Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 27 (5.7.1907)
- Date
- 1907-07-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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iNo. 27 DIEt&ELT 11 österreichischen D.-K. und mit einem großen Teile der mähr.-schles. Studenten für die Vereinigung des mähr.-schles. D.-K. mit dem innerösterreichischen D.-K. ein. Wenn uns die Garantie geboten würde, daß ein anderer Geist, der „Geist der Arbeit", in das mähr.-schles. D.-K. einzieht, dann wäre der Redner der Erste, der für ein autonomes mähr. D.-K. eintreten würde. Wenn aber der Beschluß gefaßt wird, es bleibt beim Status quo, dann ist der ganze Parteitag mit verantwortlich für die weitere ungünstige Entwicklung in Mähren. Der Redner beleuchtete dann seine Stellung zu den Poale-Zionisten und bedauerte es, daß man nicht rechtzeitig durch Propagieren der genossenschaftlich-sozialistischen Grundsätze im Sinne Franz Oppenheimers bessere Beziehungen zwischen Bürgerlichen und Proletariern angebahnt hat. ^Wie die Verhältnisse aber jetzt liegen, wäre es ein Fehler, die Autonomie der Poale-Zionisten beschränken zu wollen und auch nur den Versuch zu machen, die Poale-Zionisten in die bürgerlichen zionistischen Organisationen einzuzwängen. Nicht nur eine moderne neue Organisation, sondern auch ein moderner Geist ist dringend notwendig. Dr. Feldblum ergreift im Namen des Verbandes „PoaleZion4* das Wort. Redner führt aus, daß die Poale-Zionisten, um eine wirklich lebendige Einheit zu erhalten und um auch die verschiedenen Ideenrichtungen im Keime nicht zu ersticken, die Anerkennung der poale-zionistischen Föderation verlangen. Es muß die zionistische Organisation auf breiter demokratischer Grundlage aufgebaut werden. Diejenigen, welche die poale-zionistische Organisation als selbständige Föderation nicht anerkennen wollen, sind kurzsichtige Politiker oder sie wollen überhaupt das jüdische Proletariat im zionistischen Lager nicht mehr haben. Es werden auch ernste Befürchtungen ausgesprochen, die gegen die Separation der poalezionistischen Organisation gerichtet sein sollen: 1. daß die zionistische Organisation atomisiert und durch Zersplitterung der Kräfte sehr geschwächt wird, 2. daß die Poale-Zionisten durch diesen Zwiespalt immer mehr entfernt werden und dem sozialdemokratischen Lager zufallen. Und diese beiden Befürchtungen versucht Redner zu erkräften und gibt im Namen der Poale-Zionisten die Erklärung ab, daß es ihr Bestreben beim 8. Kongreß sein wird, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um eine eigene Föderation zu erringen. Sie bitten den heute tagenden Zionistentag, ihre Bestrebungen zu unterstützen. Ferner möge er beschließen, daß die Exekutive der Poale- Zionisten das Recht habe, eigene Wahlkreise aus poale-zionistischen Schekelzahlern für die Wahl von Delegierten zum 8. Kongreß zu bilden. Wir wollen in steter Fühlung mit der allgemeinen Organisation bleiben und haben demnach der Einladung des Landeskomitees folgend heute teilgenommen. Der folgende Redner Dr. Bulwa verlangt die Verlegung der Zentrale nach Lemberg. Rabbiner Dr. Seeliger stellt den Antrag und begründet in längerer Rede, daß in Zukunft die Parteitage nur am Dienstag und Mittwoch abgehalten werden. Dr. Ringl erklärt, daß die Zugehörigkeit zu fremdnationalen Vereinen ihm vom zionistischen Standpunkt aus unerklärlich sei. H. Ad. Böhm verlangt in längerer Rede die Schaffung einer Siedlungsgenossenschaft in Palästina im Sinne F. Oppenheimers. Nicht formale Momente erschweren die Verständigung der bürgerlichen Zionisten mit den Poale-Zionisten, sondern der Umstand, daß ein Teil der letzteren, insbesondere in Rußland, auf dem Standpunkte des Marxismus und des Klassenkampfes fußen. Dr. Emil Margulies vertritt in langer Rede die Notwendigkeit des status quo der Ausschaltung des § 2 aus dem neuen Organisationsentwurf (der § 2 verbietet Zionisten die Teilnahme an fremdnationalen Vereinigungen). Hier können die Juden sich national nicht ausleben, und eben darum treten ja die Zionisten für die Erlangung Palästinas ein. Die Annahme der Resolution auf Wiederherstellung des § 2 sei identisch mit einem Mißtrauensvotum und der Eliminierung des Dr. Margulies und seiner Gesinnungsgenossen aus der Organisation. Darauf wurde zur Wahl von 2 Generalrednern geschritten. Der Generalredner pro, Ing. Fried, betrachtet die nationale Erziehung und die Eliminierung aus den fremdnationalen Parteien als die Vorbedingung des Fortschreitens des Zionismus. Redner erklärt die Zugehörigkeit von Zionisten zu fremdnationalen Vereinen für unmoralisch. Der Redner contra, H. Bechert, schließt sich in sehr ausführlicher Rede den Anschauungen des Dr. Emil Margulies an. Hierauf wurde nach 2Vsstündiger Debatte über den § 2 die Wiederaufnahme desselben mit 28 gegen 9 Sümmen dieser angenommen. Ebenso erregt und langwierig wie die Debatte über § 2 gestaltete sich die Wahl des Landeskomitees. Nach einer eingehenden Debatte wurden in das Landeskomitee gewählt: Wien: Dr. Isidor Schallt, Dr. Isidor Margulies, Böhm, Torczyn er. Galizien: Dr. Thon, Dr. Salz, Dr. Reich, Stand, Dr. Ringl, Dr. Gabel, Dr. Braude, Dr. Zipper, Dr. Hilfstein. Bukowina: Dr. Straucher, Taubes, Weißglas. Mähren: Dr. Reich, Fritz Low. Böhmen: Dr. Mahler, Dr. E. Margulies. Hierauf fand ein Festkommers statt, der sehr animiert verlief, und bei welchem Abg. Stand, Rabbiner Dr. Thon und Dr. Reich sprachen. Zweiter Tag Anfang 10 Uhr. Der Vorsitzende Dr. Salz begrüßt die Anwesenden und schreitet sodann zur Erledigung der Tagesordnung. Auf Vorschlag aus dem Plenum wurde die Diskussion „Stellungnahme zum Kongreß",„Palästinaarbeit" und „Nationalfonds"gemeinsam erledigt. Als erster ergreift Dr. Emil Margulies das Wort. Redner spricht sich gegen Annahme der von Prof. Mahler vertretenen Thesen in scharfen Worten, besonders gegen die erste aus, welche eine Verständigung der Zionisten mit den Führern der Itobewegung und dieser selbst wünscht, und begründet das insbesondere damit, daß die Itoisten in Rußland einen Kampf gegen die Zionisten, insbesondere gegen die Kolonialbank und den Nationalfonds inszenierten, der aufs schärfste zu verurteilen sei. Weiter führt Redner aus, daß an dem Schekelprinzip unbedingt festzuhalten sei und schlägt ferner zum eingesandten und verlesenen Referat des Prof. War bürg folgenden Antrag vor: Der Parteitag spricht dem Initiator und Leiter der Palästinaarbeit sein volles, unerschütterliches Vertrauen aus und ist überzeugt, daß die von ihm inaugurierten Aktionen stets vom Geiste des politischen Zionismus erfüllt und geleitet sein werden. An der Debatte beteiligten sich noch die Herren Tiger, Dr. Seliger, Felix, Dr. Kadisch und Dr. Schalit, welch letztere zwei Redner eine Verständigung mit der Ito unter gewissen Bedingungen für möglich halten. Die Resolution des Dr. Mahl er wurde abgelehnt und die vom Herrn Adolf Böhm vertretenen Thesen angenommen: I. Der Zionistentag erachtet die praktische Arbeit in Palästina, sofern sie parallel mit der politischen Aktion geleistet und von politischen Gesichtspunkten aus geleitet wird, für unbedingt notwendig zur Erforschung und Erschließung des Landes, zur Stärkung der realen Positionen der Juden in Palästina, zur Hebung ihres kulturellen Niveaus und zur Schaffung der praktischen Vorbedingungen für eine künftige jüdische Massensiedlung in Palästina. Der Zionistentag begrüßt die Aktionen der Palästinakommission, die er als eine solche Tätigkeit darstellend ansieht. II. Zu dieser praktischen Arbeit hält der Zionistentag nebst den im Zuge befindlichen Aktionen der Palästinakommission insbesondere für nötig: 1. Die Schaffung einer direkt dem engeren A. C. unterstehenden Zentrale in Palästina. 2. Eine auf Erwerb kleinerer Konzessionen gerichtete Tätigkeit unserer Institutionen. 3. Beschaffung eines Palästinafonds nach den Vorschlägen Prof. Warburgs, behufs Trennung der politischen von den wirtschaftlichen Fonds. III. (Zwischenantrag) In Anbetracht der Wichtigkeit, möglichst rasch eine weitere Anzahl selbständiger Landwirte in Palästina zu schaffen, empfiehlt der Zionistentag dem Kongresse die Annahme des Vorschlages Oppenheimers: Die Gründung einer Siedlungsgenossenschaft durch eine private Gesellschaft mit der Unterstützung zionistischer Organisationen zu versuchen. Hierauf schloß Dr. Salz nach einem kurzen Rückblick den Parteitag mit einem Dank an die Delegierten. &