Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1907-06-28 · 26 (28.6.1907) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
26 (28.6.1907)
Date
1907-06-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3315709-3316240-3316269--49453-3344391
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

herigen Landeskomitees in Aussicht genommen ist, wird ja die rein administrativen Agenden dem Zentralbureau überlassen können, und wird so seine Arbeitskraft freimachen für eine großzügige, initiatorische Tätigkeit für das seit dem Olmützer Parteitag vergessene Gegenwartsprogramm. Die Durchsetzung vieler Aufgaben wirtschaftlicher, kultureller, körperlicher Hebungsarbeit wird um so leichter möglich sein, als sie auch in das Wirkungsgebiet der politischen Organisation fallen und in diesen Fragen trotz äußerlicher organisatorischer Zweiteilung volle Interessenidentität und Programmgemeinschaft herrscht. Ober die auf der Tagesordnung befindliche „Stellungnahme zum Kongreß" wird eine palästiiiatreue Delegiertenschar beschließen. Der Itoismus hat der österreichischen Organisation keinerlei Krisen gebracht. Was hier und dort abgesprengt wurde und aus persönlicher oder politischer Ranküne antizionistischen Anstrich erhielt, konnte nur dazu dienen, den Itoismus bei ehrlichen Zionisten, selbst wenn sie zum Territorialismus hinneigten, zu diskreditieren. Diese Versuche mit Vereinsgründungen und publizistischen Aktionen sind über den embryonalen Zustand nicht hinausgewachsen. Die Itofrage braucht den Delegiertentag nicht zu irritieren, sie liegt außerhalb unserer nationaler Parteiinteressen. Die österreichischen Zionisten sind gewillt, die praktische Palästinaarbeit an die Spitze ihrer zionistischen Bestrebungen zu stellen. Die Organisationen werden zweifellos der darauf abzielenden Parteitagsparole willig und konsequent Folge leisten. Sie werden, wie es bisher geschah, dem Nationalfonds ihre volle Aufmerksamkeit schenken, aber auch die anderen palästinensischen Institutionen (Bezalel, Pflanzungsverein, Industriesyndikat usw.), nicht vernachlässigen dürfen. Die österreichische Studentenschaft wird ihr gegebenes Versprechen in den nächsten Monaten hoffentlich einlösen und auf Mozas geheiligtem Boden das schlichte Herzldenkmal erstehen lassen, das Kunde geben soll von ihrer Treue zu Herzl und zu Palästina. Die österreichischen Zionisten haben bewiesen, daß sie die Zeichen der Zeit verstehen und entschlossen den Bedürfnissen der jüdischen Massen hierzulande Rechnung tragen, auch wenn angstvolle Skeptiker oder übelwollende Nörgler ihren Zionismus für gefährdet oder verwässert hielten. Nichts, gar nichts hat dem österreichischen Zionismus seine innere Kraft, seine Konsequenz, seine Zukunftssicherheit schmälern können. Und so wie die Zionisten in den letzten Monaten ein ungeheures Stück nationaler, tiefgründiger Arbeit verrichtet haben, die dem Zionismus Respekt und Anhang im Lande gebracht hat, so werden sie, nicht weil, sondern obgleich sie sich auf das schwierige Terrain innerösterreichischer Politik begeben haben, auf ihrem Bielitzer Parteitage der zionistischen Öffentlichkeit zeigen, daß kein Jota zionistischer Begeisterungs- und Arbeitsfreude verloren ging. R- N. Gegenwartsarbeit im Zionismus Von Dr. HEINRICH LOEWE (Berlin) (Schluß) Von dem Standpunkte aus, daß dem einwandernden Ausländer, der sich mit Agrikultur beschäftigen will, Gelegenheit geboten sein muß, Ländereien kaufen zu können, die bereits im ersten Jahre Erträge abwerfen, will sie geschäftlich in dieser Richtung tätig sein. Sie ist autorisiert, 100 Serienanteile zu je 10000 Franken auszugeben, die in jährlichen Aktienraten von je 1000 Franken einzuzahlen sind. 25 dieser Anteile sind bereits verkauft. Es ist besonders wörtvoll, daß etwa 20 dieser Aktionäre in Palästina selbst ansässig sind. Es sind das zum größten Teile Leute, die seit langen lahren in Palästina wohnen und größtenteils die Verhältnisse des Landes in langjähriger Arbeit genau kennen gelernt haben. Die Anglo-Palestine Company Limited ist der Kassierer der Gesellschaft, md alle Ländereien, die für die Gesellschaft gekauft werden oder bereits gekauft .sind, kamen oder kommen zur Eintragung in das bei der Anglo-Palestine Company aufliegende Grundbuch. Ihr Direktor LeVi in Jerusalem ist zweiter Vorsitzender der Agudath- \Tetaim und ist jederzeit zu Auskünften gern bereit. Die ersten Paragraphen der Statuten lauten: 1. Agudath Netaim (Pflanzergesellschaft) wurde in Palästina im 16. Abh 5665 (1837 nach Zerstörung Jerusalems) zu dem Zwecke gegründet, auszubreiten und in die Wege zu leiten Landwirtschaft und alle ihre verschiedenen Zweige im Lande auf genossenschaftlicher und kaufmännischer Grundlage. 2. Dieses Ziel erreicht die Gesellschaftdurch Erwerb von mtern und Grundstücken, und zwar in erster Linie in der Nähe!er Städte und jüdischen Kolonien, an Landstraßen und am Meeresufer. Sie ist gehalten, sie zu bewirtschaften, zu bepflanzen nnd zu bebauen zum Zwecke, sie weiter zu verkaufen. Für die Käufer übernimmt die Gesellschaft die Verwaltung, soweit und solange sie nicht in Palästina ihr Gut selbst verwalten. i?alls andere Juden Ländereien in Palästina besitzen, die nicht von der Gesellschaft erworben sind, übernimmt sie auch deren Verwaltung, falls dieselben in der Nähe der der Gesellschaft gehörenden Qüter liegen. Die neue Gesellschaft ist ein rein kommerzielles Unternehmen, und nach den Statuten kann der Austritt von Gesellschaftern nur in der Form vor sich gehen, daß der Anteil in Gestalt von Ländereien zurückgezahlt wird. — Die Gesellschaft hat bereits zwei Plantagen angelegt, und zwar eine in der Nähe des alten Cäsarea am Flusse Nahr-al-Mefdschir. Das gekaufte Land umfaßt 1300 Dunam (ca 125 Hektar), von denen 150 Dunam bereits mit Orangen bepflanzt sind. Außerdem sind zwischen Rechöbhöth und Ramie 500 Dunam angekauft worden, die man zum Teil mit Mandeln und Oliven bepflanzt hat. Durch diese Gesellschaft ist jedem Juden Gelegenheit geboten worden, Anteile an einer Landgesellschaft in Palästina zu erwerben, deren Verwaltung unbedingt vertrauenswürdigen Männern obliegt. Wenn wir sagten, daß das Austreten aus der Gesellschaft nur in der Weise geschehen kann, daß der Austretende niemals Geld, sondern Land im Werte seiner Aktien erhält, so schließt das nicht aus, daß die Aktien verkauft werden können, freilich nur mit jeweiliger Genehmigung des aus sechs erwählten Leuten bestehenden Vorstandes. Während die erste Generalversammlung beschlossen hatte, daß die Gründeraktien 10 o|0 Dividende erhalten sollen, hat die neuerliche Generalversammlung diesen Beschluß anulliert. Wenn es ein talmudisches Gebot ist, daß jeder Jude im Lande Israel das Mindestmaß von 4 Quadratellen Grundeigentum besitzen solle, so ist hier in praktischster Form die Möglichkeit gegeben, daß Juden, die nicht in Palästina wohnen, dort Grundbesitz erwerben können. Besonders sollten wiederum deutsche Juden hiervon Gebrauch machen und, wenn sie nicht Mitglieder der Pfianzungsgesellschaft werden wollen oder können, durch ihre Vermittlung Grund und Boden erwerben und bebauen lassen. Sie nützen eben dadurch nicht bloß ihrem Stamme, sondern auch dem Interesse des Staates, dem sie mit aller Liebe angehören. Sie sollten es nicht den amerikanischen und russischen Juden überlassen, von denen bereitsmehrere Bestellungen auf Landkäufe eingelaufen sind. Wir sind nun nicht der Meinung, daß Agudath-Netaim die alleinseligmachende Gesellschaft ist oder sein soll, durch deren

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.