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Die Welt · 1907-07-05 · 27 (5.7.1907) · page 12

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
27 (5.7.1907)
Date
1907-07-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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und durch Begründung von Volksbibliotheken, sei es durch Einrichtung von Versuchsfeldern und Besoldung von Wanderlehrern. Auch die Versuchsstation und die Lehrfarm könnten eventuell aus diesem Teile des Palästinafonds subventioniert werden. Es ist schon Zeit, daß die Zionisten beginnen, sich ernstlich mit Palästina zu befassen und besonders den ländlichen Verhältnissen ihr Augenmerk zuzuwenden. Die Kolonien, die jetzt ja nur noch in geringem Maße von anderer Seite unterstützt werden, befinden sich großenteils infolge der hohen Steuern und der Weinkrise in einer außerordentlich kritischen Lage. Hunderte von jungen Leuten, Kolonistensöhnen lind Arbeitern verlassen . die Dörfer, um in den schon überfüllten Städten Palästinas, in Ägypten, Amerika und Australien Zuflucht zu suchen, und wie leicht würde es sein, ihnen zu helfen. Schaffen wir also bald einen Fonds, der wirklich leistungsfähig ist, und unterstellen ihn einer besonderen Organisation, die an einem Orte konzentriert und mit genügenden Vollmachten versehen, wirklich arbeitsfähig ist. Das wird die große Frage des nächsten Kongresses sein. Ob der Nationalfonds etwas schneller wächst oder langsamer, das ist von sekundärer Bedeutung, hier ist die Frage vor allem wesentlich, auch in politischer Beziehung, wollen wir unser wichtigstes Bollwerk, die ländliche Kolonisation in Palästina, halten und ausbauen, oder wollen wir sie, in blinden Doktrinarismen befangen, verfallen und verkommen lassen. Gesinnungsgenossen! Die Vorbereitungen für den VIII. Zionisten'kongreß sind in allen Ländern im vollen Gange. Von der Wichtigkeit einer raschen und objektiven Berichterstattung über die Kongreßverhandlungen durchdrungen, haben die Organisationen und Gesinnungsgenossen in verschiedenen Ländern eine intensive Agitation zur Verbreitung unserer Separat -Ausgabe eingeleitet. Es ist aber durchaus notwendig, daß diese Agitation sich nicht auf einzelne Länder beschränkt, sondern überall mit Energie einsetzt. Es muß für jeden Zionisten klar sein, daß unsere Kongreßausgabe die jedermann über die bedeutendste zionistische Institution, den Kongreß, genau orientieren soll, eines der wichtigsten und wirksamsten Agitationsmittel für unsere ganze Bewegung ist. Jeder Jude, der an unseren Bestrebungen Anteil nimmt, soll die Separat-Ausgabe der „Welt" abonnieren. Wir ersuchen unsere Leser und Gesinnungsgenossen dringend, die wenigen Wochen, die uns vom Kongresse trennen, zu benutzen und in allen jüdischen Kreisen Abonnenten für die Separat-Ausgabe zu werben. Adressen zwecks Zusendung von Abonnementseinladungen sind uns jederzeit erwünscht. Jeder neueintretende Abonnent der regelmäßigen Ausgabe der „Welt" erhält selbstverständlich auch die Separat-Ausgabe gratis zugestellt. Organisationen, die mindestens 20 Abonnements aufgeben, erhalten vom Bezugspreise einen Rabatt von 25°/o. Briefmarken aller Länder nehmen wir in Zahlung. Die Bezugspreise sind für Deutschland.................... Mk. 1.70 Österreich-Ungarn............. Kr. 2.— Rußland...................... Ro. 0.80 Großbritannien................. sh. 1/9 Holland........................ Hfl. 1.— Vereinigte Staaten............ Doli. 0.45 alle übrigen Staaten............ Frs. 2.10 Expedition „DIE WELT". WIENER BRIEF Ein christlich-sozialer Präsident im österreichischen Abgeordnetenhaus! Die Tatsache allein zeigt, wie viel es in Österreich geschlagen hat. Die kleine Wiener Antisemitenpartei ist nicht nur die stärkste deutsche Gruppe, welche die andern deutsch-freiheitlichen Parteien ins Schlepptau genommen hat, sondern auch die größte Parlamentspartei überhaupt, da in ihr die Alt-Klerikalen bedingungslos aufgegangen sind. Sie hat heute noch nicht ihre Parteigänger auf den Ministerstühlen. Aber die Sache ist erntereif, und im Frühherbst werden christlich-soziale Minister in den Ministerrat einziehen, ausgeprägte Parteimänner, die Verkörperung christlich-sozialer Macht und Herrschsucht. Ihre stillen Freunde, die auf das Parteiprogramm wohl nicht schwören, aber den Herren des Wiener Rathauses und Landtages politisch ziemlich nahestehen, haben die Zügel der Herrschaft schon lange in Händen und werden die Schrittmacher der klerikalen Politik mit Freuden in ihrer Mitte aufnehmen. Bei der Präsidentenwahl, bei der der christlich-soziale Dr. Weisskirchner, der Wiener Magistratsdirektor und Luegers Günstling, der Favorit des Ministerpräsidenten war, hat die Konturen einer künftig möglichen Pariamen tsmajorität aufgezeigt und zugleich die total geänderte parlamentarische Position und Macht derjenigen deutschen Gruppen

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