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Die Welt · 1907-07-26 · 30 (26.7.1907) · page 9

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
30 (26.7.1907)
Date
1907-07-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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:>J0. 30 DIESaKELT 11 '"f-^-iondern durch die politische und parlamentarische Manifestation der ionistische Gedanke proklamiert werden. . . . Wie soll sich das A. C. zu dieser Politik stellen? Bis jetzt habe Jas A. C. diese Frage ignoriert; das könne aber nicht weiter so ein, sonst würden die Wellen des Lebens über unsere Leitung linüberfluten. Der VIII. Kongreß müsse also der Leitung in Hinsicht •uf die national-zionistische Politik bestimmte Direktiven erteilen. Bei Her Autonomie, die den Landsmannschaften in ihren inneren Fragen .•ewahrt werden soll und muß, sei es doch notwendig, daß im Zentrum alle Fäden der national-politischen Arbeit zusammenlaufen. Vir sollen vor dem Vorwurf einerneuen Internationale nicht zurückchrecken. Besitzen doch die Juden aller Länder ihre spezifischen nationalen Interessen, die in der Erhaltung ihrer geistigen Eigenart, ihrer historischen Kultur und in staatlicher Hinsicht im Zionismus .ipfeln.. In einem dritten Artikel bespricht Herr Ussischkin die „reale Arbeit in Palästina" und führt etwa folgendes aus: Als Zentralmmkt unserer Tätigkeit muß die Ansammlung wirtschaftlicher und kultureller Kräfte in Palästina angesehen werden, das, was man etzt als „reale Arbeit in Palästina" bezeichnet. Die Zeiten, ■a'O man die Arbeit in Palästina ■/or der Sicherung der „öffentlichechtlichen Heimstätte" als eine lirchterliche Ketzerei betrachtet hat, sind endgütig vorbei, und lieser Programmpunkt ist zu hier zentralen Losung für die ^anze Partei in allen Ländern geworden. Aber wenn die Anhänger dieses Prinzips sich damit beruhigen wollten, müßten sie las nachher schwer büßen. Die reale Arbeit in Palästina hat in der Theorie, in den Resolutionen der Kongresse und der Konferenzen, im Bewußtsein der zionistischen Massen, aber nicht in der Wirklichkeit gesiegt. Der Wille der Leiter unserer Organisation sei eben nicht auf dieser Seite. Nicht, daß sie dieses Prinzip noch direkt bekämpften, sie zögen es vor, um das Prinzip herumzugehen. „Wir sind für praktische Arbeit, aber wir sind gegen unpraktische Arbeit" — lautet gewöhnlich ihre Parole. Natürlich könne kein vernünftiger Mensch dagegen etwas einwenden. Anderseits — wer denn anders, als die Leiter unserer Organisation könne entscheiden, was „praktisch" und was ..unpraktisch" ist? Es fehle eben an der Entschlossenheit, mit der alten Ordnung radikal zu brechen und das neue Prinzip ins Leben umzusetzen. Darum müßten die Anhänger der praktischen Arbeit bestimmtere und konkretere Forderungen aufstellen. Worin soll unsere Arbeit in Palästina bestehen? Sie kann von zweierlei Art sein: Erstens Tätigkeit unserer Institutionen (Bank, Nationalfonds etc.), zweitens Heranziehung der Privatinitiative und Kooperation mit andern Organisationen. Die Hauptsache für uns sei: Wie können Bank und Nationalfonds wirken? Unsere Jüdische Kolonialbank soll — negativ ausgedrückt — nicht so arbeiten wie bisher. Sie sollte bekanntlich als politische und finanzielle Institution wirken: sie hat aber beide Aufgaben nicht erfüllt. Ein Hinanzunternehmen von ein paar Millionen Rubeln, berechnet für den internationalen Markt, sei völlig bedeutungslos. Der Verfasser macht dann der Bank scharfe Vorwürfe wegen ihrer mehrfachen zwecklosen Aufwendungen für vermeintliche politische und Expeditionszwecke und erklärt, daß solch eine politische Bank keine Aktien an den Mann bringen werde. Als finanzielles Institut mache die Bank hauptsächlich Diskontgeschäfte, darunter besonders in dem sehr Markt in unsicheren Rußland — und doch sei trotz des hohen Zinsfußes die Dividende sehr gering. Und weder kauften die Bankiers, die gerne ihre Wechsel bei der Bank diskontierten, Aktien, noch hätte die Bank wesentliche Depositen. Wenn man die Filiale in Whitechapel dazu halte und den Plan einer Filiale in New-York, so müsse man sagen, daß die Leiter nicht berechtigt seien, sich f ür die„Praktischen " zu halten. — Tatsächlich werden die Bankaktien nur von Zionisten und ihnen sehr Nahestehenden gekauft — und in dieser Hj^sfckt ist fast der Sättigungspunkt erreicht worden. Alles berück (ichtigt, müßte man eine ganz andere Richtung der Banktätigkeit fo>^rn. Die Gelder sollten aus den Diskontgeschäften herausgezogen, cHe Ausgaben in London auf ein Minimum reduziert, an neue Filialen — außerhalb des Wirkungsgebiets des Orients — soll nicht gedacht "werden. Der Jewish Colonial Trust soll bei uns die wichtige Funktion einer uns immer zur Verfügung stehenden juristischen Person mit weitreichenden politischen Statuten, die im gegebenen Moment ausgenützt werden können, erfüllen. Die speziell-finanzielle Tätigkeit der Bank müsse nach Palästina und dem nahen Orient (auch Konstantinopel) verlegt werden. Es sei allgemein bekannt, wie schwer es gewesen sei, die Errichtung des Jaffaer Instituts der A. P. C. durchzusetzen. Und wie gut seien nun dessen Resultate! Dieselben Schwierigkeiten seien bei der Gründung der Filialen in Beirut und Jerusalem gewesen, die man förmlich „herauspressen" mußte. Wie lange verlange man jetzt schon die Gründung einer Filiale in Haifa, während die deutsche Palästinabank indessen dort eine Abteilung errichtet habe und jetzt schon in ihrem Berichte Rischon sage: „Unsere Filiale Haifa berichtet denn auch, daß ihre Erwartungen im Jahre 1906 mehr wie erfüllt seien und sie mit guter Hoffnung in die Zukunft sehen könne." Unsere Filialen müßten auf die Städte Aleppo, Damaskus, Haifa, Smyrna, Safed, Tiberias, Nablus, Gaza, Port Said, Alexandrien, Kairo ergänzt werden. Für die arme Türkei bilde unser Bankkapital schon eine gewisse Größe. Wir würden sicherlich auch an Ort und Stelle Depositen erhalten. Endlich können wir auch die Aktien der Anglo-Palestine Company realisieren. Diese sind fast unbekannt in der zionistischen Welt, werden aber zweifellos einen Absatz finden, da die Tätigkeit der A. P. C. greifbar sei und eine anständige Dividende in Aussicht stelle. Bei geschickter Geschäftsführung ließen sich die Aktien im nahen Orient selbst placieren. Auch aus rein praktisch-rechtlichen Gründen sei es angezeigt, die jetzige gute Situation für englische Gesellschaften (wie die A. P. C. eine sei) zur Filialgründung zu benutzen. Sodann behandelt der Verfasser die Frage des Nationalfonds, worüber wir auszugsweise in nächster Nummer berichten werden. Im „Jüdischen Volk" bespricht Dr. Pasmanikdie „Aufgaben des Kongresses". Der Vorwurf, daß die offiziellen Organe sich zu wenig mit den Kongreßfragen befaßten, sei unberechtigt; denn noch nie seien die Delegierten so vorbereitet zum Kongreß gefahren. Der Kongreß werde sich mit drei Fragen zu befassen haben. Erstens: Arbeit in Palästina. Kein Zweifel, daß man dieserhalb noch mit einigen „versteinerten Charteristen" werde kämpfen müssen, aber sie werde bestimmt eine große Mehrheit finden. Der Kongreß könne bezüglich der Palästina-Arbeit Vorschläge machen, aber die Art der Ausführung müsse Fachleuten überlassen wer-

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