Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1907-07-12 · 28 (12.7.1907) · page 14

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
28 (12.7.1907)
Date
1907-07-12
Page
– (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3315709-3316240-3316271--49502-3344442
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

16 DlE3§& EjLT No. 28 bindung mit den übrigen national-jüdischen Vereinen am 12. Juli v. J. durch Ansprachen der Herren Rabbiner Dr. Emil Cohn und Dr. Heinrich Loewe. Die Makkabäerfeier wurde in gewohnter Weise am 15. Dezember v. J. veranstaltet. Die Zahl unserer Mitglieder ist von 504 auf 608 gestiegen. Von ihnen gehören der Frauenvereinigung 98, der Hasmonaea 25 und der neugegründeten Ortsgruppe Charlottenburg 67 Mitglieder an: Außerdem besteht innerhalb der Vereinigung eine Misrachigruppe. Die Zahl der Berliner Schekeizahler beträgt 938 gegen 678 und 803 in den beiden Vorjahren. Die. Sammlungen für den Nationalfonds ergaben 3300 M., für die Ölbaumspende 1420 M. und für sonstige Zwecke 700 M., zusammen 5420 M. Auch wurden die beträchtlichen Mittel des Palästinaindustriesyndikats, des Pflanzungsvereins und der Agrikulturgesellschaft zum großen Teil von Berliner Zionisten aufgebracht. Die Ortsgruppe Charlottenburg zeigt seit ihrem Zusammentritt im Februar reges Leben. Sie hat eine Reihe von Versammlungen veranstaltet. Die hiermit begonnene Dezentralisation soll weiter durchgeführt werden; die Vorbereitungen zur Gründung einer neuen Ausländergruppe sowie eines kaufmännischen Vereins sind schon getroffen. Der Vorstand hat im Laufe des Jahres eine große Anzahl Sitzungen abgehalten. Seine einzelnen Mitglieder sind fortgesetzt miteinander in Verbindung geblieben. Die Zerlegung der Vorstandstätigkeit in einzelne Ressorts hat sich noch nicht vollständig durchführen lassen, doch hat Herr Arthur Hirsch die gesamten Nationalfondsarbeiten für Berlin übernommen. Die Anstellung einer besoldeten Hilfskraft mußte wegen anderweitiger Inanspruchnahme unserer Mittel vertagt werden. Zeigt auch die Berliner Ortsgruppe reges Leben, so bleibt die Zahl unserer Mitglieder wie der gesamten Berliner Schekeizahler — bei einer jüdischen Gesamtbevölkerung von 130000 Köpfen weit hinter dem deutschen Durchschnitt zurück. Wir müssen daher unsere Mitglieder dringend auffordern, jeder in seiner Weise aufs eifrigste zu werben, unsere Versammlungs- und Broschürenagitation durch mündliche Agitation zu unterstützen. Einnahmen. B. Z. V. 1./7. 06—25.6. 07. Ausgaben. Bestand am 1./7.06: 159.10 M. I Saalmieten: 481.50 M. Mitgliederbeiträge: 3418.75 „! Porti: 448.15 „ Eintrittsgelder in Versammlungen: 514.10 Spenden für die Broschürenagitation: 1025.— Broschürenverkauf: 23.65 Schekelgelder: . 037.50 Landesbeiträge: 378 75 Nationalfonds: 3300.-- Ölbäume: 1420.— Sonstige Spenden: 700.— Guthaben des Schatzmeisters: 105.65 Kopialien: 111.95 Inserate und Plakate: 387.60 11982.50 M. Drucksachen: Abonnement Jüd. Rundschau: Inkassospesen: Broschüren versand: Beihülfe an die Zion. Ortsgruppe Charlottenburg Diverse: Reisevergütu ngen: Landesbeiträge: Schekelgelder: Sammlungen: 289.25 1400.— 422.50 1037.55 90.— 224.75 153.— 578.75 937.50 5420.— 11982.50 M. Verschiedenes Berlin. Am 6. Juli fand im Schloßhotel, Burgstraße, die zehnsemestrige Stiftungsfeier der Verbindung im Kartell Zionistischer Verbindungen Hasmonaea statt, zu der zahlreiche Gäste erschienen waren. Bbr. Rosenbaum eröffnete den Abend mit einer Ansprache, in der er auf die Entwicklung der Verbindung hinwies. Die Festrede hielt Br. Lichtheim. Es sprachen ferner die Vertreter der befreundeten Korporationen: des V.J. St. Berlin, des V.J. St. Charlottenburg, des V. J. St. Makkabaea und der, „Freien Verbindung Dahlemia". Im Namen der Berliner Zionistischen Vereinigung überbrachte Herr Barth im Namen des Hilfsvereins der Deutschen Juden Herr Dr. Kahn, für den Herzlklub Herr Lewinski, und für die Kartellverbindung Jordania Bbr. Theilhaber herzliche Glückwünsche. Zahlreiche Schreiben und Telegramme waren eingelaufen: von den Kartellverbindungen Jordania-München und Joria-Freiburg, von der Verbindung Zephirah-Czernowitz, von den Herren Dr. Bodenheimer, Feiwel, Klee und von vielen auswärtigen Bundesbrüdern. Besondere Freude erregte ein herzliches Begrüßungsschreiben des Präsidenten des A. C. Herrn D. Wolffsohn, den die Verbindung anläßlich des Stiftungsfestes zum Ehrenmitglied ernannt hatte. A. H. Dr. Leszynsky feierte die Gründer der Hasmonaea, Bbr. Treidel insbesondere den Gründungsburschen Egon Rosenberg; Bbr. Li c h theirn sprach . auf p-br. Treidel als den ersten Fuchsen der Verbindung. Der Ölbaumhain, der zur Erinnerung des Stiftungsfestes auf den Namen der Hasmonaea im Herzlwalde erstehen soll, ist durch die Spenden der Gönner der Verbindung bereits auf 100 Bäume angewachsen. Der Abend verlief überaus ftaVmonisch und war ein deutlicher Beweis der Sympathien, deren sidh die Verbindung in weiten Kreisen erfreut. " Berlin, den 4. Juli 1907. Gestern abend fand die diesmonatliche Versammlung der hiesigen Misrachigruppe statt. Der Vorsitzende, Herr Hermann Struck, berichtete zuerst über die Erfolge der Enquete über „Zionismus und gesetzestreues Judentum". Es lagen bereits 26 Antwortschreiben vor. Fast sämtliche Rabbiner führen in diesen, teils mit längeren Begründungen aus, daß der Zionismus "keineswegs dem gesetzestreuen Judentum widerspreche, und weisen auf die Notwendigkeit eines Zusammenschlusses der gesetzestreuen Zionisten im Misrachi hin, dem die hohe Aufgabe zufiele, die Bewegung in religiösem Sinne zu beeinflussen. — Es wurde beschlossen, mit der Veröffentlichung der hochinteressanten Antworten im September zu beginnen. — Im zweiten Teil der Sitzung wurden Anträge für den Kongreß besprochen. Auskunft über evtl. Anschluß an den Misrachi erteilt der Schriftführer Edmund Lewy, Auguststr. 84. Czernowitz. Mittwoch, den 3. d. M. fand im Repräsentationssaale des Kommis- und Buchhaltervereines die von den zionistischen Korporationen von Czernowitz veranstaltete Trauerfeier aus Anlaß der dritten Wiederkehr des Todestages Theodor Herzls statt. Die Trauerrede hielt Universitätsprofessor Dr. Leon Kellner. Es war zum erstenmal, daß diese markante Persönlichkeit der zionistischen Bewegung, die an der Seite Herzls gewirkt hat und auch mit der Edierung des zionistischen Nachlasses Herzls betraut wurde, der Begründer der jüdischen Toynbee-Halle, vor der Czernowitzer Judenschaft über seinen verstorbenen Freund sprach. In knappen Worten würdigte der Vortragende die Persönlichkeit Herzls und übte trotz der Kürze seiner Ausführungen einen überwältigenden Eindruck auf die zahlreichen Zuhörer aus. Herzl der Schriftsteller — führte Redner aus — Herzl der Jude, Herzl der Zionist sind alle aus derselben Wurzel hervorgegangen. Diese Wurzel ist der Charakter eines erstklassigen Menschen. Lesen Sie Herzls Feuilleton mit Bedacht, lesen Sie den Judenstaat, lesen Sie die Aufsätze in der „Welt", immer tritt Ihnen der vornehme Charakter entgegen, der Ihnen sagt: Es gibt keinen Unterschied zwischen mir und meinem Volk. Ich will für mich das Beste, ganz gewiß! Herzl hätte sich nie mit einer zweiten Stelle begnügt — aber ich will auch das Beste für mein Volk. Sind nun Herzl der Schriftsteller, der Feuilletonist, der Jude aus einem Gusse, so — meint Redner — nehmen wir auf uns gerne die Schande, daß Herzl ein Feuilletonist war. Nur, meint Professor Kellner, dürfe man sich unter einem Feuilletonisten nicht das vorstellen, was Lucien Wolff von einem Feuilletonisten denkt. Er kennt das Feuilleton des Pariser Blattes und der Pariser Feuilletonist ist so ein Schmetterling, der von einer Lustbarkeit zur anderen, vom Theater ins Konzert eilt, der fein plaudert, gelegentlich eine Bosheit einfließen läßt und eine Schlüsselnovelle schreibt, hinter der dann die Damen die Originale zu erkennen suchen. Ein solcher Feuilletonist war Herzl nicht! Er brachte zur höchsten Vollendung eine Kunstgattung, die vor etwa 40 Jahren in Wien geboren wurde und mit ihm in Wien untergegangen ist. Es ist jene Kunstgattung, mittelst der ein Künstler, den Tautropfen in der Morgensonne nachahmend, ein Weltbild in einem Atom wiederspiegelt. Dieser große Mensch trat mit dem Feuereifer des jungen kraftstrotzenden Mannes in die Bewegung ein, nach wenigen Jahren war er ein Greis. Freudetrunken kehrte er vorn ersten Kongreß, tot wund vom letzten heim. Der Riß in der Bewegung (das Uganda-Projekt) ging dem Führer mitten durchs Herz. Nun sind es drei Jahre, daß Herzl tot ist. Vielerlei haben wir in den drei Jahren erlebt, die furchtbaren Metzeleien in Rußland, die Vergewaltigung in unserem Nachbarstaate, die kleinlichen Drangsalierungen, selbst in den freiesten Ländern in England und Amerika. Alle diese Ereignisse haben die Gegner des zionistischen Gedankens aufs schlagendste widerlegt. Alle weisen wie die Handzeiger am Weg: Nur eine Straße gibt es zur Lösung der Judenfrage, wenn Lösung der Judenfrage für morgen oder übermorgen sein soll, nicht für jetzt und heute, und dieser Finger zeigt ins eigene Land. Mit einem Trauerchoral schloß die erhebende Feier. Der Feier wohnten u. a. bei: Oberrabbiner Dr. Rosenfeld, Rector magnificus Prof. Dr. Ehrlich, Finanzrat Dr. Last, der Vize-Präsident der israel Kultusgemeinde Samuel Luttinger, zahlreiche Gemeinde- und Kultusräte, die A. H. der jüdisch-akademischen Verbindungen und ein zahlreiches Damenpublikum. Iglau. (Gedenkfeier für Theodor Herzl.) Der jüdische Volksverein „Theodor Herzl" für Iglau und Umgebung hatte sich an den Vorstand der Iglauer Kultusgemeinde'mit dem Ersuchen gewendet, dem Vereine den Tempel zur Abhaltung einer Trauerfeier für Theodor Herzl zu überlassen. Dieses Ersuchen hat der Vorstand nicht bewilligt. Am 1. Juli fanden sich daher auf Aufforderung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.