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Die Welt · 1907-07-26 · 30 (26.7.1907) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
30 (26.7.1907)
Date
1907-07-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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10 - -DIE^gELT- No. 3u PRESSESTIMMEN ZUM ACHTEN KONGRESS Die „Jüdische Zeitung", das neue Organ der österreichischen Zionisten, beschäftigt sich in ihrer letzten Nummer eingehend mit dem Plan der Schaffung einer Siedlungsgenossenschaft in Palästina. Sie schreibt darüber: „Der V. Österreichische Zionistentag in Bielitz hat den Anirag angenommen, die Projekte Oppenheimers bezüglich der Schaffung einer Siedlungsgenossenschaft in Palästina zu unterstützen. Der Beschluß hat doppelte Bedeutung: eine prinzipielle, weil damit in einem wichtigen Punkte der realen Palästinaarbeit den Wünschen der Poale Zion entgegengekommen wird, und eine praktische, weil nach der Ansicht aller, die das Projekt begrüßen und fördern, seine Ausführung ein glänzendes Mittel bietet, uns in Palästina einen weiteren Stock jüdischer Landwirte zu schaffen. Die Gegner haben eingewendet, es handle sich um ein „Experiment", das noch nirgends erprobt und daher mit einem großen Risiko verbunden ist. Sie hätten damit Recht, wenn Oppenheimer die Absicht hätte, nach dem in seinen großen theoretischen Werken aufgestellten Schema zu arbeiten. Dies ist jedoch nicht der Fall, sondern er hat den Plan einer Siedlungsgenossenschaft in Palästina so praktisch modifiziert, daß der erhobene Einwand nicht stichhaltig ist. Dem VIII. Kongreß zu Haag wird er sein Projekt — hoffentlich persönlich — vorlegen. Nach allem, was Oppenheimer bisher darüber verlauten ließ, argumentiert er wie folgt: Die landwirtschaftliche Kolonisation durch Ansetzung einzelner Bauern ist, wie die Erfahrung gelehrt hat, zu kostspielig; ferner verfügen wir nicht über das geeignete Menschenniaterial, denn die Massen, mit denen, wir zu tun haben, rekrutieren sich aus den Schichten der Kleinhandwerker und Kleinhändler. Auch würde mit der Ansiedlung privater Eigentümer die wilde Bodenspekulation und die Bereicherung nichtarbeitender Elemente gefördert werden. Oppenheimer schlägt nun vor, als Modellversuch einen Großbetrieb zu schaffen, der, wie er sich ausdrückt, eine „versteckte Genossenschaft" wäre. Die Unternehmer — Anteilscheinbesitzer — hätten in den ersten Jahren das Risiko voll zu tragen, das bei Berücksichtigung aller Erfahrungen, die man mit der landwirtschaftlichen Kolonisation Palästinas bereits gemacht hat, bei fachkundiger Leitung verschwindend wäre. Die Kolonisten müßten in den ersten Jahren im Lohn beschäftigt werden und so viel erhalten, daß sie mit ihrer Familie existieren können. Man wird ihnen auch, um sie langsam zur Selbständigkeit zu erziehen, ein eigenes Häuschen mit kleinem Feldstück geben, das sie mit ihrer Familie in den Freistunden zu bestellen haben, und zwar auch dies unter fachmännischer Leitung. Um die volle Intensivität der Arbeitsleistung zu erzielen, wird sich die unternehmende Gesellschaft mit einer bescheidenen Verzinsung ihres Kapitals begnügen, den Reingewinn aber zum großen Teil den Arbeitern zufließen lassen. Auf diese Weise werden die Ansiedler physisch und technisch erzogen, und es ist nach allen Erfahrungen zu erwarten, daß der Ertrag eines solchen genossenschaftlich verwalteten Großgutes reich genug sein wird, um die unentbehrliche Kreditbasis für weitere ähnliche Gründungen abzugeben. Sobald eine Arbeiterschaft weit genug gediehen ist, um den Betrieb in eigene Regie nehmen zu können und ihren Ernst durch Einzahlung eines entsprechenden Kapitalteiles bewiesen hat, soll ihr das Großgut ohne großen Aufschlag eines Gewinnes überlassen werden. Sie mag nun den erprobten Gemeinbetrieb fortsetzen oder das Land teilen, wie sie es vorzieht. Nur das eine wird man sicherstellen, daß niemals der Einzelne sogenannter freier Eigentümer des Bodens wird, den er bearbeitet. Er darf nur ewiger Nutznießer sein, darf aber unter keinen Umständen Spekulationen damit treiben können, an denen er sich auf Kosten späterer Bearbeiter bereichert. Darum wird die Genossenschaft aller Arbeiter für ewige Zeiten die Eigentümerin des Bodens sein müssen, zu den jeder einzelne nur im Verhältnis des Erbpächters steht. Auf diese Weise werden wir nebst der Erreichung des unmittelbar praktischen Zieles: Erziehung jüdischer Massen zu Laru wirten und ihre dauernde Festsetzung in Palästina, eine vielleici < für die ganze Welt vorbildliche soziale Musterleistung vollbracht haben, die ebenso dem Geiste unserer uralten Bodengesetze, ais dem Sinne unseres vom modernen sozialen Empfinden diktierte , Programms, möglichst viel Boden im Gemeineigentum des ganze.; Volkes zu bewahren, entspricht. Franz Oppenheimer hat seinen Plan in Berlin und Wien mit vielem Erfolge vertreten. Es ist kein Zweifel, daß sich genügen 1 viele wohlhabende Juden moderner Gesinnung finden werden, di durch Anteile das Kapital aufbringen können, wenn der Plan vo i der zionistischen Organisation und ihrer Palästinakommission, deren Mitglied übrigens Franz Oppenheimer ist, propagiert wird. Gewi; handelt es sich um einen „Versuch". Aber darin muß ja ebe i unsere praktische Palästinaarbeit bestehen, daß wir solche Modelversuche anregen und leiten. Die Anteilscheinbesitzer werden di Mk. 500.— oder Mk. 1000.— gewiß gerne riskieren und sich übe einen eventuellen Verlust nicht kränken. Die Arbeiter aber, di heute nichts zu verlieren haben und hungern, können, auch wen i der Fall eintreten" sollie, daß der Versuch gänzlich scheitert, gewi keinen Schaden davon haben, wenn sie einige Jahre mit au reichendem Lohne in gesunder Beschäftigung ihre Kenntnisse uiui Fertigkeiten vermehren. Die österreichische Landsmannschaft, die sich als ersi für das Projekt Oppenheimers ausgesprochen hat, wird hoffentlic im Haag mit allem Nachdruck dafür eintreten, und der VIII. Kongreß kann sich den Ruhm sichern, ein Unternehmen von großer soziale und praktischer Bedeutung inauguriert zu haben." In der Fortsetzung seiner „Kongreßprobleme" behandeh M. Ussischkin in „Jewrejskaja Mysl" die national-zionistische Politik in den Golusländern. Ihre Aufgabe sei die, aus einem räumlich zerstreuten und geistig auseinandergefallenen Volke ein.- Einheit zu machen. Das Gegenwartsprogramm formuliert er, nach dem er die schwächliche und bedeutungslose Haltung der Zionisten gegenüber den jüdisch-politischen Gegenwartsfragen in den frühere: Jahren kritisiert, kurz in dem Satze: Ausnutzung des politische1 Lebens Rußlands (und der andern Länder) für unsere nationale! Zwecke. Niemand werde ihn beschuldigen, er sei kein rechte Anhänger der realen Arbeit in Palästina. Trotzdem werde er nieb behaupten, daß wir das Recht zur Einseitigkeit hätten. Das o! grandiose Leben in den Diasporaländern, z. B. Rußland und Öster reich, schaffe ein solches Forum für die Organisation, die Nationali sierung und Zionisierung unserer Massen, wie sie keine zionistisch. Vereinigung bieten könne. Die österreichischen Zionisten, obwoh nur zehntausend, hätten 35 000 nationale Stimmen auf ihre Kandi daten vereinigen können. Und die Wahlagitation für die zweite Duma „unter der eigenen Flagge" hätte Möglichkeiten der Agitation erschlossen, wie sie seit 25 Jahren nicht bestanden hätten. Je mehr man uns bekämpft hat, je mutiger wir auftraten, desto mehr siegten unsere Prinzipien, die sogar die Gegner sich unwillkürlich aneignen mußten. Aber die Gegenwartsarbeit soll nicht nur der Zusammen fassung der Judenheit, sondern zugleich auch der Manifestieruni; der Existenz einer jüdischen Nation unter den andern Völkern dienen, die dadurch erkennen lernen sollen, daß wir, wie alle andern Völker, das Recht auf bürgerliche, politische und nationale Selbständigkeit haben. So solle schließlich nicht durch die Diplomatie,

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