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Die Welt · 1907-07-19 · 29 (19.7.1907) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
29 (19.7.1907)
Date
1907-07-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 29 &IE9&ELT v 15 Bewegung. Es ist viel „praktische" und „politische" Arbeit vorhanden, und die Mitwirkung der Vertreter beider Richtungen ist unentbehrlich, Wohl sind dabei manche Ideenkämpfe nicht zu vermeiden, aber die Ideenkämpfe sind besser als das Einschlafen. Nur dürften die Kämpfe nicht aufs Persönliche hinübergreifen. Wenn nur ein jeder in seiner Weise arbeiten und nicht nur reden wird, so bin ich sicher, daß es nicht lange dauern wird, bis die Hoffnung, die wir und unsere Väter so liebevoll nährten — die Erlangung einer Heimstätte „in unserm eigenen Lande" — verwirklicht werden wird. (Lauter Beifall.) Ein „vote of thanks" wurde von Herrn L. J. Greenberg beantragt und von Herrn Herbert Bentwich und dem Vorsitzenden unterstützt und von der Versammlung enthusiastisch angenommen. Herr Wolffsohn erwähnte noch in seiner Erwiderung den „Bezalel", der Glänzendes leistet. Inbezug auf Palästina sagte er noch, daß die Palästinabesucher in diesein Jahre zahlreiche^ als je waren. Redner war dort, Dr. Gaster, der sozusagen noch ganz palästinatrunken ist (Heiterkeit), war dort, Herr Kann war dort, und er beauftragte sieben Mitglieder des A. C, die jetzt in Palästina weilen, die Kolonie „Rischon Lezion", die bald ihr 25jähriges Bestehen feiern wird, zu beglückwünschen. (Beifall.) Redner dankte den Herren, die eben gesprochen haben. Es seien dieselben, die vor Jahren, als er in London war, mit ihm zusammen arbeiteten. Dies zeigt, daß sie ihr Herz am richtigen Fleck haben. (Beifall.) Außerordentliche Generalversammlung des Niederländischen Zionistenbundes Am Sonntag, 14. ds. Mts., fand in Amsterdam eine außerordentliche Generalversammlung des Niederländischen Zionistenbundes in „Maison Frijda" statt. Fast sämtliche Abteilungen waren durch mehrere Delegierte vertreten. Zweck dieser Versammlung war die Nominierung eines Kandidaten der holländischen Landsmannschaft, den sie eventuell als Vertrauensmann für Holland in das Große A,-C. dem Kongresse bezw. Permanenzausschuß durch ihre Delegierten vorschlagen wird. Dieser Punkt war von der Tagesordnung einer vorigen Versammlung abgesetzt worden, da man damals glaubte, daß sich <iie Meinungen über die inneren Fragen des Zionismus noch nicht genügend geklärt hätten. Inzwischen aber sind auch hier in Holland diese Fragen im „Joodschen Wächter" und in einer Reihe öffentlicher Versammlungen behandelt worden. Nach Eröffnung der Versammlung wurde vom Vorsitzenden (gemäß Beschlusses des Hauptvorstandes) die Frage vorgelegt, ob sie sich bei der Wahl von dem individuellen Standpunkt der Kandidaten bezüglich der Palästinapolitik leiten lassen wollte, oder nur auf deren persönliche Eignung für dieses Vertrauensamt zu achten wünsche. Ein Antrag der Abteilung Haag in letzterem Sinne lag vor und wurde nach längerer Diskussion angenommen. Da Herr Jakobus Kann durch Unwohlsein verhindert war, persönlich seinen Standpunkt auseinanderzusetzen, wurde eine Erklärung von ihm verlesen, welche hier in wortgetreuer Obersetzung in extenso folgt: Erklärung des Herrn Jakobus Kann Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer gesicherten Heimstätte in Palästina. Es ist klar, daß dieses Ziel nur durch politisches Vorgehen zu erreichen ist. Das zionistische Aktionskomitee ist sich dessen vollkommen bewußt und handelt darnach. Selbstverständlich können jedoch über diese Aktionen keine Mitteilungen gemacht werden. Im festen Glauben aber, daß wir unser Ziel erreichen werden, sind viele unserer Freunde bestrebt, Vorkehrungen zu treffen, damit im jüdischen Lande bessere Zustände entstehen als jetzt dort vorherrschen. Das zionistische Aktionskomitee kann dabei Direktiven geben, aber bis jetzt fehlen sowohl die erforderlichen Mittel als auch das geeignete und geschulte Menschenmaterial, um die zionistische Organisation an praktischer Arbeit in Palästina in bedeutendem Maße zu interessieren. Diese Arbeit soll daher der Privatinitiative überlassen bleiben. Bei weitem das Wichtigste in der jetzigen Lage ist die Erziehung der jüdischen Jugend in Palästina. Eine Verbesserung des heutigen Erziehungssystems wird die geistige Hebung der jüdischen Bevölkerung ermöglichen, welche — und dies trifft überhaupt für die städtische Bevölkerung zu — noch auf einer niedrigen Entwicklungsstufe steht. Eine höhere geistige Entwicklung wird unzweifelhaft günstigere materielle Verhältnisse herbeiführen. Schon jetzt ist eine Besserung eingetreten durch die Tätigkeit der Anglo- Palestine Company, welche, bei genügender Sicherheit, jüdischen Kaufleuten, Gewerbetreibenden und Bauern unter redlichen Bedingungen die Mittel verschafft; die sie zur Ausübung ihrer Gewerbe bedürfen. Es ist nicht zu leugnen, daß sich dadurch eine Kräftigung des Einflusses und der Interessen der Juden in Palästina ergeben wird, dessen wir uns gewiß alle freuen werden. I i Bei den verschiedenen Gruppen in der zionistischen Bewegung gibt es meines Lrachtens über diese Dinge keine prinzipielle Meinungsverschiedenheit. Nur haben wir uns zu hüten vor dem Treiben derjenigen unter uns, welche eine Einwanderung von Juden in Palästina, je mehr, je lieber, sowie die Bildung von neuen jüdischen Unternehmungen, je mehr, je lieber, im Lande verlangen, ohne sich vorher genügend Rechenschaft zu geben, daß eine große und schnelle Expansion notwendig eine sorgsame und kostspielige Vorbereitung erfordert, auf welche die zionistische Bewegung noch nicht eingerichtet ist Wenn demungeachtet durch Privatinitiative verschiedenartige Unternehmungen in Palästina ins Leben gerufen werden, dann soll man nicht vergessen, daß bei eventuellem Mißlingen der Zionismus dafür nicht verantwortlich gemacht werden darf. Neben der Unterrichts-Reform ist gewiß auch die Judenein- Wanderung in Palästina eine Angelegenheit, welche einer Regulierung im Zusammenwirken mit den andern jüdischen Organisationen bedarf. Bei der heutigen Beschaffenheit ist das Land unfähig die große Masse des jüdischen Volkes in sich aufzunehmen. Das Land ist derart vernachlässigt, daß einige Jahre hindurch kostbare Verbesserungen unvermeidlich sind, um das Land wieder in beträchtlichem Maße ertragsfähig zu machen. Es ist traurig, kann aber dennoch nicht genug betont werden, daß für unsere armen Stanimesgenossen in der nächsten Zukunft nur geringe Aussicht da ist, sich in Palästina eine Existenz zu schaffen. Hingegen finden jüdische Einwanderer, welche über genügende Mittel verfügen, dort ein lohnendes Arbeitsfeld. Was die Rechtssicherheit anbelangt, werden sie sich dort nicht in schlimmeren Verhältnissen befinden als in Rußland oder in Rumänien — im Gegenteil! Und mit der mohammedanischen Bevölkerung leben die Juden in Palästina in sehr gutem Einvernehmen. Ich muß dabei noch den Vorbehalt machen, daß von der Türkischen Regierung die Aufhebung des Judeneinwanderungsverbots zu erlangen ist. Dieses Verbot ist zwar wenig bekannt, und in den letzten Jahren sind eine große Anzahl Juden unbehelligt in Palästina eingewandert, aber so lange das Verbot nicht aufgehoben ist, laufen jüdische Immigranten immer Gefahr, daß ihnen der Zutritt in Palästina verweigert wird. Ich muß ferner betonen, daß diejenigen Juden, die sich dauernd in Palästina niederlassen, sich dort als loyale Untertanen des Sultans zu verhalten haben. Wenn ich nun Westeuropa außer Betracht lasse, weil hier für die Juden im allgemeinen kein Grund zur Auswanderung vorliegt, so ist nach meiner Ansicht für unsere bemittelten Stammesgenossen in Rußland und Rumänien die Einwanderung in Palästina gewiß empfehlenswert. Nur darf diese Einwanderung nicht ins Blaue hineingehen. Denn die Mittel würden bald erschöpft sein, und Gesundheit und Menschenleben sogar würden gefährdet werden. Der Boden soll mit Sorgfalt ausgewählt werden, er wird häufiger Bewässerung bedürfen, Wohnungen und Stallungen sind zu errichten, damit der Boden, womöglich von den Eingewanderten selber, oder aber von ihren Arbeitern, gehörig bewirtschaftet werden kann. Und es ist notwendig, daß die Immigranten selbst einen beträchtlichen Teil ihrer Mittel zur Verbesserung des Bodens verwenden, weil dieses für sie der beste Antrieb sein wird, um, falls etwa Mißgeschick sie treffen sollte, nicht sofort der Arbeit ein Ende zu machen. Die Leitung einer derartigen Kolonisation ist eine Aufgabe von so großer Verantwortlichkeit, daß sie nur mit Hilfe der sämtlichen großen jüdischen Organisationen unternommen werden darf. Dabei können unsere philanthropischen Institutionen Veranlassung finden, auch für die Besten des jüdischen Proletariats Boden mit Zubehör in Palästina zur Verfügung zu stellen, um in dieser Weise auch ihnen die Gelegenheit zu bieten, sich zu selbständigen Bauern emporzuarbeiten.

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