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Die Welt · 1907-08-14 · 33 (14.8.1907) · page 5

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
33 (14.8.1907)
Date
1907-08-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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/oraussetzten, die neue Form könnte eher zielführend sein. Die Bewegung schritt vorwärts, sie breitete sich aus und erstarkte. Aber bald konnte man sich überzeugen, daß der. neue Weg nicht Jer richtige ist, daß die baldige Realisierung durch diplomatische Unterhandlungen unmöglich war. Und so kamen sowohl die reinen Jharteristen^ als auch die übrigen Zionisten zu der Erkenntnis, daß Jie reale Arbeit in Palästina der einzige gangbare Weg zu unserem Ziel sei. Mit anderen Worten: Das Evolutionsprinzip errang sich allgemeine Geltung. Dieser Weg ist allerdings sehr dornenvoll, aber er ist der einzig mögliche. Welche Erfolge man auch durch Diplomatie erringen wird, wenn wir nicht sofort mit der realen Arbeit beginnen, sind alle Bemühungen fruchtlos. Wir stehen vor der Alternative: Entweder mit der realen Arbeit in Palästina einsetzen oder auf Fortschritte des Zionismus verzichten (Lebhafter Beifall). Die Bedingungen der Arbeit sind allerdings sehr schwer. Wir müssen Juden kolonisieren, und diese sind für die Kolonisation ein nur unvollkommen vorbereitetes Menschenmaterial, und auch sonst stehen wir vor großen Schwierigkeiten. Wir müssen aber unsere Kräfte auf das höchste anspannen. Die Geschichte lehrt, daß nicht nüchterne und logische Menschen Taten schufen, sondern die Konsequenten und Energischen. Viele wenden ein, daß man alles geräuschlos machen muß. Ich aber meine, daß># die Völker, die sich durchsetzen wollen, alles vor der breitesten Öffentlichkeit un müssen. — Was soll in Palästina geschehen und was muß man unterlassen? Ich will mich hier kurz fassen, da ich die meisten .neiner Gedanken in der „Jewreijskaja Mysl" niederlegte und hier •ur einige Thesen auszuführen sind, die in einer Resolution der Versammlung zum Ausdruck kommen sollen. Die Devise der realen Arbeit in Palästina muß also folgendermaßen lauten: Beseitigung der äußeren Schwierigkeiten der Arbeit, Erstrebung der Gleichberechtigung in Palästina. Ein Mittel dazu ist die Presse, die 24 Stunden aif dem Posten steht und alle Gelegenheiten zu unserem Nutzen ausbeutet. Wir müssen eine Vertretung in der Türkei schaffen, lind avar durch die Kolonialbank. Der Bodenerwerb muß angestrebt verden, vorzüglich mit den Mitteln des N. F. Wir dürfen uns nicht mit inem Teile begnügen, sondern müssen nach allem streben. In 10 >der 20 Jahren kann sich die Situation zu unseren Ungunsten sehr .erändern. Der Nationalfonds, sagt man, darf nicht angetastet werden, solange wir nicht über Millionen verfügen. Das Geld des Nationalfonds muß kapitalisiert werden, aber nicht hier, sondern in Palästina. Es müssen Immobilien, gleichviel in welcher Form, erworben werden. Aus den Dörfern werden sich die Städte von selbst entwickeln, und das ist für die Juden besonders wichtig, da insere vermögenden Elemente einen fertigen Boden vorfinden wollen. Es muß eine Agrarbank und ein Agrarfonds gegründet verden. Der 8. Kongreß muß beschließen, die Gelder des Nationalonds bei der Bank anzulegen und die Zinsen dieses Kapitals zur lewährung von Agrarkrediten zu verwenden. Eine Kommission nuß die Frage studieren und dem.9. Kongreß die Resultate dieses Studiums vorlegen. Die Informationen über Palästina müssen viel etaillierter als bisher sein. Die Berliner Palästina-Kommission hat ii Verhältnisse zu dem, was außerhalb derselben getan wurde, ingeheuer viel geleistet, im Verhältnisse zu unseren Bedürfnissen iber Unzureichendes. Bezüglich der Kolonialbank sollen die Dividenden zu anderen öffentlichen Zwecken der Bewegung verwendet werden. Hätten wir das Tätigkeitsgebiet der Bank schon früher '•Alf Palästina konzentriert, so würden wir heute besser dastehen, uim Schlüsse bespricht Ussischkin noch die Kulturarbeit im engeren Sinne, insbesondere das Schulwesen. — Das Referat wurde mit (ebhaftem Beifall aufgenommen. Nachmittagssitzung V^5 Uhr Debatte über die reale Arbeit in Palästina. Dr. Nossig will der Versammlung einen Kolonisationsplan orlegen. Das Ziel der Kolonisationspolitik muß eine wachsende;iedelung mit wachsenden Konzessionen sein. Die ungeregelte Einwanderung hat nur sehr geringe Fortschritte gemacht. Eine Masseneinwanderung ist unmöglich, wohl aber eine mittelgroße geschlossene Siedelung von 20 000 bis 30 000 Menschen. Zu diesem 'wecke muß der Weg der staatsrechtlichen Vergünstigungen konsequent weiter verfolgt werden. Wir müssen einen Irade des Sultans ^wirken, dem später ein Kad-el-Scherif folgen soll. Die Basis •-iafür ist in der ottomanischen Verfassung gegeben. — Dieselbe beruht Auf dem Prinzip der Dezentralisierung der Provinzen. Diese Benimm ungen sind für unsere Zwecke besonders günstig. Es muß iafür gesorgt werden, daß eine Maximalgrenze des Besitzes feststeht, ebenso, daß der Übergang des Bodens in Nationaleigentum vorbereitet wird. Die vorbereitenden Kosten dieser Aktion müssen von den großen jüdischen Institutionen getragen werden. Der Vorsitzende Dr. Tschlenow erinnert an das 25jährige Jubiläum der Kolonie Rischon le Zion. Er sendet den Kolonisten die Grüße der russischen Zionisten. Es gibt ein Sprichwortj: „Wer den Dichter will verstehen, muß in Dichters Lande gehn". Ich möchte dieses Wort ein wenig verändern: „Wer den Zionismus will verstehen, muß in das Zionsland gehen". Jeder Zionist muß wenigstens einmal in Palästina gewesen sein. Ich arbeite für diese Idee schon 25 Jahre. Und jetzt, da ich zum erstenmale das Land gesehen, begriff ich erst den Fehler, daß ich es so spät getan. Alles, was ich mir vorstellte, alles, was ich für das Land tun wollte, ist nichts im Verhältnisse zu dem, was ich in Palästina selbst erlebte. Gehet alle dorthin, sehet und fühlet, dann wird eure Arbeit und auch ihr ganz anders aussehen. Der Redner schließt mit wannen Worten für die Kolonisten: Wir grüßen euch, wir grüßen Zion und unsere Brüder, die auf seinem Boden arbeiten. (Begeisterter, anhaltender Beifall.) L uri e ergänzt den Rechenschaftsbericht des Z. K. und verliest die verschiedenen Äußerungen der Korrespondenten desZ. K. in Palästina. Rosenbaum findet, daß Ussischkins Bericht sehr wertvoll war. In einem Referate ist die ganze 10jährige Geschichte der Idee niedergelegt und außerdem noch Neues hinzugefügt. Aber nicht alles Neue ist gut, und nicht alles Gute ist neu. Nossig hat einen grandiosen Plan entworfen, aber bevor man Losungen in die Öffentlichkeit schickt, muß man sich von deren Ausführbarkeit überzeugen. Sonst werden wir als Phantasten betrachtet. Nossig soll daher seinen Plan dem kleinen A.-C. vorschlagen. Einige Sätze in Ussischkins Ausführungen sind gefährlich, einige falsch. Die Alternative: Entweder sofortige reale Arbeit in Palästina, oder sozusagen auf die Arbeit des Zionismus verzichten, ist sehr gewagt. Der Redner kritisiert dann ausführlich Ussischkins Vorschlag, die Gelder nach Palästina zu übertragen. Was die Agrarbank anbetrifft, so weiß Redner nicht, ob sie möglich ist, da ihm die einschlägigen Bestimmungen unbekannt sind. Die Frage muß vorerst gründlich studiert werden. In der Frage des Agrarfonds stimmt er mit Ussischkin nicht überein. Er hält eine derartige Verteilung der Sammlungen für schädlich. Bezüglich des Landankaufs halte ich mich an die Beschlüsse des Kongresses. Dr. Brutzkus: Ussischkin hat zu pessimistisch gemalt. Dieser Pessimismus könnte gefährlich werden. Aber er meint, daß Ussischkin seine Schwarzmalerei der Schwierigkeiten der Kolonisation eigentlich nur relativ gemeint habe — so schwer die Arbeit sei, man müsse ihre Bewältigung durch rationelle Mittel, nicht allein durch Enthusiasmus fördern. Pasmanik: Anstatt zu bekämpfen, was der eine oder der andere gesagt hat, hätte man aus der Versammlung heraus sagen sollen, was geschehen muß. — Auf dem Kongresse werden Leute auftreten, die meinen werden, daß für uns eine Basis durch Herzl geschaffen wurde, andere werden allmähliche Erwerbungen von Konzessionen fordern, andere, die die reale Arbeit in Palästina nur als Notausweg betrachten werden, und endlich wird ein System vorgeschlagen werden, das auf den Grundsätzen des HelsingforserProgramms basiert— Auch Ussischkins Anschauungen über die Emigration nach Palästina sind unrichtig. Es gibt ein Gesetz: Je entwickelter der Kapitalismus eines Landes ist, desto mehr verringert sich die Emigration. Wir müssen die Agrar- und Industrialkolonisation ins Auge fassen. Die Emigration erfordert, daß wir nach industrieller Kolonisation streben. Man muß nicht bloß beschließen, sondern auch handeln. — Das Grundprinzip der Kolonisation muß der korporative Zusammenschluß sein. — Redner befürwortet die sofortige Inangriffnahme der Einrichtungen, die Agrarkredit bewilligen können, und Errichtung einer rechtlichen Vertretung in Konstantinopel. Dr. Katzenelsohn: Die Agrarbank ist unmöglich; weder die Gesetzgebung noch die sonstigen Bedingungen sprechen dafür. Herzl sprach längst von der Gründung einer Agrarbank. Wäre sie möglich gewesen, er hätte sie errichtet. Agrarfonds ist erst möglich, wenn die Kolonisation fortgeschrittener ist. Gewiß liegt die Zukunft unserer Bank in Palästina, aber im gegenwärtigen Moment kann man nicht so weitgehende Forderungen erheben. Die schweren Vorwürfe, die Ussischkin gegen uns erhob, sind unberechtigt. Man kauft so wenig unsere Aktien, weil man leider unseren Direktoren nicht genug glaubt. S. Goldenberg polemisiert gegen Ussischkin und meint, daß der Bodenankauf nur zugunsten der Araber ausschlagen wird. Hierauf wird der Antrag auf Wahl von vier Generalrednern angenommen, außerdem gelangen noch drei von den Delegierten aus Palästina zum Worte. Scheinkin: In der letzten Zeit ist bei uns das schädliche Streben nach überflüssiger Spezialisierung hervorgetreten. Man ist zu objektiv, man diskutiert zu viel. Das palästinensische Zentralkomitee hat sich mit allen hier aufgeworfenen Fragen beschäftigt und gelangte zu folgenden Resultaten: Wir beschlossen, daß man Boden auf alle Weise ankaufen muß. Dadurch allein kann die Emigration aus Palästina ein Ende finden, dadurch allein die Steigerung der Bodenpreise bewirkt werden. Redner führt einige Beispiele von Steigerung der Bodenpreise an, die überall in Gegenden erfolgte, wo die Kultur fortschritt, sei es durch Bau der

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