Mannheim
Compact Memory

Die Welt · 1907-05-21 · 25 (21.5.1907) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Welt
Volume
11 (1907)
Issue
25 (21.5.1907)
Date
1907-05-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3315709-3316240-3316268--49439-3344376
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

sprach Herzl die Richtigstellung. Und sofort als demnach diese Frage dem Kongresse vorgelegt wurde, wurde beschlossen, die Richtigstellung durchzuführen. Und wenn dies bis jetzt nicht geschehen ist, so lag der Grund nur daran, daß die diesbezüglichen englischen Vorschriften sehr kompliziert sind. Der Beschluß muß kundgegeben werden, die Resolution muß im Namen der Generalversammlung der Aktionäre abgefaßt werden — und sie wurde auch abgefaßt. — Dann fand man, daß sie stilistisch nicht ganz richtig redigiert worden ist, und man mußte sie wieder revidieren und abermals einreichen. Außerdem steht doch die Generalversammlung der Aktionäre in Zusammenhang mit dem Kongreß und man mußte dem Gericht den Nachweis erbringen, was eigentlich ein zionistischer Kongreß bedeutet und welche Befugnisse er hat, und dies auf Grund von Dokumenten — was wieder sehr schwierig und mühsam nach den englischen Gesetzen zu bewerkstelligen ist. So wurde die Sache verzögert, bis endlich jetzt der Zeitpunkt eingetreten ist, daß sie verwirklicht werden muß. Ja, es waren jedesmal, so oft man diese Frage behandelt hat, einige wenige, die gegen Abänderung der Statuten sich ausgesprochen haben. Aber stellt denn dies die Giltigkeit des Beschlusses in Frage? Jeder Majoritätsbeschluß hat die vollste Giltigkeit; man kann doch nicht allen gerecht werden. Hieße es in den Statuten, daß, um eine Abänderung durchzuführen, ein einstimmiger Beschluß notwendig sei, so hätten die Protestierenden Recht. Aber nachdem man das Majoritätsprinzip für alle Fragenals das entscheidende Moment anerkannt hat, so kann man sich doch nur nach diesem Prinzip richten. Ein Protest bei den englischen Gerichten wird nichts nützen, es sei denn, daß man — ein bißchen Agitation machen will. Was kann denn eigentlich ein Gericht in dieser Sache ändern? Es waren Kongresse und Generalversammlungen, die die Abänderung beschlossen haben, und diese Abänderung wird jetzt verlangt. Etwaige Hindernisse und Erzählungen können nur Zeit- und Geldverluste verursachen. Und es sind schon bis jetzt bedeutende Ausgaben diesetwegen gemacht worden. Selbst die Juristen geben jetzt zu, daß man die Redaktion in Übereinstimmung mit dem Beschlüsse der Generalversammlungen abfassen kann. Es ist eigentlich keine prinzipielle, sondern eine formelle Frage. Denn im Grunde hängt alles von der Leitung der Kolonialbank und nicht von dem Texte der Statuten ab. Wenn sie will, leitet sie die Bank im palästinensischen Geiste, will sie es nicht, so kann sie das Geld der Koionialbank in irgend einer Form und unter irgend einer anderen Firma für die Kolonisation in einem anderen Lande verwenden, und die Statuten würden kein Hindernis bilden. Die sicherste Garantie liegt nicht in den Statuten, sondern in den Leitern der Bank und in dem Aufsichtsrate, und da letzterer aus den Mitgliedern des zionistischen Aktionskomitees und die Mitglieder des zionistischen Aktionskomitees durch den Kongreß gewählt werden, so istes ja klar, daß alles am Ende von der Majorität des Kongresses abhängig ist, und die Leitung der Bank, ob sie will oder nicht, muß, solange der Kongreß zionistisch ist, auch zionistisch sein. Sollte aber eine antizionistische Majorität im Kongresse zusammenkommen, so ist jetzt keine Möglichkeit vorhanden, in absolut sicherer und unabänderlicher Weise einen Riegel vorzuschieben, daß diese Majorität nicht imstande sein soll, abermals die Statuten der Kolonialbank in einer anderen, antizionistischen Weise abzuändern. Unter den Wenigen, die gegen die Abänderung der Bankstatuten waren, — und die immer in der Minorität geblieben sind — waren auch solche, die wegen dieses Grundes dagegen waren, daß nicht die Statuten, sondern die Leitung die Hauptsache ist, und daß es, wenn die Leitung zionistisch ist, auch unwesentlich ist, wenn in den Statuten die von den englischen Juristen hinzugefügten Worte „und in anderen Ländern" figurieren. Endlich, um die Frage ganz zu erschöpfen, müssen wir auch dies erwähnen, daß die Gegner der Abänderung der Bankstatuten noch ein anderes Motiv vorgebracht haben. Sie sagten nämlich, es könnte sich im Laufe der politischen Unterhandlungen mit den Regierungen eine Konjunktur herausbilden, daß man uns irgendein Besitztum, irgendeine Insel oder irgendeine Konzession in einem Nebenlande Palästinas oder ein Eigentum geben könne, welches man gegen ein palästinensisches eintauschen könnte, und so müßte man dafür sorgen, daß uns nach den Statuten freier Spielraum für diese Operation, natürlich nur Palästinas wegen, gegeben sei. Man dachte damals auch nicht für einen Augenblick an eine Ablenkung auch nur um ein Haar breit von Palästina, man dachte auch nicht an ein Nachtasyl. Sondern man wollte das Kombinationsgebiet für Palästina soweit als möglich ausdehnen. Dies waren die Motive der Wenigen gegen das von der Majorität Angenommene und Beschlossene, gegen die Zusage und die Verpflichtung Herzls. Die territorialistische Tendenz ist etwas, was in späterer Zeit entstanden ist, und es soll auch gesagt sein, daß das Hervortreten dieser Tendenz und der Umstand, daß unter den Zionisten Leute waren, die unter der Flagge Zion einherschritten und der Organisation angehörten, während sie tatsächlich gar nicht auf Palästina es abgesehen haben und der Ort ihnen absolut indifferent war, nur aufs neue bestätigten, wie sehr Herzl recht hatte in seiner ersten telegraphischen Instruktion, daß man die Statuten den Kongreßbeschlüssen gemäß revidieren solle, mit seiner Verpflichtung nach der Statutenabfassung, mit seiner Deklaration auf dem dritten zionistischen Kongreß, und wie sehr die Kongresse und Generalversammlungen recht hatten, als sie beschlossen, aus den Statuten das Fremdartige auszuschalten, das durch die englischen Formalisten hineingebracht worden ist. . Nach den Nachrichten, die bereits in der Öffentlichkeit bekannt geworden sind, sind die Herren Zangwill und Salaman bereit, einen Protest bei den englischen Gerichten einzureichen. Diese Herren sind bekanntlich Territorialisten und können auf ihr eigenes Risiko und dem Willen ihrer Auftraggeber gemäß den Protest einreichen. Von ihrem territorialistischen Standpunkte, der nach unserer Auffassung, wenn sie ihn auch Zionismus nennen, die vollständigste Verleugnung des eigentlichen Zionismus ist, können sie dasjenige tun, was sie nach ihrer Tendenz und in ihrem Parteiinteresse für gut erachten. Aber die Herren Zangwill und Salaman sind anständige Leute, zu englisch Gentlemen. Sollten sie protestieren, so können und mögen sie es tun. Aber es kommt uns unwahrscheinlich und fast undenkbar vor, daß Parteileidenschaft sie soweit verblenden soll, daß sie dem Gerichte sagen würden, daß der Gründer des Zionismus gegen die Abänderung der Bankstatuten war, daß diese Sache ursprünglich gegen den Territorialismus unternommen worden ist — eine Verwechslung und Verschiebung der chronologischen Reihenfolge und der Umstände — oder daß die Sache jetzt beschlossen worden ist, weil Herzl nicht mehr unter uns ist und ähnliches. Alle diese Redensarten sind vollständig verkehrt, und ihre Unwahrheit wird durch die offiziellen Dokumente, die Protokolle des Aktionskomitees, die offenen und ehrlichen Erklärungen Herzls und die Kongreßberichte erhärtet. Schreiben und drucken kann man alles, das Papier ist geduldig. In Volksversammlungen kann man alles hören lassen, die Luft nimmt geduldig die Laute auf. Doch wird sich niemand unterstehen, einem Gerichte Sachen vorzutragen, deren Grundlosigkeit ein lesekundiges Kind einsehen kann. Außer diesen nichtigen Redensarten, die, wenn sie in jenem künstlichen vulkanischen Pathos gesagt oder geschrieben werden, einen augenblicklichen Effekt machen können, wenn sie aber mit klarem Geiste erwogen werden, als Seifenblasen sofort nach ihrem Erscheinen zerplatzen, gibt es noch eine andere Art von Protesten. Die Aktienbesitzer haben die Aktien nicht für den palästinensischen Zionismus gekauft, sondern um irgend ein Land zu erreichen. Die unglücklichen, die armen, die verfolgten Aktionäre — und hier beginnt jener bekannte elegische Kinnothstil, der geeignet ist, einen Augenblickseffekt hervorzurufen — haben die Aktien erstanden,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.