Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 33 (14.8.1907)
- Date
- 1907-08-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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SO. 33 : DIE] ichkeit war ihr flammendes, weithin sichtbares Symbol, als noch io Menschheitsschichtungen ganz aridere waren, als die mächtigen Olker von heute noch der Erschaffung harrten. . . . Und seht da — im Namen der Idee, der ewigen, großen Idee es Gottesreiches auf Erden, haben sich die Söhne des jüdischen olkes versammelt, sie, die selbst Blutzeugen ihres unsterblichen, icht sterbenkönnenden Judentums sind. Und seht — das, was die besten euerer Träger ersehnen und!cht finden, den großen Enthusiasmus, den Glauben an eine neue Zukunft, die Hoffnung auf eine Welt der Gerechtigkeit — hier in der Schar der Sendlinge des jüdischen Volkes, die aus allen hindern der Erde ihre Sehnsucht mitgebracht, um ihr in ihrem -lau-weißen Banner die unsterbliche Form zu geben — ist sie. iter wird noch geglaubt, gekämpft, gehofft. Viele Völker kämpfen rn Freiheit — das jüdische Volk kämpft um ein Größeres, um •nc höhere Synthese, um eine Inslebensetzung all der geistigen 'iTungenschaften, die wir im. Leiden und im Schmerze gewannen, vir wollen frei und geeinigt sein, frei auf unserem Boden, unter ii.un Himmel, der so blau ist, wie das Blau auf unserer Fahne, m Fuße des Libanon, dessen Spitzen mit weißem, schimmerndem EELT 5 Schnee bedeckt sind, um den gewaltsam zerrissenen Faden der Ideenschöpfung, die Entwicklung zum höchsten Ideal des Menschseins, weiter zu spinnen . . Das ist der hohe Sinn des Kongresses dieser Wollenden und Sehnsuchtsvollen des jüdischen Volkes, das ist der Gruß, den euch unsere uralte blau-weiße Fahne entbietet, ihr Völker der Erde. Und wisset — wir glauben und hoffen, daß einst der Tag kommen wird, wo ihr ehrerbietig unserer Fahne, die vor euch war, in euerer Mitte einen Platz geben werdet. Wir glauben und hoffen, trotzdem und alledem. Nicht nur das Himmelreich gehört dem Glaubenden — auch die Zukunft im Leben selbst, auch der Platz an der Sonne. Und ihr, Träger dieser Fahne, denkt daran, was ihr tragt — seid euch bewußt, daß es ein Band ist zwischen Abgründen von Zeit, zwischen Vergangenheit und Zukunft! Seid euch der Größe und Tiefe euerer Aufgabe bewußt! Und über all eueren Verschiedenheiten und Mannigfaltigkeiten möge sie wie ein Zeichen der Einheit wehen, alle vereinend, alle erhebend — die Fahne der Unvergänglichkeit des jüdischen Volkes. Haag,. 18. August 1907. A. Coralnik. IV. KONFERENZ DER RUSSISCH-ZIONISTISCHEN LANDSMANNSCHAFT i. Sitzung (Freitag, 9. August, 3 Uhr nachmittags) Rechtsanwalt Rosenbaum als Präsident des Zentralkomitees :er russisch-zionistischen Organisation eröffnet die Versammlung ]it einer kurzen Begrüßungsansprache, an deren Schlüsse er dem nter so tragischen Umständen verstorbenen Moissej Zeitlin ■■inen Nachruf widmet, den die Versammlung tiefergriffen anhört Es folgt die Wahl des Bureaus. Zu Vorsitzenden werden geählt: Rechtsanwalt Rosenbaum, Ing. Temkin, Dr. Tsch 1 enow, ■ng. M. Ussischkin und Dr. Ch. Weizmann; zu Schriftführern ioldstein, Schimkin, Klausner, Schwarz, Kerner. Nach einer kurzen Geschäftsordnungsdebatte wird die vorgeschlagene Tagesordnung des Zentralkomitees en bloc angenommen nd es erstattet zunächst Dr. D. Pasmanik ein Referat: „Über die ilgemeine Lage des Zionismus in Rußland." Referent führt ungeihr aus: Zwei Bewegungen haben in den letzten zwei Jahren auf;le Gestaltung der zionistischen Verhältnisse in Rußland besondern iinfluß gehabt: der Territorialismus und die russische Revolution. >er Territorialismus hat wohl dem Zionismus viel geschadet, indem r manche Kräfte von uns abzog, aber er hat insofern indirekt aich einen Nutzen gebracht, als er zur Klärung der Frage des üdischen Proletariats beitrug. Die Lösung dieses Problems muß chließlich und endlich dem Zionismus zum Nutzen gereichen. — )ie russische Revolution übte eine doppelte Wirkung aus: negativ, ndem die Pogrome eine Begleiterscheinung derselben bildeten, '■ositiv, indem sie die Frage der „Gegenwartsarbeit" in den Vorderrund rückte. Die Pogrome lähmten die Arbeitskraft der Organiation, indem diese der Emigration und den anderen Konsequenzen :er Revolution machtlos gegenüberstand. In diesem kritischen lomente gab das Zentralkomitee ein rühmliches Beispiel nationaler \usdauer. Hand in Hand mit dem Zentralkomitee arbeitete die Vesse und besonders das Zentralorgan „Jewreijskaja Schisn". vor allem mußte der Zionismus seine erzieherische Bedeutung für iie Massen beweisen. Das ist aber nur möglich, wenn man dem Volke etwas Konkretes zu bieten imstande ist. Von dieser Erkenntnis ausgehend, - haben die russischen Zionisten in Helsingfors iie reale Arbeit in Palästina in einer Resolution als nächstes Ziel bezeichnet. Das zionistische Programm muß des weitern sowohl nationale wie politische Forderungen erheben, ohne daß der Zionismus eine politische Partei mit besondern Parteipostulaten '-lüdet. — Die Erfolge des Zionismus scheinen gering. Wir nahen 43 000 Schekel gesammelt. ' Diese Ziffer ist aber ungeheuer groß angesichts der Umstände, unter denen sie zustande kam. Bourgeoisie und Proletariat haben sich einem nationalen Opportunismus zugeneigt. Die zionistische Organisation verfügt so jetzt über eine Armee, über Generale, aber nicht über genügend' Unteroffiziere. Die Jugend leidet an hypertrophischer Phrasenseligkeil. So wußten die von marxistischen Dogmen beeinflußten „Poalei Zion" Rußlands nicht, ob sie Schekel zahlen sollten oder nicht. Unter dem dreifachen Drucke der Revolution, der Pogrome und des Territorialismus war die Leistung der Zionisten eine große, wenn man bedenkt, daß die Jugend der Idee nicht gewachsen war. — Was die einzelnen Gebiete der zionistischen Arbeit betrifft, so ist zunächst die reale Arbeit in Palästina für manche ein Motiv, für andere eine Konsequenz der zionistischen Grundidee. Die Gegenwartsarbeit muß die Fragen der nationalen Erziehung berühren, besonders aber dem Schulwesen gelten. Die schriftliche Agitation soll sich mit der Herausgabe von Broschüren befassen, die eine genaue Kenntnis Palästinas zu verbreiten imstande sind. Die Presse soll (möglichst die Gründung eines Tagblattes anstreben, wobei die Sprachenfrage nach örtlichen Verhältnissen zu lösen ist. — Im allgemeinen muß der Zionismus überall den Charakter einer nationalen Bewegung wahren und nicht den einer Sekte annehmen. Mit einer Mahnung zur Arbeit und Einigkeit schließt Dr. Pasmanik sein Referat, das von der Versammlung mit lebhaftem Beifall aufgenommen wird. Hierauf erstattet Dr. L. Jaffe im Namen des Zentralkomitees den Rechenschaftsbericht, dem wir folgendes entnehmen: Das Hauptaugenmerk des Zentralkomitees war auf Zentralisierung der Arbeit gerichtet. Die erste Arbeit des Zentralkomitees bestand in einem Zirkular über Inhalt undTragweite der Helsingforser Beschlüsse, betreffend die reale Arbeit in Palästina sowie in der Diaspora. Die Arbeit des Zentralkomitees wurde durch die Wahlkampagne zur zweiten Duma in bestimmte Bahnen geleitet. Es wurden Zirkulare und Aufrufe in der Presse veröffentlicht. Ohne uns als Partei besonders zukonstituieren, haben wir doch überall deutlich unsere allgemein-jüdischen Forderungen formuliert. Wir unterstützten diejenigen Parteien, welche mit unserem Programm sich einverstanden erklärten. Überall stellten wir das Prinzip und nicht die Kandidatur in den Vordergrund. Referent führt dann im einzelnen die Anfeindungen und Intriguen au, denen die Zionisten im Wahlkampfe ausgesetzt waren. Wir vermochten uns zunächst dagegen nicht zu schützen, da die meisten Mitglieder des Zentralkomitees zu dieser Zeit verhaftet waren. Das geschah dann später durch verschiedene Flugschriften. Der Kampf mit dem „Bund" und andern Gegnern war schwer, da diese in ihren Mitteln nicht wählerisch waren. Besondere Verdienste um die Arbeit erwarben sich, abgesehen vom Zentralkomitee und unsern Kandidaten Schabotinski, Syrkin, Brutzkus unter andern die Genossen: Babkow, Bregnian, Goldstein, Grünberg, Karo, Seidemann, Salzmann, Klebanow, Setzer, Mileikowski, Mossinsohn, Taueiser, Jankelewitz. Die Majorität der Wähler bestand aus Zionisten und Nationaljuden, die unsere Forderungen annahmen. Und wenn die Juden im allgemeinen nicht einen so schweren Schlag bei den Wahlen erlitten hätten, so würde die Majorität der Abgeordneten ' sicherlich aus Zionisten bestanden haben! Wichtiger aber sind die moralischen Erfolge, indem die Wahlarbeit das nationale Interesse und Bewußtsein disziplinierten. Es ist; der. Beginn einer selbst-