Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- Sep. 3 (18.8.1907)
- Date
- 1907-08-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 DIE30EELT Sep. eingetragen, die jüdischen Kolonien und sonstige Ergänzungen » werden in Palästina eingefügt. Die Zeitschrift „Altneuland" hat ihren 3. Jahrgang vollendet und ist zu Beginn des Jahres unter dem Namen „Palästina" fortgesetzt worden. Trotz ihres mannigfaltigen und gediegenen Inhaltes ist es nicht möglich, dieselbe ohne Defizit erscheinen zu lassen, da wir streng darauf halten müssen, dieser Monatsschrift einen vornehmen, zwar populären aber doch wissenschaftlichen Charakter zu wahren, sowie alles Politische auszuschließen, und daher auch mit der Wiedergabe aktueller und interessanter Begebenheiten sowie von Nachrichten über Palästina viel vorsichtiger sein müssen, als die jüdischen resp. zionistischen Wochenblätter. Anderseits dürfen wir aber den Preis nicht zu hoch ansetzen, um auch den weniger begüterten Gesinnungsgenossen die Möglichkeit zu geben, auf die Zeitschrift zu abonnieren, und wir haben daher besonders für die Abonnenten zionistischer Blätter einen sehr billigen Preis festgesetzt. Wir haben uns ferner bemüht, die Zeitschrift auch in zwar nicht zionistischen, aber doch palästinafreundlichen Kreisen einzubürgern, und dies ist uns insofern gelungen, als sowohl der Esra in Deutschland wie auch der jüdische Kolonisationsverein in Wien auf eine große Anzahl Exemplare abonniert haben. Freilich wurde die Bedingung gestellt, daß wir den Namen Altneuland in Palästina umändern sollten, worauf wir um so eher eingehen zu müssen glaubten, als gerade diejenigen Zionisten, die auf den Herzischen Namen Altneuland besonderes Gewicht legten, unter den Abonnenten der Zeitschrift außerordentllich spärlich vertreten waren. Wenn auch der Absatz unter Zionisten noch bei weitem nicht so groß ist, wie er sein sollte, so gewinnt die Zeitschrift doch immer mehr Anhänger, auch in Christ-. liehen Kreisen, sowie in Palästina. Wir zweifeln nicht daran, daß, wenn es uns gelingt, die Zeitschrift noch einige Zeit in der bisherigen Weise durchzuhalten, sie sich immer mehr zu einem für die Gegenwart und Zukunft wichtigen Faktor für die Wirtschaftsverhältnisse Palästinas entwickeln wird. Besonders hoffen wir, daß es bei dem Zuzug intelligenter Leute nach Palästina bald möglich sein wird, die Zeitschrift in i Palästina wenn nicht erscheinen, so doch im wesentlichen redigieren zu lassen. Wir kommen jetzt zu den organisatorischen Arbeiten, der Palästinakommission. Je weniger die Kommission infolge ihrer finanziellen Lage imstande war, eigene Arbeiten auszuführen, um so mehr fühlte sie die Verpflichtung, die Grundlage für selbständige Organisationen zu bilden, solche zu begründen, zu leiten resp. zu beraten. Die Beratung erstreckte sich vor allem auf die Palästina- Handelsgesellschaft in Hamburg, die infolge einer Zahlungseinstellung eines Kunden in Griechenland, eine Krisis durchzumachen hatte. Sie ist jetzt in einer Umwandlung begriffen, die hoffentlich dazu führen wird, daß das Hauptzentrum der Gesellschaft nach Palästina selbst verlegt werden wird. An der Leitung ist die Kommission beteiligt bei der Kunstgewerbeschule „Bezalel", die ja unter der hingebenden Leitung von Professor Schatz (die Versammlung erhebt sich und bereitet Prof. Schatz eine stürmische Ovation) recht erfreuliche Fortschritte macht und schon über 70 Personen dazu verholfen hat, auf ehrliche und arbeitsame Weise in Jemsalem ihr Brot zu verdienen. Namentlich die Ausbildung in der Steinhauerarbeit macht schnelle Fortschritte, schon 42 Steinhauer und 3 Maurer sind soweit ausgebildet, daß sie tagsüber in den Steinbrüchen und Bauten 1,20 bis 1,50 frs. täglich verdienen, während sie sich abends in der Schule noch weiter im Zeichnen ausbilden. Aber auch die Teppichabteilnng ist nicht mehr weit davon entfernt, ausgebildete Schülerinnen entlassen zu können; schon jetzt finden 25 Schülerinnen älteren Jahrganges dieser Abteilung, lauter 10- bis 15jährige Mädchen, ihr Brot durch Teppichknüpfen in der Schule, und esliegen schon Bestellungen für mehrere Tausend Francs vor. Ebenso hat die Kunstfärberei und Gipsgießere manchen Familien zum Lebenserwerb verholfen, während dk Spinnerei vor allem älteren, sonst erwerbsunfähigen Frauen einer kleinen Verdienst gewährt. Für den Winter ist die Einführung de: Holz- und Metallbearbeitung geplant. In dem berühmten Male, Hirszenberg glaubt der Bezalel eine hervorragende Lehrkraft ge wonnen zu haben. Vor allem ist es aber nötig, daß die Schuk endlich ein geräumigeres eigenes Haus bezieht, wozu ihr ja dk Mittel seitens des Nationalfonds leihweise zur Verfügung gestel! werden sollen. Auch in nationaler Beziehung wirkt der Bezale recht günstig, und die hebräische Umgangssprache, welche für di' neu Eintretenden in besonderen Kursen gelehrt wird, ist das gemein same Band sämtlicher Schüler. Das kürzlich von Dr. Ruppin eingesandte Gutachten über di Schule, welches er dem A. C. erstattet hat, in dessen Auftrag e; die Schule inspizierte, lautet recht befriedigend und günstig. Auel das von Prof. Schatz angelegte und vorläufig in den Räumen de Bezalel untergebrachte künstlerische, archäologische und natui historische Museum wird von allen Besuchern gerühmt und dürft, die Grundlage bilden für ein zukünftiges Nationalmuseum. Jeden falls sollte jeder, der dazu in der Lage ist, das Museum schon jetzt mit Geschenken oder Legaten sachlicher oder materielle Natur bedenken. Als neue von der Palästinakommission in der Berichtsperiod ins Leben gerufene Organisationen sind vor allem der im vorige Jahre gegründete „Pflanzungsverein Palästina" und das ir diesem Jahre begründete „Palästina-Industrie-Syndikat" z\ erwähnen. Der Pflanzungsverein soll jedem Juden der Welt die Möe. lichkeit und die Anregung geben, durch Einzahlung von 100 fr.-, resp, Kronen (80 Jt, 40 Rubel, 20 $, 4 £) der nominelle Besitzer eines kleinen ijn ha (1 DunamJ betragenden Fruchtgartens in Palästina zu werden, von dem er lebenslänglich jedes Jahr eine kleii Palästinagabe in Form von Landesprodukten (Mandeln, Rosine.. Oliven, Wein, Konserven, Orangen etc.) zugesandt erhält. Nacü dem Tode des Besitzers gehen die Fruchtgärten in den Besitz d' > Vereins über, und die Erträge werden zu gemeinnützigen Zwecken verwandt. Da der ganze Besitz nur durch jüdische Arbeiter res . Kolonisten bewirtschaftet wird, erscheint der Verein berufen zu sei . in Zukunft einen nicht unwichtigen Faktor der landwirtschaftlich; i Kolonisation in Palästina auszumachen. 25 Vereinsmitglieder könn i schon durch ihre Beiträge eine in Palästina beschäftigte Arbeite - familie durch diese Nebenbeschäftigung bodenständig mache , 50.Mitglieder ermöglichen die volle Beschäftigung einer Familie a; den Vereinsländereien. Wir verdanken unserem Gesinnungsgenoss! Struck eine schöne Originalradierung, die nur für die Verein mitglieder bestimmt ist; die ersten 1000 Mitglieder erhalten je ei* . Radierung, die ersten 100 immerwährenden Mitglieder, d. h. d; jenigen, die 10 Parzellen kaufen, die ersten numerierten und n i Unterschrift des Künstlers versehenen Drucke. Die ersten Anpflanzungen sollen in diesem Winter bei der Kolonie Rechobo; für den Verein in Angriff genommen werden; ein dahin gehend Übereinkommen mit den Kolonisten ist schon getroffen worde Es ist aber dringend erwünscht, daß noch recht viele neue M' - glieder in nächster Zeit diesem Verein beitreten, damit die er? Pflanzung gleich in Eindruck machender Größe geschafft werden kann. Das Palästina-Industrie-Syndikat ist erst im vorig* 1 Monat mit einem Grundkapital von 100 000 Mark als Gesellsch.-it mit beschränkter Haftung in Berlin begründet worden. Der Zwee-: des Syndikates ist, die verschiedenen industriellen Möglichkeiten. Palästinas auf ihre Rentabilität hin zu prüfen, und falls die Untersuchung günstige Resultate zeitigt, Industriegesellschaften hierfür w gründen resp. private Unternehmen hierfür zu gewinnen. Es liegen