Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 30 (26.7.1907)
- Date
- 1907-07-26
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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16 DIEÄELT Mo, 30 er schuf dem jüdischen Volke «in Parlament. Seite an Seite mit unsefm Werk der Wiederaufrichtung des jüdischen Volkes schufen wir die Instrumente und brachten die finanziellen Mittel auf, unsere Theorie in die Tat umzusetzen. Aber, da wir uns nunmehr anschicken, in die zweite Dekade einzutreten, sind wir uns wohl bewußt, daß die kommende Zeit von uns noch viel mehr Eifer, viel mehr Tätigkeit, viel mehr gesammelte Energie verlangt, denn die verflossenen zehn Jahre. Sollen wir die Möglichkeiten ausbeuten, welche die durch die Verfolgungen in Rußland hervorgerufene jüdische Massenwanderung einerseits und das allmähliche Verschwinden der Hindernisse, die uns bisher den Weg nach Palästina versperrten anderseits, benutzen? Oder wollen wir uns jeder praktischen Tätigkeit in Palästina enthalten bis wir den Charter erlangt haben? Das sind schwerwiegende Fragen, die nur vom Kongreß selbst entschieden werden können. Aber, wenn wir auch nicht allein über diese Frage zu entscheiden haben, so können wir doch unsere Ansicht dazu äußern, und nicht zum wenigsten dieses ist der Zweck unserer Konferenz. Ich glaube, ich spreche im Namen der Versammlung, wenn ich sage, daß Hand in Hand mit einer energischen politischen Tätigkeit eine Unterstützung der jüdischen Einwanderung nach Palästina, der friedlichen Penetration des Landes mit jüdischen Kräften, mit jüdischem Geiste sich vorziehen soll. Wir wollen mit Hilfe unserer Finanzinstitute alle Juden unterstützen, die dort auf gesunder Grundlage Industrien erwecken, den Ackerbau heben, die Mineralschätze ausbeuten wollen. Das soll nicht bedeuten, daß wir zu einer unfruchtbaren Kleinkolonisation zurückkehren sollen, denn wir können unser Ziel nur erreichen, wenn wir nicht für den Einzelnen, sondern für das gesamte Volk arbeiten. In diesem Sinne mögen unsere Delegierten auf dem Kongresse stimmen. Aber, wenn unsere Stimme auf dem Kongreß nicht ungehört verhallen soll, müssen unsere Delegierten in der Lage sein, zu beweisen, daß wir durch die Tat bereit sind, eine derartige Politik zu unterstützen, indem wir unseren vollen Teil zu den Mitteln aufbringen, die sie erfordert. Der Redner beleuchtete sodann die Fortschritte, die die zionistische Bewegung im verflossenen Jahre in Kanada gemacht hat. Die Sammlungen haben sich beträchtlich vergrößert, die Vereine haben sich vermehrt. Aber, kann uns dieser Fortschritt genügen? Ja und nein. An manchen Plätzen herrscht ein außerordentlich entwickeltes und lebhaftes zionistisches Leben. Allen voran geht Toronto, aber auch von Ottawa ist nur rühmliches zu melden. Leider aber zeigen einzelne wenige Vereine Spuren des Verfalls und darum muß unser ernstes Streben darauf gerichtet sein, unsere Organisation, die nie so gut war wie jetzt, zu festigen und auszubauen. Nicht mit leeren Phrasen können wir Palästina erringen. Für jeden Dollar, den Sie gesammelt haben, für jeden Schekelzahler, den Sie gewonnen haben, müssen Sie das Mehrfache erringen. Die gegenwärtige Lage des jüdischen Volkes gestattet keine halben Maßnahmen. Darum heran mit eurer Kraft, kanadische Zionisten! Nach der mit stürmischem Beifall aufgenommenen Ansprache Mr. de Solas erstattete der Kassierer den Finanzbericht, dem wir folgendes entnehmen: Schekelsammlung.........Dollars 500.— Für Aktien der Kolonialbank .... „ 2.257.27 Eucalypten-Allee Sammlungen für den Nationalfonds „ Herzlwald . . „ Bezalel . . . „ die PaL-Kommission 574.77 25.— 47.— 71.30 Insgesammt . . . Dollars 3475.34 Nach Genehmigung des Kassenberichtes wurden eine Menge Glückwunschtelegramme verlesen. Besonderen Beifall erregte das Begrüßungsschreiben des Präsidenten Wolffsohn und das Telegramm der -* Amerikanischen Federation, die gerade ihre JahreskQnferenz in ^'fennersville abhielt Am Abend des ersten Tages fand eine große * Massenversammlung statt, die besondere Bedeutung durch eineAnspräche des Parlamentsmitgliedes für Ottawa, Mr. Robert Stewart, erhielt, in der dieser die Sympathie der christlichen Bevölkerung Kanadas für den Zionismus zum Ausdruck brachte. Die Redner des Abends waren die Herren Clarence de Sola, Talpis, Leo und Levy, der eine begeisterte Rede für den Bezalel hielt. J Während der Beratungen des zweiten Tages, die hauptsächlich die praktische Arbeit in Palästina betrafen, erschienen die Minister Aylesworth und Patterson, die mit großem Enthusiasmus empfangen wurden. Mr. Aylesworth erklärte in einer bemerkenswerten Ansprache, daß er fest daran glaube, daß es die Mission des jüdischen Volkes sei, das Land seiner Väter wieder zu erlangen. Er halte den Zionismus für die einzig mögliche Lösung der Judenfrage und beglückwünsche die Zionisten zu dem Eifer, den sie für die Durchführung ihrer Ideen entwickelten. In zehn Jahren hätten die Zionisten mehr für die friedliche Wiederauffrischung getan, als die Kreuzfahrer in ihrer jahrhundertelangen Tätigkeit voll Krieg und Blutvergießen. Im Namen der Regierung Kanadas, die er an dieser Stelle vertrete, erkläre er, daß die kanadische Regierung die Bemühungen der Zionisten mit größter Sympathie verfolge und die zionistischen Pläne gerne unterstütze. Es ist selbstverständlich, daß diese bedeutsame Erklärung mit begeistertem Jubel aufgenommen wurde. Ein ähnlicher Enthusiasmus ist auch noch nie in einer Versammlung in Kanada erlebt worden. In ähnlichem Sinne sprach Minister Patterson, der erklärte, daß, als er von den Greueln gehört habe, denen die Juden Rußlands Busgesetzt sind, und als er von der Tätigkeit der Zionisten vernommen habe, die den Juden eine eigene Heimstätte schaffen wollten, es keiner langen Überlegung bei ihm bedurft hätte, um zu dieser Versammlung zu gehen und seine Meinung öffentlich zum Ausdruck zu bringen. Gerade weil in Kanada die Freiheit und Gleichheit jeden Bürgers gewährleistet sei, sei es das Recht und die Pflicht der kanadischen Zionisten, für ihre unglücklichen Brüder einzutreten. Wir versichern den Zionisten, daß jeder ehrliche Mann mit ihnen sympathisiert und ihren so überaus anerkennenswerten Bestrebungen von Herzen Erfolg wünscht. Nachdem sich der stürmische Beifall, der diesen beiden Reden gefolgt war, gelegt hatte, stattete der Präsident in warm empfundenen Worten den beiden Ministern den Dank für ihre so freundlichen und bedeutungsvollen Ausführungen ab. Es wurde eine Dankesresolution für die kanadische Regierung und die beiden Minister angenommen, die begleitet von Hochrufen in Mikweh Israel auf die Regierung und auf Kanada und den Klängen des „God save the King" den Saal verließen. Im Laufe der weiteren Verhandlungen wurde eine Resolution angenommen, worin die Jahresversammlung ihre volle Zustimmung zu einer Politik der Ansiedlung und der Arbeit in Palästina ausspricht und verlangt, daß die Einwanderung jüdischer Ansiedler und die politischen Bemühungen zur Erlangung des Charters mit allen Kräften unterstützt werden müßten. Es wurde beschlossen, 50 Ölbäume für den Herzlwald zu stiften und den 15. Sabbath als nationalen Baumpflanzungstag zu begehen. Die Wahlen hatten folgendes Ergebnis: Clarence de Sola, Präsident; J. Cash, J. D. Holofcener, M. Selbman, Mrs. J. H. Siegel, Jos. Abramson, H. Weidmann, Vizepräsidenten; M. Bernstein, Schatzmeister; J. S. Leo, Dr. Rudyk und S. Talpis, Hon. Secretaries. Die Jahreskonferenz, die die größte und erfolgreichste Konferenz darstellt, die die Zionisten Kanadas bisher hatten, schloß mit einer glänzenden festlichen Veranstaltung der Zionisten Ottawas. *