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Die Welt · 1907-08-09 · 32 (9.8.1907) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
32 (9.8.1907)
Date
1907-08-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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12 DIE2 gymnasium, Türkisch, das die Kenntnis des Arabischen voraussetzt, im Obergymnasiumgelehrt. Französisch wirdschon in der3.Elementarstufeangefangen, Deutsch in der 3. Klasse, Englisch in der 4. Klasse des Untergytnnasiums. Die allgemeine Unterrichtssprache ist Hebräisch. Noch auf eines sei hier hingewiesen: Überall wird mit jeder höheren Klasse die Zahl der Schüler verringert. Hier ist das Gegenteil der Fall. Mit jeder höheren Klasse steigt die Schülerzahl der betreffenden Klasse. Die Gründe für diese Erscheinung sind mannigfach. Hier sei nur erwähnt daß auch außerhalb Jaffas manche Eltern ihre Kinder, so lange es geht, zu Hause für den Besuch des Gymnasiums vorbereiten lassen, damit diese nicht irn zarten Alter der Familie entzogen werden. So zeigt das Schülerverzeichnis 5667 in der 1. Elementarstufe bloß 9, in der 2. Gymnasialklasse hingegen 18 Schüler. Diese Tendenz der mit der höheren Klasse steigenden Schülerzahl wird voraussichtlich auch späterhin an den Tag treten. Briefe aus El: LT No. 32 den verschiedensten Gegenden und Ländern bekräftigen diese Annahme. Daß bis jetzt ein relativ geringer Teil der Jaffaer Eltern ihre Kinder dem Gymnasium übergeben, das hat seinen Grund darin, daß sie sich gegenüber der materiellen Lebensfähigkeit des Gymnasiums skeptisch verhalten und lieber eine abwartende Haltung einnehmen. Dieser Skeptizismus wird schwinden, wenn ein fester Fonds für den weitern Ausbau und Sicherstellung des Gymnasiums vorhanden wäre. Sollte die Schaffung eines solchen Fonds den Freunden des Gymnasiums nicht gelingen, dann sollen sie zumindest das Budget der nächsten Jahre kräftig subventionieren. Wenn erst der Lehrkursus des Untergymnasiums in Ehren bestanden und sich die reale Grundlage der Schule greifbar bewährt hat, dann wird es auch an ausgiebiger Beteiligung der einheimischen Bevölkerung nicht fehlen. Vergrößert sich doch auch jetzt fortdauernd die Zahl der Eltern, die das festgesetzte Schulgeld gern entrichten. Facta loquuntur! DR. GASTER ÜBER SEINE PALÄSTINAREISE (Schluß) •Was müssen wir nun in Zukunft tun? Natürlich gibt es Dinge, über die es weiser ist, nicht zu sprechen, und andere, die besser in der öffentlichen Meinung erörtert werden. Eine Frage ist jedenfalls heute dringend, wir müssen Land kaufen, wo wir nur können. Ob wir es mit den geringen Mitteln unserer Bank kaufen sollen, ist eine andere Frage. Die Zukunft Palästinas liegt in den Händen der Juden. Wenn sie alle einig sein werden, Land zu kaufen, können und werden wir Palästina besitzen. Wenn wir das nicht tun werden, werden andere es besitzen. Ich bin erfreut zu sehen, daß diese Auffassung nunmehr die allgemein herrschende in unseren Reihen ist. Es gab eine Zeit, da die Tendenz in einer anderen Richtung ging. Wir hatten stürmische Zeiten zu überstehen , Ostafrikazeiten, ich aber stand fest und wollte von keinem andern Lande als Palästina hören. Damals formulierte ich unser Programm: die Schaffung von beglaubigten Interessen in Palästina. Diese Ansicht hat seit jener Zeit die Oberhand gewonnen. Sie wird jetzt vertreten von all denen, denen die wahre Wohlfahrt unserer Bewegung am Herzen liegt, und sie bedeutet das einzige Programm, das zu einem Erfolge führen wird. Außerdem aber brauchen wir zweierlei: erstens iVienschen. In Palästina wächst eine neue Generation heran. Neue Rekruten wachsen dort auf, ein neuer Geist ist im Entstehen begriffen. Wir müssen das eingeborene Element stärken. Zu diesem Zwecke müßten wir ehrenhafte, angesehene, gut ausgerüstete Männer dorthin entsenden. Nur eine Handvoll, hier einer und dort einer würden vollständig genügen, die Rücken zu stärken und die Zukunft vorzubereiten .... Dr. Gaster erinnerte sodann an die Änderung, die der Besuch und der Einfluß des deutschen Kaisers auf die christlichen Priester und Missionäre in Jerusalem gehabt habe. Vorher hätten sie sich in der gehässigsten Weise bekämpft, Blut sei an den heiligen Stellen geflossen und es habe der lächerliche Zustand geherrscht, daß die türkischen Soldaten mit aufgepflanzten Bajonetten die verschiedenen christlichen Konfessionen voreinander hätten schützen müssen. Heute sei dies ganz anders und es seieij ganz andere Männer in die Klöster und Kirchen eingezogen, die die Würde der christlichen Religion hochhielten. So müßten auch wir der kommenden Generation Führer stellen, die inbezug auf ihre Lebensführung den höchsten Ansprüchen genügen, und vor allem von Frömmigkeit erfüllt sein müßten, um imstande zu sein, Einfluß zu gewinnen und die Nation ihrer hohen Bestimmung wieder zuzuführen. Nicht viele seien nötig. Die Einzelpersönlichkeit sei eine Macht an sich. Man müsse nur das Werk von Boris Schatz in der Bezalelschule betrachten. Ich habe einen Menschen noch nie so von seiner Aufgabe erfüllt gesehen wie ihn, einer, der es so gut verstand, jeden in den Bann seiner Ideen zu ziehen. Wenn wir so noch einige Leute mehr hätten auf dem Gebiete der Erziehung, des Handels usw., würden wir ein äußerst wertvolles Element in das Land eingeführt haben. Dann aber müssen wir uns vor der Welt als Vertreter der jüdischen Nation, als einer Nation im Lande unserer Väter dadurch würdig repräsentieren, daß wir alle noch in Palästina vorhandenen nationalen Denkmäler erwürben. Die christliche Kirche hat alle christlichen Heiligtümer in ihren Besitz gebracht, so daß die Christenheit dort einen moralischen Anspruch durch diesen Besitz erhalten hat. Könnten wir unsere Nation besser repräsentieren, als durch den Besitz der uns heiligen Orte? .... Das sind die Gedanken, zu denen mich meine Reise nach Palästina inspiriert hat. Haben wir die Mittel, wiederum Einfluß im Lande zu gewinnen, gesetzliche, rechtliche und friedliche Mittel, die der türkischen Regierung genügend erscheinen? Diese Dinge überlegte ich mir, als ich eines Nachmittags im Gebete bei dem Grabmal stand, das König Davids Grabmal sein soll. Und ich hörte die Antwort Es waren die Worte: „David, der König von Israel lebte und bestand, und wir werden ihn wiedersehen"..... Zirkular des russisch-zionistischen Zentralkomitees, betreffend die Dumawahlen Das Zentralkomitee der russisch-zionistischen Organisation stellt allen Gesinnungsgenossen anheim, aktiven Anteil an den jetzigen Wahlen in die Gossudarstwennaja-Duma zu nehmen, ohne dal3 aber dadurch die zionistischen Energien irgendwie gefährdet werden dürfen. Das Zentralkomitee ist sich klar über die ungeheure Schwierigkeit dieser Aufgabe. Denn erstens verspricht uns die zukünftige Zusammensetzung 8er Duma, die durch das neue Wahlgesetz bestimmt ist, wenig Gutes. Zweitens wird die Zahl der jüdischen Abgeordneten voraussichtlich ganz unbedeutend sein. Dessenungeachtet lädt das Zentralkomitee die jüdischen Wähler ein, ihr Wahlrecht auszuüben, geleitet von der Hoffnung, daß doch einige würdige jüdische Vertreter, mag ihre Zahl auch noch so geringfügig sein, in die Duma einziehen können, oder daß dort, wo die Wahl jüdischer Vertreter unmöglich ist, den fortschrittlicheren Elementen zum Sieg verholfen werden kann. Die Stimme des jüdischen Volkes muß auch in der dritten Duma vernehmbar sein, mag auch diese Duma keine lebensfähige sein, und es soll eine starke und stolze Stimme sein. Unser Programm bleibt das von Helsingfors: Für die Demokratisierung der Staatsordnung kämpfend, werden wir auch die Gleichberechtigung und die Anerkennung der jüdischen Nation und ihrer Sprache fordern, die Vertretung der Minderheit, das Recht auf Sabbatruhe und die Einberufung einer allrussischen jüdischen Nationalversammlung. Die acht Monate seit der Helsingforser Konferenz haben uns bewiesen, daß fast alle nationalen Elemente des Judentums mit diesem Programm einverstanden sind. Sogar diejenigen Elemente,

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