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Die Welt · 1907-07-12 · 28 (12.7.1907) · page 8

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
28 (12.7.1907)
Date
1907-07-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Grund hat — insolange ist es notwendig, daß wir Juden eigene Vertreter haben, die mit Ernst und Würde, aber auch mit Nachdruck unsere Sache vertreten. Ein bedrängtes Judentum verträgt es nicht, daß seine Söhne sich für ein ephemeres, czechisches Staatsrecht oder allpolnische Wünsche oder eine deutsche Hegemonie echauffieren, das Judentum verlangt von seinen Vertretern, daß sie alle ihre Kräfte dem jüdischen Volke widmen, und man dient dem jüdischen Volke auch, wenn man die Bestrebungen aller freiheitlich gesinnten Parteien selbständig fördert. Denn die Juden haben ein hohes Interesse an dem weitestgehenden Fortschritt und an der höchsten Kultur. Ist diese einmal erreicht oder annähernd^ erreicht, dann allerdings verliert — wie ich eben angedeutet habe — der Jücrsche Klub seine Existenzberechtigung; denn wenn das Programm erfüllt ist, ist jeder Kampf für das Programm überflüßig. Ähnlich erginge es ja allen Parteien, wenn sie ihr Ziel erreichen. Im Zukunftsstaate gäbe es ja ebensowenig Sozialisten als Zionisten in Zion. Der Judenklub hat aber auch noch eine andere Aufgabe. Man spricht zuweilen von der Solidarität der Kulturvölker; sie pflegt den Juden gegenüber zu versagen. Die jüdischen Vertreter haben in allen Parlamenten an das europäische Gewissen zu appelieren, wenn sich die Greuel von Rußland und Rumänien wiederholen. Das Parlament ist ein großartiger Resonanzboden für einen ehrlichen Aufschrei aus gequältem jüdischem Herzen, und wenn die Juden aller Parlamente ihre Pflicht erfüllen wollten, wenn die jüdische Haute finance mitgerissen werden könnte, wer weiß, ob nicht vieles besser würde „dort unten im Osten, wo die Völker auf die Juden schlagen." Ich sprach bisher von der Bedeutung des Jüdischen Klubs gewissermaßen für die Verhältnisse der Juden nach außen. Der Klub hat eine unnennbare Bedeutung für die Konsolidierung der Juden, er ist der sichtbare Ausdruck unserer nationalen Existenz, unserer Bestrebungen nach Gleichberechtigung und nach Anerkennung der Gleichwertigkeit, er hebt das nationale und das Selbstbewußtsein des Volkes, er schafft ein Forum von größter Autorität im Judentum, er erhöht die Pflicht der Verantwortung der jüdischen Abgeordneten, er gibt dem Volke jüdische Führer, die sich loslösen müssen von den Kleinigkeiten des Alltags und den unbedeutenden Aktionen der lokalen Politik, wollen sie ihrer Aufgabe gerecht werden und der Gesamtheit dienen. . Ich habe die Bedeutung und die Aufgaben des Jüdischen Klubs nur in allgemeinen Umrissen behandelt, soweit eben ein Zeitungsartikel hierfür Raum bietet, ich behalte mir vor, zu gegebener Zeit einige Detailfragen des jüdischen Programms näher zu erörtern, namentlich die Frage, wie man dem Judenelend zu Leibe rückt. Eine öffentliche Diskussion dieses Komplexes von Fragen ist dringend notwendig, denn unsere jüdischen Abgeordneten bedürfen der Anregung von außen, sind sie doch eigentlich die Fürsprecher des Volkswillens und der Volkswünsche. Der Einzug der jüdisch-nationalen Abgeordneten ins Parlament ist für die Juden Österreichs ein historischer Moment. Hoffen wir, daß er nicht ein kleines Geschlecht getroffen hat. Gesinnungsgenossen! Die Vorbereitungen für den VIII. Zionist enkongreß sind in allen Ländern im vollen Gange. Von der Wichtigkeit einer raschen und objektiven Berichterstattung über die Kongreßverhandl ungeri durchdrungen, haben die Organisationen und Gesinnungsgenossen in verschiedenen Landern eine intensive Agitation zur Verbreitung unserer Separat-Ausgabe eingeleitet. Es ist aber durchaus notwendig, daß diese Agitation sich nicht auf einzelne Länder beschränkt, sondern überall mit Energie einsetzt. Es muß für jeden Zionisten klar sein, daß unsere Kongreß ausgäbe, die jedermann über die bedeutendste zionistische Institution, den Kongreß, genau orientieren soll, eines der wichtigsten und wirksamsten Agitationsmittel für unsere ganze Bewegung ist. - Jeder Jude, der an unseren Bestrebungen Anteil nimmt, soll die Separat-Ausgabe der „Welt" abonnieren. Wir ersuchen unsere Leser und Gesinnungsgenossen dringend, die wenigen Wochen, die uns vom Kongresse trennen, zu benutzen und in allen jüdischen Kreisen Abonnenten für die Separat-Ausgabe zu werben. Abonnements-Einladungen stellen wir in beliebiger Anzahl kostenlos zur Verfügung. Adressen zwecks Zusendung von Abonnementseinladungen sind uns jederzeit erwünscht. Jeder neueintretende Abonnent der regelmäßigen Ausgabe der „Welt" erhält selbstverständlich auch die Separat-Ausgabe gratis zugestellt. Organisationen, die mindestens 20 Abonnements aufgeben, erhalten vom Bezugspreise einen Rabatt von 25%. Briefmarken aller Länder nehmen wir in Zahlung. Die Bezugspreise sind für: Deutschland................... Mk. 1.70 Holland....................... Hfl. 1.— Österreich-Ungarn............. Kr. 2.— Vereinigte Staaten............Doli. 0.45 Rußland......................Ro. 0.80 alle übrigen Staaten............ Frs. 2.10 Großbritannien................. sh. 1/9 Expedition „DIE W E L T".

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