Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1907-05-21 · 25 (21.5.1907) · page 17

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
25 (21.5.1907)
Date
1907-05-21
Page
– (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3315709-3316240-3316268--49446-3344383
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

No. 25 DIE^ELT 19 Nachrichten aus Palästina Aus Safed berichtet man uns von einem Hagelschlag von ungeheurer Größe, der sich im Laufe einer Woche daselbst zweimal wiederholte. ~ Die Hagelschloßen erreichten die Größe eines Hühnereies. Das Unwetter dauerte jedesmal eine halbe Stunde und war mit Gewitter und Sturm verbunden. Im Dorfe Apdecha am Genesarethsee wütete ein noch heftigerer Hagelschlag, der l1^ Stunden dauerte. Es fielen Eisstücke im Gewichte von zwei Pfund! Der Hagel hat einen ungeheuren Schaden angerichtet. Sehr viel Vieh wurde auf dem Felde getötet, Bäume wurden entwurzelt, Häuser zerstört. Die zweite jüdische Reisegesellschaft war Anfang Mai in Safed, und begab sich von dort teils nach Beirut, teils nach Haifa. Dr. Tschlenow, Mitglied des A.C. und J. Podlischewski, Kongreßrevisor, sind nach Palästina abgereist. Wien. Unser Gesinnungsgenosse Prof. Dr. Ernst Müller hat eine Berufung an das Hebräische Gymnasium in Jaffa erhalten. Dr. Müller hat an der Wiener Universität seine philosophischen Studien absolviert und hat über Mathematik und Physik die Lehramtsprüfung abgelegt. Vom Hilfsverein der deutschen Judenerhalten wir nachstehende Mitteilungen: In der letzten Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses des „Hilfsvereins der deutschen Juden" wurde zunächst eine Reihe von Nachbewilligungen und Budgeterhöhungen für die eigenen Institute des Hilfsvereins in Palästina vorgenommen, und zwar für das Lehrerseminar, für die im April ds. Js. eröffnete Handelsrealschule, für die 3 Kindergärten in Jerusalem und die Knabenschule und die 2 Kindergärten in Jaffa. Durch den Andrang von Kindern mittelloser russischer Emigranten, die nach den Pogromen der Jahre 1905 und 1906 nach Palästina geflüchtet waren, zu den Schulen und Kindergärten des Hilfsvereins, wie infolge der vermehrten Gewährung von Stipendien für die Seminaristen — zum großen Teil gleichfalls Russen — wurden unvorhergesehene finanzielle Anforderungen gestellt, denen in vollem Umfange Rechnung getragen werden mußte. Dem jüdischen Mädchenheim in Jerusalem, das palästinensischen und russischen Waisenkindern eine Zufluchtsstätte bietet, wurden 2000 Francs zur Verfügung gestellt. Die Subvention für die Gesellschaft Bezalel zur Förderung der Hausindustrie und des Kunsthandwerkes in Palästina wurde erneuert. Auf einen entsprechenden Antrag aus Hebron wurden als Zuschuß für eine approbierte Hebamme daselbst 400 Francs bewilligt. Das Schulwerk des Hilfsvereins hat einen weiteren Ausbau durch die Bewilligung der Mittel zur Begründung eines Kindergartens in Tiberias erfahren, — des neunten, den der Hilfsverein der deutschen Juden in Palästina unterhält. Voraussichtliche Emanzipation der finnischen Juden Vorige Woche wurde der Bevollmächtigte des Komitees des Vereins für jüdische Vollberechtigung" telegraphisch nach Helsingfors -ingeladen, um zusammen mit einigen Deputierten an einer Konferenz über die Judenfrage teilzunehmen. Am 8. Juni bekam der Vorsitzende des obengenannten Komitees ein Telegramm von Jakobson, in dem mitgeteilt wird, daß die Judenfrage in der nächsten Zeit im ^inländischen Landtag auf die Tagesordnung gesetzt werden wird. Am nächsten Tag kam die telegraphische Nachricht, daß die finniandische und die schwedische Sozialdemokratie sich vereinigt haben, nn für die sofortige Erteilung der Gleichberechtigung an die Juden stimmen. Die Zahl ihrer Stimmen beträgt 104, während die 'ahl aller Deputierten 200 ausmacht. Die Möglichkeit einer baldigen Emanzipation der finnischen Juden ist daher sehr nahe gerückt. Rußland Odessa: Die äußerst bedenkliche Lage mancher Städte erregt selbst in Rußland, wo man doch schon längst die empörendsten Exzesse der grenzenlosesten Willkür gewohnt ist, großes Aufsehen, in erster Reihe kommt Odessa unter der Obhut der Generale Kaul-;>ars und Glagolew in Betracht. Diese einst blühende Stadt ist im ^aufe der letzten zwei Jahre ganz in Verfall geraten und wird allmählich ruiniert. Kaulbars, der jetzige Militärbezirkschef in Odessa, iat der Stadt Odessa ungeheuren Schaden und unsägliche Verluste zugefügt, aber nicht nur der Stadt, sondern auch dem ganzen angrenzenden Rayon. Er hat dort Handel und Industrie völlig vernichtet. In Odessa ist das Leben im wahren Sinne des Wortes unerträglich geworden. Schon zwei Jahre lang lebt die unglückliche Bevölkerung Odessas in fortwährender Angst vor Pogromen und sonstigen wilden Ausschreitungen der schwarzen Hunderte, die sich der hohen Gönnerschaft des Generals Kaulbars erfreuen. Immer wieder werden neue Mittel gesucht, um die gefährlichsten Leidenschaften wachzurufen, und die blödeste Provokation gilt als gute Waffe im kontrerevolutionären Kampfe. So schuf man den bekannten Fall Melnikow, der, noch ehe irgendwelche Untersuchung stattgefunden hat, bereits in ausgedehntestem Maße für eine offizielle Pogromagitation ausgenutzt wurde. Nun stellt sich heraus, daß der 14 jährige Knabe Melnikow, der nach einer amtlichen Depesche des Generalgouverneurs Glagolew von Juden in bestialischer Weise gemartert wurde, und der sich wie durch ein Wunder mit knapper Not vom Tode gerettet haben soll, am fraglichen Tage von 6 Uhr morgens bis 7 Uhr abends in einer christlichen Herberge war, und daß die „Wunden", die er am Leibe zeigte, nicht mal die Haut durchdrangen und von zarter Hand herrühren. Hunderte von Juden wurden aber anläßlich dieser Provokation in Odessa arg mißhandelt. Dabei untersagte der Generalgouverneur Glagolew den lokalen Zeitungen, irgend etwas darüber zu berichten, während das Organ der Odessaer Filiale des „echtrussischen" Verbandes sich ausschließlich mit aufhetzenden Insinuationen beschäftigt. Die zentrale Regierung weiß ganz gut, was in Odessa vorgeht, und läßt es ruhig geschehen. Sie bemüht sich nur, die Enthüllungen zu vertuschen und die Ortsbeamten zu decken. Berichtigung In dem Artikel: „DieinnerpolitischeBetätigungderösterreichischen Zionisten" von Adolf Böhm in der letzten Nummer wolle man berichtigen: Seite 10 Zeile 22 „Zufluchtsland" (statt Zukunftsland), Seite 10 Zeile 40 „meßbarer" (statt mehrbarer) und Seite 10 Zeile 16 „Aufrollung" (statt Auf well ung). Briefkasten der Redaktion W. Stein-Teplitz. Wenden Sie sich an die Anglo Palestine Company, Jaffa. The Jewish Colonial Trust (Jüdische Colonialbank) Ltd, Bekanntmachung! Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die zehnte ordentliche Generalversammlung der Aktionäre des Jewish Colonial Trust (Jüdische Colonialbank) Ltd., am Mittwoch den 21. August 1907 um 10 Uhr vormittags im Haag, im Gebouw voor Kunst en Wetenschappen, Zwarte Weg 7, mit folgender Tagesordnung stattfinden wird: Tagesordnung: 1. Entgegennahme der Berichte des Direktoriums und der Revisoren und Rechnungsablegung; 2. Wahl der Direktoren und Rechnungsrevisoren; 3. Beschlußfassung über Verwendung des Reingewinnes; 4. Durchführung der gewöhnlichen Tagesordnung und Eventualia. Statutengemäß bleiben die Zessionsbücher und das Mitgliederregister der Gesellschaft vom 8. bis 21. August 1907 (beide Tage inklusive) geschlossen. In Gemäßheit der Statuten müssen Vollmachten wenigstens einen vollen Tag vor dem für die Abhaltung dieser Versammlung festgesetzten Termine, somit nicht später als am 19. August 1907, im temporären Bureau im Haag, Heerengracht 13, niedergelegt werden. In Gemäßheit der Statuten und der vom Direktorium diesbezüglich getroffenen Bestimmungen müssen Besitzer von Inhaber- Aktien, welche an der Generalversammlung teilnehmen und ihr Stimmrecht ausüben wollen, ihre Aktien entweder im Gesellschaftsbureau, Brook House, Walbrock, London E. C, spätestens am 12. August 1907, oder im temporären Bureau im Haag, Heerengracht 13, spätestens am 18. August 1907 deponieren, um dagegen die zum Einlaß und zur Abstimmung berechtigenden Depotscheine in Empfang zu nehmen. Im Auftrage des Direktoriums H. Neumann, Sekretär. Brook House, Walbrook, London E. C, den 14. Juni 1907.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.