Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 33 (14.8.1907)
- Date
- 1907-08-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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bewußten national-jüdischen Politik. Wir arbeiteten eine Petition an die Duma, betreffend die Sabbatruhe, aus. Ein Mitglied des Z. K. wurde nach Petersburg gesandt, um mit den andern jüdischen Organisationen zu verhandeln. Besonders wichtig war diese Agitation in Polen, wro die polnischen Genossen 16 287 Unterschriften zusammenbrachten. Wir mußten uns dann besonders der innern Organisation zuwenden. Hier haben wir zunächst Komitees von Schekelzahlern gebildet. Sie hatten die Aufgabe, die allgemeine zionistische Tätigkeit zu zentralisieren und die Möglichkeit zu geben, die weiteren zionistischen Kreise zu beeinflussen in allen Äußerungen des zionistischen Lebens. Es wurden 50 Schekelkomitees gebildet. Ferner wurden 5 Rayons festgesetzt: Südosten, Moskau, Süden, Charkow, Litauen. Autonome Rayons waren Petersburg, Kiew und die Ostseeprovinzen. Nur in Odessa wurde energisch gearbeitet. Für die Rayons wurden Organisationsregeln statuiert. Zur gründlichen Agitation wurde ein Agitationskomitee gebildet, das planmäßig arbeitete. Ferner wurden die Rayons in Unterabteilungen eingeteilt und eine Anzahl von Gouvernements von Agitatoren und Organisatoren planmäßig bereist. Besondere Verdienste erwarben sich Dr. D. S. Pasmanik, desgleichen Schabotinski, Brutzkus und Rosow. Auch Mossinsohn und Nissen bäum bereisten viele Rayons im Auftrage des Palästinakomitees. Die schriftliche Agitation bestand in der Herausgabe von Aufrufen, Broschüren etc. Es wurden publiziert ca. 20 000 Exemplare (jüdisch und russisch) des ersten Zirkulars des Z. K., die Beschlüsse und Resolutionen von Helsingfors in jüdischer Sprache 5000, in russischer 20000. Das Referat des Gg. Goldberg, „Die reale Arbeit in Palästina", erschien als besondere Broschüre (5000 jüdisch, 3000 russisch), ferner eine illustrierte Broschüre über den Nationalfonds, eine Obersetzung der vom A. C. herausgegebenen deutschen Broschüre „Zehn Jahre Zionismus", ferner eine Broschüre über den „Bezalel" (5000 Expl.). Wir haben „Das Jüdische Volk", „Rasswjet", „Jewrejiskaja Mysl", die polnischen Blätter „Zycie Zydowskie" und „Zion" (Jargon) moralisch und materiell unterstützt. Der Mangel eines jüdischen Tagblattes macht sich allgemein fühlbar. Gg. Sapir wollte eine Reihe von Broschüren unter dem Titel „Palästina" herausgeben; bisher erschienen nur 8 solcher Bändchen. Sapir veröffentlichte auch eine Menge kleiner Broschüren zum Preise von 1 Kopeke, die verschiedene theoretische und praktische Fragen betrafen. Ein Büchlein über Rischon le Zion erschien anläßlich des 25jährigen Bestandes der Kolonie. — Wir unterhielten beständige Beziehungen zu Vertraüenspersonen in Palästina, sowie zur Palästinakommission in Berlin. Die letzten Monate waren wir mit den Vorbereitungen zum 8. Kongresse beschäftigt. Besondere Aufmerksamkeit wurde der Schekelsammlung gewidmet. Es wurden über 40000 Schekel in 322 Orten gesammelt. — Für Selbstbesteuerung agitierten wir ohne besondern Erfolg. Ein Teil unserer Arbeit war in allerletzter Zeit der Sammlung von Unterschriften für das Statuten- Änderungsgesuch der Bank gewidmet. — Für den „Bezalel" wurde ein Betrag bewilligt. — Es wurden ca. 3000 Briefe, betreffend den Nationalfonds, geschrieben, 10 Zirkulare veröffentlicht etc. — Die Bewegung breitet sich trotz großer Schwierigkeiten sichtlich aus. Wir haben jetzt Delegierte aus Buchara, Mittelasien, Sibirien, Samarkand etc. Die „Poalei Zion" wählten separat — mit den Rechten einer Fraktion. Wiewohl die Arbeit ungeheuren Hindernissen begegnet, so sind wir überzeugt, daß in der Masse noch genug zionistische Kraft lebt. Wir glauben alles mögliche zum Gedeihen unserer Sache getan zu haben. (Lebhafter Beifall). — 2. Sitzung Sonnabend, den 10. August, 9 Uhr abends Ing. Ussischkin eröffnet die Sitzung. Die Versammlung stimmt dem Vorschlage des Vorsitzenden zu, ein Beleidstelegramrn sowie eine Deputation zum Leichenbegängnisse Zeitlins, das Sonntag in Berlin stattfindet, zu entsenden. — Ferner beantragt der Vorsitzende, dem kleinen A. C. vorzuschlagen, die Fragen der Kolonialbank, sowie der Anglo-Palestine-Company auf die Tagesordnung des Kongresses zu setzen. Rosenbaum begründet diesen Antrag des Z. K. und des Präsidiums von der praktischen Seite. — Es folgt die Debatte über den Rechenschaftsbericht. Supraski behandelt das Verhältnis der Gegenwartsarbeit zur direkt zionistischen. Er ist für Gegenwartsarbeit, aber sie dürfe nicht im Vordergrund stehen. Sie ist ein Palliativmittel, und auch das nur in geringem Maße. Basow beleuchtet in einer begeisterten hebräischen Ansprache die Agitation vom prinzipiellen Standpunkt. Man müsse die Jugend anders erziehen und besonderes Gewicht auf die Kulturfragen legen. Die grusinischen Juden, deren Delegierter der Redner ist, kennen die Assimilation nicht in solchem Umfange wie die andern. Schimkin beklagt den Mangel einer Zentralisierung d. zionistischen Tätigkeit. Wir hatten viele Zentren, aber keine Zentral Trotz des anerkennenswerten Fleißes des Z. K. fehlte seiner Arbc die Planmäßigkeit. Man könne ihm vorwerfen, daß es für Palästi; nicht genug getan, ebenso daß die Presse über Palästina kei; genügenden Berichte brachte. Auch die Geldsammlungen wurd«. nicht energisch genug betrieben. Ussischkin erklärt, daß die Initiative zur Feier des 25jährige Jubiläums von Rischon le Zion vom Z. K. in Wilna ausging. Bregmann: Die zionistische Bewegung ist nur deswegen s schwach, weil kein Komitee da ist, das die Stimmung ausnützt könnte. Redner macht dem Vorsitzenden des Z. K. Rechtsanwa' Rosenbaum den Vorwurf der Untätigkeit. — Er interpelliert dr Z. K., weshalb es zur Bekämpfung der Agitation gegen die A! änderung der Bankstatuten nichts unternahm. Rechtsanwalt Rosenbaum verteidigt die Haltung des Z. [ in der Bankfrage. Das Z. K. hat nur den Auftrag des engere A. C. erfüllt. B. Goldberg verliest ein Schreiben des engeren A. C, i welchem das Z. K. aufgefordert wird, jegliche Agitation gege die Bestrebungen der Territorialisten, die Änderung der Bani. Statuten zu verhindern, zu vermeiden. Nach Ansicht . des A. i könnte vorschnelles Handeln dem sicheren Erfolge der Änderung: bestrebungen eher schaden. Ferner verliest Goldberg ein Telegrann des Sekretärs der Kolonialbank, Neumann, der das Z. K. bitte Unterschriften für die Petition an das englische Gericht zu sammeli Zum Schlüsse verliest Goidberg ein zweites Schreiben des A. C das mit dem ersten sich inhaltlich deckt. S. Goldenberg: Die meisten unserer Agitatoren arbeitete im Odessaer Rayon. Das Kiewer Gouvernement, dessen Vertrete Redner ist, wurde vom Z. K. gänzlich vernachlässigt. Nissenbaum: Am wenigsten hat das Z. K. sich mit d< Kulturfrage beschäftigt. Die Fragen des Reform-Cheders etc. bliebe unberücksichtigt. Die Autonomie der einzelnen Rayons brachte viel Nachteile. Die Literatur interessiert sich zuviel für die Fragen d, Proletariats und nicht für die breiten jüdischen Massen. Die russisci Palästinakommission war überflüssig, da doch das „Odessa1 Komitee" deren Aufgaben viel besser lösen kann. Rosenstein spricht über die Vernachlässigung der polnische Organisationen. Die Autonomie, die man Polen einräumte, hat sie nicht bewährt Ein Antrag auf Schluß der Rednerliste wird angenommen. Kern er polemisiert gegen den Vorwurf Rosensteins, daß ma die zionistischen Organisationen in Polen vernachlässigte. Ma könne die Situation im Kaukasus und in Polen nicht schlechtwt vergleichen, wie es Rosenstein tat, da im Kaukasus viel ursprüm; lichere Verhältnisse bestehen. S. P. Rabinowitz beleuchtet die Unklarheit der Beziehunge zwischen A. C. und Z. K. Das A. C. hat bezüglich der Statute: änderung der Bank zwei verschiedene Antworten gegeben .... Er erklärt dann, für Polen müßten ganz neue Direktiven festgeset werden, über die man sich in der Vorkonferenz der polnische Delegierten klar werden muß, der auch einige Mitglieder des Z. i beiwohnen sollen. Rechtsanwalt Rosenbaum widerlegt die gegen das Z.K. lai gewordene Kritik. In der Bankfrage hat das Z. K. nur dem Au trage der vorgesetzten Behörde Folge geleistet. Man kann die eii zelnen Vorwürfe umkehren und die Zionisten fragen, was sie geta haben, um das Z. K. in seinen Absichten zu unterstützen. Dr. Pasmanik führt in seinem Schlußworte aus: Er selbsei nicht gerade bescheiden in seinen Ansprüchen'an die Leistung: fähigkeit des Z. K. Aber er könne versichern, daß alles geschehe; was in der Macht des Z. K. stand. Für Palästina haben wir weni getan, weil man dazu Millionen bedarf. Machen Sie der Geschieht einen Vorwurf, klagen Sie die Verhältnisse an, aber nicht das Z. K Dem Z. K. wird hierauf das Absolutorium und der Dan einstimmig votiert. Schluß der Sitzung 1 >1 Uhr. 3. Tag, ii. August 1907. Vormittagssitzung. Beginn 12I2 Uhr vorm. Ing. Ussischkin referiert „über die reale Arbeit i Palästina." Wir geben hiermit die wichtigsten Punkte der fac zweistündigen Rede wieder: Die Frage der realen Arbeit in Palästin gehört zu den wichtigsten und umstrittensten Problemen des Zioni:: mus und hat sowohl in Europa wie in Amerika bereits zu vielen Aue einandersetzungen geführt. Zum Verständnis dieser Frage muß mar auf ihre Geschichte zurückgreifen. Vor 10 Jahren war das Probien in seiner jetzigen Gestalt noch nicht bekannt. Damals stand di< reale Arbeit in Palästina ganz im Zeichen des Chowewe-Zionismus Als die Kongresse die Bewegung in neue Bahnen lenkten, schlösset sich die „Alten" dem neuen Programme an, da sie die Möglichkei