Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 30 (26.7.1907)
- Date
- 1907-07-26
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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No. 30 DIE8SKELT strikten Gegensatz zu dem, was man als jüdischen Typus ansprechen möchte. Noch ein Moment zur Charakteristik Aschs muß erwähnt werden. Br schaut die Tragik des Ghetto, er vermag sie nicht aufzulösen. Doch bleibt ihm ein Mittel, sich selbst von ihr zu befreien: der Humor. Aschs Humor hat nichts von dem kräftigen Witz, der übersprudelnden Lustigkeit Scholem Aleichems. Er bleibt auch hier der Lyriker, der nur lächelt, weil er still und verschämt liebt. Ein Beispiel nur für diesen Humor: Der Dichter erzählt, wie er als Knabe der Schule und den Eltern entfloh und zur Tante Nuche Perl, (oder zum Bäschen?) nach Lentschycz seine Zuflucht nahm. („Ein Ärgernis".) Doch die Tante ist nicht sehr erfreut über den Besuch und das neue offene Mäulchen und wirft dem Knaben kaum einen trockenen Willkommgruß hin und hält ablehnend weiter ihr Schläfchen. „Nach einer Weile erhebt sie wieder den Kopf, wirft mir 15 einen wohlwollenden Blick zu und seufzt schwer. Das Seufzen meiner Tante beruhigt mich. Es wirkt wie die Unterschrift unter einen schweren Kontrakt."-- Dies scheinen mir die Elemente in der Kunst Schalom Aschs zu sein. Die Ausgabe, die der bekannte Berliner Verlag veranstaltet hat, wird seine Kunst hoffentlich noch bekannter machen und die Zahl derer ansehnlich vermehren, die ihn schätzen. Sollen wir auch tadeln? Dann träfe unser Tadel die Auswahl der Stücke. Den „Eilboten" am Beginn des Buches hätten wir gerne vermißt. Ungern vermissen wir manch treffliche Erzählung. Warum ist „An den Ufern der Weichsel" nicht übersetzt? Und manches andere mehr. Doch tadeln wir nicht, sondern wünschen wir: Unsere Genossen würden dieses Buch alle lesen. Man hat so selten Gelegenheit, tiefer in die Seele unseres Volkes zu sehen! o o o o o o o|j ooooooojj"" AUS DER BEWEGUNG rf 1(00000 O O |i : -=Jt 0000000 I David Weinberg I Am 25. Juni starb Herr David Weinberg, nach kurzem schmerz-' vollem Leiden im Alter von 33 Jahren in Prag. Die Beerdigung fand in Antwerpen am Freitag den 28. Juni um 3 Uhr nachmittags statt. In David Weinberg verliert der Zionismus in Belgien eine grof3e Stütze, eine bedeutende Kraft. Als Präsident des Vereins „Agudalh Zion" in Antwerpen leistete der Verstorbene geradezu Hervorragendes. Unter seiner Leitung wurden die innere Organisation, die Finanzen des Vereins in musterhafte Ordnung gebracht. Mit Leib und Seele arbeitete er unablässig und brachte den Verein zu einer bis jetzt unerreichten Höhe. Die Einführung und das Gelingen der Donnerstagsabende, welche nicht nur propagandorisch wirkten, sondern alle Zionisten in- Antwerpen einander näher brachten, waren größtenteils sein Werk. Mit unermüdlichem Eifer gedachte er aller Einzelheiten, um durch den glänzenden Verlauf der Versammlungen für die zionistische Idee immer weitere Kreise zu gewinnen. Zuletzt hatte er den Plan gefaßt, für die Zionisten in Antwerpen ein eigenes Heim zu errichten und trotz aller Bedenken seitens seiner Kollegen, unternahm er es auf eigene Gefahr und mietete ein stattliches Haus, wo .,der Zionismus eine Heimstätte im Golus gefunden hat", wie er scherzend sagte. Leider sollte er der feierlichen Einweihung des .,Beth Zion" nicht mehr beiwohnen. Am 5. Juni verließ Herr Weinberg in froher Stimmung Antwerpen und ging nach Marienbad. Da erkrankte er plötzlich an einer Ohrenentzündung. Eine Operation mußte unverzüglich ausgeführt werden. Die ärztliche Kunst vermochte jedoch nicht zu helfen, der Tod brachte dem Leidenden in Prag Erlösung. Das Hinscheiden des Herrn Weinberg rief unter der jüdischen Bevölkerung Antwerpens große Bestürzung hervor. Das tragische Ende des im schönsten Alter stehenden Mannes berührte Jeden mächtig. Und die aufrichtigen Sympathiekundgebungen für die arme Witwe und die drei verwaisten Kinder zeigten von der allgemeinen Trauer, die über den Verlust des ausgezeichneten Mannes allenthalben herrschte. Gar viele außer den Verwandten werden den Verlust schwer empfinden. Herr Weinberg gehörte auch dem Vorstande des Vereines Esra an. Die Tätigkeit, die er in dieser Eigenschaft entwickelte, verdient höchste Anerkennung. Wo es galt, einem Armen zu helfen, da war der Verblichene immer dienstbereit. Die Beteiligung der jüdischen Bevölkerung Antwerpens an der Bestattung dieses verdienstvollen Mannes war eine sehr große und imposante. Am Grabe sprach der Rabbiner Dr. Wiener im Namen des Esra warme Worte der Anerkennung und des Trostes. Dann würdigte der Präsident der B. Z. F. Dr. L. Herz das Leben und Wirken des tapferen Gesinnungsgenossen. Als Kollege und Mitarbeiter des Verblichenen hielt Herr Jean Fischer einen tiefempfundenen Nachruf. Ehre seinem Andenken! Achte Jahreskonferenz der Federation of Zionists of Canada Am 30. Juni und 1. Juli fand in Ottawa in Qoldsmith's Hall die achte Jahreskonferenz der Federation der Zionisten Kanadas statt. Auf der Konferenz war die stattliche Zahl von 42 Vereinen durch mehr als 200 Delegierte vertreten. Dies ist wohl die größte Zahl von Abgeordneten, die je in Kanada zur Beratung jüdischer Interessen zusammengekommen ist. Eine ganz besondere Bedeutung erhielt die Konferenz durch die Tatsache, daß zwei Minister, Aylesworth und Patterson, die Gelegenheit wahrnahmen, im Namen der kanadischen Regierung die Zionisten ihrer vollsten Sympathie zu versichern und die wärmste Förderung der zionistischen Sache zu versprechen. Die Tatsache, daß die Minister im Verhandlungssaal selbst erschienen, und die Wärme ihrer Ansprachen hat nicht nur die kanadischen Zionisten enthusiasmiert, sondern auch die kanadische Presse zu bemerkenswerten Sympathiekundgebungen für den Zionismus veranlaßt. Nachstehend der ausführliche Bericht: Der Vorsitzende der Federation, Mr. Clarence de Sola, eröffnete die Konferenz mit einer glänzenden Ansprache, in der er ungefähr folgendes ausführte: „Hier in der Hauptstadt unseres Landes, angesichts der Parlamentsgebäude, sind wir kanadischen Zionisten zu einer Beratung zusammengekommen, die in gleicher Weise Fragen unserer Federation wie diejenigen unserer verfolgten und bedrückten Brüder umfassen soll. Wir, die wir hier unter Gesetzen leben, die uns Freiheit und Wohlfahrt verbürgen, lenken selbstverständlich unsere Blicke zu unsern unglücklichen Volksgenossen und fordern, daß ihnen gleichfalls Recht und Freiheit zuteil werde. Unsere Tagung ist ein Beweis der weltumfassenden Bedeutung unserer Organisaton und des ständigen Wachsens unserer Landsmannschaft. Vergangenes Jahr maßen wir unsere Kräfte in Toronto, das Jahr vorher in Montreal, und im nächsten Jahre werden wir unsere Brüder wieder in eine andere Stadt unseres Landes zusammenrufen. So stehen wir fest auf dem Standpunkt und proklamieren laut unser Prinzip in einer Stadt nach der andern, von der Küste des atlantischen Ozeans bis zu den schneebedeckten Gipfeln der Rocky Mountains. Der Redner erinnerte sodann an das zehnjährige Bestehen der Bewegung und fragte: Was haben wir in dieser Periode erreicht? Wir dürfen wohl sagen, große Dinge haben wir vollbracht. Wir haben unser Volk organisiert, wir haben ihm Disziplin beigebracht und haben es gelehrt, Schulter an Schulter zu stehen. Der Zionismus fand eine ungeordnete Masse uneiniger und versprengter Gruppen und festigte sie zu einer lebendigen Kraft; er rief das jüdische Nationalgefühl hervor, er lehrte den Juden, sein Haupt aufrecht zu tragen,