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Die Welt · 1907-08-14 · 33 (14.8.1907) · page 7

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
33 (14.8.1907)
Date
1907-08-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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No. 33 DIE ELT die Möglichkeit finden, sich als vollwertige Zionisten in der Organisation zu betätigen. Diejenigen Juden aber, die wohl eine Nationalpolitik billigen, sollten ein Betätigungsfeld in einer eigenen Partei finden. Deshalb haben wir eine besondere jüdische nationale Partei begründet, doch als ersten Punkt ihres Programmes das Baseler Programm gesetzt. Dadurch bewirkten wir, daß alle Zionisten sich nach jhrer Anschauung betätigen können, daß ferner die Leitung der neuen Partei immer in zionistischen Händen bleibt. (Lebhafter Beifall.) Jakobsohn: Die Thesen Schabotinskis haben die Platform des Helsingforser Programms zerschlagen. Wir sind keine Partei, es sind nur einzelne Personen. Unsere Bewegung aber ist eine Volksbewegung. Die besten Vertreter der jüdischen Interessen sind nur die Zionisten. Die Situation zur Zeit der ersten Dumawahlen war sehr günstig. Damals begrüßte man uns, in der zweiten Wahl begann man uns zu fürchten. Alles, was die jüdischen Interessen angeht, müssen die Zionisten auf sich nehmen. Aber in der- Partei muß jedem die Aktionsfreiheit gewahrt bleiben. Wer politisch arbeiten will, mag es tun, aber man soll niemand dazu zwingen. Dr. Pasmanik: Eine Losung sollen wir haben: Unsere Prinzipien bis zu Ende zu führen. Wir verkünden große Losungen, aber führen nichts aus. Einheit ist unser höchstes Ziel. Wir müssen unter besonderer Fahne stehen, aber die Prinzipien konsequent durchsetzen, unbekümmert um die praktischen Resultate. Wenn wir politisch arbeiten, arbeiten wir auch für den Zionismus. Galinski: Der Zionismus Lewins entspricht nicht dem historischen Prozesse. — Er ist für politische Betätigung. Der Erfolg der Zionisten ist so groß, daß die Masse uns als politischen Faktor betrachtet. Immer muß daran festgehalten werden, daß die politische Arbeit nur ein Teil des Ganzen ist. Klausner: Schabotinskis Ausführungen sind diametral entgegengesetzt. Ihm ist es gleich, was schädlich, was nützlich ist. Wir sind ein Volk der Nachahmungen. Weil die anderen Völker Parteien bilden, müßten auch wir es 1un. Schabotinski betrachtet die politische Arbeit nur als Palliativmittel, Redner aber fürchtet, daß aus dem Mittel ein Ziel werden wird. Schabotinski sagt, der Zionismus sei eine Revolution. Das ist insofern richtig, als der Zionismus eine Negation des Golus bedeutet. Wenn wir in Rußland politisch arbeiten, werden alle unsere Kräfte davon absorbiert. Wenn Lewin sagt, daß wir nichts leisten, so soll er bedenken, daß man im Golus nur die Entwicklung psychischer Kräfte fördern kann. Syrkin spricht für politische Arbeit. Klausner meint, das Mittel wird zum Ziele werden. Er hat nicht das Recht zu sagen, daß wir für das Gedeihen des Golus arbeiten. Wir arbeiten nur, um „unsere Seele zu wahren". Das Resultat der Wahlen bewies, daß wir unvorbereitet waren. Die zionistische Partei muß die Hegemonie in allen jüdischen Fragen erhalten. Klausner und Dubnow sind Gelehrte, aber für die politische Arbeit kann man mit ihnen nicht rechnen. Brutzkus: Die Frage der politischen Arbeit darf nicht theoretisch behandelt werden. Er ist auch für die Hegemonie des Zionismus, .iber wir müssen nicht unter besonderer Fahne stehen. Wenn wir z. B. Schulen gründen und anderes tun, so muß das eine allgemeine jüdische Sache sein. Immer sollen wir an der Spitze sein, uns aber nicht absondern. Nur Widerstände der Gegner muß man beseitigen. Die Politik muß nur eine Nebenbeschäftigung sein. Wenn es notwendig ist, muß man auch auf Kompromisse eingehen. Brutzkus beantragt dann eine Resolution im Sinne seiner Ausführungen. Grünberg: Schabotinski arbeitet auf Kompromisse hin. Wenn wir eine Organisation haben, müssen wir Direktiven geben können oder wir sind keine Organisation. Es muß eine Volkspartei bestehen, die sich mit realen Forderungen beschäftigt. Wenn wir der Masse erklären werden, daß wir uns im Golus normalisieren können, dann wird sie sich damit abfinden. Unser Programm muß die Basis bilden, weiter sollen wir nicht gehen. Motzkin: Es gibt nur zwei Wege, wenn wir uns mit politischer Tätigkeit im Lande befassen, auf denen wir gehen können. Entweder stellen wir zionistische Prinzipien bis zum Schluß auf, dann müssen wir konsequenterweise auch die territoriellen Forderungen in das Programm unserer Arbeit in Rußland aufnehmen; dann hat unsere zionistische Flagge Sinn und Wert und ist eine logische Folgerung einer einheitlichen Auffassung, yerzichtet man aber auf die territoriellen Forderungen innerhalb der höchsten Instanz der politischen Tätigkeit in Rußland, innerhalb der Reichsduma, so bleiben uns nur die reinnationalen Probleme, wie sie im Programm von hielsingfors formuliert sind. In diesem Falle aber kann auch nur eine nationale Flagge aufgehißt werden, und nur dieses Problem steht vor uns wie vor anderen großen nationalen Schichten innerhalb des Judentums. Wenn wir diese Tendenz ablehnen, so laufen wir Gefahr, die nationale Arbeit zugrunde zu richten und sie Händen zu überliefern, die am wenigsten berufen sind, das jüdische Volk zu vertreten. Darum also Konsequenz nach der einen oder nach der anderen Seite! Ich glaube, daß jetzt die Zeit ist, im Namen unserer nationalen Wünsche und Möglichkeiten das zweite Ziel zu erstreben. Dazu sind wir gerade als Anhänger einer Tendenz, die die nationale Zukunft der Juden im Auge hat, ganz besonders verpflichtet. Ussischkin: An und für sich könnte man gegen die Gegenwartsarbeit sein, aber die äußeren Verhältnisse zwangen uns dazu, den Moment zu unserem Nutzen auszubeuten. Man muß die Kräfte des Judentums organisieren, die Massen sollen eine Weltanschauung erhalten nicht nur für den Moment, sondern auch für die Zukunft. — Die Lage zur Zeit der zweiten Dumavvahl war für uns viel günstiger, trotz des äußeren Mißerfolges. Unsere nationalen Forderungen fanden in der Masse Anklang. Jetzt weiß man, daß eine zionistische Partei mit besonderem Programm besteht. Er begreift nicht, wie Mitglieder des Z. K. einmal für eine eigene Flagge eintreten konnten und jetzt einen entgegengesetzten Standpunkt vertreten. Haben sich die Verhältnisse so geändert? Alles muß praktisch begründet werden. B. Goldberg: Alle Mitglieder des Z. K. waren für eine „eigene Flagge". Die Politik ist für uns nur ein Palliativmittel. Würde sie für uns ein radikales Mittel sein, dann wären wir keine Zionisten. Er stimmt mit den Ausführungen Brutzkus überein und verlangt von der Versammlung, daß sie in diesem Sinne beschließe. Man möge sich nicht von den poetischen und ästhetischen Gründen der Gegner einer Politik beeinflussen lassen. Schabotinski antwortet in seinem Schlußworte allen seinen Opponenten und sagt: Die Herren brachten mich zu der Überzeugung, daß das Jahrhundert noch nicht reif ist. Man bekämpfte mich, weil ich Zionisten mit verschiedenen Rechten unterscheide. Ja, wenn einige unter uns noch nicht reif sind für die eigene Flagge, dann sollen sie eben zu anderen politischen Parteien, zur Feuerwehrgesellschaft etc. gehen! Aber politische Fragen dürfen sie mit uns nicht lösen und kein Beschlußrecht haben. Man fragt mich, werden die Zionisten Zion von der Duma fordern? Nein, solche Forderungen können uns nur kompromittieren. Wenn dort aber der Zionismus angegriffen wird, dann muß man es gleich unseren österreichischen Genossen tun und dagegen kämpfen. — Man sagt uns: Wenn wir uns organisieren werden, werden sich unsere Gegner assimilieren. Aber dazu sind sie nicht imstande und haben auch keinen Willen dazu. Sie können höchstens die Masse einzuschüchtern versuchen, indem sie auf den Antisemitismus hinweisen. (Fortsetzung folgt.) Sitzungen des Großen und Engeren Aktionskomitees Das Engere Aktionskomitee hielt seine Sitzung am Sonntag den 11., nachmittags 4 Uhr, ab. Die Beratung war hauptsächlich der Festsetzung der Tagesordnung des Kongresses gewidmet. Am Montag den 12., vormittags 12 Uhr, begann die Sitzung des Großen Aktionskomitees, an der folgende Herren teilnahmen: Dr. Bodenheimer, Feiwel, Dr.Fränkel, Goldberg, Qoldreich, Qreenberg, Grünau, Dr. Hantke, Joffe, Dr. Katzenelsohh, Kessler, Sch. Lewin, Dr. A. Marmorek, Dr. Magnes, Dr. Moskowitz, Dr. Rimalowski, Dr. S.Rosenbaum, Dr.Sapir, Scheinkin, Sokolow, Temkin, Tschlenow, Ussischkin, Professor Warburg, Wolffsohn, Ch. Weitzmann, außerdem Vertreter des Vorstandes der österreichischen und russischen Landsmannschaft. Die Sitzung, die mit einer kurzen Unterbrechung bis abends 8 Uhr dauerte, beschäftigte sich ebenfalls mit der Tagesordnung des Kongresses. Zunächst wurde die Zahl der Vertreter jeder Landsmannschaft im Permanenzausschuß, wie folgt, festgesetzt: Rußland, das 157 Kongreßwahlen vollzogen hat, entsendet 14 Vertreter

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