Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- Sep. 3 (18.8.1907)
- Date
- 1907-08-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE ELT Sep. /Dr. H. G. Hey mann (Deutschland) beschäftigt sich mit den Finprcen" des A. C. Kann man mit 80 000 Mark überhaupt etwas anfangen? Die anderen jüdischen Organisationen arbeiten mit ganz anderen Summen. Wir müssen mehr Geld schaffen, und zwar durch persönliche Beiträge. Redner stellt im Namen der deutschen Landsmannschaft folgenden Antrag: „Die deutsche Landsmannschaft ersucht den Kongreß, dieGesinnungsgenossen aufzufordern, detnAktionskomitee außer dem jährlichen Schekel einen möglichst hohen persönlichen Jahresbeitrag zur Verfügung zu stellen." (Beifall.) . . Auf Antrag des Delegierten Melamed werden vier Generalredner gewählt. Zur Vornahme der Wahl derselben tritt eine kurze Pause ein. Generalredner Kaplanski (von lebhaftem Beifall begrüßt): Der Fehler der Brüsseler Konferenz war, daß sie überhaupt von Zionisten einberufen wurde, ohne daß man vorher eines positiven Erfolges sicher war. Überhaupt war die Politik des A. C. eine so schwankende und unsichere, daß man überhaupt nicht von einer Politik sprechen kann. Nordaus Forderungen beziehen sich nur auf Arbeiten außerhalb Palästinas. Der Zionismus hat nicht die Kreditfähigkeit des jüdischen Volkes, sondern des jüdischen Landes zu beweisen. Die Politik des A.C. heißt: fortwursteln. Es hat sich mehr mit privatrechtlichen als öffentlich-rechtlichen Arbeiten befaßt. Der N. F. hat Land gekauft, aber warum hat man arabische Pächter und Arbeiter auf dieses Land gesetzt? Es ist ja schwer, jüdische Pächter zu finden, aber ist alles geschehen, um das zu erreichen? Jüdische Arbeiter und Bauern dort seßhaft zu machen, das ist unser wesentlichstes Problem. Städtische Kolonisation ist ja sehr nützlich, aber das Wichtigste ist für den Zionismus der Bauernstand in Palästina. Ferner müssen wir darüber nachdenken, wie wir besitzlose Elemente in Palästina ansiedeln. — Nicht, daß wir Kapitalisten nach Palästina bringen, ist erforderlich, sondern jüdische Arbeiter. (Lebhafter Beifall.) Sc hui ho ff (Kroatien): Das Erwachen der übrigen Nationen in der Mitte des vorigen Jahrhunderts hat die Juden zunächst noch in nationaler Assimilation gestärkt. Er weist u. a. auf die noch geringe Zahl der Schekelzahler hin. Es ist nicht am Platze, Kritik zu üben. Er beantragt, dem Aktionskomitee das Absolutorium zu geben. Meyersohn: Für Palästina-Arbeit hat das A. C. nur winzige Summen ausgegeben. — Über Palästina hören wir nur schöne Worte, keine Taten. Der Besuch Wolffsohns, die Begrüßung der Kolonie Rischon Lezions, das sind die Taten. Nicht der Worte, sondern der Taten bedarf es. (Beifall und Zischen.) [ Dr. Loewe (Berlin) beklagt sich über die Zahlungen von SurWfen, die nicht bewilligt sind, während^ bewilligte Gelder, insbesondere an die Bibliothekskommission, nicht gezahlt werden. Die „Welt" ist wirtschaftlich zu teuer und inhaltlich zuweilen zu hoch, zu akademisch. Dem A. C. kann man nicht den Vorwurf machen, daß es in Palästina nichts tut. Die Privatinitiative ist das Wich- \ tigste, und diese wurde angeregt. — Die Brüsseler Konferenz ist S durch die Schuld der anderen mißglückt. — Die Arbeit in Palästina \ besteht nicht darin, daß man Streiks organisiert, sondern daß alle -Faktoren dort für das eine Ziel zusammenwirken. (Lebhafter Beifall.) Hierauf ergreift das Wort Präsident Wolffsohn (mit stürmischem, langandauernden Beifall begrüßt): Ich werde nicht auf die Einzelheiten aller Reden eingehen, weil vor allem eine ganze Reihe von Rednern Dinge angeführt hat, die allerdings auch einen Vorwurf für das engere Aktionskomitee und für das Aktionskomitee überhaupt bedeuten, mit denen wir aber direkt nichts zu tun haben, und über die ohnedies noch in den nächsten Tagen berichtet werden wird. Wir haben eine ganze Menge von Institutionen, die Kolonialbank, den Nationalfonds, die Anglo-Palestine Company und verschiedene andere Einrichtungen, die unmöglich alle vom A. C. verwaltet werden können und es auch nicht sollen; im Gegenteil, sie müssen vom A. C. gesondert werden und sind auch besonderen Verwaltungen übertragen. Sie werden auch über diese besonderen Verwaltungen Berichte bekommen, und deshalb kann ich es mir füglich ersparen, darauf im einzelnen einzugehen, was Herr Kaplansky und Herr Meiersohn angeführt haben. Ich habe noch einen Hauptpunkt, auf den fast alle eingegangen sind; ich habe auch die Redner unterbrochen und auf die richtige Bahn zu lenken versucht; es handelt sich nämlich um den Vorwurf, daß die Palästinakommission von uns nur 2500 Mk. bekommen hat, d.h., da!3 wir für Palästinazwecke nur diesen Betrag verwendet haben. Warten Sie doch erst den Bericht der Kommission ab Das ist nur ein Beitrag, den wir gegeben haben. Die Palästina kommission wird Ihnen eine Bilanz vorlegen, und Sie werden finden daß wir 3800 Mark für Palästinazwecke verausgabt haben, welche Betrag allerdings nicht direkt von uns stammte, sondern au. Spenden sich zusammensetzte. Es ist bereits gesagt worden, dal, das A. C. nicht alle Arbeiten unternehmen kann. Sie steiler sich doch nicht vor, daß . es das Aktionskomitee ist das in Palästina kolonisieren, dort Boden ankaufen soll unc dergleichen mehr? Wozu haben wir denn unsere Finanz institute, die Anglo - Palestine Company und den National fonds geschaffen? So stehen die7 Dinge, und ich glaube daß wir mit der Tätigkeit der Anglo-Palestine Company zu frieden sein können. Schließlich ist das ja auch unsere Arbeit Sie sprechen immer vom Aktionskomitee, als wäre dies etwa; Fremdes. Das sind wir ja selbst. Sie haben ein A. C. gewählt das die Arbeiten verrichtet, und ein Redner hat es bereits gesagt nur was Sie schaffen, können wir ausführen. Damit wir abe neue Dinge schaffen sollen, stellen Sie uns die Mittel zur Verfügung! Schaffen wir neue Einrichtungen, und diese werden di Arbeit leisten. Verlangen Sie aber nicht immer die Dinge, diandere machen müssen, vom A. C. Und dann, meine Damen und Herren, wurden uns Dinge zui Vorwurf gemacht, auf die einzugehen zu weit führen würde, k; will nur einige Punkte herausgreifen, weil ich das für nützlich haltt Zunächst hat Herr Dr. Nossig davon gesprochen, daß wir eine äußen günstige Gelegenheit für politische Unterhandlungen verpaßt hättei. Ich wäre nicht darauf eingegangen, wenn nicht auch Zeitunge (sogar durch ein Mitglied des Aktionskomitees in einem russische Blatte), dies erwähnt hätten. Ich erkläre Ihnen, ich weiß1 absoli nichts davon. Die Sache war mir vollständig unbekannt. Vo irgend einer wirklichen Gelegenheit, die sich geboten hätte, die w verpaßt hätten, weiß ich absolut nichts. Ich wäre Herrn Dr. Nossi dankbar, wenn er sein Geheimnis Ihnen oder wenigstens mir mf teilen würde. (Beifall.) Herr Dr. Pasrnanik ging schon etwas weite Er sprach von der realen Arbeit; daß wir oder eine gewisse Part* unter uns den Spieß umgedreht hätte, und daß man sagte, rea- Arbeit wollen wir, aber wirklich reale Arbeit. (Dr. Pasrnanik: Jawohl. Jawohl, Herr Pasrnanik, so ist es auch. Und ich kenne ken Partei im Zionismus, die nicht praktisch in Palästina arbeiten \vi; ich kenne keinen einzigen in der Leitung, der dies nicht wollt Der einzige Fehler dabei aber ist der, daß die praktische Arb<. zumeist von Leuten vorgeschlagen wird, die sonst wenig in praktischer Arbeit zu tun haben. (Großer Beifall.) Es ist ei Fehler, daß, wenn irgend eine Idee auftaucht, nicht gefrawird: Ist es möglich, sie auszuführen? sondern daß diese Ide in die Volksversammlungen getragen wird, und in die Zeitunge und überall besprochen wird. Ob ausführbar oder nicht, dann kümmern sich die Herren nicht. Ich will die Legend zerstören, die auch von Dr. Pasrnanik vorgebracht worden is daß Dr. Herzl nicht für praktische, sondern nur für politische Arbe war. Ich frage die Herren, die nur für praktische Arbeit sind: w; haben wir seit dem Tode Herzls an praktischer Arbeit geleistet Was wir getan haben, ist das Werk unseres seligen Herzl gewese (Lebhafter Beifall). Die Anglo-Palestine Company ist durch sein Arbeit geschaffen, der Nationalfonds ist unter Theodor Her, gegründet worden, „Geulah", Landkäufe und Kredit stammen ai seiner Zeit. Und ich frage Sie, was haben wir denn noch nachlu getan? Wir haben nur fortgesetzt, was Herzl geschaffen hat. Der Unterschied zwischen Theodor Herzl und uns ist de Herzl war für praktische Arbeit, aber er war dafür, daß man darüb nicht reden solle. Und die heutigen Praktischen reden, aber wa sie Praktisches schaffen, habe ich nicht gesehen. (Beifall). Ich wi nur ein Beispiel anführen : Man hat von einer Agrarbank gesprochei Ich bin nicht umsonst in Konstantinopel gewesen, ich habe mici