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Die Welt · 1907-08-02 · 31 (2.8.1907) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
31 (2.8.1907)
Date
1907-08-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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12 DIE^ELT No. 31 tragen. In 'diesem Briefe sagte er: „Es geht aus den Schriften bezüglich dieser Sache und aus Berichten der Regierung hervor, daß dieses Gebiet fruchtbar und wohlgeeignet für die Besiedelung durch Europäer ist. Man darf daher annehmen, daß das lange gesuchte Asyl für die leidenden, heimatlosen, unglücklichen Wanderer unseres Volkes gefunden worden ist, obgleich es nicht Zion ist und niemals sein kann." Es ist meine entschiedene Ansicht, daß es den Interessen des jüdischen Volkes zuwider wäre, wenn die Kolonisations-Operationen auf solche Länder des Orientes beschränkt würden, ^on deren Herrschern die zionistischen Führer noch niemals während ihrer zehnjährigen Tätigkeit die geringste Konzession erlangt haben. Es würde unserem Volke alle anderen Möglichkeiten rauben, ohne in irgend einer Weise die Kolonisation in den besagten Ländern zu sichern. 4. Die auf dem Zionistenkongresse im Jahre 1905 abgegebenen Stimmen repräsentieren nur eine temporäre Majorität, die in einem ausnehmend chaotischen Momente im Zionismus erlangt wurde, der dem im Jahre 1904 erfolgten Tode des besagten Herrn Dr. Herzl zuzuschreiben ist und von dessen Wirkung die zionistische Bewegung sich'noch nicht erholt hat. Eine beträchtliche Anzahl von russischen und anderen Delegierten auf dem Kongresse im Jahre 1905 glaubten, daß dieser Kongreß unrechtmäßig konstituiert war, da die Mandate der Delegierten nicht genügend geprüft worden waren, und als Protest gegen die behauptete Illegalität weigerte sich diese Minorität, an der Abstimmung teilzunehmen und zog sich vom Kongresse zurück. Überdies war Herr Dr. Max Nordau, der Präsident des Kongresses, gegen die Entscheidung des Kongresses und unterzeichnete meine Resolution zugunsten einer Aktion in Ostafrika und griff später die Entscheidung des Kongresses als eine verräterische Handlung gegen das jüdische Volk an. 5. Auf dem Kongresse im Jahre 1903, auf dem der besagte Herr Dr. Herzl den Vorsitz führte, war die Partei, welche gegen die Beschränkung der Kolonisation auf Palästina ist, in der Majorität, und ein Vorschlag, daß eine Kommission entsandt werde, das Gebiet für die in Vorschlag gebrachte Kolonisation in Britisch-Ostafrika zu besichtigen, wurde mit 295 gegen 177 Stimmen angenommen. Ich war auf diesem Kongresse anwesend, und der jetzige Versuch, das Memorandum der Company zu ändern, ist ein ungerechter und Unterdrückung bezweckender seitens einer temporären Majorität, um künftighin das Inbetrachtziehen der Forderungen der Kolonisation im weiten und gewöhnlichen Sinne als entgegengesetzt der Besiedelung von Palästina zu verhindern und um die jetzige temporäre Minorität zu vernichten und zu paralysieren. Falls das Memorandum aber in seiner alten Form gelassen werden würde, würde es in keiner Weise die Macht der Majorität von 1905 beeinträchtigen 211 tun, was sie beliebt, solange sie eben eine Majorität bleibt. 6. Die Agitation zwecks der vorgeschlagenen Abänderung war von Russen, welchen westliche, politische und finanzielle Handlungsweisen fremd sind, organisiert, und die englischen Direktoren des Trust einschließlich Herrn Greenberg und Herrn Joseph Cowen haben öffentlich gegen die Abänderungen protestiert. Herr Greenberg sandte einen Brief an die Versammlung der Aktionäre in Basel, welchen ich verlesen hörte und in welchem er sie bat, die Abänderungen nicht vorzunehmen. Herr Cowen, obgleich ans anderen Gründen als es die meinigen sind, stellte sich an die" Spitze der Agitation gegen die Abänderungen und ersuchte mich um Vollmachten, welche ich ihm gab, indem ich ihm auch auf andere Weise in seinem Agitationskampfe half. Stets, wenn diese Frage in zionistischen Versammlungen besprochen wurde, gab es große Meinungsverschiedenheiten, wie z. B. auf der Versammlung der English Zionist Federation, über die ein wahrer und richtiger Bericht im „Jewish Chronicle" vom 2. Juli 1906 erschienen ist, welcher mir jetzt vorgelegt wird und den Vermerk „A" trägt. 7. In Erwiderung auf Par. 10 des Gesuches sage ich, daß die Company noch nie zu kolonisieren begonnen hat, und obgleich eine Erforschungskommission nach der Sinai-Halbinsel gesandt wurde, worüber ich den endgültigen Bericht zusammenfaßte, hat die Kolonisationsfrage nie eine praktische Verwirklichung gefunden, bis das Angebot der Britischen Regierung eines in Ost-Afrika gelegenen Gebietes besprochen und, wie bereits oben gesagt, vom Kongresse im Jahre 1903 günstig entgegengenommen wurde. Die Teile der Erde, auf welche die Kolonisationsoperationen des Trust beschränkt werden sollen, nämlich: Asiatische Türkei, Sinai und Cypern, bieten der jüdischen Kolonisation besondere Hindernisse. Cypern ist eine kleine Insel von nur 3584 Quadratmeilen und hat eine Bevölkerung von nahezu 70 per Quadratmeile. Herr Rt. Hon. Joseph Chamberlain sagte mir aus seiner Erfahrung als Kolonialminister, und ich glaube dieses auch, daß jüdische Kolonisation in Cypern unmöglich ist. Sinai ist eine Steinwüste, und die Unterhandlungen des Jewish Coionial Trust mit der britischen und ägyptischen Regierung betreffs dieses Gebietes haben sich bereits als fruchtlos erwiesen. N9CI1 minder erfolgreich haben sich die Unterhandlungen mit dem Sultan bezüglich Palästinas und noch anderer Teile der asiatischen Türkei erwiesen. Der Jewish Coionial Trust hat während der acht Jahre seines Bestehens weder einer einzigen Person zur Auswanderung verholfen, noch einen einzigen Morgen Landes kolonisiert und die gewünschten Beschränkungen werden nur dazu dienen, das Vermögen für eine unbestimmt lange Zeit, soweit der wahre Zweck in Frage kommt, unangetastet zu lassen. 8. Ich glaube, und so glaubt eine Anzahl Zionisten einschließlich des Herrn Greenberg, des Direktors des Trust, welcher im Namen Dr. Herzls mit der britischen Regierung bezüglich der Kolonisation in Ostafrika verhandelte, daß selbst, wenn der Zweck der Trust angenommen wird, als ein im engsten Sinne mit Palästina verknüpfter, daß es eine Verwechslung des Endzieles und der Mittel zu diesem Ziele ist, Kolonisation auszuschließen, welche durch Hebung des Status und Förderung der Einigkeit der Juden, ihre Macht erhöht, dieses historische Endziel zu erreichen. Herr Greenberg hat oft der Idee Ausdruck gegeben, daß es ebenso eine moralische wie eine geographische Nähe zu Palästina geben könne. Die vorgeschlagene Abänderung des Memorandums würde alle solche Mittelwegschritte ausschliessen, ebenso die Möglichkeit, mit dem Sultan diplomatisch umzugehen. Die Gesuchsteller, kurz gesagt, verwechseln die Mittel mit dem Ziele und beschränken die Mittel zu unserem gemeinsamen Ziele. 9. Ich deponiere bezüglich vorbesagter Tatsachen aus eigenem Wissen und selbsterworbener Information mit Ausnahme solcher Fälle, die ich besonders erwähne. Erklärung des Mr. Cl. I. Salaman Clement Isaa» Salaman, 2 Wyndham Place, Brganston Square, in Grafschaft London; Advokat, sagt unter Eid folgendes aus: 1. Ich bin eingetragener Besitzer von sechs gewöhnlichen Aktien der Company. Ich habe Abschriften des in dieser Sache am 18. März 1907 eingereichten Gesuches und der von Israel Zangwill am 27. Juni 1907 beschworenen Aussage gelesen. 2. Der besagte Israel Zangwill hat viel Zeit, Energie und Fähigkeit auf die zionistische Frage, welche, wie die Erklärung besagt, von Dr. Herzl der Öffentlichkeit zugeführt wurde, verwandt. Ich habe auch großes Interesse an derselben Frage genommen und sage positiv, daß unter den Juden Englands und in der Tat unter dem jüdischen Volke im allgemeinen die Dienste des besagten Israel Zangwill große Anerkennung finden und daß seine Meinung als die Meinung eines Experten bezüglich dieser Frage betrachtet wird und auf Berücksichtigung großen Anspruch hat. 3. Ich stimme gänzlich mit den Ansichten und Meinungen des besagten Israel Zangwill, wie sie in seiner besagten Erklärung Ausdruck gefunden, überein, aber ich wünsche auch darauf hinzuweisen, daß mir mitgeteilt worden ist und ich es wahrhaftig glaube, daß die Company im vorigen Jahre eine Schenkung von £ 2000 an einen Fond gemacht hat, welcher bezweckte, die durch Pogrome und Metzeleien ruinierten russischen Juden zu unterstützen. Ähnliche Schenkungen oder Beisteuerungen werden vielleicht wieder nötig sein und sollten nach meiner Ansicht auch gemacht werden, um ähnlichem Elend in Rumänien, Marokko oder in anderen Ländern abzuhelfen, würden jedoch gegen die Machtbefugnisse der Company' gehen, falls die vorgeschlagenen Beschränkungen genehmigt werden. Erklärung des Herrn M.S.Uriaschsohn aus Grodno M. S. Uriaschsohn aus Grodno (Rußland) erklärt feierlich: 1. Da ich an der Lösung der Judenfrage und der Bewahrung des jüdischen Volkes vor Verfolgungen tiefen Anteil nehme, veranstaltete ich im Jahre 1899 jüdische Volksversammlungen in Grodno und dessen Distrikt. Ich war dazu autorisiert von Gregori Louri6 aus Pinsk, einem der Direktoren der obenerwähnten Bank. Als Resultat dieser Versammlungen gelang es mir, über 2500 Shares der Company in Grodno, 2500 in Bjelostok und andere an andern Orten, zusammen über 6000 zu placieren. Über siebzig Prozent dieser Aktien waren und sind im Besitze von Personen, die keine Zionisten sind, und diese Personen haben mir erzählt und ich glaube, daß es eine Tatsache ist, 1. daß sie keine Aktien der Bank gekauft hätten, wenn die Kolonisationsmöglichkeiten nur auf Palästina beschränkt würden, 2. daß sie ausdrücklich die Aktien zu dem Zwecke gekauft haben, um die Bewegung zu fördern für Kolonisation von Juden in irgend einem Teile der Welt (einschließlich Palästina), der sich für deren Aufnahme eignet, und weil sie geglaubt hätten, daß die obengenannte Company das beste Mittel sei, das durchzuführen. Die meisten dieser Leute haben mich aufgesucht und protestierten gegen die geplante Änderung der

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