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Die Welt · 1907-08-14 · 33 (14.8.1907) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
33 (14.8.1907)
Date
1907-08-14
Page
– (sequence 11)
Language
German
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No. 33 DIEl^E LT 13 des Zionismus Sorge getragen werden, und zu diesem Zwecke wird das Problem der nationalen Erziehung in die Diskussion gestellt werden. Zu den Gegenwartserscheinungen der letzten Zeit gehört die Beteiligung der Zionisten bei innerpolitischen Fragen. Es ist dies ein Problem, das mit nüchterner Klarheit erwogen werden muß, damit im wohlverstandenen Interesse der Organisation eine Zersplitterung vermieden und die richtigen Linien für unser Arbeitsgebiet gezogen werden. Wir müssen auch die Erweiterung, Erneuerung und Vertiefung der Propaganda ins Auge fassen, und deshalb werden Ihnen auch Anregungen zur Neugestaltung dieses wichtigen Arbeitsgebietes vorgelegt werden. Geehrter Kongreß! In einer so zahlreichen Versammlung, die aus allen Enden der Welt zusammenkommt, und deren Zeit so knapp bemessen ist, können nur die großen Richtlinien für die spätere Arbeit vorgezeichnet werden. Wir müssen vorwärts schreiten, und was bis jetzt versäumt worden ist, muß nachgeholt werden. Wer den Zweck will, muß auch die Mittel wollen. Wollen wir ernten, so müssen wir zuerst säen. Viele Samenkörner gehen zugrunde, denn die Scholle ist hart und der Himmel nicht immer günstig. Aber rastloses Streben und ernstes Arbeiten sichern die Ernte. Seien wir dessen eingedenk, daß unser Ziel nicht ein kurz abgestecktes Eintagsprojekt ist. Es ist das logische Ergebnis jahrtausendlanger Erfahrungen. Wir verkörpern in unserem Bestreben die Synthese der jüdischen Geschichte. Hier gilt's, nicht vor Widerständen zu weichen. Bei willkürlichen Unternehmungen mag der Flug der Initiative schnell enden und die Schwingen der Phantasie rasch herabfallen. Aber wir schreiten auf historischen Bahnen, und da gibt's kein drängendes Überstürzen, kein Zurücksinken in die Trostlosigkeit und keine Fahnenflucht Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sie mahlen gut. Der Zionismus ist keine Zufälligkeit und keine Laune einzelner Menschen. Er ist der klare, durch historische Gesetze bedingte Kreislauf des jüdischen Volkes. In diesem Glauben und in dieser Überzeugung schöpfen wir den vollen Mut für unsere große und schwere Arbeit. Möge dieser Mut den Kongreß erfüllen ^und mit Gottes Hilfe Segen von ihm ausströmen über unser Volk und über das Sonnenland unserer Hoffnungen! (Langanhaltender, stürmischer Beifall.) Das Wort erhält hierauf der greise Herr Dr. A. A. de Pinto, Vizepräsident des Hohen Rates der Niederlande und Vorsitzender des Komitees der Haager jüdischen Gemeinde, zur Begrüßung des Kongresses. Mit überaus herzlichem Beifall empfangen, hielt er (in französischer Sprache) folgende Ansprache: Rede de Pintos. Ein französischer Schriftsteller von mehr oder weniger chauvinistischer Gesinnung, seinen Namen habe ich vergessen, hat irgendwo gesagt: Jeder Mensch hat zwei Vaterländer, sein eigenes und Frankreich. Man würde, wie mir scheint, viel mehr in Übereinstimmung mit der Wahrheit sagen können: Jeder Jude, Zionist oder nicht, dem es am Herzen liegt, von dem kräftigen und unzerstörbaren Stamme abzustammen, der ein immer lebendiges Bild aus einem sehr, sehr entfernten Alter darstellt, jeder Jude, der noch stolz ist auf diesen Namen, hat zweierlei Vaterland, sein jeweiliges und das Heilige iLand, Palästina, Jerusalem. (Stürmischer Beifall.) - Ich persönlich bin ein Sproß eines dieser alten spanisch-portugiesischen Geschlechter, genannt „Sephardim", welche Ende des fünfzehnten Jahrhunderts erbarmungslos verbannt von der Iberischen Halbinsel, ihrem Vaterland, der Überlieferung nach seit der Zerstörung des zweiten Tempels, 'dem Land, wo Aben Ezra, Maimonides und so viele andere weltberühmte Israeliten geboren wurden, durch die Befehle von Ferdinand und Isabella, König und Königin von Castilien und Aragonien (1492) und von Don Manuel, König von Portugal (1497), verhängnisvollen Folgen des blutgierigen Werkes von Torquemada unseligen Andenkens, der Inquisition und ihrer Scheiterhaufen, nach langen bangen Irrfahrten endlich eine gastfreie Aufnahme fanden in den Niederlanden. Durch unzerreißbare Bande fühle ich mich mit dem Lande verknüpft, dem neuen Vaterland der Juden, die vor nun fast drei Jahrhunderten dahin gezogen waren, dem erleuchteten und freisinnigen Staat, dem ich 45 Jahre mit meinen schwachen Kräften in administrativen und richterlichen Stellungen gedient habe. (Lebhafter Beifall.) Vor,allem Niederländer — es ist mir daran gelegen, dies hier nachdrücklich zu erklären — habe ich doch stets in meinem Herzen die fromme Erinnerung an Israels alten Ruhm aufbewahrt, unzertrennlich von der tiefgefühlten Pflicht, durch Wort und Tat zu zeugen gegen die Greuel, die traurigen Oberreste mittelalterlicher Beschränktheit, gegen Vorurteile und Aberglauben, deren Opfer noch heutzutage die Juden in einigen sogenannten zivilisierten Staaten sind. Ich habe denn auch, meine Herren Delegierten, zum Kongreß ohne Zögern das ehrende Mandat angenommen, welches mir übertragen wurde durch die nicht unansehnliche Anzahl der hier bestehenden israelitischen Gemeinden, nämlich Sie von Herzen willkommen zu heißen in dieser Stadt, der Residenz unsecer geliebten Königin, des würdigen Sprosses des durchlauchtigen Hauses von Oranien-Nassau, dessen Schicksal mehr als drei Jahrhunderte so eng verbunden war und ist mit der Niederlande Glück und Unglück. (Lebhafter Beifall.) Sie finden im Haag noch versammelt die zweite Friedenskonferenz, zusammengesetzt aus Abgesandten beinahe aller Staaten von Europa, Asien und Amerika. Nun hat der ausgezeichnete Redakteur des „Courier de la Conference de la Paix", der Herr William T. Stead, der große Friedensapostel, in seiner Nummer vom 4. August gesagt: „Entre ie congres (Sioniste) et la Conference il n'existe aucune relation, mais ces deux ont plusieurs points de commun." Ich bin ganz derselben Meinung. Man hat behauptet, daß die Friedenskonferenz in der Tat viel mehr eine Konferenz für die Reglementierung und die Kodifizierung des Kriegsrechtes ist. In dieser Behauptung liegt Wahrheit, aber nicht die volle Wahrheit. Zweifelsohne hat die zweite Konferenz, dem Weg der ersten folgend, die auch in Haag vor acht Jahren, 1899 stattfand, sich bis jetzt hauptsächlich beschäftigt mit dem Kriegsrecht, mit Gebräuchen, Gewohnheiten, Verträgen, die den Zweck haben, die Greuel, die unzertrennlich sind von dieser großen Geißel der Menschheit, soviel wie möglich zu vermindern. Vergessen wir aber nicht, daß, wenn die erste Konferenz den ersten Schritt getan hat auf dem langen Weg, der endlich zur Verminderung des Krieges führen könnte, durch die segensreiche Idee des Schiedsgerichts, die schon verkörpert ist in dem internationalen Hof im Haag, die zweite Konferenz die Mittel in die Hand genommen hat, die dienen können zur Befestigung und Verstärkung dieser Institution, der einzigen Waffe im Kriege gegen den Krieg. Vergessen wir ebenso wenig die denkwürdigen Worte, die gesprochen wurden bei der Feier der Grundsteinlegung des Friedenspalastes zu Zorgvliet, am Nachmittag des 31. Juli:

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