Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 26 (28.6.1907)
- Date
- 1907-06-28
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Darbietungen verschiedener Art. Unsere Volksmassen sollen von diesen Festlichkeiten durchdrungen werden, sie sollen fühlen, daß wir diesen Tag nicht als Erinnerung an eine große, aber längst verlorene Vergangenheit feiern, sondern daß wir damit unsere neue Gegenwart grüßen, die eine lichtvolle und große Zukunft in sich schließt, eine Zukunft freier Juden, die mit hoch aufgerichtetem Haupte einherschreiten werden, eine Zukunft, die Frieden undLicht dem unterdrückten Volke geben wird! Mit Zionsgruß! Das Palästinakomitee in Odessa. Der Vofsitzende: Ussischkin. Vom Informationsdienst in Palästina (Auszug aus einem Berichte über das erste Halbjahr des Informationsbureaus) Die ersten Versuche eines Informationsdienstes für Palästina wurden durch eine Privatperson, Herrn Sch. Gordon, gemacht, der in den jüdischen Zeitungen eine Mitteilung veröffentlichte, daß Leute, die Informationen über den Stand des Handwerks des Handels oder der Industrie in Palästina verlangten, sich an ihn um Auskunft wenden sollten, wobei 70 Kopeken für jede Auskunft gezahlt'werden sollten. Es kamen im Laufe des Jahres ca. 1000 Anfragen, meistens von ganz armen Leuten, die nicht einmal die oben angeführten kleinen Gebühren bezahlen konnten. Für die wenigsten bot sich angesichts ihrer Mittellosigkeit augenblickliche Arbeitsgelegenheit. Eine kleine Zahl von Handwerkern und Arbeitern kam aber doch auf Grund der erhaltenen Informationen nach Palästina. Nach den Oktoberpogromen vermehrte sich die Zahl derer, die nach Palästina auszuwandern beabsichtigten. Darunter waren auch Leute, die irn Besitz von mehreren tausend Rubeln waren. Der Mangel eines wirklich ausgebildeten Inforniationsbureaus, das einerseits mit den Emigranten, anderseits mit den maßgebenden Faktoren in verschiedenen Städten in Palästina oder im nahen Orient in Verbindung stünde, wurde jetzt vielfach stärker fühlbar. Das Wilnaer zionistische Zentralkomitee widmete sich eingehend der Frage und entsandte Herrn Dr. Scheinkin nach Palästina, der unterwegs verschiedene wichtige größere Orte des Orients, wie Alexandria, Kairo, Port-Said usw. besuchte und mit einigen bekannten Persönlichkeiten in Verbindung trat, die sich zur Auskunftserteilung an das in Jaffa zu begründende Informationsbureau bereit erklärten. In Palästina, selbst konstituierte sich bald ein Komitee von Leuten, die das Land genügend kennen, um die Informationssache zu organisieren. Es wurde ein Arbeitsausschuß, bestehend aus den Herren Diesenhof, Trietsch, Chaim und Gordon, gewählt, die ein- bis zweimal wöchentlich sich versammeln sollten, um wichtigere Angelegenheiten zu erledigen. Ein weiteres Beratungskomitee versammelte sich einmal monatlich, um über die allgemeinen Fragen zu beraten. Für die laufenden Geschäfte wurde ein Sekretär eingesetzt. Im Auftrage des Komitees besuchten die Herren Diesenhof und Dr. Scheinkin die Städte Beirut und Damaskus und gründeten dort Filialen des Informationsbureaus, ebenso wurden Filialen in Jerusalem und Caifa, später in Hebron und Berseeba gegründet. Das Informationsbureau wandte sich zunächst mit Fragebogen an viele Einwohner des Landes, Fachleute, Arbeiter usw., bekam jedoch eine ungenügende Zahl von Antworten. Anderseits hörte das Wilnaer Zentralkomitee auf, die Kosten des Informationsdienstes zu tragen, und so erlahmte die Tätigkeit fast vollständig. Im Oktober 1906 kam die Nachricht, daß das Odessaer Palästinakomitee bereit sei, für die Kosten des Informationsbureaus aufzukommen, und so wurde dessen Tätigkeit neu aufgenommen. Es wurden einige Reformen eingeführt: Der Sekretär des Bureaus erwartete alle Schiffe und verständigte die Ankömmlinge vom Vorhandensein und dem Zweck des Bureaus. Allmählich bemühte sich das Bureau, zu einer Vermittlungsstelle für Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu werden, und errichtete außerdem einen Handelskiub, d. h. eine Abteilung, wo verschiedene Geschäftsleute zusammenkommen, die einander Geschäfte vorschlagen oder Geschäfte suchen. Die Ergebnisse der Informationstätigkeit für das erste Halbjahr sind zusammengefaßt folgende: Es kamen rund 4O0 Briefe mit Anfragen. Sie verteilen sich folgendermaßen: 35°/o der Anfragen kamen von Handwerkern, denen man meistens eine günstige Auskunfterteilen konnte, lS'-'/o von Interessenten für Land- und Gartenwirtschaft. Diese Kategorie von Korrespondenten bestand zumeist aus Leuten, die im Besitze von 2—3 000 Rubeln waren und die Land auf Abzahlung oder in Pacht nehmen wollten. Wir mußten ihnen bezüglich der Möglichkeit des ratenweisen Kaufes eine negative Antwort geben und wiesen sie nur daraufhin, daß sie von einzelnen Faktoren, so der Ica, event. unter gewissen Bedingungen Land bekommen könnten. 1 l°/o der Fragestellenden waren Geschäftsleute. Unter diesen waren Leute, die 5—6 000 Rubel im Vermögen hatten. Wir haben ihnen positiven Bescheid geben können. Aus dieser Kategorie kamen einige weniger Bemittelte nach Palästina. Etwa 9"/o der Korrespondenten waren Vertreter der sogenanten liberalen Professionen. Von diesen konnten wir nur Apothekern raten, zu kommen. Bisher aber hat sich kein Apotheker ansässig gemacht. Endlich waren 10°/o Leute, die entweder Lehrerstellen suchten oder in die existierenden Schulen als Schüler eintreten wollten. Unsere Auskunft für diese war meistens günstig. Ein kleiner Bruchteil, 5°/o, waren Leute, die sich für Fabrikindustrie interessierten und auch im Besitze der nötigen Kapitalien waren. Von letzteren hat einer, auf unseren Rat hin, eine Fabrik für Dachzinnen eröffnet. Unter den Arbeitern, die nach Palästina kamen, waren nur einzelne, die sich früher an das Bureau gewandt hatten, die andern haben sich wahrscheinlich bei den Arbeiterorganisationen in Palästina Rat geholt. Das Burean hatte etwa 1000 Besuche zu verzeichnen. Davon sind einige Hundert der wichtigsten eingetragen worden: a) Handwerker, denen wir fast durchweg Arbeitsstellen aufweisen konnten. Überhaupt können fleißige, gesunde Handwerker, die sich in der ersten Zeit mit lVs Fr. pro Tag begnügen, immer Arbeit finden. Dann waren es b) Geschäftsleute, die in Palästina Geschäfte gründen wollten. Wir haben für sie alle Informationen verschafft, es blieb jedoch nur eine kleine Zahl im Lande, Leute, die nicht nur Geschäftssinn, sondern auch Mut und Energie besaßen. Andere, die diesen Mut nicht hatten, verließen das Land nach langem Zweifeln und Forschen. Viel zu den Zweifeln trug der noch vielfach unter den palästinensischen Juden eingenistete falsche Skeptizismus bei. Allmählich entwickelte sich im Bureau noch eine besondere Art Auskunftsdienst; das Publikum gewöhnte sich, hier wegen Tarife, Transportbedingungen, Verkehrsmittel, Reisen usw. Informationen einzuholen. Man muß die Bedeutung des Bureaus außerdem auch noch nach seiner moralischen Wirkung auf die Immigration bemessen. W„er die Bedingungen in den Häfen des Orients kennt, weiß, wie wichtig es für den Immigranten ist, einen Ort zu wissen, wohin er sich ohne Gefahr, übervorteilt zu werden, wenden kann. Schon das Vorhandensein einer solchen Stelle zwingt auch die verschiedenen Agenten und Vermittler, die in den Hafenstädten ihre Geschäfte machen, vorsichtiger in der Behandlung der Emigranten zu sein. Nach den statistischen Daten, die das Bureau sammelte, ist zu schließen, daß der Hauptgrund, warum die jüdische Einwanderung in das Land noch verhältnismäßig schwach ist, darin liegt, daß das jüdische Kapital sich vom Lande fern hält. Nur wenn die jüdischen Kapitalisten sich entschließen werden, in Palästina, das ihnen viel Erfolg verspricht, ihre Mittel anzulegen, werden auch die unbemittelten Elemente, Arbeiter, kleine Geschäftsleute etc., Beschäftigung finden . . . Das Bureau wird seine Arbeiten weiter mit Eifer fortsetzen, insbesondere statistische, technische und wissenschaftliche Daten sammeln, um allen zukünftigen Einwanderern von vornherein gute Kenntnisse des Landes, vor allem in agrikultureller und industrieller Hinsicht zu vermitteln. Vom Kindergarten in Haifa Über den vom Hilfsverein der deutschen Juden unterhaltenen Kindergarten in Haifa, der im April dieses Jahres eröffnet wurde, ist ein interessanter Bericht eingegangen, dem wir folgendes entnehmen: Zurzeit besuchen den Kindergarten bereits 44 Zöglinge. Es haben sich noch viele Kinder zur Aufnahme gemeldet, die aber augenblicklich wegen Haut- und Augenkrankheiten nicht zugelassen werden konnten. Die Kinder — im Alter von drei bis sechs Jahren stehend — werden in zwei Abteilungen von zwei Lehrerinnen unterrichtet. Die erste Abteilung zählt 30 Zöglinge, die zweite 14. Davon sind 31 (15 Knaben und 16 Mädchen) Sephardim und 13 (8 Knaben und 5 Mädchen) Aschkenasim. Die sephardische Gemeinde ist in Haifa in starkem Übergewicht, sie zählt 1300 Seelen, während die Aschkenasim nur 300 Seelen zählen. Die Mehrzahl der Einwohner Haifas ist sehr arm, das Schulgeld muß daher sehr niedrig bemessen werden. Besonders bemerkenswert in Anbetracht der palästinensischen Verhältnisse ist im Verhältnis zu den Mädchen der große Prozentsatz Knaben, die in den Kindergarten, statt wie bisher üblich, in den Cheder geschickt werden, der, abgesehen von allen anderen