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Die Welt · 1907-08-14 · 33 (14.8.1907) · page 6

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
33 (14.8.1907)
Date
1907-08-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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8 DJEIJqKELT No. 3: Eisenbahnen, sei es durch anderweitige Verbreitung von Kultur. Außerdem geht uns an vielen Stellen der Boden für immer verloren. Ober die Frage-der Agrarbank haben wir nichts beschlossen, da eine Kommission diese Frage erst studieren muß. Ein Agrarfonds aber muß da sein, das ist die Meinung der Majorität in Palästina. Der Agrarfonds muß mittellosen Leuten Kredit geben, für die Bemittelten ist die Kolonialbank da. — Die Organisation der Juden in Palästina vollzog sich bereits von selbst. Die Zionisten, die Poalei Zion, die Intelligenz etc. organisierten sich. — Wir wollen nichts weiter, als daß man unsere Organisationen nicht stört. — Bezüglich der Kulturfrage waren wir der Ansicht, daß wir das von Privatseite begründete hebräische Gymnasium in Jaffa solange halten wollen, bis die zionistische Organisation diese Arbeit auf sich nimmt. — In Palästina muß ein breiter Informationsdienst bestehen. Die Lage des Handels, die Statistik, die Konsularberichte müssen wir genau kennen. Ein Informationsbureau ist bereits da, allerdings noch unvollkommen. Jedenfalls darf man seinen Arbeiten nicht schaden. — Die moralische Lage in Palästina muß eine andere werden. Die Menschen sind nicht schlechter als anderwärts, persönliche Differenzen sind nicht vorhanden, es gibt nur prinzipielle Unterschiede, aber der Kurs des Ideals steht dort sehr tief. Die P. K. muß nach Palästina kommen, aber es dürfen nicht Fälle vorkommen, daß leitende Persönlichkeiten im Lande sich gegen die Kongreßbeschlüsse indifferent verhalten. Es spricht sodann Klimker, der gleichfalls für Bodenkauf eintritt und endlich im Namen der Arbeiter-Organisation Hapoel Hazoir Aronowitsch. Er richtet scharfe Angriffe gegen diejenigen, die mit theoretischer Skepsis an die Fragen der Palästinaarbeit herantreten. Er möchte all den Skeptikern den Rat geben: Machet euch auf, geht selbst nach Palästina, arbeitet, versucht dort, und erst, wenn ihr gearbeitet habt, maßt euch das Recht der Skepsis und Kritik an. Mit zehn jüdischen Arbeitern habe man vor 2 Jahren begonnen, jetzt seien Hunderte tüchtiger Arbeiter da. Redner führt dann aus, wie allmählich Boden und Arbeit für Juden gefährdet sind durch die Konkurrenz des sich zur Kultur entwickelnden Fellachen-Elementes. Die Zionisten in Erez Israel hätten sich vorgesetzt, aus eigener Kraft, unbekümmert um die Indifferenz oder Skepsis der Diasporajuden zu arbeiten. (Lebh. Beifall.) IV. Tag. 12. August 1907. Vormittagssitzung. Beginn lO1/* Uhr. Der Vorsitzende Dr. Weitzmann bittet die Versammlung für die Wahl des Permanenzausschusses Vorschläge zu erstatten. Sodann referiert Schabotinski: „Über die Beteiligung an der inneren Politik in Rußland." Es handelt sich um die Fragen, die wir in Helsingfors beschlossen haben. Genau so wie die Sozialdemokraten sich zu einem Minimalprogramme verstehen mußten, so mußten auch wir neue Gesichtspunkte in unsere Anschauungen vom Golus hineintragen. Bis zu Helsingfors boykottierten wir sozusagen das Golus und sagten, daß nur im eigenen Lande eine Lösung möglich sei. Nunmehr aber müssen wir bekennen, daß die zionistische Bewegung sich nur in einem allmählichen Prozesse realisieren wird. Die Frage der nationalen Autonomie kann insofern historisch begründet werden, als unsere Geschichte immer eine gewisse Autonomie aufgewiesen hat Wir müssen diesen Moment benutzen, um den Juden Rußlands eine Organisation zu geben. Je mehr wir in diesem Bestreben fortschreiten, desto mehr werden wir die Nachteile der russischen Politik wettmachen können. Das Volk muß begreifen, daß der Zionismus eine Partei ist, welche alle Entwickelungsmöglichkeiten des Judentums in sich vereinigt. Die Partei mußte als eine politische Partei eingeführt werden. Die Aufgabe war sehr schwer. Allerdings gibt es nur einen Weg zur Realisierung unserer Ziele, aber man muß alle Möglichkeiten des Golus ausnützen. Wenn man der jüdischen Masse vorschlägt, zionistische Kandidaten in die Duma zu entsenden, so erwidert sie, daß man dort nicht für die zionistische Ziele kämpfen kann, daß die Zionisten dort sagen werden, die Juden seien Ausländer. Wir aber wollen garnicht mit zionistischen Forderungen, sondern mit nationalen Postulaten auftreten. Es ist uns noch nicht gelungen, das Judentum mit diesem neuen Programme bekannt zu machen. Die Masse denkt von uns so wie früher, sie erfaßt noch nicht, was wir wollen. — Dürfen wir in der russischen Politik uns als zionistische Partei betätigen? Daß wir es tun müssen, hat die erste Wahlkampagne bewiesen. Denn sie hat uns gegen unseren Willen zur Partei gemacht. — Man wendet uns ein, keine Partei besitzt ihre Ideale im Auslande. Aber dieser Einwand ist falsch. Wir müssen es so tun, wie die österreichischen Zionisten, die eine eigene politische Partei schufen, was allerdings aus formalen Gründen geschah. Der Zionismus soll die Synthese der jüdischen Evolution sein. Alle Entvvickelung des Judentums kann nur vom Zionismus ausgehen. Die jüdische Politik wäre für uns nichts, wenn wir nicht glaubten, daß sie ein Weg nach Zion ist. Das Golus muß in normale Bahnen gelenkt werden, schon darum weil viel Juden hier bleiben müssen. Wenn wir nicht auch hier tätig sin-, so ist die Assimilation unser sicheres Los in der Diaspora. Wir gehen in die Duma nicht, um dort Zionismus zu propagierei sondern um eine nationale Plattform für uns zu schaffen, d. h. zu. bürgerlichen Gleichberechtigung mitzuwirken. In der Duma mu eine zionistische Fraktion existieren, die unsere Interessen im Goli^ vertritt. Die zionistische Partei ist ein Teil des Volkes; die Organ sation eines Volkes ist die Organisation seiner Parteien. Deshal dürfen wir von den Helsingforser Beschlüssen nicht abweichei Sonst liquidiert der politische Zionismus. Redner schlägt di bekannten Resolutionen des Helsingforser Programms vor mit de Abänderung, daß es einzelnen Zionisten freistehen solle, jüdisch politischen Parteien beizutreten, jedoch mit der Einschränkung, da: solche Personen an den Angelegenheiten der Gegenwartsarbe innerhalb der russisch-zionistischen Organisation nur mit beratende Stimme teilzunehmen haben. Hierauf wird auf Antrag Grünbaum beschlossen, die öste. reichischen Gesinnungsgenossen zu ersuchen, der Versamrnlun die* praktischen Resultate ihrer Beteiligung an der inneren Politr auseinanderzusetzen. 4. Tag. Nachmittagssitzung, Beginn V«4 Uhr. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten begini die Debatte über die politische Arbeit in Rußland. Als erster ergreift das Wort Dr. Sch. Lewin: Wir sind mit Rußland verbunden, un dieses Verhältnis zwingt uns, an dem inneren Geschicke des Lande teilzunehmen. Solange unser Leben abnormal ist, haben wir kein Rechte, ein Maximalprogramm vorzuschlagen, sondern müssen ni das Minimum den Massen bieten. Wenn wir die Politik perhorres zieren, so laufen wir Gefahr, daß der Internationalismus sich Ix uns breit macht. Vor dem Zionismus gab es deutsche, französisch' englische, russische etc. Juden, nur keine Nationaljuden. Sie könne unsere Organisation sprengen, denn es könnten verschiedet Zionismen entstehen, wenn wir nicht ein einheitliches Program; auch für die innere Tätigkeit haben. Die zionistische Flagge me aufrecht erhalten werden; aber diese Flagge muß etwas Mö: liches, Ausführbares repräsentieren. Unsere Devise muß laute i Nationale Gleichberechtigung. Erst wenn Sie nach Palästn gehen, haben Sie das Recht, Ihre Interessen in Rußland zu ignoriere Der Zionismus ist eine Konsequenz des Nationalismus. Wenn S: gegen die innere Arbeit sprechen, dann frage ich, welches ist In: zionistische Arbeit? Hüten Sie sich davor, jetzt wiederum die Os und Westtheorie aufzurollen und sich auf die verschiedenen Ve; hältnisse zu berufen. Diese Theorie ist furchtbar gefährlich. D Zionismus darf nicht international werden. Unsere Losung s darum: Ein einig Volk, ein einiger Zionismus! (Lebhafter Beifall Hierauf werden 6 Generalredner gewählt: Galiaski, Grünber Syrkin, Klausner/Brutzkus und Motzkin. Dr. David söhn (Warschau) erklärt, daß die zionistischen Organisationen im Königreiche Polen nicht alle Direktiven befolgt können, daß sie mit den besondern Verhältnissen rechnen müsse Schabotinski erklärt sich mit den Ausführungen Davidsoll r einverstanden und will eine diesbezügliche Resolution vorlegen. Schimkin (der noch vor der Wahl der Generalredner zur- Worte kam) ist der Meinung, daß wir überall nur vom zionistische Standpunkte die Verhältnisse betrachten müssen. Es kommt nie! auf die Zahl der Zionisten in der Duma an. Besser 2 Zioniste als 10 assimilatorische Juden. Wenn wir nicht eine Parole au geben, wird uns das Volk verloren gehen. — Dr. Brau de will auf Ersuchen der Versammlung das Vorgeht der österreichischen Zionisten erklären. Noch vor dem erste Kongresse hatten wir in Galizien ein zweifaches Programm, eine für die inneren Fragen, und ein zweites für Palästina. Das erst umfaßte die nationalen, wirtschaftlichen und politischen Fragen, d:, Palästinaprogramm war die theoretische Konsequenz unserer Gt Schichtsauffassung. Mit dem Auftreten des politischen Zionisme wurde das Gegenwartsprogramm in den Hintergrund geschober Wir predigten damals politische Abstinenz. Mit dem Tode Herz trat die politische Arbeit in ein anderes Stadium. Die Entwickelnder Verhältnisse stellte uns vor die Tatsache, daß wir den Masse keine praktischen Resultate bieten konnten und unsere Arbeit veränderen übernommen worden wäre, hätten wir sie nicht geleistet Die Nationalitätenpolitik ist die Parole aller Völker geworden, ni das jüdische entsagte ihr. Wenn die Zeit einmal gekomme wäre, Arbeit im Sinne des Kongresses zu leisten, so mußten w> fürchten, daß die Massen unvorbereitet sein würden. — Was di Frage betrifft, ob die Arbeit eine jüdisch-nationale oder ein zionistische sein soll, so mußten wir folgenden Ausweg beschließe!» Diejenigen Zionisten, die die politische Arbeit verwerfen, müsse;

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