Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 26 (28.6.1907)
- Date
- 1907-06-28
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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16 DIEXaXE LT No. 26 3. Die Unterrichtssprache sei hebräisch, doch soll auch die arabische und türkische Sprache in größerem Umfange als bisher gepflegt werden. 4. Kaufmännische, technische und landwirtschaftliche Fortbildungskurse sollen die Jugend befähigen, besser an der Entwicklung des Landes teilzunehmen. 5. Es ist zu versuchen, mit den breiteren Schichten der jüdischen Bevölkerung des Landes Fühlung zu nehmen und durch Schaffung von Fortbildungs-, Unterrichts- und Arbeitsgelegenheiten auch die bisher rückständigeren Elemente der Bevölkerung zu wirtschaftlich wertvollen entwickeln zu helfen. 6. Schließlich sollen die Verhältnisse des Landes in rechtlicher, ökonomischer und kultureller Beziehung systematisch erforscht und die Kenntnis davon in der gesamten Judenheit verbreitet werden. Kanada Ottawa, die Hauptstadt von Dominion, ist als Ort für die nächste Jahreskonferenz der kanadischen Zionisten gewählt worden. Die Jahreskonferenz wird am 30. Juni und 1. Mai stattfinden, und die große Zahl von Delegierten, die an den Beratungen von Ottawa teilnehmen wird, ist von vornherein eine Gewähr dafür, daß die Tagung eine bedeutsame werden wird. Die ersten Verhandlungen werden der Ausbreitung und Verstärkung der kanadischen Organisation gewidmet sein, damit der so erfreuliche Aufschwung der letzten Jahre noch erheblich gesteigert werde. Am Abend des ersten Tages wird im größten Saale Ottawas ein Massen-Meeting stattfinden, auf dem hervorragende politische Persönlichkeiten sprechen werden. Der zweite Tag ist hauptsächlich für die Fragen unserer Finanzinstitute und der Schluß der Tagung für eine gründliche Besprechung der Palästinaangelegenheiten im Sinne einer intensiven Förderung der Arbeiten der Palästina-Kommission reserviert. Der kanadische Share Club, der auf der letzten Konferenz gegründet wurde und außerordentlich erfolgreich gearbeitet hat, wird voraussichtlich durch die bevorstehende Tagung noch mehr gestärkt werden. Das Bureau der Jahreskonferenz werden bilden: Vorsitzender Mr. Clarence I. de Sola, Präsident der kanadischen Federation, ferner die Herren J. S. Leo und I. D. Holofcener. Österreich Bielitz. Bei der Wahl in die Kultus Vertretung in Bielitz haben die Zionisten einen Sieg errungen. Zwei ihrer Kandidaten, Herr Dr. Julius Werner und Herr Julius Nichtenhauser, gelangten infolge einer kräftigen Agitation in den Kultusausschuß. Gesinnungsgenossen, welche in diesem Sommer die Bäder Reinerz und Cudowa in Pr. Schlesien sowie Johannisbad in Böhmen aufsuchen, werden gebeten, ihre Adresse dem Zionistischen Rayonkomitee für Ostböhmen, p. Adr. Herrn Dr. Emil Margulies in Trautenau bekanntzugeben. Emil Margulies-Trautenau. Hugo Schachtel-Breslau. Das Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds in Köln, Ubierring 23, hat folgendes zweite Zirkular versandt, was wir hierdurch zur Kenntnis bringen: Köln, Datum des Poststempels. An die Sammelstellen des Jüdischen Nationalfonds. Sehr geehrter Herr Gesinnungsgenosse! Wir senden Ihnen in der Anlage ein Schema, welches Sie gefl. in Zukunft für den Ausweis der bei Ihnen eingehenden Spenden henutzen wollen. Wir bitten Sie demnach, regelmäßig wöchentlich oder monatlich, je nachdem es die Verhältnisse Ihres Bezirkes tunlich erscheinen lassen, einen nach dem rnitfolgenden Schema aufgestellten Ausweis der Spenden uns zu der gleichen Zeit einsenden zu wollen, da Sie denselben einer Zeitschrift Ihres Bezirkes zur Veröffentlichung übergeben. Gleichzeitig bitten wir Sie, uns gütigst mitzuteilen, in welcher Zeitschrift Sie den Spendenausweis des Nationalfonds regelmäßig veröffentlichen wollen. Auch wollen Sie Sorge dafür tragen, daß uns diese Zeitschriften regelmäßig zugehen. Bei der Übersendung des Geldbetrages an die Kolonialbank, die gleichzeitig mit der Übersendung zwecks Veröffentlichung des Ausweises in der Zeitung und der Übermittlung an uns zu erfolgen hat, genügt es, wenn Sie die Gesamtbeträge der einzelnen Rubriken mitteilen. Bei dieser Gelegenheit ersuchen wir Sie höfl., uns gefl. umgehend ein Inventar der von Ihnen für Rechnung des Nationalfonds angeschafften und noch vorrätigen, dem Nationalfonds gehörigen Gegenstände (Sammelmaterialien, Bureaugegenstände usw.) nebst Angabe des Wertes einzusenden, da wir dies für die Eröffnungsbilanz brauchen. Auch wollen Sie uns Muster sämtlicher von Ihnen herausgegebenen Sammelmaterialien zukommen lassen. Irgendwelche Sammelrnaterialien(Büchsen, Sanimelblocks Listen, Broschüren usw.) dürfen in Zukunft nur nach Einholung unserer Genehmigung von den Sammelstellen herausgegeben werden. Mit Zionsgruß Dr. Boden heimer, Vorsitzender. I A. Ch. Nemser. i Im März dieses Jahres verstarb in St. Petersburg unser Freund Alexander Nemser in seinem 27. Lebensjahre. Gelegentlich einer Demonstration in Reval wurde er von einer verirrten Kugel verwundet und starb nach langen Leiden an den Folgen der Verletzung. Viele seiner Freunde in Rußland und Westeuropa wurden durch diese Todesnachricht aufs schmerzlichste betroffen. Vor allem aber ist es ein Kreis Münchener Zionisten, die den Toten tief beklagen. Seine unvergleichliche Hingabe an unsere Bewegung, die Aufrichtigkeit und der Adel seiner Seele, die anfeuernde Macht seiner Persönlichkeit und nicht zuletzt sein liebes und treues Wesen hatten ihn zum Führer jenes Kreises gemacht. Alle, die ihn kannten, — auch die Gegner — achteten und verehrten ihn. Aber wer ihm näher trat, der liebte ihn von Herzen. Daruni wird das Andenken' dieses tapfern Kämpfers für sein Volk, der nach einer arbeitsreichen Jugend fern von der Heimat und fern von seinen Zielen sterben mußte, bei seinen Freunden unvergänglich sein. Als kleines Zeichen ihrer Dankbarkeit und Liebe widmen die Unterzeichneten dem Gedächtnis des Verstorbenen einige Ölbäume und bitten andere, die ihn kannten, sich ihnen anzuschließen. Das Jubiläum der Kolonisation Palästinas Am 15. Ab, an jenem Tage, welchen einst das freie Volk Israel mit einer solchen Pracht feierte, wie keinen andern seiner Festtage, werden 25 Jahre seit dem Beginn der neuen jüdischen Kolonisation in dem zerstörten und verödeten Palästina voll werden. Vor 25 Jahren wurde an diesem Tage die erste Grundlage zur Wiederaufrichtung des Volkes auf dem Boden seiner historischen Heimat gelegt: Es wurde ein Landstück erworben für die Gründung von „Rischon Lezion", der ersten jüdischen Kolonie in Palästina, die jetzt grünt und blüht und das Ange entzückt durch ihre üppigen Weingärten, ihren großartigen Weinkeller, und durch ihre verschiedenartigen öffentlichen Einrichtungen, welche ihr fast das Gepräge einer modernen Stadt geben. Welch lange Zeit ist verflossen seit dem Tage, da Israel seine Selbständigkeit und sein Land verloren hat. Aber das Volk hat seine große Vergangenheit nicht vergessen. Es hält auch jetzt seine Feiertage heilig, diese ragenden Denkmäler, die einst während des freien nationalen Lebens die Erinnerung des Volkes an seine alten historischen Geschicke bezeugten. Aber der schönste seiner Feiertage, der 15. Ab, der nicht ein Andenken der alten Zeiten, nicht eine national-historische Erinnerung darstellt, sondern die Macht der Jugend und die Schönheit des Blühens feiern soll, das Fest eines reichen und vollen Lebens in unseren Zeiten, dieser Feiertag, den das jüdische Volksleben im jüdischen Lande geschaffen hat, konnte in der Diaspora nicht erhalten bleiben. Jetzt aber, nach tausendjährigem Herumirren, finden wir in unserer historischen Heimat ein wirkliches jüdisches Leben, ein Leben einer vollpulsierenden Gegenwart, die den Keim einer gesunden Zukunft in sich trägt. Und der 15. Ab war der Tag, an welchem die neue Saat in den Boden gesenkt worden ist Dieser Tag verdient es, daß die ganze Judenheit ihn in diesem Jahre feiere, weil er ein nationaler Feiertag ist. Es ist das Jubiläum der Grundsteinlegung für eine neue, freie und gesicherte Heimstätte, das Fest der Renaissance des alten Israel, ein Tag der Freude für die Menschen, die da säen und ernten mit Jubel und mit dem Liede der Auferstehung in ihrem Munde. Mögen, die da bauen an unserer Zukunft, an diesem Tage unsere Fahnen frei entrollen und die Ersten sein in der Feier des Volksfestes von Israel. Gesinnungsgenossen! Gestaltet diesen Tag festlich durch Veranstaltung von Volksspielen, durch musikalische und literarische