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Die Welt · 1907-07-19 · 29 (19.7.1907) · page 16

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
29 (19.7.1907)
Date
1907-07-19
Page
– (sequence 16)
Language
German
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18 }IE3äö£LT No. 29 Palästinas den Hauptnutzen gezogen hat, so notwendig ist doch die Erzielung ausreichender Gewinne. Nur so ist es möglich, Dividenden zu verteilen, Reserven für kritische Zeiten anzusammeln und den Shares einen breiteren Markt im Publikum zu eröffnen. Dr. H. G. Heymann. NACHRICHTEN —j Panik in Schitomir Petersburg, 13. Juli. In Schitomir brach eine Panik unter der jüdischen Bevölkerung aus, die einen vom Potschajew- Kloster gepredigten Pogromausbruch befürchtet. Die polnische progressive Partei über die jüdische Vertretung in der Duma Auf Initiative eines der Leader der polnischen progressiven Partei (Ing. Roset) werden gegenwärtig Unterhandlungen über eine Wahlvereinigung aller polnischen politischen Gruppen zum kommenden Wahlkampfe geführt. Nach dem Programm von Roset soll das künftige „Kolo Polskie" nicht eine politische Partei, wie es bisher der Fall war, sondern die ganze Bevölkerung Polens vertreten; und dazu ist es notwendig, daß alle Parteien, auch die sozialistischen nicht ausgenommen, ihre Vertreter in der Duma besitzen. Aus den wenigen polnischen Mandaten, soll eines der jüdischen Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden, damit es im Laude keine bedeutendere Gruppe gäbe, die keinen Vertreter in der Duma besäße. Die Presse und die Agitation des „Schwarzen Hundert" Die hooligansche Agitation wird in Rußland mit jedem Tage stärker. Der „Verband des russischen Volkes'1 entfaltet eine immer energischere Tätigkeit und wird im geheimen von den einflußreichen Kreisen materiell und moralisch unterstützt. Wie bekannt, beschloß die Moskauer Konferenz, die patriotischen Publikationen, „um die Bevölkerung zu beruhigen", zu unterstützen. Zu diesem Zwecke wurden in vielen Städten neue Publikationen des „Verbandes des russischen Volkes" verbreitet, in welchen die unverschämteste Pogromagitation geführt wird. In der in Kiew erscheinenden und vom Exdeputierten Purischkewitsch redigierten Zeitung „Wietsche" erschien auf der ersten Seite die Karikatur zweier Juden und eines Revolutionärs, welche das Blut des russischen Volkes trinken, dann eine ganze Reihe von Artikeln: „Juden-Verbrecher", „Die jüdische Frechheit", „Die soziale Rolle der Juden", „Die Juden und die Revolution", „Das neue jüdische Väterchen" (der Minister der Volksaufklärung) usw. Und der Minister der Volksaufklärung, welcher von „Wietsche" als „jüdisches Väterchen" beschimpft wird, erließ ein Zirkular über die Beschränkung der Aufnahme der freien Zuhörer an die russischen Universitäten, das hauptsächlich gegen Juden gerichtet ist und von diesen am fühlbarsten empfunden werden wird. Diese gegen die Autonomie der russischen Universitäten gerichtete Tendenz wird schließlich den früheren Zustand herbeiführen: Verfolgungen Und prozentuale Beschränkungen. Und so sehen wir, daß auch die einzige Errungenschaft der russischen Freiheitsbewegung — die unbeschränkte Aufnahme der Juden in die Universitäten und andere Lehranstalten — sich in großer Gefahr befindet. Das hebräische Wörterbuch Ben Jehudas Berlin, den 10. Juli 1907. Zur Herausgabe des von jüdischen und christlichen Gelehrten gleich sehr anempfohlenen neu-hebräischen Wörterbuches von Herrn Ben Jehuda in Jerusalem haben mehrere Vereine, wie die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, der Hilfsverein der deutschen Juden und das zionistische Aktionskomitee, regelmäßige Beiträge bewilligt. Aus den Vertretern dieser Gesellschaften, Dr. Paul Nathan, Prof. Dr. O. Warburg, Prof. Dr. M. Philippson und Privatdozent Dr. Mittwoch, hat sich ein Hilfskomitee für die Herausgabe des verdienstlichen Werkes gebildet mit der Befugnis der Kooptation. Das Komitee fordert Glaubensgenossen und jüdische Vereine, die sich für das hochwichtige wissenschaftliche Unternehmen interessieren, das eine so schmerzliche Lücke in unserem Schrifttum auszufüllen bestimmt ist, hiermit herzlich und dringend auf, Beiträge an den Obmann des gedachten Komitees, Herrn Prof. Dr. M. Philippson, Berlin W. 15, Kurfürstendamm 211, gefälligst einzusenden. Wieder ein Territorium Die Entdeckung von Territorien, die angeblich für die Gründung eines Judenstaates in Aussicht genommen sind, scheint sich allgemach zu einer Konkurrenz für die bekannte „Seeschlange" ausbilden zu wollen. Wieder einmal geht ein Territorialplan durch die Presse, und man muß sagen, daß es diesem Plan — Mazedonien ist diesmal das gelobte Land — an Originalität nicht mangelt. Wir zitieren nachstehend eine der Varianten über den Plan aus einem deutschen Blatte: Die Judenfrage auf der Haager Konferenz Aus Paris, 12. Juli, schreibt man uns: Schon vor einiger Zeit hatte General Mercier in einer Volksversammlung geäußert, die im Haag versammelten Diplomaten würden vor die Aufgabe gestellt werden, den Juden ein bestimmtes Gebiet, zur Ansiedelung anzuweisen. Die Pariser „Libre Parole" erhält nun über diesen Punkt von Seiten des zweiten türkischen Sekretärs, Ali Kemal, einen interessanten Brief, der in der Hauptsache wie folgt lautet: ". . . Ohne eine Indiskretion zu begehen, glaube ich erklären zu können, daß der Haager Kongreß sich vor dem Ende seiner Arbeiten mit der Judenfrage zu befassen hat, und zwar unter folgenden Bedingungen: Dr. Zangwill, das Haupt der jüdisshen Territorialistenpartei, hat mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes in London den ottomanischen Delegierten veranlaßt, seinen Kollegen den Plan einer zeitweisen Abtretung oder vielmehr einer Verpachtung der ausgedehnten noch unerforschten mazedonischen Gebiete an die Juden zu unterbreiten. Das Projekt, das von Dr. Nordau und Dr. Marmorek schon heftig bekämpft worden ist, ermangelt nicht einer gewissen Originalität und verrät selbst praktischen Sinn. Die jüdischen Territorialisten verpflichten sich nach vorgängiger Verständigung mit den mazedonischen Ausschüssen von Sofia, Belgrad, Bukarest und Athen und unter Beihilfe europäischer, nach der Türkei delegierter Finanzräte, die ungeheuren Strecken, die infolge des Mangels an Arbeitskräften und Mitteln bisher unfruchtbar geblieben sind, von Grund aus umzugestalten. Im Gegensatz zu der Ansicht von Nordau, Marmorek, Leven und Reinach vertritt Dr. Zangwill die Ansicht, anscheinend mit Recht, daß die Anwesenheit jüdischer Kolonisten in Mazedonien nicht nur die übertriebene Feindseligkeit der verschiedenen orthodoxen Nationalitäten eindämmen, sondern zugleich auch die vernünftigste Lösung der orientalischen Frage darstellen würde, da der Orient der Boden eines latenten Konfliktes ist, anf dem eines Tages der europäische Weltbrand ausbrechen kann, den zu verhindern die Sendung der Kongreßmitglieder ist. Die Lösung der Judenfrage kann, wie General Mercier wohl begriffen hat, den Weg für den Weltfrieden bahnen ..." Zu diesem Briefe des türkischen Beamten bemerkt die „Libre Parole", die mächtigen Juden in den europäischen Zentren würden die Bestrebungen der Territorialisten jedenfalls vereitein, und außerdem seien die Juden gewöhnt, von fremder Arbeit zu leben, sie seien daher zu Ackerbaukolonisten kaum geeignet. Briefkasten der Redaktion M. G- Die Adresse lautet: Paris, 2 Rue Pasquier. Einige Einsendungen zur Rubrik „Aus der Bewegung" mußten zurückbleiben. Mandatsbewerbungen wurden nicht mehr veröffent licht, weil die Wahlhandlungen zur Zeit des Erscheinens dieser Nummer bereits überall abgeschlossen sein werden. Zur cjefl. Beachtung! Zur Aufnahme der Kongreßverhandlungen für die „Welt" werden einige tüchtige und durchaus verläßliche Stenographen gesucht. — Gesinnungsgenossen, die hierzu die nötige Eignung haben, wollen sich unverzüglich, unter Angabe der Honorar-Ansprüche, an die Redaktion der „Welt", Köln, Ubierring 23, wenden.

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