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Die Welt · 1907-08-18 · Sep. 3 (18.8.1907) · page 6

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
Sep. 3 (18.8.1907)
Date
1907-08-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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haben. Auf einen Mangel an Folgerichtigkeit möchte ich noch Ihre Aufmerksamkeit lenken. Es ist schon soviel darüber gesagt und immer wiederholt worden, daß man im Zionismus zu wenig das nationale Moment zur Geltung kommen lasse. Nun hat man von Seiten des A. C. den Versuch unternommen, ein kleines Blättchen in hebräischer Sprache erscheinen zu lassen, und schon hört man Proteste dagegen. Ich plädiere keineswegs für die Erhaltung eines Blattes in dieser oder jener Form; so begeistert ich für die Erhaltung und Förderung der hebräischen Literatur im ganzen eintreten werde, so gleichgültig ist mir das Erscheinen des einen oder des anderen Blattes. Diese Ökonomie erinnert mich aber an die Geschichte eines polnischen Schlachzizen, der einmal sein Jahresbudget einer Prüfung unterzogen hat, da er den Eindruck hatte, er habe zu viel Ausgaben gemacht Unter den Aufstellungen fanden sich Ausgaben für Reisen nach Monte Carlo und für andere kostspielige Vergnügungen. Diese Posten ließ er ungeändert stehen. Er fand aber auch eine Aufstellung, das Abonnement eines kleinen literarischen Blattes; da sagte er sich: die Zeiten sind schlecht, und diese Post muß gestrichen werden. (Heiterkeit.) Ich führe nicht das Wort zur Verteidigung des Berichtes, ich appelliere an das Verständnis; ein Bericht muß doch verstanden werden. Welche Logik liegt in dieser phrasenhaften Aufbauschung vermeintlicher Kontraste zwischen den Ausgaben für Palästina und den Ausgaben für die Organisation. Wozu besteht denn die zionistische Organisation und wozu das Aktionskomitee? Richten Sie doch nicht eine imaginäre Scheidewand zwischen diesen zusammengehörenden Aktionen auf. Alles das geschieht doch mittelbar oder unmittelbar nur für den einen Zweck. Das man tatsächlich zu wenig getan hat, dieser Vorwurf kann und soll auch gemacht werden, so oft es nur nötig ist; aber die Verdrehungen und Verzerrungen sollen doch einmal aufhören. (Lebhafter Beifall.) Dr. Pasmanik berichtigt, daß er keineswegs der Ansicht sei oder Ausdruck geben wollte, daß Herzl nicht für praktische Arbeit in Palästina gewesen sei. Hierauf beantragte er, obwohl er vorher Kritik geübt habe, in Anerkennung der Leistungen des A. C. und besonders seines Präsidenten, die Erteilung der Decharge. Hierauf wird mit allen gegen 7 Stimmen unter großem Beifall die Decharge erteilt. Vor Schluß der Sitzung ergreift das Wort Dr. Katzenelsohn: Hochgeehrter Kongreß! Bereits gestern ist in warmen Worten des unglücklichen Moses Zeitlin gedacht worden, der auf dem Wege zur Erfüllung seiner zionistischen Pflicht in so tragischer Weise zugrunde ging. Meine Verehrten! Ich, der ich das Glück hatte, diesen teuren Freund persönlich zu kennen, kann nicht umhin, noch mit einigen Worten darauf zu verweisen, daß dies einer jener Zionisten war, die nicht nur in ihren Mußestunden sich in der Bewegung betätigen, sondern ihr ganzes Leben und Denken ihr widmen. Er hat sein Leben so eingerichtet, daß ihn nichts darin hindern sollte, sich zionistisch zu betätigen. Er ging noch weiter, er suchte seine ganzen Studien, seine Gedankenrichtung so zu gestalten, daß er in Zukunft der Zionist werden sollte, den er im Geiste sich vorstellte. Meine Verehrten! Sie haben bereits früher und auch jetzt das Andenken des teuren Freundes geehrt, indem Sie sich von den Sitzen erhoben, wofür ich Ihnen danke. Die Sitzung wird geschlossen. Freitag, 16. August 1907 Vormittagssitzung, Beginn io Uhr Vorsitzender: Dr. Gaster Referat des Vorsitzenden der Palästinakonimission Prof. Warburg Professor Warburg (mit stürmischem Beifall begrüßt): Der überaus freundliche Begrüßungsbeifall, den Sie mir haben zuteil werden lassen, weckt in mir den Argwohn, daß Sie enttäuscht sein werden, und zwar vermute ich, daß Sie der Ansicht sind, ich würde hier ein umfassendes und weit ausschauendes Palästinaprogramm Ihnen entwickeln. So verlockend es auch wäre, hier vor dem Kongreß meine Ansicht im einzelnen Ihnen darzulegen, so sehe ich mich leider genötigt, hierauf zu verzichten und zwar deshalb, weil ich hier an dieser Stelle nicht als Teil resp. Sprachrohr des engeren A.-C. stehe, sondern als Vorsitzender der Palästinakommission, und die Palästinakommission hat eine gebundene Marschroute. Die Palästinakommission hat sich nicht mit Zukunftsplänen im allgemeinen zu befassen, sondern mit der Ausführung von realen Wünschen, von realen Objekten. Als Vertreter der Palästinakommission habe ich Ihnen vor allem nur den Bericht über die Tätigkeit dieser Kommission in der letzten Berichtsperiode zu erstatten. Wenn ich über allgemeine Palästina fragen hätte sprechen wollen, so hätte ich es nur in der Generaldebatte tun können, die gestern geschlossen wurde. Das war aus dem Grunde nicht möglich, weil ich gleichzeitig ein Mitglied des A.-C. bin, dessen Taten ja gestern der Kritik der Versammlung unterlagen, und ich hätte nicht gewußt, ob ich mit meinem Palästinaprogramm wirklich die Ideen der Majorität des engeren Aktionskomitees vertreten würde. (Hört, hört!) Und daher hielt ich es für loyal und richtig, darauf zu verzichten, bis dem engeren A.-C. Decharge erteilt werden würde. Und dies ist geschehen. Insofern würde ich die Freiheit haben, meine Ansichten inbezug auf Palästina vorzutragen. Anderseits wurde vorgestern schon vom Präsidenten darauf hingewiesen, daß es verkehrt wäre, über das, was man ausführen will, vorher viel zu sprechen, und das ist auch die Ansicht, die Herzl stets vertreten hat die und zweifellos richtig ist. Das, was man schaffen will, soll gemacht werden, ohne vorher durch große Trompetenstöße und Veröffentlichungen die Außenwelt darauf aufmerksam zu machen. Deshalb hat auch der Kongreß beschlossen, zur Behandlung der Palästinafragen eine Kommission einzusetzen. Und diese Fragen, die weitschauend und grundlegend für die Zukunft sein sollen, die werden wir notgedrungen in dieser engeren Kommission behandeln müssen. Ich möchte nur in einem Punkte einige Bemerkungen machen, weil unser verehrter Präsident darauf eingegangen ist und eine Erklärung abgegeben hat, der ich nicht ganz zustimmen kann. Das ist die Frage der Möglichkeit der Schaffung einer Agrarbank. Sie wissen, daß die Schaffung eines ländlichen Kredites eine unserer wichtigsten Aufgaben für die Zukunft ist. Und ich kann es nicht unwidersprochen lassen, wenn der verehrte Präsident sagt, daß es vollkommen ausgeschlossen ist, in der Türkei eine Agrarbank zu gründen. Ich möchte darauf hinweisen, daß in der Türkei seit vier Jahren eine Agrarbank besteht, (hört! hört!) die aber aus Folgen, die hier nicht erörtert werden sollen, nicht wirksam ist. Aber die Möglichkeit existiert. Auch in anderer Beziehung kann ich nicht mit den Ausführungen des verehrten Herrn Präsidenten übereinstimmen. Das wissen die Anwesenden durch die verschiedenen Diskussionen in der Presse, ich will hier darauf nicht eingehen. Ich muß aber der Ansicht widersprechen, als ob im Aktionskomitee zwei grundverschiedene Strömungen geherrscht hätten, eine politische und eine wirtschaftliche. Das ist njlcht der Fall gewesen. Jedes Mitglied des Aktionskomitees ist für die politische und wirtschaftliche Arbeit. Es hat sich nur gehandelt, um den Grad und die Schnelligkeit, mit der man einen Punkt angreift. Nur darin lag die Differenz. Und ich möchte erklären, daß, während in der ersten Zeit die Differenzen groß waren, sie sich im Laufe der Zeit erheblich gemildert haben. Und dadurch, daß einige Mitglieder des engeren Aktionskomitees Palästina besucht haben, gerade dadurch wurde eine Verständigung über die Arbeit und Methode erzielt. Und ich zweifle nicht, daß, wenn auch diejenigen Mitglieder, die Palästina noch nicht gesehen haben, es besucht hätten, die Arbeit viel einheitlicher geworden wäre. Es ist wünschenswert, und das bezieht sich auf alle Organisationen die wir haben, — daß ermöglicht werde, daß alle Palästina besuchen und sich informieren. Sie werden alle zurückkehren mit der Ansicht, daß tatsächlich jetzt schon Großes geleistet werden kann, nicht nur durch Privatinitiative, sondern auch durch unsere Organisation, indem sie Bedingungen schafft und die Grundlage legt für die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Nach diesen kurzen Vorbemerkungen, erlaube ich mir zum Berichte überzugehen. Bericht der Palästina-Kommission für die Berichtsperiode 1905/07 Die Tätigkeit der Palästinakonimission wird bestimmt durch den Punkt 1 des Baseler "Programms,J wo als Mittel zur Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina an erster Stelle die „praktische Förderung der Besiedelung Palästinas durch jüdische Ackerbauer, Handwerker und Gewerbetreibende in Aussicht genommen ist". Die vielfachen Meinungsverschiedenheiten, wie weit man in - der Unterstützung der Kolonisten gehen dürfe, oder mit anderen Worten, wie der Ausdruck „zweckdienliche Förderung der Besiedelung Palästinas" in Wirklichkeit aufzufassen sei, haben denVII.Zionistenkongreß veranlaßt, die Grenzen der zionistischen Palästinaarbeit durch einige Beschlüsse grundsätzlich festzulegen. Als reale Unterlage und zur Stärkung der politisch-diplomatischen Tätigkeit wird hiernach die systematische Ausgestaltung unserer Position in Palästina erstrebt, und zwar durch folgende Mittel: 1) Allseitige Erforschungsarbeit. 2) Förderung von Agrikultur, Industrie usw. in möglichst demokratischem Geiste.

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