Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 33 (14.8.1907)
- Date
- 1907-08-14
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3315709-3316240-3316276--49662-3344556- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Beirut 1× ep/1047833
- Hebron 1× ep/1047559
OCR text
.12 DIEMKE LT No. 33 Es muß doch einmal dafür sorgen, einen sicheren und würdigeren Platz zu finden, als überall zwischen Hammer und Amboß. (Stürm. Beifall.) Geehrter Kongreß! Klar und bestimmt liegt unser Programm vor den Augen der Welt: Wir erstreben eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina. Die Unantastbarkeit dieses Standpunktes des politischen * Zionismus heben wir mit dem ernstesten Nachdrucke hervor. Wir werden auf geradem Wege das Ziel zu erreichen suchen, das wir uns in unserm Programm vorgezeichnet haben. Es hat unserseits auch an Ansätzen und Bemühungen verschiedener Art im Laufe der letzten zwei Jahre nicht gefehlt. Wir haben die Verbindungen, die Herzl geschaffen hat, aufrecht erhalten und seitens maßgebender Kreise manche Ermutigung erfahren, die uns ein mächtiger Ansporn zu weiterem Fortschreiten ist. Die Loyalität unserer Bestrebungen, die zivilisatorischfriedliche Bedeutung unserer Unternehmungen haben wir fortgesetzt der türkischen Regierung nahe gelegt und wir hoffen, daß die Hohe Pforte, die unserm Volke große Sympathien bewahrt, den richtigen Maßstab für die Wertschätzung unserer Absichten finden wird. Bedeuten doch diese Absichten für die Türkei selbst einen wirtschaftlichen Fortschritt und einen kulturellen Aufschwung. In der Ehrlichkeit unserer Bestrebungen liegen die Bürgschaften unseres zukünftigen Sieges. Nur müssen wir zäh, unermüdlich und systematisch unserem Ziele zustreben. Auf drei Grundlagen baut sich unser Arbeitsprogramm auf: Politik, Vorbereitung des Volkes und Vorbereitung des Landes. Diese drei Grundlagen greifen ineinander und alle, die an der Festigung dieser Fundamente des zionistischen Baues arbeiten, müssen Hand in Hand gehen. Die politische Arbeit ist notwendig, um die rechtlichen Bedingungen zu schaffen und die erforderlichen Garantien zu erlangen. Das ist der gewaltige Fortschritt vom früheren Chowewe-Ziontum zum Zionismus, der moderne große Zug, der Berührungspunkt mit der großen Welt, die Linie der völkerrechtlichen Zusammenhänge, durch die unsere Bestrebungen aus den Schlupfwinkeln der kleinen Philanthropie sich zu einer weltumspannenden Bewegung durchgerungen hat. Dieser Kernpunkt darf nicht verrückt werden. Parallel und zu gleicher Zeit müssen wir unser Volk für das große Ziel vorbereiten und heranziehen. Der Zionismus muß durch eine sorgsame Pflege der nationalen Erziehung tiefer ins Volk dringen und größere Kreise an sich ziehen. Neue Kräfte müssen sich entwickeln und entsprechende Mittel gesammelt werden, damit wir den großen und schweren Aufgaben, denen wir entgegengehen, gewachsen sind. Vonebenso dringenderNotwendigkeit ist auchdieVorbereitung des Landes. Diese Vorbereitung wollen wir auf gesunder Basis machen, und wir glauben, einen gangbaren Weg für eine regelrechte Entwicklung angebahnt zuhaben: Mit Genugtuung können wir das Gedeihen unserer Finanzinstitute hervorheben. Die Anglo-Palesline Company hat bemerkenswerte Fortschritte gemacht. Zu der Zentrale in Jaffa und der Filiale in Jerusalem sind seit dem vorigen Kongreß die Filialen in Beirut und Hebron hinzugekommen, deren günstige Entwicklung zu der Gründung neuer Filialen Veranlassung geben wird. Die Tätigkeit der Anglo-Palestine Company wird sich bald auf die Metropole des türkischen Reiches erstrecken. Das Direktorium hat bereits hierfür die Vorarbeiten beendet. Das Aufkeimen neuer Industrien in Palästina, die der Privatinitiative ihre Entstehung verdanken, die Anzeichen einer besseren Richtung in-dem Leben der Kolonien zeigen uns, auf welchen Bahnen wir schreiten müssen, um bessere Erfolge erwarten zu dürfen. Für die Einführung des Kunstgewerbes ist ein guter Anfang durch den Bezalel gemacht worden, und für das Erziehungswesen in jüdischem Geiste ist die Gründung eines hebräischen Gymnasiums ein vielversprechender Versuch. Es soll noch dies und jenes in Angriff genommen werden, aber mit großer Vorsicht. Man muß den Drang des Gründertums, auch wenn er den edelsten Beweggründen entspringt, durch weise Mäßigung bezähmen, weil ein Losgehertum mehr schaden als nützen kann. Bei praktischer Arbeit muß der Rechenstift zur Geltung kommen. Eine nüchterne, vorsichtige Beurteilung ist bei diesen Fragen zuträglicher als eine enthusiastische Überstürzung. Viele Dinge sind technisch zu behandeln und können nur durch die Begutachtung der erfahrenen Sachkenner, nicht aber durch Gefühlsregungen entschieden werden. Wir müssen uns bewußt sein, daß es nicht genug ist, Leitsätze aufzustellen, man muß sie auch in die Praxis umsetzen können. Denn die großen Gedanken allein machen es nicht, wenn nicht vorher durch systematische Arbeit der Boden vorbereitet worden ist, auf welchem die Gedanken ausreifen können. So schreiten wir an die Arbeit dieses Kongresses. Wir haben viele und wichtige Fragen zu lösen, und wir verhehlen uns nicht, daß in Bezug auf Einzelheiten manche Meinungsverschiedenheit unter uns herrscht. Wir sind keine gefügige Mamelukenschar und wir wollen es auch nicht sein. Der jüdische Geist ist zur Kritik veranlagt, und das Gesetz der Entwicklung bewirkte es, daß wir im Zionismus verschiedene Nuancen und Abstufungen besitzen. Aber die Verschiedenheiten machen die Bewegung reichhaltiger, und sie kommen zum Ausgleich in der einheitlichen Organisation. Aus dem Ihnen vorliegenden Berichte des Zentralbureaus werden Sie sich über die Tätigkeit der Zentrale und die Entwicklung der zionistischen Organisation seit dem letzten Kongresse unterrichten können. Ein neuer Organisationsentwurf wird Ihnen zur Beratung unterbreitet, und es wird eine der Hauptsorgen des Kongresses sein müssen, die Organisation zu stärken. Um stark zu sein, müssen wir zusammenhalten, und um das Volk zu organisieren, müssen wir selbst musterhaft organisiert sein. Fernerhin wird der Kongreß Gelegenheit haben, aus den Problemen praktischer Palästinaarbeit alle erörterungsfähigen Punkte zu beleuchten und den Forderungen einer vorwärtsschreitenden Entwicklung gerecht zu werden. Auch über den Nationalfonds, dessen Legalisierung nach langen Bemühungen wir mit Genugtuung verzeichnen können, werden Sie sich aus dem Ihnen zu erstattenden Bericht ein richtiges Bild machen können und Gelegenheit finden, die Weiterentwicklung dieses Instituts durch neue Anregungen zu fördern. Über den Stand der Kolonialbank werden Sie in der Generalversammlung genau unterrichtet werden und hier werden wir zu der Frage der Abänderung der Statuten Stellung zu nehmen haben. Ferner muß für die Verinnerlichung und Vertiefung