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Die Welt · 1907-08-14 · 33 (14.8.1907) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
33 (14.8.1907)
Date
1907-08-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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14 DIEMKE LT No. 33 JL von Karnebeek, Präsident der Cajrnegiestiftung, drückte sich folgendermaßen aus: „Ce palais est vou6 au culte de la Paix parle droit, il peut ä juste titre etre appele un temple de la paix. Comme se plait ä le nommer dans l'acte de fondation le genereux donateur des moyens de l'eriger." Herr Nelidoff, Präsident der Konferenz, sagte in derselben Reihe von Ideen: „Cest une idee nouvelle, un principe nouveau dans les relations des peuples, la paix par la justice et le droit, que ayant recu une consecration solennelle par la fondation d'une institution internationale partictiliere va voir s'elever pour lui servir de siege un edifice digne de la pensee qui l'a inspire." Achten Sie auf diese in beiden Ansprachen gleichen Worte, „der Friede durch das Recht". In einer klaren, genauen Form verdeutlichen sie das Verhältnis zwischen der Friedenskonferenz und dem Zionistenkongreß. Kein Friede zwischen den Völkern, keine äußere Sicherheit ohne inneren Frieden, ohne innere Sicherheit. Nun ist die unentbehrliche Bedingung der dauernden inneren Sicherheit jedes Staates, groß Oderklein, die Herrschaft des Rechtes, der Gerechtigkeit, innerhalb seiner Grenzen. In allen Ländern, ich erspare Ihnen die Namen, wo das Recht mißachtet und die Gerechtigkeit mit Füßen getreten wird durch Ausnahmegesetze, die in all ihrem Schrecken gegen die jüdischen Einwohner wüten, bedrohen innere Unruhen, unabwendbare und verhängnisvolle Folge von Glaubens- und Rassenhaß, ohne Aufhören den äußeren Frieden. Gewiß, man kann uneins sein, und man ist uneins über die besten Mittel, um endlich Recht widerfahren zu lassen den Tausenden und Millionen Juden in den Ländern, wo sie, wie im dunklen Mittelalter noch stets die Parias sind, die„Exleges" der Gesellschaft. aberdieseMeinungsverschiedenheit über die Mittel verhindert nicht in Ehren zu halten alle die, welche in Treue und Glauben danach streben, einen so edlen und hochstehenden Zweck zu erreichen. Was allein nottut, um das ausharrende Streben nach seinem vollen Wert zu schätzen, ist, daß man, ohne mit allen Bestrebungen des Zionismus übereinzustimmen, herzlich mitfühle für seine Grundidee, die Einheit und Solidarität der in der ganzen Welt verstreuten jüdischen Rasse, nicht in dem Sinne, daß alle verantwortlich sein sollen für die Untugenden einzelner, oder selbst vieler unter ihnen, sondern in der Beziehung, daß alle Söhne und Töchter Israels lebhaftes Interesse fühlen für die schweren Prüfungen, die in unseren Tagen noch das Los sind von Tausenden und Millionen ihrer Brüder und Schwestern. (Lebhafter Beifall.) Und nun meine Herren, Mitglieder des Kongresses, will ich Sie nicht länger aufhalten. Ihre Arbeit erwartet Sie. Möchten Sie sie vollbringen in der Würde, welche der Ernst Ihrer Debatten zu noch höherer Stufe emporhebt, und möchten Sie, zurückgekehrt in die Länder, aus denen Sie gekommen sind, eine unauslöschliche Erinnerung behalten an die Niederlande, das klassische Land der Freiheit, wo die Juden in Wahrheit ihren Mitbürgern gleich stehen nach Recht und in Wirklichkeit. So sei es! (Anhaltender Beifall.) Nach der Rede Pintos hielt Dr. Tschlenow im Namen der palästinensischen Kolonisten eine mit großem Beifall aufgenommene,. von warmer Liebe erfüllte Ansprache, in der er den Gruß der Brüder aus Erez Israel entbot. Hierauf wurde ein in hebräischer Sprache abgefaßtes Begrüßungsschreiben der jüdischen Gemeinde Haag verlesen und lebhaft akklamiert. Enthusiastischer Beifall begrüßte Dr. Max Nordau, der hierauf die Rednertribüne betrat. Seine Rede war eine der besten unter den meisterhaften, die wir von ihm gewohnt sind. Wir bringen sie morgen in extenso. Heute begnügen wir uns, den Hauptgedankengang festzuhalten. Dr. Nordau führte aus: „Die klaren Leitsätze Herzls sind in der Öffentlichkeit viel mißverstanden worden. Wir wollen sie noch einmal erläutern. Wir sind keine Bewegung der Barmherzigkeit und geben keine Almosen. Wir kehren auch nicht zur Unkultur zurück und sind keine religiösen Fanatiker. Wir werden in Asien so wenig asiatisch werden, wie die Briten in Nordamerika Rothäute. Wir wollen die Grenzen Europas bis an den Euphrat vorrücken. Wir erstreben keine egoistische Absonderung, sondern ein Leben unserer Eigenart gemäß. Unsere Vaterlandsliebe wird Hörvon Angebern und verbissenen Judenhassern in Zweifel gezogen. Nicht der Antisemitismus hat den Zionismus geschaffen, sondern ein tiefes Bedürfnis nach nationaler Betätigung. Entweder müssen wir als Volk existieren oder untergehen können. Trotz unserer Minderheit haben wir schon sehr viel geleistet und manches erzielt. Vor allem moralisch. Die Regierungen werden unsere Pläne beachten, wenn wir etwas sind, haben, können. Noch werden den Juden gegenüber die Grundsätze des Menschen- und Bürgerrechts verleugnet. Dagegen erheben wir einen Einspruch, den man am wenigsten im Haag der Friedenskonferenz als platonisch ansehen darf. Die internationale Sittlichkeit rufen wir an, in ihrem Namen fordern wir für ein Volk von 12 Millionen Gerechtigkeit. Ich zweifle nicht daran, daß ich die Einberufung einer diplomatischen Konferenz zur Regelung der Judenfrage noch erleben werde." Die Rede Nordaus weckte geradezu einen Sturm der Begeisterung. Saal und Galerie erhoben sich, Tücher wurden geschwenkt, man rief: „Hoch Nordau!" und der Beifall wollte kein Ende nehmen. Sodann wurde sofort die Wahl des Bureaus vorgenommen. Zu Präsidenten wurden gewählt die Herren: David W'olffsohn und Dr. Max Nordau. Zu Vizepräsidenten: Dr. Moses Gaster, Jakobus Kann, Dr. Alexander Marmorek, Dr. Isidor Schalit, Dr. W. Tschlenow, Ingenieur M. Ussischkin, Professor Dr. Otto Warburg. Als Beisitzer: Herbert Bentwich, Dr. Max Bodenheimer, Dr. Braude, Ingenieur Keßler, Samuel Pineles, Rabbiner Reines, Ingenieur Temkin. Zu Schriftführern: Dr. Schmarjalui Lewin, Dr. Herz, Dr. Dawidsohn, Seeligmann, Rabbiner Niemirower. Dr. Alexander Marmorek wollte die Vizepräsidentschaft nicht annehmen, wurde aber durch einstimmige Akklamation des Kongresses dazu veranlaßt. Die Sitzung wird hierauf auf 3 Uhr nachmittags vertagt. *2> Redaktion: Berthold Feiwel. — Verantwortlicher Redakteur: Julius Berger. — Druck von M. DuMont Schauberg, Köln.

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