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Die Welt · 1907-07-19 · 29 (19.7.1907) · page 14

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
29 (19.7.1907)
Date
1907-07-19
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Wenn dann im Laufe der folgenden Jahre eine wohlhabende jüdische Bevölkerung sich angesiedelt haben wird, van welcher ein bedeutender Teil die Ackerwirtschaft treibt, wird mit weniger Schwierigkeiten als jetzt, eine weitere Einwanderung von Juden aus Osteuropa in Palästina stattfinden können, weil dann die weniger Bemittelten besser als jetzt Gelegenheit finden werden, für ihren Lebensunterhalt zu sorgen. Mit diesem Erfolg wird jedoch das große Ziel des Zionismus noch nicht erreicht sein. Dazu bedarf es einer öffentlich-rechtlichen Garantie, und nur nach Erlangung dieser Garantie wird die so sehr ersehnte Rückkehr des jüdischen Volkes nach Palästina zur Wirklichkeit werden. Es wurde nun für den Posten des holländischen Vertrauensmannes Herr Jakokus Kann (Haag) mit großer Stimmenmehrheit gewählt. Für den Fall, daß Herr Kann vom nächsten Kongresse wieder in das E. A. C. gewählt werden sollte, wurde esihm selbst überlassen, ob er auch als Vertrauensmann der holländischen Landsmannschaft im großen A. C. kandidieren will. Sollte er hierzu nicht bereit sein, so wurde als Stellvertreter Herr Dr. jur. S. Franzie Berenstein (Haag) nominiert. Nachdem noch einige Mitteilungen über den Kongreß bekannt gegeben worden, wurde die stark beschickte Versammlung geschlossen. Jahreskonferenz der amerikanischen Zionisten in Tannersville Wir sind bereits in der Lage, nachstehend die Rede zu bringen, mit der Dr. Harry Friedenwald, der Präsident der Föderation of Amerikan Zionists, die Jahreskonferenz eröffnet hat. Ober die Verhandlungen selbst berichten wir in der nächsten Nummer. Eröffnungsrede des Dr. Friedenwald Hochgeehrte Delegierte, wertgeschätzte Damen und Herren! Mir ist der ehrenvolle Auftrag zuteil geworden, die Jahreskonferenz der Federation of American Zionists zu eröffnen und Ihnen den Willkomtngruß zu entbieten, die Sie von fern und nah hierhergekommen sind, um in gemeinsamer. Beratung an dem Gedeihen der großen Bewegung mitzuarbeiten, die zu vertreten unser Vorrecht ist. Die Funktionäre unser Federation und die Vorsteher der Kommissionen werden Ihnen über die Arbeit, die sie während dieses Jahres geleistet haben, Bericht erstatten, und Sie werden ersehen können, wie befriedigend sie die Verpflichtung erfüllt haben, die Sie ihnen auferlegt haben. Ich bin überzeugt, daß Sie mit aufrichtiger Genugtuung Kenntnis nehmen werden von dem Fortschritt und dem Erfolg in verschiedener Beziehung, aber Sie werden mit mir der Meinung sein, daß die Hauptsorge unserer Federation in der Frage der Organisation begründet ist: nicht damit wir nur mehr und mehr Freunde für unsere Sache gewinnen, sondern viel mehr noch, damit wir die Tausende der Organisation einreihen, die uns sympathisch gegenüberstehen und gerne bereit sind, unserer Vereinigung beizutreten, wenn wir ihnen ein Arbeitsfeld zeigen könnten, das ihren Neigungen entsprechen würde. Ich hoffe daher, daß die Hauptbemühungen dieser Zusammenkunft darauf gerichtet sein werden, Mittel und Wege zu finden, die Organisation und jedes der Glieder, aus denen sie gebildet ist, zu stärken. Wenn unsere Organisation stark ist, werden wir in der Lage sein, wirksam die Zentralleitung, die Pa'ästinakommission und alle diejenigen unserer Institutionen, ebenso wie die finanziellen Instrumente unserer Bewegung zu unterstützen, die für die Wiederaufrichtung Palästinas tätig sind. Ich brauche nicht in die Einzelheiten der Berichte einzugehen, die Ihnen vorgelegt werden. Dagegen möge mir gestattet sein, Ihnen in großen Zügen einen Überblick über den Fortschritt unserer Bewegung in diesem Lande während des letzten Jahres zu geben. Die Federation selbst zeigt alle Anzeichen gesunden Lebens und energischer Arbeit. Sie hat nach Zahl und innerer Stärke zugenommen, und das, obgleich die Kräfte vieler und unserer besten Mitarbeiter vollständig von der dringenden Sorge der philanthropischen Tätigkeit oder kommunaler Fragen absorbiert worden sind. Viele neue Vereinigungen haben sich gebildet. Viele wichtige und starke neue Kräfte haben sich unseren Reihen angeschlossen. Ein klareres Verständnis und eine richtigere Auffassung für unsere Ziele und Möglichkeiten bricht sich zwar langsam aber ständig Bahn in der amerikanischen Judenheit. Die Veröffentlichung und Verbreitung einer großen Zahl bedeutsamer Flugschriften durch die Federation und der wachsende Einfluß unseres Organes, des „Maccabaean", hat viel zu diesem Resultate beigetragen. Aber der Hauptanteil an diesem Erfolge ist Dr. Schmarjahu Lewin zuzuerkennen, den das Exekutivkomitee eingeladen hatte, nach Amerika zu kommen, und dessen Beredsamkeit, dessen glänzender Geist und dessen gewinnende Persönlichkeit sich im Sturme die Herzen der Hörer in vielen Städten gewann, in denen er zu unserem Volke sprechen konnte. Seine Anwesenheit betrachten wir als das Hauptereignis unserer Jahresarbeit; durch sie erhielten die amerikanischen Juden aus erster Hand Aufklärung über die politische Lage, die Möglichkeiten und Aussichten unserer Brüder in Rußland; er öffnete ihnen die Augen für die Realität der Judenfrage und ihrer Lösung; und Dr. Lewin wiederum war es vergönnt, zu unseren Brüdern in Europa wiederzukehren mit einer solchen Kenntnis der Lage der amerikanischen Juden, wie sie sich nur ein so klar sehender Geist wie Dr. Schmarjahu Lewin aneignen konnte. Das Band, das West- und Ostjudentum verbindet, hat Dr. Lewin fester und enger geschlungen. In dieser Erkenntnis unserei Verpflichtung gegenüber ihm, freut es mich, Ihnen mitteilen zu können, daß Dr. Lewin jetzt auf unsere Veranlassung die Be dingungen und Möglichkeiten Palästinas studiert und daß wir hoffen, ihn" bald darüber wieder hier in Amerika sprechen zu hören. Wir erwarten mit Ungeduld den Bericht seiner Erfahrungen und An sichten. Auch in einer anderen Richtung sehen wir einen großen Fort schritt, den unsere Bewegung in dem letzten Jahre gemacht hat Ich denke an die Tiefe, zu der sich das Gefühl für den Zionismus entwickelt hat, und das sich offenbarte in der mutigen und selbst verleugnenden Hingabe unserer jungen Lehrer, die lieber Ämter, von denen ihre Lebensstellung abhing, verließen, als unserem Volke und unserem Ideal untreu zu werden. Es überrascht uns nicht, daß der Fortschritt unserer Bewegung überall auch eine verstärkte Tätigkeit unserer Gegner hervorgerufer hat. Tatsächlich hat sich die Gegnerschaft zu einem Mißverständnis unserer Ziele erniedrigt, zu Tadel und Verleumdung, zu einer Be schimpfung unserer Anhänglichkeit an das Judentum einerseits un<; unserer Treue an dieses Land anderseits. Im sicheren Bewußt sein unserer Stellung fühlten wir uns nicht berufen, auf den Kampf platz dieser Polemik herabzusteigen. Wir hörten mit Geduld wiede: und wieder alle die Argumente, die unsere deutschen Brüder in de: ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts erdacht hatten, als sk im ersten Gefühle der berauschenden Freiheit sich berufen glaubten, neue Theorien des Judentums aufzustellen und die alten Religionsformen zu ändern. Wir können ihre Stellung würdigen, ohne ihn Meinungen zu teilen. Die mannigfachen Ansichten über das Juden tum und die Zersplitterung in viele Richtungen haben ein wahre: Babel der Ansichten über die Bedeutung des Judentums geschaffen so daß man glauben konnte, das Judentum sei .nicht mehr eine lebendige Kraft, sondern ein lebloses Wrack, Judentum ist das von Juden aufgestellte Lebensideal, dasaufgebai; ist auf historischen Erinnerungen und ausläuft in den Ausdruck dieses Ideals in unserem Leben als Einzelheit und Gesamtheit Judentum ist ein lebendiger Gegenstand, der nicht in Teile zerleg; werden kann, ohne daß er zerstört wird. Es ist ein eitles Bemühen, zu sprechen von einem nationalen, Rassen- oder religiöser Judentum. Im Juden sind diese Tendenzen so sehr miteinande: verwoben, daß sie nicht getrennt werden können, ohne das Individuum als einen geistigen Krüppel zurückzulassen. Der Zionismus ist keine neue Entdeckung. Er ist der Ausdruck unseres Vertrauens auf die jüdischen Ideale und das Streben, in< ihrer Verwirklichung mitzuhelfen. Aber in süß tönenden Worte \> ist uns gesagt worden, daß wir all die Jahrhunderte hindurch k einem Irrtum befangen gewesen sind: Das Ideal, einmal größer nationale Würde und Unabhängigkeit zu erlangen, muß begrabe; werden, die Hoffnung, wieder einmal eine Stellung von wohltätigen; Einfluß unter den Nationen zu erhalten, ist ein Wahn. Um Amerikaner zu sein, so ist uns weiter gesagt worden, müssen \vk' uns unseres Ichs gänzlich entkleiden. Denen, die solches von un verlangen, sollten wir antworten, daß Amerika niemals etv/as dieser Art von uns fordert. In unserer Verfassung ist ein Punkt, der Religionsfreiheit garantiert, und kein Amerikaner hat auch nur für einen Augenblick das Recht der Juden an ihren Hoffnungen bestritten, im Gegenteil, viele von ihnen teilen es mit uns. Juden k< es vorbehalten geblieben, ihren Bruder Verräter zu nennen. Möge:! sie die Worte wohl erwägen, die sie gesprochen haben; ik> Argument brandmarkt mit logischer Folgerichtigkeit jeden fromme;! Juden mit dem Schandfleck der Verräterei, der in seinen täglichen Gebeten wieder und wiederum für die Rückkehr nach Zion betet. Nein, Amerika ist nicht intolerant. Aber bei unserem eigenen Volke finden wir die Unduldsamkeit, mit Beschämung sei es ge-

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