Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- Sep. 3 (18.8.1907)
- Date
- 1907-08-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Sep. 3 . DIE] bemüht und geforscht. Die Jahreskonferenz hat uns einen Auftrag gegeben, — wir haben versucht, ihn auszuführen. Aber die Sache st unausführbar — und das berichtete ich. Es existiert in der Türkei keine Agrarbank, weil das den türkischen Gesetzen widerpricht. Und doch hören wir immer wieder: Eine Agrarbank muß gegründet werden. Der Kongreß soll eine Kommission einsetzen, m die Agrarbank zu schaffen. Das, geehrter Kongreß, ist keine lethode praktischer Arbeit Wer wirklich etwas arbeiten will, der rbeitet und — schweigt, und bringt nicht den fintschluß, daß man >:was arbeiten will, in die Zeitungen, damit die Arbeit nicht von ornherein verdorben werde. (Beifall.) Herr Dr. Pasmanik hat avon gesprochen: Wir wollen einen Führer, der uns führt. — : h habe das Gefühl, Dr. Pasmanik steht auf dem Standpunkt: Und der König absolut, wenn er unsern Willen tut". Aber ich , abe nicht bemerkt, daß Sie sich immer „führen lassen", wenn es Mit Ihren Wünschen nicht übereinstimmt. Ich könnte Beweise nführen, daß die Sache mit der Führerschaft nicht so einfach ist. nd dann, wir wollen uns darüber klar sein. Wenn Sie von mir wartet haben, daß ich soviel leisten werde, wie Herzl, dann bin icht ich schuld, wenn Sie enttäuscht sind, sondern Sie. Dr. Pasmanik gab uns einen ausgezeichneten Rat. Er sprach — h war selbst davon hingerissen — : Wenn wir arbeiten werden, ann werden wir auch Geld haben. Diesen Rat möchte ich Dr. asmanik für Rußland geben! Arbeiten Sie auch zuerst dort ohne Mittel, und dann werden Sie ja Geld haben! (Lebhafter Beifall). Es ist gut, meine ich, wenn man sich einmal über diese Dinge usspricht. Ich habe vor zwei Jahren das Bureau übernommen nd von einem Lande, wo die meisten Zionisten wohnen, für J05/1906 keine Schekelgelder bekommen. (Dr. Pasmanik: Pogrome!) iwohl, Pogrome, — und in diesem Jahre haben die Herren — :i ihrem Lobe sei es gesagt — für das Odessaer Komitee mehr esammelt, als in früheren Jahren. (Hört! hört!) Und das zweite ihr darauf hat man den dritten Teil davon geschickt, was sonst i Rußland an Schekeln gesammelt worden ist. Warum wenden e Ihren Rat nicht für sich an? Warum arbeiten Sie nicht in ißland, damit Sie Schekel bekommen? Warum sind die Schekel Rußland so zurückgegangen, wo die meisten Zionisten und Juden ben. Man wendet ein: Wir haben Pogrome gehabt. Und ich widere, daß gerade dies die Zeit war, wo man Schekel sammeln onnte, ja, sie wurden sogar gesammelt, aber man hat sie nicht is geschickt. Und da habe ich am allerwenigsten erwartet, iß man uns gerade von dieser Seite Vorwürfe machen werde egen Dingen, woran wir in Wahrheit nicht schuld sind. Geehrter Kongreß! Man sprach viel vom engern A. C. Ich auche nicht zu wiederholen, was Sie ohnehin wissen, daß dessen itglieder fast in 7 Ländern wohnen, wie schwer es ist, einen Behluß zustandezubringen. Man macht mir den Vorwurf, daß ich :ht tüchtig eingreife, daß ich nicht leite; dabei aber hat man, wie sagt, ein örtlich so auseinandergerissenes A. C. gewählt und eichzeitig den Vorschlag gemacht, in Berlin ein Bureau mit zwei Mitgliedern einzusetzen. Wenn man ein solches Vertrauen zu mir it, daß man von mir verlangt, daß ich führen soll, dann mußte •an nicht damit beginnen, daß man sozusagen zwei Aufpasser nach rlin zu schicken beabsichtigte — so war der technische Ausguck dafür. Es sieht fast so aus, als ob ich ein Interesse daran ätte, alles in Köln zu haben. Ich bin gerne bereit, alles abzu- -ben, soweit es notwendig oder möglich ist, sobald ich sehen erde, daß an anderer Stelle gut gearbeitet werden kann. Wenn •an aber Versuche, Experimente mit unserer Bewegung machen ill, muß ich mich dagegen wehren, solange ich die Verantwortung!abe. Was möglich ist, will ich abgeben. Seit zwei Jahren beachte ich es als meine Hauptaufgabe, jedes Institut selbständig zu machen; deshalb werde ich gerne dafür sein, ein Bureau zu schaffen!n Berlin oder sonstwo. Dazu werden Sie immer meine Unterstützung finden. JKELT — ■ ' 5 Herr Trietsch sprach .von der Brüsseler Konferenz. Dr. Loewe hat ihm bereits die Antwort gegeben, und ich meinerseits möchte nur die Erklärung abgeben: Es schien, als ob Herr Trietsch auf die Ito neidisch wäre. (Heiterkeit.) Wenn die Ito etwas Gutes schaffen wird, so könnten wir uns nur darüber freuen. Aber zionistisch ist das nicht (Beifall), mit dem Zionismus hat das nichts zu tun; denn der Zionismus hat einen genau vorgeschriebenen Weg, und Dr. Ehrenpreis hat recht, wenn er sagt, wir dürfen uns nicht zersplittern. Es gibt eine ganze Menge Mittel, aber das Hauptziel dürfen wir nicht aus den Augen verlieren. Wir haben in Brüssel unter dem Einflüsse der Pogrome und Massaker eine Konferenz veranstaltet. Wir waren uns wohl bewußt, daß diese Arbeit keine zionistische ist. Aber wir haben uns gesagt: Zionistisch ist sie nicht, aber sie ist jüdisch, und wir wollen sehen, ob wir etwas dabei erreichen können. (Beifall.) Ich möchte nur noch mit einem Worte die innere Politik berühren. Ich richte die Bitte an den Kongreß, und ich glaube, daß der Kongreß mit mir derselben Meinung sein wird, daß der Kongreß und die obere Leitung der zionistischen Organisation mit der innern Politik der verschiedenen Länder nichts zu tun haben, (Beifall und Hört! Hört-Rufe!), daß ich mich nicht damit beschäftigen kann und darf. Was die Zionisten zu tun haben, darüber brauchen wir hier nicht zu streiten; die Leitung selbst kann aber mit der Politik der verschiedenen Länder nichts zu tun haben. Eine Diskussion darüber ist hier überflüssig. Man macht uns immer Vorwürfe, wir aber geben die Vorwürfe zurück: Es gibt eine Arbeit, die Sie alle leisten können, das ist die Arbeit, Zionisten zu werben. Ich verlange das Allereinfachste, indem ich absehe von den großen Zielen: Wenden Sie sich der ersten Arbeit zu, Zionisten zu werben, Schekel zu sammeln, und wenn Sie alle diese Pflichten erfüllen werden, werden Sie keine Gelegenheit haben, dem A. C. Vorwürfe zu machen. Wenn Sie die Mittel zur Verfügung stellen, wenn Sie arbeite:! werden, wird auch das A. C. alle Arbeiten ausführen können, die Sie von ihm verlangen. Ich bitte Sie daher, erteilen Sie uns die Decharge! (Lebhafter, anhaltender Beifall.) Sokolow: Es ist nicht meine Absicht, den Bericht des Zentralbureaus zu verteidigen; wollte ich mich ja beinahe, als Sie die Generalredner gewählt haben, Ihnen als Kandidat für die Kontraredner melden. Wenn Sie den Bericht aufmerksam lesen, werden Sie sich überzeugen, daß wir nicht zu den Zufriedenen gehören. Ich hätte es auch nicht übernommen, den Rechenschaftsbericht zu verlesen, wenn darin ein Kompliment für eine einzelne Person, den Präsidenten oder einzelne Mitglieder des Aktionskomitees enthalten gewesen wäre. Es wurde bemängelt, daß der Rechenschaftsbericht die Palästinareisen der Aktiorfskorniteemitglieder verzeichnet. Erinnern Sie sich der Zeiten, daß man uns sagte: „Alle Welt reist nach Palästina, nur die Juden tun es nicht." Nun ist eine Zeit gekommen, wo auch die reichen Juden nach Palästina zu reisen beginnen. Und es ist auch eine Tatsache, daß ein lebhafterer Zusammenhang besteht zwischen! dem A. C. und Palästina, daß viele Mitglieder des A. C. Palästina besucht haben, und eine solche Tatsache muß doch in einem Berichte verzeichnet werden, der Tatsachen zu verzeichnen hat. Das soll man nicht durch eine quasi demokratische Parole verzerren. Man spricht so höhnisch darüber, als wäre es eine Beleidigung für Palästina, daß erwähnt worden ist, die Eindrücke, die man aus Palästina mitgebracht hat, seien so gut gewesen. Nun, geehrter Kongreß! Ich kenne noch eine Persönlichkeit die einmal veranlaßt hat,"daß man nach Palästina gehe und von dort Eindrücke mitbringe, das war Möschen Rabenu. Meraglim hat er nach Palästina geschickt, — und sie haben schlechte Eindrücke mitgebracht. Jetzt bringen aber glücklicherweise die neuen Meraglim gute Eindrücke mit. Damit soll nicht gesagt werden, daß wir uns erst über Palästina informieren müssen und uns täuschen wollen. Lassen Sie nicht diese Richtung kleinlicher Nörgelei zur Geltung kommen! Was den andern vermeintlichen Optimismus des Berichtes anbelangt, muß ich dagegen mit aller Energie protestieren. Ich empfehle Ihnen, daß Sie den Passus noch einmal lesen, in dem auf alle Unzulänglichkeiten hingewiesen ist, vielleicht auf eine energischere und ausdrucksvollere Art, als sämtliche Oppositionsredner dies getan