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Die Welt · 1907-07-05 · 27 (5.7.1907) · page 10

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
27 (5.7.1907)
Date
1907-07-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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12 DIE^ELT No.,27 N DER ZIONISMUS UND DIE LANDWIRTSCHAFT IN PALÄSTINA Referat, vorgelegt dem 5. österr. Zionistentag von Professor O. Warburg (Berlin) Zweifellos ist die wichtigste Frage der Palästinaarbeit des Zionismus die der Förderung der jüdischen Landwirtschaft in diesem Lande. Wenn es uns nicht gelingt, einen kräftigen jüdischen Bauernstand in Palästina zu schaffen, so werden alle Hoffnungen auf eine auch nur annähernd autonome Heimstätte in diesem Lande aufgegeben werden müssen. Es ist möglich und sogar nicht unwahrscheinlich, daß die Juden mit der Zeit in einer Anzahl von Städten Palästinas auch ohne Landwirtschaft eine gewisse Präponderanz erlangen. Was nützt ihnen aber eine solche, wenn das Land unjüdisch bleibt? Wir würden nur eine neue und auch nur temporäre Ghettokultur großgezogen haben. Denn, hört einmal die Einwanderung von außen auf, so tritt nach wenigen Jahren das ein, was in allen eine höhere Kultur erlangenden Ländern der Fall ist: die städtische Bevölkerung nimmt aus sich selbst heraus nur weil ig zu, und das Wachstum wird im wesentlichen durch Zuzug der sich schnell vermehrenden Landbevölkerung gedeckt. Ist die ländliche Bevölkerung dann arabisch und nicht jüdisch, so wird ein eventuell bis dahin erlangter Vorsprung alsbald ausgeglichen werden. Der Satz, daß die Zukunft eines Landes dem Stamm angehört, welcher das platte Land im Besitz hat, ist durch zu viele historische Beispiele erwiesen, als daß er bestritten werden könnte. Es muß also nach wie vor unser heißes Bemühen darauf gerichtet sein, das flache Land Palästinas der jüdischen Kolonisation zu erschließen, so schwierig diese Aufgabe auch momentan noch ist. Die sogenannte industrielle Kolonisation mag ein gutes Mittel sein, um die jüdische Bevölkerung Palästinas in der ersten Zeit zum schnelleren Wachstum zu bringen, als es mit den beschränkten Mitteln auf dem Lande möglich ist; man darf aber nicht vergessen, daß sie immer nur ein, dazu etwas ungesundes, Surrogat darstellt. Städte mit großer jüdischer Bevölkerung bilden zweifellos einen gewissen Machtfaktor, namentlich nach außen tritt eine kompakte städtische Bevölkerung mehr in Erscheinung als eine weit zahlreichere ländliche, aber politisch ist eine solche Kolonisation von geringem Wert. Denn in der diplomatischen Welt fällt die bodenstete ländliche Bevölkerung mit Recht, und zwar nicht nur aus militärischen Gründen, weit mehr ins Gewicht als die mehr zum Fluktuieren geneigte Bewohnerschaft der Städte. Untersuchen wir nun, was der Zionismus bisher geleistet hat, um die ja ganz speziell für diese politische Ziele erstrebende Bewegung so unumgänglich notwendige landwirtschaftliche Kolonisation zu fördern, und was kann er in der Zukunft leisten? Das große Mittel, mit dem die zionistische Bewegung diese wichtige Aufgabe lösen wollte, war die Gründung des Nationalfonds, der anfangs nur zum Bodenkauf in Palästina bestimmt war; und zwar solltedieser Fonds nach der ursprünglichen Fassung erst in Angriff genommen werden, nachdem er eine Höhe von 5 Millionen Kronen erlangt haben würde. Der sechste Kongreß erweiterte den Zweck des Nationalfonds dahin, daß der Fonds schon jetzt Land kaufen könne, sowie auch die gekauften Länder verwalten und verpachten dürfe. Die jetzige rechtliche Form des Nationalfonds, eine englische Genossenschaft, beschränkt durch Garantie, gestattet zwar theoretisch gleichfalls den Kauf des Landes, verhindert aber den Verkauf und gestattet nur Verpachtung an Juden. Diese Einschränkungen sowie die von unseren juristischen Sachverständigen betonte Tatsache, daß zurzeit die Erwerbung von Grund und Boden jn Palästina mit irgendeiner rechtlichen Sicherheit durch den Nationalfonds ein Ding der Unmöglichkeit ist (da und solange er keine juristische Person im türkischen Sinne darstellt), werden den Landkauf durch den Nationalfonds in absehbarer Zeit auf nur ganz vereinzelte Objekte beschränken, nämlich auf solche, bei denen die prinzipielle Bedeutung des Kaufes über die juristische Unsicherheit und über die praktischen Schwierigkeiten hinwegsehen lassen werden. Der Grundbesitz des Fonds wird sich also bis auf einige städtische Parzellen im wesentlichen auf die für die Ölbaumspende nötigen Terrains, sowie auf die drei für Versuchsstation, genossenschaftliches Gut und Lehrfarm angekauften, respektive noch anzukaufenden Ländereien beschränken, es sei denn, daß man noch einige geschichtlich denkwürdige Plätze sich sichern will, oder noch Landkauf für wichtige kolonisatorische oder volkswirtschaftliche Versuche riskieren will. Es ist klar, daß damit der ländlichen Besiedlung Palästinas nur in indirekter Weise gedient ist. So enorm wichtig auch die Versuchsstation, so wünschenswert auch eine Lehrfarm ist und so bedeutungsvoll auch ein genossenschaftliches Gut sein mag, so haben diese Institutionen doch nur dann eine Existenzberechtigung, wenn überhaupt eine weitere jüdische ländliche Besiedlung des Landes stattfindet; für die bestehenden 24 Dörfer würden sie einen zu großen Apparat darstellen; auch würde die Versuchsstation, wenn es ihr gelingt, die Landwirtschaft zu heben, in unverhältnismäßig höherem Maße den Fellachen zugute kommen und dadurch indirekt dazu dienen, die Landpreise zu steigern. Wohl ist der Nationalfonds nach seinen Statuten auch berechtigt, Darlehen auf ländliche Unternehmungen zu geben, aber auch das kann nur gegen absolute Sicherung der Forderung geschehen, und eine einfache Hypothek auf Land würde allein keine solche Sicherheit verleihen, da, wenn das Land dem Nationalfonds später zufällt, es ja aus den vorher angeführten Gründen als ein sicheres Eigentum doch nicht betrachtet werden kann. Auch darf der Nationalfonds aus Sicherheitsgründen Einzelpersonen überhaupt kein Darlehen gewähren, sondern nur Genossenschaften oder anderen juristischen Gesellschaften (wie zum Beispiel die Anglo Palestine Co.), und diese werden auch nur für durchaus kreditfähige Leute die Bürgschaft übernehmen können. Durch ihr Kapital kreditfähige Leute wird es aber noch auf lange Zeit hinaus unter den palästinensischen jüdischen Bauern nur in sehr geringer Anzahl geben. Das zweite, eventuell für landwirtschaftliche Zwecke in Palästina in Betracht kommende Institut ist die Anglo Palestine Co. In der Tat hat sie durch Landkauf einige ganz wichtige Terrains dem jüdischen Landbau gesichert; jedoch kann sie nur in Ausnahmefällen ihr Geld in Land investieren, nämlich dann, wenn sie sicher weiß, daß sie das Land auch schnell wieder verkaufen kann; bleibt es lange liegen, so ist es ein sehr unprofitables Geschäft für die Bank, da sie sich doch im Minimum 6 Prozent Zinsen berechnen muß, während unbebautes Land — ich spreche nicht von städtischen Bauterrains — doch nur in Ausnahmefällen jährlich um 6 Prozent an Wert steigt. Ferner belehnt die Bank auf dem Felde oder im Garten stehende Produkte; aber hierbei muß sie einen Zinssatz von mindestens 8 Prozent rechnen, und das ist im allgemeinen für ländlichen Kredit zu hoch. Die Bank ist also weder imstande, aus sich heraus die bestehende Kolonisation wesentlich zu fördern, noch auch eine weitere Kolonisation vorzubereiten; sie bedarf hierzu Gelder, die ihr auf lange Frist und zu billigem Zinsfuß geliehen werden. Die einzige zionistische Institution, die direkt die Landwirtschaft fördert, ist die Ölbaumspende, die in der kurzen Zeit ihres Bestehens schon bedeutende Erfolge aufzuweisen hat. Nicht nur ist der erste Ölbaumhain in Chederah auf einem von Herrn Goldberg- Wilna geschenkten Terrain schon mit gutem Erfolge gepflanzt, auch die Vorbereitungen für die Anpflanzung des Herzl-Waldes auf einem hervorragend dafür geeigneten Terrain, nahe bei der jüdischen Kolonie Ekron, zu beiden Seiten der Jaffa—Jerusalembahn, sind schon getroffen, und wird bis zum Herbst noch ordentlich für den Herzl-Wald gesammelt, so kann schon im nächsten Winter das große Areal mit Ölbäumen bepflanzt werden. Wenn jeder Zionist seine Schuldigkeit tut, selbst einen Herzl- Baum stiftet und unter seinen Bekannten sammelt, so wird der Kongreß im August schon den Herzl-Wald als vollgezeichnet verkünden können. Die Ölbaumspende wird zweifellos vielen jüdischen Arbeitern die Grundlage einer Existenz in Palästina geben, sowie vielen jüdischen Bauern eine wichtige Nebenbeschäftigung gewähren; allein der Herzl-Wald wird schon viele Familien zu ernähren vermögen. Falls es gelingen sollte, nur den zehnten Teil aller Juden zu veranlassen, nur je einen einzigen Ölbaum zu stiften, so würde dadurch für zweitausend jüdische Familien dauernd gesorgt sein. Aber nicht nur als eine direkte Förderung der jüdischen Landwirtschaft in Palästina ist die Ölbaumspende von Bedeutung, sondern sie enthält auch ein vorzügliches agitatorisches Mittel zugunsten der zionistischen Bewegung. Diejenigen, die bisher gar kein Interesse für Palästina gehabt haben, werden durch Stiftung von Ölbäumen an die Idee gewöhnt, auch ihrerseits an der kulturellen Hebung Palästinas mitzuwirken. Ein Ölbaum ist leicht gestiftet, namentlich, wenn mehrere Leute zusammen jemanden ehren wollen; die Idee der Aufforstung des jetzt schattenlosen heiligen Landes verpflichtet nach keiner Richtung, gefällt jedem und hat daneben noch einen

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