Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 29 (19.7.1907)
- Date
- 1907-07-19
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Mo. 29 DIE ELT 17 sagt, bei einem Volke, das ein unendliches Martyrium religiöser Verfolgungen erlitten hat, das die Intoleranz in allen ihren Formen kennen gelernt hat. In unserem eigenen Volke sind Männer aufgestanden, die sich ihm gegenüber als Meister in der Kunst der Exkommunikation erwiesen haben, dieselben Männer, die sich vor Jahren selbst für ihre kühne Gedankenfreiheit Weihrauch gestreut nahen. Und dieselben Männer sagen uns, daß es die Mission des luden ist, unter den christlichen Völkern zu leben, um sie Gerechtigkeit zu lehren! . . . . Die Frage des Zionismus in Amerika gewinnt an Klarheit; sie ist die Frage des Judentums. Kann der Jude in Amerika Jude bleiben? Kann er seinen Platz in diesem großen Völkerbunde einnehmen und außerdem seine jüdischen Hoffnungen und Ideale pflegen? Es ist die Frage des „Sein oder nicht sein". Und auf diese ';rage antwortet der Zionist: „Ja", Sein! Mit jeder Faser seines Lebens ein Jude sein! bringt in ihrer Nr. 19 vom 5. Juli 1907 einen völlig entstellten Bericht über den 5. österreichischen Zionistentag in Bielitz, aus dem der gutgläubige Leser nur ersehen kann, daß die Anträge des Herrn Abgeordneten Dr. Mahler auf Zusammengehen mit der Ito und Verbot der praktischen Palästinaarbeit angenommen wurden. Ich fragte bei der „Selbstwehr" an, ob sie den Bericht der „Welt", nach welchem die Anträge Mahlers abgelehnt worden sind, und die Palästinakonimission zu weiterem Arbeiten aufgefordert wurde, nicht rektifizieren wolle. Statt ihren Leserkreis aber aufzuklären, begnügt sich die „Selbstwehr'4 in Nr. 20 vom 12. Juli mit der Briefkastennotiz: „Dr. Heymann. Der Bericht in der Welt ist richtig", so daß die Zionisten Böhmens, Mährens und Schlesiens nach wie vor über die Beschlüsse und die Stimmen, ihrer eignen Parteiorganisation völlig falsch unterrichtet sind. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. H. G. Heymann. Theodor Oschinsky — gestorben Am Sonntag, den 7. Juli, verschied in Breslau unerwartet Theodor Oschinsky, ein Mann, dessen gemeinnütziges Wirken ihn weit über Breslau und Schlesien hinaus bekannt gemacht hat. In Breslau betätigte er sich bei den meisten jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen, insbesondere bei der Chewrah Kadischah, deren prächtiger Krankenhausneubau vor allem ein Denkmal des Verstorbenen ist. Seinen Bemühungen war es zu danken, daß die Mittel für den Bau beschafft und der Bau überhaupt ermöglicht wurde. Oschinsky war eines der tätigsten Mitglieder der Repräsentantenversammlung und auch verschiedener Gemeindekommissionen. Was ihm selbst aber 'in meisten am Herzen lag, war seine Tätigkeit in den Hilfskomitees fir unsere russischen Brüder zur Zeit der Pogrome und seine Arbeit sur die Alliance israelite universelle, der er sich nicht lange nach ihrer Begründung anschloß. Er stand an der Spitze des schlesischen!Jrovinzialkomitees und gehörte seit 1889 dem Zentralkomitee, später fach der Leitung der Deutschen Konferenzgemeinschaft an. Er blieb tets dem universalen, jüdisch-nationalen Gedanken der Begründer der Alliance treu. Dieser Gedanke war es auch, der ihn zum Zionismus brachte. Er war Mitglied unserer Breslauer Ortsgruppe, iie es ihm zu danken hatte, daß ihr nach dem Tode Herzls die ine dortige Synagoge zur Trauerfeier vom Gemeindevorstand überlassen wurde. Auch sonst war er stets für unsere Zwecke zu haben, im Anfang vorigen Jahres machte er mit seiner Frau und seinem ingeren Sohne eine Reise nach Palästina, und wiederholt sprach i r in öffentlichen Vorträgen über seine Reise und regte dadurch imanchen an, selbst nach Palästina zu gehen. Mit besonderer Freude erzählte er den Breslauer Zionisten aber von dem, was er in Palästina :ü Wiederbelebungsversuchen der hebräischen Sprache konstatieren konnte, und daß die Alliance sich jetzt auch dazu entschlossen : übe, das Hebräische in verschiedenen Schulen als Unterrichtsorache aufzunehmen. Im Maiheft von „Ost und West" veröffentchte er einen Teil seiner Reiseerinnerungen mit einigen sehr hübsch .elungenen photographischen Aufnahmen von der Reise. 63 Jahre!t ist er nun von uns gegangen. Auch wir Zionisten stehen dimerzvoll an der Bahre. Auch wir werden ihn gar oft vermissen, un meisten aber wird er unsern Brüdern fehlen, die, von Hause ertrieben, Breslau passieren, und die nie umsonst den Weg zu heodor Oschinsky machten, der nun — ein im Leben Nimmermüder — ir letzten Ruhe eingegangen. Er ruhe in Frieden! Verschiedenes Beutheno. S. Am 2. Juli veranstaltete die hiesige Ortsgruppe nie Herzlgedenkf eier. Sie wurde eingeleitet durch ein von i lerrn Oberkantor de Beer einstudiertes Quartett. Die Gedenkrede 11iölt Rechtsanwalt Dr. Dobrzynski. Herzls erste Kongreßrede; iid die „Menorah" wurden von Herrn Refd. Weiß mann zum ' ortrag gebracht. Eine Sammlung für den Herzlwald ergab 5 Mbäume. Prag. Jüd.-nat.-ak.-techn. Verbindung „Barissia" Ferial- -iresse: M. U. C. Rudolf Fischer, Teplitz-Schönau Meißner Str. 29. Berlin NW. 40, den 14. Juli 1907. Sehr geehrte Redaktion! Wollen Sie freundlichst folgendes zur Kenntnis Ihres Leserkreises bringen: Die Prager „Selbstwehr", unabhängige jüdische Wochenschrift, Anglo-Palestine Company und Deutsche Palästina=Bank Im Maiheft der Zeitschrift „Palästina" werden die Geschäftsberichte der Anglo Palestine Company wie der Deutschen Palästina- Bank veröffentlicht, und es erscheint lohnend, einen Vergleich zwischen beiden konkurrierenden Instituten anzustellen. Die- A.P.C. hat außer der Londoner Zentrale Filialen in Jaffa, Jerusalem und Beirut, Agenturen in Haifa und Hebron, die D. P.-B. außer der Berliner Zentrale Filialen in Jaffa, Jerusalem und Haifa und eine Agentur in Beirut. Da die Bilanzen nach verschiedenen Schemateil aufgestellt sind, so läßt sich ein Vergleich nur teilweise durchführen. Es betrugen am 31. Dezbr. 1906 in Mark (die Pfd. Sterl. sind mit 20.50 Mk, umgerechnet) Die Aktiva: Wechsel Debitoren Kasse Landbesitz Summa einer Bilanzseite A. P. C D. P.-B, 4455530 2356590 282 800 1657 630 1857 445 166 140 164860 703340 1446450 36 170 Die Passiva: Kapital Depositen Kreditoren 2714770 resp. ohne Guthaben des A.P.C. 806960 789390 1701170 Jewish Colonial Trust D. P.-B. 800000 325 200 1100360 Das Geschäft der A. P. C. ist also weit umfangreicher als das der D. P.-B. Besonders erfreulich ist, daß die ihr anvertrauten fremden Gelder auch ohne das Guthaben des Jewish Colonial Trust um über l Million Mark höher sind als Kreditoren und Depositen der D. P.-B., bei denen sich nicht feststellen läßt wieviel davon aus Guthaben der befreundeten deutschen Banken besteht. Desto mehr müßte aber die A. P. C. bestrebt sein, Reserven anzusammeln, die bei der deutschen Bank M. 60000 betragen, während bei unserer Bank nicht nur keine Reserven vorhanden sind, sondern M. 36000 Mobilien und Etablierungskosten von den Aktiven abzuschreiben sind; allerdings ist davon schon die Hälfte aus dem Gewinn pro 1906 getilgt worden, und die Deutsche Palästina-Bank hat 1904 bei der Zusammenlegung der Aktien von 4 : 3 einen Buchgewinn von M. 200000 erzielt. In den 8 Jahren ihres Bestehens hat sie im ganzen 25 % Dividende verteilt, also rund gerechnet ungefähr den Betrag, den die Aktionäre durch die Zusammenlegung eingebüßt haben. Zur Zeit aber ist ihre Erwerbskraft viel größer als die der A. P. C. Es betrugen 1906 Rohgewinn Handlungsunkosten Diverse Reingewinn A.P.C. 109260 91620 3790 17 160 D. P.-B. 145 980 71680 3920 70380 Hier schlägt also die deutsche Bank die jüdische auf der ganzen Linie. Selbst wenn man in Betracht zieht, daß die 1906 erst gegründete Filiale Beirut noch nicht rentieren konnte und daß infolge ihres zu geringen bar eingezahlten Kapitals die Anglo Palestine Company mehrere zehntausend Mark an Zinsen an den Trust gezahlt hat, die ihr selbtst sonst zugute gekommen wären, so ist doch der Rohgewinn unverhältnismäßig niedrig. Ebenso sind die Handlungsunkosten reichlich hohe, was schon im Vorjahre Soskin in Altneuland hervorhob. So erfreulich auch die Ausdehnung der Geschäfte und der Einflußsphäre unserer Bank ist, so sehr sie hierin im letzten Jahre die Deutsche Palästina-Bank überflügelt und von dem Aufschwung