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Die Welt · 1907-08-02 · 31 (2.8.1907) · page 17

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
31 (2.8.1907)
Date
1907-08-02
Page
– (sequence 17)
Language
German
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(o. 31 DIE3§Kf LT 19 , chen, zu zeigen, was von unserem zionistischen Standpunkte aus -schelien kann. Die erste Frage, die mir nach meiner Rückkunft immer und; iiner wieder gestellt wurde, war die: „Sind Sie nicht enttäuscht? : ■ müssen doch bestimmt enttäuscht sein. Ist es nicht sehr häß- : h und dürr da drüben? Wir haben davon so viel gehört." Bin i enttäuscht zurückgekommen? Das ist die große Frage. Die twort hängt ganz von den Voraussetzungen ab, aus denen wir stellen. Nun, es ist ein traurig Ding, daß alles, was mit der oel verknüpft ist, unserem Volke ein verlorenes Land oder ein siegeltes Buch zu sein scheint. Wenn ich irgendwen aus dem ischen Volke über Kalifornien ausfrage, wird er mir über jede inigkeit die beste Auskunft geben können. Wenn ich ihn aber je, was in Jerusalem, in Haifa, in Jaffa oder Samaria vorgeht, ich die Gegenfrage gewärtigen: Wo liegen diese Ortschaften? ht mit Bitterkeit, aber mit großem Bedauern spreche ich von einfachen Tatsache, daß wir uns über reale Tatsachen durch besten Sachverständigen und Wahrheitssucher unterrichten i ^en, daß wir uns aber über Palästina haben durch Legenden in Irre führen lassen, die verbreitet und gefördert wurden von ressierter Seite. Und diese Legenden sind uns so sehr in isch und Blut übergegangen, daß wir allmählich dazu gekommen , J, dem zu glauben, der gegen, und dem zu mißtrauen, der für Land sprach. Das muß ein Teil der Propagandaarbeit des , nismus sein, diese Märchen aufzudecken und diese lügnerischen i senden auf ihre ursprünglichen Quellen zurückzuführen. Ichrde ihnen meine persönlichen Eindrücke schildern und Sie werden ( iegenheit haben, sie mit den Legenden zu vergleichen, die bisher üg und gäbe waren. Vielleicht bin ich in der entgegengesetzten ise voreingenommen. Aber ich werde versuchen, wie die ,:tschen sagen, so objektiv wie möglich zu sein. Ich habe alles ..in. um nicht voreingenommen zu werden. Ich habe alle Quellen angezogen, ich habe dreißig Jahre hindurch die Geschichte und »graphie Palästinas studiert. Aber nicht genug daran. Um einen itigen Begriff von einem Lande zu bekommen, muß man seine dien auf der Basis des Vergleichs machen. Da ist ein Land, 2000 Jahre hindurch verwüstet worden ist, wo eine lange Zeit!m eine Spur von Zivilisation zu finden war, wo der eine Einigling das Werk des andern vernichtet, wo jeder Besitzer die ^eit seines Vorgängers vernichtet hat, wo die alten Kulturen und mzungen von den Launen der Natur verwüstet worden sind. In!iaria zum Beispiel, früher ein äußerst fruchtbares Land, sind die;der verschwunden, weil der Regen den Fruchtboden von den längen der Berge weggewaschen hat, die Bäume haben kein -ser und die Wurzeln keinen Halt mehr. Die Brunnen sind >iegt, Sand ist vom Meere her über sie gekommen, und in dem ihmten Tale von Saron, besungen im Lied der Lieder, gehen Pferde knietief im Sande. Wo finden wir ein ähnliches Land? verglich es mit Griechenland, mit Sizilien und dem westlichen ie Italiens. Dort sind genau dieselben Kräfte am Werk. Die I ider wurden verwüstet durch barbarische Stämme, die vom Norden '?en. Das Land verlor seine hohe Kultur, die Wälder verdorrten, Berge wurden unfruchtbar. Und darum, weil ich all dieses •He, erwartete ^ch nicht, daß Palästina das Land sei, wo Milch ' Honig fließt, wie damals, als unsere Väter es unter Josua in tz nahmen. Aber was man in alten Zeiten vollbringen konnte, > man auch heute leisten können. Das ist eine Lehre, die ich onnen habe. Italien und Griechenland sind wieder aufgeforstet •'Jen. Und was in einem Land möglich war, ist auch in einem < rn möglich. In der Ebene Saron liegt der Sand ein und zwei tief. Wenn Sie aber nur etwas tiefer graben, finden Sie den n Humusboden, der mehr als 1500 Jahre unberührt gelegen hat, i Sie stoßen auf den fruchtbarsten Boden, den die Welt gesehen Ich machte eine Reise ins Innere, und unsere Pferde versanken etief im Sande. Aber dicht dabei liegt ein arabisches Dorf, wo Feld an Feld mit den kostbarsten und fruchtbarsten Produkten '■on, gewachsen in der besten und ausgezeichnetsten Schwarzerde. Pethach Tikwah, in Rischon Lezion stellt derselbe Boden geradezu - Ideal für Pflanzungen von Wein und Orangen dar. Er ist ein hrhaftes Paradies für Orangepflanzungen. Ich wünschte, ich nute Ihnen einen Begriff geben von den Wundern des Nordens.;ie Zeitlang wanderte ich tatsächlich in lauter Blumen. Jedes ng war frisch, war blühend, war grün. Bäche flössen von den '»hängen der Berge. Jeder Kanal und jeder Flußlauf war mit asser gefüllt. Sie können es rauschen hören von Damaskus bis miech am See von-Tiberias. Wenn jemand zu einer Zeit kommt, (! die Sonne alles hat vertrocknen lassen, ist der Anblick natürlich m ganz anderer. Aber niemand würde doch in ein Land gehen, 'A'enn es mit Schnee und Eis bedeckt ist, um sich ein Urteil über -•eine Fruchtbarkeit zu bilden. Ich versuchte, von den Produkten des Landes zu leben. Ich hatte Eier, Geflügel und Fleisch, getrocknete Feigen und Rosinen, Artischocken, Gurken, grüne Mandeln und Pidaziennüsse und vor allern, ich hatte Orangen. Und außerdem hatte ich etwas, das mir eine süße Überraschung war, Zuckerrohr, das mir eine maronitische Frau auf dem Gipfel des Libanons verkauft hatte. Eine besondere Freude war es mir, in Rischon Lezion unter denjenigen zu weilen, die diese Kolonie vor 25 Jahren gegründet haben und dazu die Kolonie Samarin. Fünfundzwanzig Jahre sind wohl ein langer Zeitraum, aber die Kolonien haben bewiesen, daß dieses Land der Verwüstung und Zerstörung bei der ersten Berührung durch die jüdische Hand wieder gleich herrliche Resultate zu zeitigen vermag, wie in den Tagen der Vergangenheit. Die Spuren zweitausendjähriger Verödung und Vernichtung lassen sich nicht leicht durch bloßes Ausstreuen der Saat und Graben mit der Schaufel verwischen. Dazu bedarf es kundiger, ausdauernder Arbeit. Unser Volk muß wieder von neuem beginnen, vom Aleph-Beth an. Wer von ungenügenden Erfolgen dieser Kolonien redet, ist im Unrecht. Er vergegenwärtige sich doch das Beispiel Australiens, Kanadas, der Pilgrimväter oder sonstigen Ansiedler in einem neuen Lande, wo günstigere Bedingungen und eine bessere Installierung zu Gebote standen und dennoch längere Zeit für das Gedeihen erforderlich war. Wenngleich der Erfolg der Kolonien noch nicht so sehr in die Augen springt, ist er dennoch bereits sehr bemerkenswert. Der Engländer, der als Ackerbauer in die Ferne zieht, ist reichlich mit Geldmitteln versehen und zur Bodenbearbeitung erzogen. Unser Volk aber ist arm; arm an Vermögen, arm an Körperkraft, arm an Kenntnissen, arm an Geduld und arm an Liebe zum Lande, es fehlt ihm die Kenntnis und die Begeisterung, die ihm sein schweres Werk erleichtern können. In Rosch Pinnah ergötzte ich mich an dem lieblichen Anblick von Mandelbaumpflanzungen, Getreidefeldern und Olivenhainen, die sich an dürren Felsabhängen hinziehen. Der störrige Felsboden läßt sich heute durch die einfachsten Mittel in blühendes Land verwandeln, da er hier nicht von quarziger, sondern von weicher, kalkartiger Beschaffenheit ist. Gräbt man ein Loch und setzt einen Schößling ein, so treibt er in kurzer Zeit Zweige und Blätter, wie ich mich durch den Augenschein überzeugte. Vor fünfundzwanzig Jahren erwarben dort zwei Männer einen nackten Felskegel, heute bedeckt ihn ein üppiger Olivenhain. Das ist doch ein bedeutsames Resultat. Wie erst, wenn wir mit allen Hilfsmitteln der modernen Technik ans Werk gingen! Ist da noch zu zweifeln, daß das Land wieder von Milch und Honig überfließen wird? Der ganze Libanon ist heute ein einziger großer Olivengarten, der den Maroniten und Drusen gehört. Sein Wert wird auf Millionen geschätzt. Ein einziger, vielleicht Jahrhunderte alter Baum repräsentiert einen Wert von 15 Lstr.! Das gleiche Ziel winkt auch dem Händewerk unseres Volkes. . . . Und nun zur Frage des Landkaufs! Es ist durchaus unwahr, daß dieser in Palästina verwehrt ist. Noch niemanden wurde die Erlaubnis dazu versagt. Längst wäre der Tiberiassee ein jüdischer See, wenn rechtzeitig mit den nötigen Mitteln und den nötigen Händen zugegriffen worden wäre. Wir ließen den rechten Moment verstreichen; das hat sich die christliche Kirche zunutze gemacht: sie kaufte Magdala an und durchbrach so die Kette der jüdischen Kolonien. Man ist in dieser Hinsicht von demselben Irrtum befangen, wie bezüglich der Erwerbung eines Hauses in England, die jedem Fremdling in London leicht ist, der das Kaufverfahren on lease, d. h. auf einen Pachtvertrag, und das Wesen des Schecks kennt. Das gleiche gilt für Palästina, nur daß da der Staat der Landeigentümer ist, der die lease erteilt. Es gibt dort auch Stellen, wo Freiland gekauft werden kann, doch das ist selten. Pachtverträge (leases) werden auf 999 Jahre bewilligt. Das, denke ich, genügt für uns, gekauft wird also die Übertragung des Pachtvertrags. Der Pächter kann seinen Vertrag einem andern weitergeben, und der neue^Titel hat gesetzliche Gültigkeit. Es ist nur die eine Bedingung daran geknüpft, daß das Land nicht brach liegen darf, sondern bearbeitet werden muß. Geschieht dies drei Jahre hindurch nicht, so fällt das Terrain wieder an den Staat zurück. Auf diese Weise soll der schädlichen Landspekulation ein Riegel vorgeschoben werden, damit nicht Zustande wie in Ägypten einreißen. Auch wird der Mann mit dem Boden gleichsam verwachsen, den er bebaut, und hängt an ihm mit seinem ganzen Herzen. Das fruchtbare Land wird daher von der Regierung zurückbehalten. Es gibt Personen, die uns heißen, noch abzuwarten; aber nach dem, was mit Magdala geschehen ist, dürfen wir nicht länger zögern, so viel Land anzukaufen, als irgend möglich. Grundirrig ist auch die Behauptung, daß es Einzelpersonen leichter ist, Land zu erwerben, als einer Gesellschaft. Der Jude ist keinem politischen Verdacht ausgesetzt; man braucht nicht zu befürchten, daß er das Land für politische Zwecke erwirbt und dadurch den Bestand der Türkei untergrabe. Alle Schwierigkeiten fallen daher für ihn fort, wie ich mich auf Grund einschlägiger Erkundigungen überzeugt habe. Beschränkt man sich nicht gerade auf das platte Land und wählt auch die Stadt

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