Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 33 (14.8.1907)
- Date
- 1907-08-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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4 =.D1E3 so „dringend" ist, nicht zu fehlen, um im Aktionskomitee noch gerade beim Schluß der Debatte, im Permanenzausschusse noch gerade bei der Abstimmung dabei sein zu können. Es zeigt sich diesmal, wo der Kongreß äußerlich so glänzend vorbereitet ist, ganz klar, daß für die Zukunft den Sitzungen der führenden Körperschaften und Ausschüsse doch ein längerer Zeitraum vor dem Kongresse eingeräumt werden muß, da sonst Überlastung und Überhastung fast unvermeidlich sind. * In die frohe Wiedersehensstimmung der Delegierten fiel auch diesmal wieder ein schwerer Schatten. Unsere zionistische Familie, die in den letzten Zeiten so schwer geprüft wird, hat wieder einen schmerzlichen Verlust erfahren müssen. Moissej Zeitlin, einer unserer besten Gesinnungsgenossen aus Rußland, ist auf der Reise zum Kongreß das Opfer der Eisenbahnkatastrophe bei Gnesen geworden. Die Nachricht, die wenige Stunden nach dem Unglück von den glücklicherweise unversehrt gebliebenen in Gesellschaft Zeitlins reisenden Delegierten nach Haag telegraphiert wurde, hat hier begreiflicherweise die vielen Freunde des Verstorbenen, aber auch Fernerstehende aufs tiefste erschüttert. Auch viele der westeuropäischen Z onisten erinnerten sich der ungemein sympathischen Persönlichkeit des Verstorbenen, der auf dem siebenten Kongreß — der erste und leider letzte, den er besuchte — bereits eine einflußreiche Rolle spielte. Moissej Zeitlin war noch ein junger Mann, im Anfang der Dreißiger, von hoher Begabung und großem Arbeitseifer. In der letzten Zeit war er einer der Hauptmitarbeiter des „Rasswjet". Es war sein Plan gewesen, die nächsten Jahre im Interesse des Zionismus [ELT , No. 3; kolonisatorischen Studien zu widmen. — Das hart Schicksal hat uns die große Hoffnung, die wir in diese reinen, edlen, talentvollen Menschen setzen konntet jäh geraubt. Sein und aller teuren Toten Andenke; wird der Kongreß ehren, am meisten ehren, wenn c ihres unvollendeten Willens Vollstrecker wird. Die Vorkonferenzen Von den Vorkonferenzen hatte diesmal die de russischen Zionisten einen außergewöhnlichen Charakter. Sie diente zugleich der Behandlung aller d; russische Landsmannschaft bewegenden Fragen. Mit einem bis an die äußerste Grenze reichende Arbeitseifer wurde durch vier Tage bis tief in di Nächte hinein verhandelt. Zwei Fragen waren es besonders, die die Konferenz beherrschten: die der Pal; stinaarbeit und die der nationalpoiitischen Arbeit n Rußland. Wenn auch über die Notwendigkeit reak Palästinaarbeit in dieser Landsmannschaft prinzipiell: Einigkeit herrscht, machten sich doch viele Meinungsverschiedenheiten über Art und Umfang dieser Arbe ( geltend, die zu einer langen und angestrengten Di - kussion führten, die zur Zeit, wo diese Zeilen g - schrieben werden, im Höhepunkt steht. Wer d< 1 Ernst, die Gründlichkeit und den Überzeugungseif r zu beobachten Gelegenheit hatte, von denen d-o führenden Redner erfüllt waren, der konnte nur wünsche daß ein gleicher Geist auch den Kongreßdebatten innwohne. Auf welcher Seite man auch stehen mochl . es war ein wirklicher Genuß und eine Bereicherun die Wortführer Ussischkin, Tschlenow, Schabotinski tu-d viele andere in den Hauptfragen ihre Sache vertret e zu hören. In den andern Landsmannschaften begnügte m -1 sich meistens mit kurzen Erörterungen der Kongre - fragen und formaleren Angelegenheiten. Über die interessanten Konferenzen der „Poa! i Zion" und der „Ibriah" berichten wir an anderer Stell-... VON DEN VIELEN FAHNEN UND VON DER EINEN Eines schönen Tages nahm man die Fahnen der Völker der Erde und brachte sie nach dem Haag. Die in mörderischem Kriege gegeneinanderflatterten, die Symbole waren der Macht und des Sieges des Starken über den Schwachen, deren Ehre und Ruhm darin bestand, Jammer und Schmerz verbreitet zu haben, kamen* zusammen, um Sinnbilder des Friedens, des Völkerbundes zu sein .. . An einem Giebel wurden die Farmen aufgepflanzt. Und jede redete ihre Sprache, war das Zeichen eines eigenen Seins. Neben der Trikolore wehte das Sternenbanner Nordamerikas. Da ist die gelbe Sonne, die zu uns herunterschaut, dort redet das Reich der Mitte uns in seiner Zeichensprache an. Da ist Rußlands Nationalfahne, bei deren Anblick gar manchem unwillkürlich die traurigen Bilder der Massakers an Tausenden von unschuldigen Juden vor das Auge treten. Auch damals, während der furchtbaren Pogromtage, flatterte sie so ruhig, und in ihrem Namen ward eines der größten Verbrechen der Geschichte vollbracht. . . . Draußen, in der weiten, weiten Welt, heißen sie Insignien des Krieges, der Niederdrückung, Niedertretung des anderen, des Nebenvolkes; hier im Haag sind sie vereint, Löwe und Lamm, nebeneinandergelagert, rufen das alte, magische Wort: Friede auf Erden! . . . Aber das Reich, das von Jesaias geträumt wurde, liegt noch in den fernen Nebeln der verhüllten Zukunft. Und noch ist die Fahne nicht erschienen, die alle Farben in sich verein allen Völkern zum einzigen Symbol, allen Zielen und Bestrebung zum versöhnenden Panier dienen würde. . . . Und eines schönen Tages erschien im Haag noch eine Falü Kein Wappen trägt sie an sich, keine Krone und kein Reichsad1 sind ihre Zeichen. Nicht ein einziges Land hat sie hergeschic Raum- und zeitlos ist sie. Ihr Fahnen der Mächte und Völker, die ihr mit Mitleid d gar Verachtung auf diese blauweiße Fahne eines mißachtet verachteten, gejagten und gepeinigten Volkes hinschaut, die . nicht in euere Mitte aufnehmen wollt, ihr Stolzen, wisset ihr, v» diese Fahne ist? Die Weltgeschichte hat euch über den Abgni des Todes und Vergehens einen Gruß geschickt. Diese blauwci Fahne ist eine der ältesten Insignien der Welt. §ie wehte vor; als das Reich Juda, das Reich der Gottesidee, des Gerechtigkei' und Reinheitswillens, gegründet wurde, unter ihr kämpfte Makka gegen die Seleukiden, das Judentum gegen das Griechentum, unl ihrem Schatten sah Jesaias seine hehre Vision des Weltfrieden die Gott-Erde, und als Bar Kochba und seine Scharen im Kamp fielen, senkte sich auch damals nicht die Fahne des jüdisch' Volkes vor dem römischen Adler, vor der Aquila des Hadrian. Vor der Trikolore war sie da, und Freiheit, Gleichheit, Brüde