Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 31 (2.8.1907)
- Date
- 1907-08-02
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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No. 31 DIE ELT 17 genannten Gesellschaft, weiter durch große Versammlungen von Zionisten und Aktionären, die vollkommen informiert waren über den Vorschlag, die Zwecke der Gesellschaft, wie obenerwähnt, zu beschränken und in der Tat auch über jede Phase der Angelegenheit. Gegenerklärung von Mr. Zangwill Ich, Israel Zangwill, 3 Hart Court Temple, in der City von London, beeide und erkläre folgendes: 1. Ich habe eine Abschrift der eidesstattlichen Erklärung des Herrn Goldreich vom 16. Juli 1907 und eine solche des Herrn Elias Wolf Lewin-Epstein vom 12. Juli 1907 gelesen und bekunde in deren Entgegnung das Folgende: 2. Es ist nicht der Fall, wie ich auf Grund maßgebender Berichte bestimmt glaube, daß die allgemeine Stimmung der. amerikanischen Zionisten und Aktionäre und ebenso der südafrikanischen Zionisten und Aktionäre der Gesellschaft zugunsten der Beschränkung der Zwecke der Gesellschaft in der vorgeschlagenen Form ist. Auch ist die Frage dieser Abänderung der Statuten der Gesellschaft seit 1899 weder in den Vereinigten Staaten, noch in Südafrika, noch überhaupt in irgend einem Teile der Welt, allgemein erörtert worden. Von 1900 bis 1905 hat der Plan, solche Abänderungen zu treffen, tatsächlich geruht. Ich war auf dem Kongreß von 1902, und diese hYage tauchte, soviel ich weiß, überhaupt nicht auf. Zum Beweise, daß kein Interesse dafür in Amerika herrschte, verweise ich auj die „Kongreßnummer" der offiziellen Zionistischen Zeitschrift, „The Maccabaean" vom Februar 1902, die, obgleich sie den Kongreß nach jeder möglichen Richtung hin behandelte, keinerlei Erwähnung dieser Angelegenheit enthält. Ich war auf dem Kongreß von 1903 zugegen, auf dem keinerlei Interesse für diese Frage herrschte, und ch sage, daß der gegenwärtige Versuch, die Statuten zu ändern, erst seit 1905 datiert und verursacht war durch die Vorlegung des - Jstafrikaprojektes durch Dr. Herzl im Jahre 1903, wo die gegenwärtige Majorität eine Minorität war. 3. Im Jahre 1904 und 1905 machte ich selbst eine Reise durch die Vereinigten Staaten, wo ich 5 Monate hindurch verweilte, eine .Anzahl Versammlungen abhielt und mit einer großen Zahl Zionisten privat wegen der Annahme des Ostafrikaprojekts sprach. Ich wurde on der American Zionist Federation durch ein öffentliches Mahl gefeiert, und ich glaube bestimmt, daß die vorherrschende deinung in der Presse und in den zionistischen Versammlungen zugunsten der Kolonisation in irgend einem Territorium war, nlls Palästina weiterhin politisch verschlossen bleiben sollte. Seit Jieser Zeit bin ich in Berührung mit amerikanischen Zionisten geblieben und habe regelmäßig die führen den amerikanischen Zeitungen . rhalten und sehe keinen Grund, anzunehmen, daß irgend ein Wechsel :u amerikanischen Standpunkt eingetreten ist, der war und heute ioch ist: eine einfache Förderung der praktischen Arbeit entweder ii Palästina oder anderswo. 4. Ich kenne und bin gut befreundet mit Cyrus Sulzberger, der ias Amt eines Präsidenten und Vizepräsidenten der American Zionist i ederation bekleidet hat und ein Mitglied des großen Aktionskomitees ar, und ich behaupte, daß besagter Cyrus Sulzberger der zionistischen Zentrale geschrieben hat, daß er auf seine Ehrenämter erzichte zum Ausdruck des Protestes gegen die Behandlung, die er Zionistenkongreß 1905 der Minorität wegen eben dieser Frage 'er Kolonisation außerhalb des türkischen Reiches hat zuteil werden assen. Indem der besagte Cyrus Sulzberger so handelte, vertrat er die Aeinung einer großen Zahl von Aktionären in den Vereinigten taaten. Ähnliche Proteste empfing ich von Rev. Stephan S. Wise, )r. Salis Cohen und anderen hervorragenden Vertretern des ^nerikanischen Zionismus. 5. Mit Bezug auf die eidesstattliche Erklärung des besagten aniuel Goldreich sage ich, daß dieser Samuel Goldreich sich elbst ohne Erfolg um die Erlangung von Land für jüdische Kolonisation in Australien bemüht hat und mir erst in der letzten Voche Ausschnitte betreffend ein Territorium in Australien gesandt •at, worauf ich ihm schrieb: „Ich bin darüber informiert, daß Sie selbst territoriale Pläne betrieben haben, was mir du seltsam vernünftiges Verhalten für einen Zionisten zu -ein scheint." Auch weiß ich, daß Mr. Cowen als Antwort iuf seine Agitation in der Presse gegen die Statutenänderung -ine große Anzahl von Vollmachten von südafrikanischen Aktionären erhalten hat, um gegen die Spezialresolutionen für die Abänderung der Statuten zu stimmen, daß indessen diese Vollmachten nicht verwertet werden konnten, weil sie zu spät für die Versammlung angekommen sind. Außerdem bin ich in ständiger Verbindung mit dem Hon. Max Langermann und anderen hervorragenden südafrikanischen Zionisten und erhalte häufig jüdische Zeitungen aus Südafrika, und diese Verbindungen und Zeitungen bestärken mich «n meinem Glauben, daß dort ein großer und möglicherweise überwiegender Komplex von Meinungen gegen die beantragten Beschränkungen der jüdischen Kolonisation auf das türkische Reich ist. Der Richter fragt, ob Mr. Zangwill irgend welche Erklärungen in seinem eigenen Interesse eingereicht habe. Mr. Zangwill verneint dies und bat um die Erlaubnis, später noch angehört zu werden. Mr. Warmington führte aus, es sei vollständig klar, daß eine Majorität der Aktionäre für die Abänderung sei. Die eingereichten Beschwerden wären zurückzuführen auf die Verfassung der Gesellschaft. Mr. Zangwill führe Klage über die besonderen Vorrechte der Gründershares, aber das wäre ein Teil der Verfassung der Gesellschaft. Bevor die Verfassung geändert würde, müßten die Inhaber der Gründershares die Machtbefugnis benutzen, die ihnen nach den Statuten der Bank eingeräumt ist. In Hinsicht auf die Ankündigungen habe sich Seine Lordschaft informiert, daß die Aktien 1-Pfund-Aktien seien, und daß die durchschnittliche Zahl, die jeder Aktionär besitze, etwas weniger als drei betrage. Es würde furchtbare Auslagen bedeuten, jedem Aktionär postlich Mitteilungen zu machen. Deswegen habe man von der Vollmacht Gebrauch gemacht, durch Ankündigungen Kenntnis von der geplanten Statutenänderung zu geben. Die Ankündigungen seien in gehöriger Weise in den Zeitungen erschienen, und es sei außerdem noch eine Verschiebung des Termins um 14 Tage erfolgt, so daß die Ankündigungen entsprechend inseriert werden konnten. Ferner erklärt Mr. Warmington, daß auch, wenn sich alle Inhaber von Gründershares von der Abstimmung enthalten hätten, noch immer eine Majorität von Aktionären zugunsten der Änderungen gewesen wäre. Die Gründershares selbst hätten den ausgesprochenen Zweck, die Transaktionen der Bank in Einklang mit den Interessen des Zionismus zu bringen. Der Anwalt schließt mit der Bemerkung, daß er gegen Zangwills löbliche Organisation (J. T. O.) kein Wort zu sagen wünsche. Der Richter erklärte, es sei zur Evidenz bewiesen, daß die Aktionäre in allen Teilen der Erde wohnen, und daß sich eine große Zahl in Afrika, Australien, Rußland und Rumänien befinde. Von diesen Aktionären könne eine Teilnahme an den Versammlungen nicht erwartet werden, und er halte es daher, ehe er eine Entscheidung treffe, für seine Pflicht, diesen Aktionären die Möglichkeit zu geben, sich zu äußern. Mr. Warmington führte aus, daß das Gesuch die Folge einer Agitation sei, die seit den ersten Zeiten entfaltet wurde. Seine Lordschaft habe Erklärungen aus Südafrika, Amerika und andern Ländern vor sich, woraus sich ergebe, daß diese Frage seit 1899 zur, Diskussion stehe. Es sei keine neue Sache. Eine autoritative Äußerung* der Meinung aller Aktionäre sei außerordentlich schwer zu erhalten. Der Richter erklärte, er sehe diese Schwierigkeiten ein, aber diese Antwort könne ihn nicht beruhigen. Seine Ansicht sei, daß den Aktionären Gelegenheit geboten werden müsse, ihre Meinung kiindzutun. Allerdings gehe die Agitation für die Umänderung schon eine geraume Zeit, aber sie habe erst in letzter Zeit einen Hochpunkt erreicht. Es sei keine Eile vonnöten. Er gedenke, den Aktionären Zeit zu lassen, ihre Meinung zu äußern. Mr. Warmington erwiderte, die Bank habe gegen 13 000 Aktionäre und die Kostenfrage wäre eine sehr ernste Sache. Er möchte gerne der Meinung des Richters beipflichten, sehe aber nicht, wie die Sache ausführbar sei, deren Schwierigkeiten sich noch dadurch erhöhen, daß eine große Zahl der Aktien auf Inhaber ausgestellt sei. Wenn das Gesuch lange zirkuliere, wäre es möglich, daß dieselbe Aktie von beiden Seiten benutzt werde (Heiterkeit). Der Richter erklärte, er sei für eine Verlegung auf 6 Monate. Nach einer Pause sagte Mr. Warmington, er habe mit seinen Klienten gesprochen. Sie seien bereit, Seiner Lordschaft beizupflichten und die Meinung der Aktionäre einzuholen. Es solle ein Zirkular an jeden Namensaktionär gerichtet werden und die Inhaberaktionäre sollen durch Ankündigungen verständigt werden, wobei eine Deponierung der Aktien vorgesehen sei. Die Kosten dieser Aktion würden aber wenigstens 1500 Pfund betragen. Mr. Jessel führte aus, daß eine Schwierigkeit aufgetaucht sei in Hinsicht auf die Share-Clubs. Mr. Warmington erklärte, daß der von ihm vorgeschlagene Weg gangbarer sei als der vom Richter proponierte, Versammlungen abzuhalten. Mr. Jessel führt aus, daß es fürs nächste unmöglich wäre, in Rußland Versammlungen abzuhalten. Mr. Zangwill sagte, daß die ganze Aufregung unnötig sei. Solange die gegenwärtige Majorität Majorität bleibe, hätten sie, wie die Dinge jetzt lägen, alles, was sie wünschten. Der Richter erklärte schließlich: