmen, angesichts der bei vielen vorhandenen Abneigung gegen großkapitalistische agrarische Unternehmungen in Palästina. Zweifellos würde von den Gegnern dieses Systems jeder Fehler, der gemacht worden ist — und an . Kinderkrankheiten wird es diesem Unternehmen gewiß nicht fehlen, ausgebeutet werden, um die Unternehmung zu verurteilen, was bei den kleinen Zeichnern leicht Beunruhigung hervorrufen könnte. Wir beabsichtigen daher dieses für eine schnelle Entwicklung der Landwirtschaft in Palästina nach unserer Ansicht unbedingt wünschenswerte Unternehmen, wenn irgend möglich, zuerst im engeren Kreise mit wenigen großen Anteilen zu beginnen. Um aber auch die kleinen Interessenten für agrarische Unternehmungen in Palästina zu interessieren, sollte man außerdem versuchen, im Anschluß an den Jewish Colonial Trust eine auf £- shares basierte Gesellschaft zu begründen, die sich im wesentlichen mit den schon erprobten landwirtschaftlichen Erzeugnissen, wie Orangen, Mandeln, Olivenkultur etc. zu befassen haben würde, wobei Mißerfolge bei umsichtiger Leitung so gut wie ausgeschlossen sind. Der Zukunft muß es überlassen bleiben, große Land- und Zucker- resp. Land- und Baumwollgesellschaften zu begründen, wozu natürlich, da es sich hierbei um Irrigationsanlagen handelt, bedeutende, jedenfalls wohl mehrere Millionen betragende Kapitalien erforderlich sind. Haben wir durch die obigen Gesellschaften den Beweis erbracht, daß wir zu organisieren vermögen, so dürfte es auch gelingen, die zwar größeren, aber auch weit bedeutendere Profite versprechenden Landgesellschaften zusammen zu bringen. Was den sog. Palästinaverein betrifft, dessen Bildung von der Palästinakornmissioii zwar angeregt worden ist, für den aber, um den anderen Organisationen nicht zu schaden, keine Propaganda entfaltet wurde, so ist die Absicht, durch diesen Verein vor allem kulturelle Arbeiten in Palästina ins Leben zu rufen; der Palästinaverein ist berufen, Projekte, wie die Nationalbibliothek, das National- Museum, die Malariabekärnpfun^ zu realisieren, das Schulwesen in Palästina in nationalern Sinne zu organisieren, wissenschaftliche Forschungen zu unterstützen resp. anzuregen etc. Der Verein ist bisher über die Sammlung eines ganz bescheidenen Fonds nicht herausgekommen, und er hat sich auch noch nicht regelrecht organisiert. Falls der Verein erst regelrecht begründet sein wird, so dürfte er sich bei tatkräftiger Leitung bald zu einem Mittelpunkt aller Palästinisten, sowohl der zionistischen als auch der Chowewe- Zion, entwickeln. Von sonstigen Arbeiten ist vor allem das Eintreten der Palästinakommission für die Ölbaumspende und den Herzlwald zu erwähnen, Institutionen, die ja auch ihren Ursprung der Initiative der Kommission verdanken. Es ist erfreulich, daß im letzten Winter schon der erste Ölbaurnhain (bei.Chedera) gepflanzt werden konnte, während die Absicht besteht, die Anlage des Herzlwaldes bei Chulda, und in der Nähe der jüdischen Kolonien Ekron und Rechoboth, nahe bei Ramleh an der Bahn Jaffa-Jerusalem schon in diesemWinter zu beginnen. Wenn auch die hierzu gestifteten Bäume leider noch bei weitem nicht die nötige Zahl von 10 000 erreicht haben, so sind doch schon genügend Gelder vorhanden, um die Anpflanzung der ganzen Fläche wenigstens beginnen zu können, und man.darf wohl erwarten, daß während dieses Kongresses oder wenigstens bis zum Winter die noch fehlenden Bäume gestiftet sein werden. Wenn alle Landsmannschaften ebenso eifrig gesammelt hätten wie die deutsche, die 2200 Bäume, also fast den vierten Teil des Herzlwaldes aufgebracht hat, so wären wir in der Lage, statt eines Herzlwaldes 3 Herzlwälder zu pflanzen. Außer Deutschland hat sich eigentlich nur noch Amerika, wenigstens in letzter Zeit, urn die Ölbaumspende bemüht, auch Rumänien und einige Teile Österreichs haben etwas