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Die Welt · 1907-06-28 · 26 (28.6.1907) · page 13

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Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
26 (28.6.1907)
Date
1907-06-28
Page
– (sequence 13)
Language
German
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No. 26 DIE ELT 15 Blättern macht sich der heutigentags so geschätzte „Weltschmerz" breit, keine ausgeklüngelte und -getüftelte Psychologie zermartert das Hirn des Lesers. Und dennoch wurde dieser Roman ein „psychologisches Meisterwerk" genannt. Eben weil Blumenthal ohne Berechnung den feinsten Regungen der Kindesseele nachspürt, kann er so tief wirken. Und weil man erkennt, daß er dieses Leben nicht nur schablonenmäßig zeichnet, sondern wirklich hineinhorcht, fühlt man die schlichte Schönheit . . . Neben dem kleinen Helden sind ein paar köstliche Typen in dem Buche zu finden. Da ist der an chronischem Schiffbruch leidende Jakob Pechvogel, der Melamed; da ist der Rabbi mit seiner schaurigen mystisch-moralischen Erzählungskunst . . . Und über diesem nicht ungewöhnlichen Inventar einer kleinen galizischen Stadt liegt ein feiner Humor, manchmal mit einem leisen Unterton von Satyre . . . Kein lautes Lachens ein feines Lächeln . . . Der Stil Blumenthals ist von einer überraschenden Knappheit, aber klar und verständlich, ohne die schwerfällige, überladene Bekleidung unserer Modernen. Otto Fischer, der bekannte Publizist, schrieb in einem Feuilleton der Berliner „Nationalzeitung", wie sehr ihn manches von Blumenthal an Jakob Wassermann erinnere. Und sicherlich hat er mit Wassermann das feine Andeuten bestimmter Situationen überein. Nirgends grelle Effekte; bloß ein Hindeuten . . . Manchmal stößt man allerdings auf kleine Unebenheiten der Sprache, wünscht einen reineren Schliff . . . Aber ohne diese Mängel wären die Vorzüge weniger schön. Es ist in unserer Zeit eine gefährliche Sache ums Prophezeien: diesmal aber hoffe ich mich nicht zu täuschen, wenn ich m Hermann Blumenthal nicht nur den gegenwärtig Erfolgreichen, sondern auch den „Kommenden" sehe .... Denn wer sich die Natürlichkeit des Schaffens bewahrt, der geht ihn lange, den „Weg der Jugend" ... S. Max. : OOOOOOOj] fr o o o o o o o!) AUS DER BEWEGUNG (fooooooo^ o o o o o o Sitzung des Engeren Aktionskomitees am Sonntag den 23. Juni in Köln An der Sitzung nahmen teil die Herren: David Wolffsohn, L. J. Greenberg, J. H. Kann und Dr. A. Marmorek. Die Herren Dr. Bernstein-Kohan, Ussischkin und Prof. Warburg waren entschuldigt. Die für die Einrichtung des Kongreßbureaus im Haag getroffenen Maßnahmen wurden besprochen und genehmigt, auch wurde die Tagesordnung des Kongresses nunmehr endgiltig festgesetzt. Darnach soll am Vormittage des ersten Verhandlungstages nach der Eröffnungsrede des Präsidenten ein allgemeines Referat über die Lage der Juden in den verschiedenen Ländern erstattet werden. Am Nachmittage werden die verschiedenen Wahlen vorgenommen werden, hierauf wird der Bericht des Aktionskomitees erstattet werden. Daran schließt sich die Generaldebatte, für die auch der gesamte zweite Tag reserviert sein wird. Am Freitag wird das Palästinareferat erstattet werden, hierauf folgt die Spezialdebatte. Am Sabbat finden keine Verhandlungen statt. Sonntag wird das Organisationsstatut verhandelt werden. Auf der Tagesordnung für Montag stehen der Nationalfonds, die Anträge und die Vornahme der Wahlen. Da die Generalversammlung der Bank auf Mittwoch festgesetzt ist, bleibt der Dienstag evtl. noch zur Verfügung des Kongresses. Mit Ausnahme des ersten Tages werden die Verhandlungen alltäglich um 9 oder 97* Uhr beginnen und mit einer zweistündigen Mittagspause bis nachmittags 6 oder höchstens 67* Uhr dauern. Auf diese Weise sind die Abende durchweg für die Beratungen der Kommissionen, die Sitzungen der Landsmannschaften etc. frei. Es wurde beschlossen, die nächste Sitzung des Engeren Aktionskomitees am Sonntag den 11. August im Haag abzuhalten und das Große Aktionskomitee auf Montag, den 12. August abends einzuberufen. An diesem Tage soll auch die Sitzung des Aufsichtsrates stattfinden. Es wurde ferner beschlossen, Herrn Dr. Bernstein-Kohan, der nach Palästina übersiedelt ist, sowie die anderen in Palästina anwesenden Mitglieder des Aktionskomitees mit der Vertretung des Aktionskomitees bei der Feier des Jubiläums der Kolonie Rischon Lezion zu betrauen. Für die Herausgabe des hebräischen Wörterbuches von Ben Jehuda wurde eine Subvention von Mk. 500 bewilligt. Mitteilungen des innerösterreichischen Distriktskomitees Der V. Österreichische Parteitag findet am 30. Juni d. J. im Schießhaussaal zu Bielitz statt. Die Tagesordnung wurde festgesetzt: 1. Rechenschaftsbericht des Landeskomitees, Berichte derDistriktskomitees. 2. Stellungnahme zum VIII. Kongreß. Referenten: Abgeordneter Dr. Mahler (Prag), Dr. Braude (Stanislau). 3. Palästinaarbeit: Referent Adolf Böhm (Wien). 4. Nationalfonds: Referent vorbehalten. 5. Organisation: Referenten Abgeordneter Adolf Stand (Lemberg) und Dr. Margulies (Wien). Die Mitglieder der Distriktskomitees halten am Samstag, den 29. Juni d. J., die Vorbereitungen ab. Alle das Wohnungs- und Empfangskomitee betreffenden Zuschriften sind zu richten an F. Rabinowitz, Fabrikant, Bielitz (Postfach). Die Schekelsammlung pro 1907 muß am 28. Juni abgeschlossen sein. Wir fordern alle Zionisten auf, bis dahin die Schekelsammlung mit möglichster Energie durchzuführen. Kein Zionist versäume, sich durch die rechtzeitige Entrichtung des Schekels sein Wahlrecht für den Kongreß zu sichern! Das Programm der realen Arbeit in Palästina in politischer, wirtschaftlicher und kultureller Beziehung*) A. Politisches Programm: 1. Die reale jüdische Politik verfolgt das Ziel, eine immer größere jüdische Ansiedelung im Lande herbeizuführen und die jüdische wirtschaftliche Position zu stärken. 2. Sie wird hierbei auf die Interessen der Regierung, des Landes und seiner Bewohner bedacht sein müssen. 3. Die vom Baseler Programm geforderte „öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte" ist als Ziel und nicht als Voraussetzung jeder realen Arbeit zu verstehen. B. Wirtschaftliches Programm: 1. Die Stärkung der wirtschaftlichen Position der Juden in Palästina ist soweit als möglich auf allen Gebieten und ohne unnötige Zeitverluste anzustreben. 2. Die landwirtschaftliche Kolonisation soll durch systematische Erleichterungen aller Art gefördert werden. 3. Der städtischen und industriellen Kolonisation sowie den Verkehrsunternehmungen soll erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet werden. 4. Handel und Handwerk sollen durch geeignete Kredit- und genossenschaftliche Einrichtungen erleichtert werden. 5. Speziell sollen die bereits vorhandenen Mittel (des Trust, des Nationalfonds usw.), baldigst zur größtmöglichen Wirksamkeit im Lande gebracht werden, außerdem sollen durch die jüdischen Institute neue Geldmittel auf geschäftsmäßige Weise beschafft werden. 6. Ein entsprechender Informationsdienst soll alle Zweige der jüdisch-wirtschaftlichen Tätigkeit im Lande umfassen. C. Kulturelles Programm: 1. Eine Organisation der kulturellen Einrichtungen im Lande ist anzustreben resp. auszubauen. 2. Hauptaufgabe der Schulen sei, der Jugend eine Erziehung für Palästina zu geben. *) Angenommen vom ersten Delegiertentage c'er zionistischen Föderation Palästinas in Jaffa (Mai 1907).

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