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Die Welt · 1907-07-12 · 28 (12.7.1907) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
28 (12.7.1907)
Date
1907-07-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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DIE 1^1 kennt, der sollte in jenen Ruf nicht mit einstimmen. Denn zunächst erreicht er damit nichts für sein Ideal; was er erreicht, ist nur, daß ein im Entstehen begriffenes Unternehmen zugrunde gerichtet wird, an dessen Stelle er heute nichts besseres zu setzen vermag. ELT No; 28 Das Resultat ist dann ein Ruhen aller praktischen Palästinabestrebungen in Europa. Darum: tnniTD nmn — se*d vorsichtig mit eurer Kritik! Breslau. Dr. Sandler. Antwort auf den „Offenen Brief4' Prof. Warburgs Jaffa, Ende Juni 1907. Sehr geehrter Herr Redakteur! In Erwiderung des an mich in Nr. 24 Ihres geschätzten Blattes gerichteten ,,Offenen Briefes" der Palästinakomniission bezüglich meines Artikels: „Die Kapitalsanlagen in Palästina" — diese Überschrift gehört übrigens nicht mir, sondern der Redaktion der „Welt" — welcher eine ganz sonderbare Deutung in Berlin bekommen hat, gestatten Sie mir, folgende Bemerkungen zu veröffentlichen: Die Palästinakommission irrt, wenn sie glaubt, daß ich speziell das Indtistriesyndikat zum Treffpunkt wählte und es nur nicht beim Namen genannt habe. Ich habe von der Organisation dieses Syndikates nur sehr geringe Kenntnisse und gehöre nicht zu denjenigen, die sich mit dem Namen nicht heraustrauen. Sollte aber das Industriesyndikat ebenfalls nach dem Almosenscheina der Beteiligung reicher Leute mit kleinlichen Beträgen, die für sie gar kein finanzielles Interesse haben, gegründet werden, so könnte auch diese Institution nur ein Mißerfolg erwarten. Ich habe auch nichts gegen Geschäftsführung durch Beamte in meinem Artikel geschrieben, wie es für jedermann klar ist, der den Artikel nicht falsch gelesen, oder richtiger: falsch gedeutet hat. Ich habe vielmehr ganz deutlich geschrieben, und das will ich jetzt noch einmal betonen, daß bei den bestausgewählten, ehrlichsten und tüchtigsten Beamten „kein Unternehmen zur Blüte gebracht werden kann, wenn der Unternehmer selbst daran kein Interesse hat. Dieses Interesse kann der Unternehmer nur dann haben, wenn er mit einem bedeutenden Teile seines Kapitals am Unternehmen beteiligt ist, wenn er auf Reingewinn rechnet" . . . ., nur in diesem Falle werden „die Eigentümer mit Hilfe des Aufsichtsrates eine stetige Kontrolle ausüben". Es ist mir in der Tat bekannt, daß in den belgischen Gesellschaften, die in Südrußland arbeiten, viele bezahlte Beamte und Fachleute in der Geschäftsleitung stehen, es ist mir aber auch bekannt, daß diese Gesellschaften aus Leuten bestehen, von denen viele bedeutende Teile ihres Vermögens in das Unternehmen investiert haben und sich deshalb für diese Geschäfte in bedeutendem Maße interessieren. — Es ist mir auch ferner bekannt, daß mehrere der in Rußland wohnenden diese Geschäfte leitenden Beamten und Fachleute der belgischen Gesellschaften am Unternehmen selbst stark beteiligt sind. Wären die belgischen und englischen anonymen Gesellschaften, die in Südrußland Eisenminen exploitieren, Fabriken anlegen und den Tramwaybetrieb mehrerer Großstätte ausnützen, aus lauter Kleinaktionären zusammengesetzt, die ihre kleinen Anteilscheine aus einer Noblesse oblige spenden, wie die Zionisten, von denen ich sprach, unserer Bewegung, so wären sie längst begraben, trotz Fachleuten und Beamten. — Wie wenig reiche Leute es unter den Zionisten gibt, weiß wohl jedermann. Aber gerade diese Wenigen sollten der Bewegung zeigen, daß sie den Zionismus in seiner ganzen Tragweite verstehen und ihn mit vollem Ernste behandeln, gerade die Wenigen sollen mit dem Beispiele vorangehen und zeigen, daß große Sachen auch große Taten verlangen. Das fordern von ihnen nicht wir, „Palästinensische Autoritäten" — (Bankbeamte und Ärzte — wie es in meiner Kopie der P. K. heißt) — hoffentlich gehört dieser ironischbeleidigende Ausdruck nicht Prof. O. Warburg, dessen taktvolle Ausdrucksweise wie seine Person überhaupt wir gewohnt sind hochzuachten, er scheint anderweitiger Abstammung zu sein, — das verlangen von ihnen die zionistische Bewegung, ihre ernsten Ziele, ihre großen Aufgaben . . . Was die reichen Zionisten -anbelangt, „bei denen auch tausend Mark für ein palästinensisches Unternehmen so schwer zu bekommen sind", so kann von solchen Kampfgenossen getrost abgesehen und das Liebäugeln mit ihnen ganz aufgegeben werden, wenn man nicht die große Bewegung zu einem zionistischen Zeitvertreib herabwürdigen will. Sagt doch die Palästinakommission selbst, „daß es schon jetzt wünschenswert ist, Unternehmungen ins Leben zu rufen, die viel größere Kapitalien erfordern, als die großkapitalistischen Zionistenführer vermutlich insgesamt besitzen" — und das soll auf dem Wege von mühselig erzwungenen 1000Mark-Anteilen erreicht werden? — Wann die Zeit gekommen sein wird, den Schwerpunkt des Zionismus nach Jaffa zu verlegen, wird von der Tüchtigkeit und Opferwilligkeit der Zionistenführer abhängen, die es hoffentlich vorziehen werden, selbst nach Palästina zu übersiedeln und „unter viel schwierigeren Verhältnissen dort von neuem ein Geschäftsleben zu beginnen, als die zionistischen Rentiers Europas zu bilden". Damit werden sie jedenfalls eher den nachdrücklichen Beweis liefern daß „ihnen die wirtschaftliche Erschließung Palästinas eine heilige, ernste Sache ist" — als durch die Drohung „von der aktiven Propaganda sich ganz zurückzuziehen", wenn von Palästina aus Meinungen ausgesprochen werden, die sie nicht teilen. — Ich bedauere sehr, durch den „Offenen Brief" in eine Polemik hineingezogen worden zu sein, die, wie jede Polemik, einen unangenehmen Ton anschlägt. Ich bedauere es umsomehr, als den Offenen Brief Prof. O. Warburg gezeichnet hat, von dem wir hier in Palästina noch eine große nutzbringende Tätigkeit erwarten. Mit bester Hochachtung und Zionsgruß Dr. L. Kohan Türkische Zollpolitik und jüdische Ansiedelung in Palästina Von Dr. SIMON BERNFELD Seit Jahren vertrete ich in Wort und Schrift den Gedanken, daß wir hauptsächlich danach streben müßten, unsere Interessen in Palästina durch die Hebung der Industrie in diesem Lande zu fördern. Die jüdische Kolonisation in Palästina wird auf diesem Wege sicherer und viel schneller zu ihrem Ziele gelangen. Selbst wenn man von der landwirtschaftlichen Ansiedelung aus verschiedenen Gründen nicht gänzlich absehen zu dürfen glaubt, müßte wenigstens neben dieser auch eine intensive industrielle vor sich gehen. Denn abgesehen davon, daß dadurch die Zahl der jüdischen Bevölkerung sich rascher vergrößern und damit das jüdische Element in Palästina in verhältnismäßig kurzer Zeit sich verstärken würde, böte eine große industrielle Bevölkerung auch der Landwirtschaft unermeßlichen Nutzen, indem sie ihr ein sicheres Kontingent von Konsumenten zuführt. Das sind Wahrheiten, die nicht erst bewiesen zu werden brauchen. Kleine Anfänge sind ja nach dieser Richtung bereits

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