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Die Welt · 1907-06-28 · 26 (28.6.1907) · page 2

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
26 (28.6.1907)
Date
1907-06-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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4 DIE^ELT Nö. 26 Die Poale Zion-Organisation in Amerika zählt zurzeit 40 Vereine, die im letzten Jahre ungefähr 800 Schekel gesammelt haben und demgemäß 4 Delegierte zum VIII. Kongreß entsenden werden. Wahlresultate Berlin: Prof. Dr. Warburg, Dr. Arthur Hantke, Dr. Heinrich Loewe, Sammy Gronemann, Dr. Elias Auerbach. Als Stellvertreter: Hermann Struck und Dr. Hans Mühsam. Köln: Dr. Bodenheimer, als Stellvertreter: M. Goldreich. Zahl der Delegierten aus Deutschland Deutschland wählt insgesamt 30 Delegierte. Mandatsbewerbungen Delegiertenmandate für den Kongreß anzunehmen, erklären sich weiter bereit: Dr. Salomon Kassner und Dr. Josef Schauer (beide Czernowitz, Bukowina, per Adresse „Hasmonaea", Herrengasse 29). ZUM 5. ÖSTERREICHISCHEN ZIONISTENTAG Die österreichischen Zionisten halten am 29. und 30. d. M. nach zweijähriger Pause ihren fälligen Parteitag ab. Seit dem Prager Parteitage haben sich in der Organisationsform der österreichischen Föderation und in ihrer ganzen innerpolitischen Richtung tief eingreifende und grundlegende Veränderungen vollzogen. Wenn sie ohne ernstere Erschütterung der Organisation und ohne Schwächung ihrer Agitationskraft möglich und durchführbar waren, so ist dies gewiß ein sicherer Beweis dafür, daß die Veränderungen folgerichtig aus der Parteientwicklung und aus den politischen Verhältnissen des Landes herauswuchsen. Das föderalistische Prinzip, welches auf dem Prager Parteitage akzeptiert wurde und die autonome Ausgestaltung der Distriktsorganisationen zur Folge hatte, war eine Notwendigkeit geworden und mußte kommen, sobald der Zionismus in den einzelnen sprachlich, national, kulturell so differenzierten Kronländern in die Breite ging und diese Differenzierungen verschiedene Arbeitszentren erforderten. Aus technischen Gründen war also die Dezentralisierung gerechtfertigt. Dem Landeskomitee war auf der Wiener Verbandskonferenz eine Anzahl wichtiger Agenden zugewiesen worden, und es blieb das ausschlaggebende Exekutivorgan in allen Angelegenheiten der Gesamtpartei. Es bleibe dahingestellt, ob die Distrikte ihre Autonomie nicht allzu frei interpretierten und die Wiener Zentrale nur bei geringfügigen administrativen Besorgungen anerkannten, und es bleibe auch die Frage unerörtert, ob das Landeskomitee seine Rechte als oberste Instanz genügend energisch wahrte und seine völlige Depossedierung zu verhindern trachtete. Auf alle diese Fragen wird auf dem Parteitag die Debatte über die Rechenschaftsberichte und die Organisation Antwort geben. Aber es scheint notwendig, heute schon mit aller Energie einer Argumentation und Taktik entgegenzutreten, die bei der Neugestaltung der Organisation und beim Ausbau der Distriktsautonomie eine Rolle spielt, wenn sie auch hinter den vorgeschobenen und tatsächlich vorhandenen Gründen technischer Natur mehr oder minder klar verborgen wird. Schon der Prager Parteitag hat bei der bekannten § 2-Geschichte das Bestreben einzelner böhmischer Zionisten gezeigt, opportunistische Rücksichten, die auf Kosten des national-jüdischen Grundcharakters unserer Bewegung deutsch-liberalen Elementen den Weg zum Zionismus oder organisierten Zionisten den Weg ins deutsch-liberale Lager offenhalten wollen, bei Lösung grundsätzlicher, organisatorischer und taktischer Fragen voranzustellen. Der Widerstand, der sich damals gegen den voreiligen, prinzipenwidrigen, unhaltbaren Beschluß erhob, hat gezeigt, daß die meisten Zionisten an der — doch so selbstverständlichen -- traditionell gewordenen Parteitaktik festhalten und eineVerwässerung des österreichischen Zionismus auf diesem Wege entschieden bekämpfen wollen. Was damals schon den meisten Zionisten selbstverständliche Folge jüdisch-nationaler Gesinnung erschien, ist heute, nach den Erfahrungen der letzten Reichstagswahlen, nach der Geschichte der deutschen Blockbildung, nach der Schaffung einer jüdischen Nationalpartei, einer ernsten Diskussion überhaupt nicht bedürftig. Es gehört zum politischen Einmaleins des österreichischen Zionisten, daß er in fremdnationalen Schutz- und Trutzvereinen, in fremdnationalen Parteilagern nichts zu suchen hat. Es geht nicht anders, die Juden müssen vor das entscheidende Entweder-oder gestellt werden. Entweder sie sind Zionisten, d. h. sie haben sich zur Anerkennung des Baseler Programms und zu national-jüdischer Gesinnung durchgekämpft, dann müssen sie gesinnungsstark genug sein, um aktive fremdnationale Betätigung beiseite zu lassen, oder aber sie sind noch nicht so weit, wollen alte politische Beziehungen und Gewohnheiten nicht aufgeben, wollen den Zionismus nur materiell fördern, nicht aber als Nationaljuden ihm angehören, dann sind sie eben nicht Zionisten, stehen ihm nur „sympathisch" gegenüber. Diesen Halb- und Viertelzion isten zuliebe die radikale Taktik zu ändern, für jedes Kronland eigene Agitationsmethoden und autonome Leitungen zu schaffen, ist wirklich nicht vonnöten. Und deshalb muß Verwahrung dagegen eingelegt werden, daß die Neugestaltung der österreichischen Exekutivinstanz hauptsächlich deshalb zu fordern sei, weil in den einzelnen Kronländern verschiedene politische Verhältnisse herrschen, eine verschiedene Agitation und Taktik erheischend, und weil die Distrikte bei der Festsetzung dieser Taktik freie Hand haben müssen. Das ist unrichtig und unmöglich. Die zionistische Organisation muß von ihren Angehörigen überall nationale, jüdisch-nationale Gesinnung und Betätigung fordern: in Galizien/ Bukowina, Niederösterreich, Böhmen, Mähren, Triest. Ihr nationales Gepräge muß überall und unter allen Umständen gewahrt bleiben. Eine Einheitlichkeit und Geschlossenheit in der nationalen Grundauffassung ist für die Zionisten eine conditio sine qua non. Sie mögen in ihren Ansichten über Umfang und Zeitgemäßheit der Palästinarbeit, über Charter und innere Politik, über Sozialismus und Orthodoxie auseinandergehen — das ist Sache der freien Meinung, der selbsttätigen Welt- und Lebensanschauung. Auf dem Gebiete des nationalen Charakters der Bewegung und in der Frage des national jüdischen Bekenntnisses darf es keinen inneren Streit geben. We< ein rechter Zionist sein will, für den ist das nationale Bekenntnis ein Dogma, an dem nicht gerüttelt und gedeutelt werden kann Gerade die Jüdische Nationalpartei, die von Zionisten gegründet geleitet und zum Siege geführt wurde, macht die Durchlöcherung dieses Dogmas, wie sie offen oder versteckt schon versucht wurdt und auf Umwegen noch immer versucht wird, für alle Zukunft un möglich. Aber trotzdem wird sich die Notwendigkeit ergeben, dei- Prager Parteitagsbeschluß, der durch Streichung des § 2 sovie' Staub aufgewirbelt, soviel Verwirrung angerichtet und einen Rück schlag bedeutet hat, unzweideutig und offen zu desavouieren. Der Bieiitzer Parteitag ist diese Ehrenrettung dem jüdisch-nationaler Gedanken in Österreich schuldig! Die Organisationsfrage wird hoffentlich nicht wieder durch eii" Provisorium ihre Lösung finden. Ein Arbeitszentrum muß geschaffeiwerden, und die Form, die dafür vorgeschlagen wird und die siel das Zentralbureau der deutschen Vereinigung zum Muster nimmt scheint glücklich und erfolgversprechend gewählt zu sein. Schoi vor Jahren wurde darüber Klage geführt, daß die Leitungen ledig lieh administrative Geschäfte besorgen, aber werktätige Initiative auf dem ungeheuren Tätigkeitsgebiete der Gegenwartsarbeit vermissen lassen, und das demgegenüber die Einzelorganisationen unc Zionisten an „Hypertrophie" in bloßer Sammlungs- und Propagandaarbeit leiden. Das Exekutivkomitee, das als Nachfolger des bis-

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