Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 29 (19.7.1907)
- Date
- 1907-07-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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vo. 29 ■ DIE3 und Mazedonier bedienen werden. Das stetige Anwachsen einer r higen, fleißigen Bevölkerung, die verödete Gegenden in steuerz hlende Gebiete verwandelt, weiß die Pforte sehr wohl zu schätzen. I iß sie dies verkennen, bildet eben den allen bekannten Tatsachen v dersprechenden Grundirrtum der Territorialisten. Um mich 7. ngwills drastischer Ausdrucksweise zu bedienen: nicht die l ildung des langsamen wirtschaftlichen Vordringens der Juden v. :ire Narrheit seitens des Sultans, sondern das Preisgeben ] ilästinas mit einem Schlage. Daß der andere Weg, der das Gev Innen gegenseitigen Vertrauens ermöglicht, der türkischen Regierung l nehm ist, wissen wir durch das Angebot der zerstreuten , iisiedelung, das sie bereits vor Jahren der zionistischen Organisation v macht, und durch die taktischen Ratschläge, die uns von den dem x! ildizkiosk nahestehenden Personen immer wieder gegeben werden. Wie Prof. Vambery einer an der Peripherie beginnenden und konutrisch fortschreitenden Kolonisation das Wort redet, so empfiehlt ( r sicherlich gut informierte Abdullah-Quilliam-Bey, Scheich-ali am für das Britische Reich, die Eröffnung der jüdischen Einmderung längs der Küsten des Schwarzen Meeres. So wird es dem nüchternen Sinn immer klarer: die jüdische üidpolitik kann sich nur auf den Orient beziehen und kann sich er nur auf der Mittellinie zwischen unseren Wünschen und dem illen der türkischen Regierung, in einem scheinbar regellosen ckzack privatwirtlicher Expansion und beschränkter politischer mzession fortbewegen. Wir können die Forderung der antizipierten ntonomie für Palästina ebenso fallen lassen, wie für jedes andere .biet. Mißtrauen wir der autokratischen Regierung, dann bedeutet ■eh ein Charter keine Sicherung. Wer würde uns vor Verletzung sselben schützen? Etwa die europäischen Staaten, nachdem wir s ihrem .Verbände ausgeschieden? Doch nur die reale Macht, ■> wir selbst bereits im Lande erlangt, das Interesse, das die Türkei Ibst an unserer gedeihlichen Entwicklung haben kann, das auf jenseitigen Diensten gegründete gute Einvernehmen. Dieselben ktoren aber sichern unser Ansiedlungswerk auch jetzt. Eine politische Bewegung, die auf Unerreichbarem beharrt, hat h gerichtet. Politik war stets das Gegenteil von unpraktischer hwärmerei; sie war und wird stets — wenn auch nicht im Sinne icchiavellis — eine Wahl zwischen Übeln sein. Sie ist die Kunst ■r Notwendigkeiten und Möglichkeiten, das Geschick, unter den stehenden Bedingungen dem Ziele sich zu nähern. Hat sich auch die Leitung der Zionistischen Organisation in- ■=ge der noch immer bestehenden Meinungsdifferenzen in prin-;)iellen Fragen an der neuen Palästinabewegung bis jetzt nicht 'iziel und aktiv beteiligt, so wurden doch teils direkt durch die meinen Institutionen der Organisation, teils aus Anregung und iter Mithilfe derselben nennenswerte Fortschritte in Palästina geweht. Mit Hilfe der Anglo-Palästina-Bank erfolgten nicht unbeeutende Landkäufe teils für die Rechnung des Nationalfonds, : ils für weiteren Verkauf. Eine dritte Filiale der Anglo-Paläs-!ia-Bank wurde in Beirut eröffnet, Filialagenturen in Hebron *tl Haiffa. In Jaffa entstand ein Informationsbureau für Einanderer. Die Palästina-Kommission hat das Jordantal und den jrdosten Palästinas durchforscht und Vorarbeiten für Versuchs- ■nnen zwecks Einführung neuer Kulturarten in Palästina, wie r Baumwolle, unternommen. Sie hat überdies einen Palästina- 'Hanzungs-Verein und ein Palästina-Industrie-Syndikat ins Leben Brufen. Ein Vermessungsbureau wurde gegründet, das beim Anne! Verkauf von Boden gute Dienste leistet. Die Kunstge- - erbeschule „Bezalel", die das gewerbliche Leben der palästinen- ^chen Juden auf eine neue Basis zu stellen berufen ist, entwickelt |ELT-- -7 sich in erfreulichster Weise. Neue industrielle Etablissements, wie die Mühlen bei Jerusalem, die Ölfabriken bei Haiffa, sind errichtet worden. Auf dem Gebiete der Erziehung erfolgte durch die Gründung des ersten jüdischen Gymnasiums in Jaffa ein höchst bedeutungsvoller Schritt. Mehrere hervorragende Führer der zionistischen Organisation haben ihren Sitz dauernd in Palästina aufgeschlagen, so daß aus Mitgliedern des Aktions-Komitees in Palästina eine Agrar- und Kolonisationskommission gebildet werden konnte. Gleichzeitig begann sich die nationale Propaganda in den Ländern des Orients auszubreiten. In Kairo und Alexandria entstanden zionistische Ortsgruppen und Poalei-Zion-Vereine, in zwei anderen Zentren Komitees von Vertrauensmännern. Alles in allem stehen wir hier vor einem elementarem Drange nach Palästina, der die erste Kolonisationsbewegung im vorigen Jahrhundert an Schwung und Ausdehnung übertrifft und besonders in einer Hinsicht ihr überlegen ist: während jene zum großen Teile auf philantropischer Basis vor sich ging, sind hier die gesunden Prinzipien der Selbsthilfe und der Genossenschaft maßgebend. Vor zwei Jahren wurde die Territorialistische Organisation gegründet, um den jüdischen Auswanderern in irgendeinem fremden und unbekannten Gebiete ohne Verzug Land und Brot zu geben. Seit zwei Jahren hat die Landpolitik der lto die jüdischen Massen mit Worten und Illusionen abgespeist. In denselben zwei Jahren hat unsere Landpolitik Tausenden von bedrückten Juden des Ostens in unserer alten Heimat Land und Brot gegeben. Und doch, das sei nicht übergangen: die Leitung der nationalen Organisation stand in der Landpolitik bis jetzt nicht ganz auf der Höhe ihrer Aufgabe. Dem Verzeichnis der in Palästina gemachten Fortschritte könnte ein ebensolanges Register von Unterlassungssünden gegenübergestellt werden. Nur zögernd wandelt man den neuen Weg, von einem Verantwortlichkeitsgefühl zurückgehalten, das dem Ernst der Führer alle Ehre macht, aber zweifellos lähmend wirkt. Vergebens haben wir bis jetzt auf den Versuch gewartet, den Judenverfolgungen in Rußland und Rumänien die Auswanderung nach Palästina als planvoll organisierte Rettungsaktion gegenüberzustellen, die neue, spontane Palästinabewegung zu regeln, ihr auf dem Wege von Unterhandlungen mit der türkischen Regierung die Wege zu ebnen. Und ebenso zurückhaltend ist die Stellung der einzelnen. Institutionen der zionistischen Organisation, die für eine tätige Landpolitik unendlich mehr tun könnten, als es bis heute geschah. Wenn die Leitung der zionistischen Organisation, wenn alle ihr unterstehenden Institutionen aufhören werden, sich hinter formellen Schwierigkeiten zu verschanzen; wenn alle Körperschaften, die für Palästinaarbeit geschaffen sind, tatsächlich mit Einsetzung aller Kräfte in Palästina arbeiten werden; wenn sie konsequent ausgebaut und mit sämtlichen jüdischen Wohlfahrtsorganisationen auf dem Boden der Palästinaarbeit vereinigt werden; wenn eine zielbewußte Politik die Linien des wirtschaftlichen Vordringens vorzeichnen, seine Fortschritte ermöglichen und zugleich ausnützen wird, dann wird die Palästinabewegung eine Ausdehnung und eine Intensität gewinnen, die heute wenige voraussehen. Daß ihr diese uneingeschränkte Förderung zuteil werde, ist heute das kategorische Postulat einer einsichtigen jüdischen Landpolitik. Selbst die einstigen entschiedensten Gegner der praktischen Palästinaarbeit treten heute, nachdem sie Palästina bereist und den Stand sowie die Aussichten unseres Werkes kennen gelernt haben, aufs wärmste dafür ein. Es ist Zeit, daß auch die letzten Vorurteile und Widerstände schwinden. ßfc 2*