Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 24 (14.6.1907)
- Date
- 1907-06-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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8 DIE^K ELT No. 2ä sehr gute Resultate ergeben: in einer jüdischen Kolonie bei Jaffa*) wurden 400 Kilo Baumwolle auf weniger als einem Acre (2Ve acres ist 1 Hektar) erzielt. Das Produkt wurde nach Liverpool gesandt und dort entkernt; es erwies sich als von vorzüglicher Qualität und wurde zu 7 d (Mk. 0,59) per Pfund verkauft. Diese Baumwolle war ohne Bewässerung erzielt, war aber während ihres Wachstums ordentlich behandelt worden, während es bei den andern Versuchen an der nötigen Kenntnis und Sorgfalt gefehlt hatte. Der gute Erfolg dieses Versuches hat viele Landeigentümer veranlaßt, für die kommende Saison Land zum Baumwollanbau vorzubereiten. Öffentliche Arbeiten. Die Landstraße von Jaffa nach Nablus **) ist beendet und dem Verkehr übergeben worden, aber sie ist so mangelhaft gebaut, daß man meint, sie werde schon im ersten Jahre bedeutende Reparaturen erfordern. Gesundheitsverhältnisse und Viehseuchen. Ansteckende oder epidemische Krankheiten kamen nicht vor, und der Gesundheitszustand der Bevölkerung war zufriedenstellend. Viehseuchen wurden seit Anfang September nicht berichtet.***) III. Gaza. Konsularagent Knesevich berichtet folgendes: Allgemeine Bemerkungen. Gaza liegt im Südosten Palästinas und ist nur ca. 20 km****) nach Norden von Rafah (Tel Refah) dem türkisch-ägyptischen Grenzort, entfernt. Gaza ist das kommerzielle und administrative Centrum aller umliegenden Ortschaften und auch vieler Bedninenstämme. die mit ihren Zelten in den Ebenen herumstreifen. Bevölkerung. Die Einwohnerschaft Gazas beziffert sich auf ca. 40 000 und die der umliegenden Dörfer auf ca. 70 000. Hauptbeschäftigung ist der Ackerbau; nur eine kleine Minderheit beschäftigt sich mit Handwerk nud Handel. Gersten-Ausfuhr, Während der Sommermonate ist Gaza voller Leben, eine Menge Leute ist mit der Ausfuhr von Gerste beschäftigt, die das *) Petach-Tikwah. — Die diesjährigen (1907) Versuche versprechen noch bessere Resultate. **) Die Landstraße macht einen großen Umweg (wegen des Gebirges) und hat eine Länge von ca. 70 km, während die Luftlinie Jaffa—Nablus nur ca. 50 km beträgt. Die Chaussee kommt nahe an Petach-Tikwah vorbei und ist daher für den Verkehr zwischen Jaffa und dieser Kolonie von Bedeutung. ***) Die Viehseuche, die seit 1904 große Verheerungen angerichtet hatte, wurde im September 1906 offiziell als erloschen bezeichnet. — Die Rückständigkeit der jüdischen Kolonien in bezug auf Milchwirtschaft etc. war für die letzte Zeit auf diese Viehseuche zurückzuführen. Man hatte in mehrereren Kolonien gerade begonnen, sich mit diesem, hier sehr lohnenden Erwerbszweige zu beschäftigen, als die Seuche diese Anfänge zunichte machte, Jetzt wird bereits in mehreren Kolonien (wenn auch zunächst noch in kleinerem Umfange) Milch, Butter und Käse produziert. ****) Stimmt nicht. Der Bericht sagt ca. 12 engl. Meilen (ist ca. 20 km). — 22 engl. Meilen (ist ca. 36 km) dürfte korrekter sein. Hauptprodukt des Distriktes ist. Im Jahre 1906 war die Gersten ) Ernte durch späten und unregelmäßigen Regenfall weniger ergiebig als 1905, so daß nur 12 Schiffsladungen*) (gegenüber 26 im Vor h jähre) verschifft wurden. — Weizen, Durrah und verschiedene Gemüse werden ebenfalls angebaut. Industrie. Die Industrien Gazas beschränken sich auf die Bedürfnisse de; eingeborenen Bevölkerung. Man fabriziert hauptsächlich einfacht* Töpfereiwaren, Baumwollstoffe und Getreidesiebe. — Mit Ausnahme von Getreide, Gemüse und Vieh ist Gaza also in fast allen Artikeln auf die Einfuhr angewiesen. Die Einfuhr. Der Import Gazas vollzieht sich fast ausschließlich nicht'direkt von Europa aus, sondern via Beirut und Jaffa, entweder in Segel barken oder per Kamel. Öffentliche Arbeiten. Die längst projektierte Landungsbrücke wurde am 8, Dezember 1906 vollendet. Sie ist nur 60 m lang und 8 m breit, und nützt nicht sehr viel bei dem Export der Gerste. **) Zoll-Amt. Ein Zollamt wurde zu Beginn des Jahres an der Küste errichtet. Auch mit dem Bau einer Polizeistation und der Anlage eine; öffentlichen Gartens wurde begonnen, aber Mangel an Mitteln veranlaßte die Einstellung dieser Arbeiten, und das Grundstück steh; jetzt zum Verkauf. Beerseba. Die Landstraßen von Gaza nach Jaffa und Beerseba erfordern dringend Reparaturarbeiten. Die Stadt Beerseba, die vor fünf Jahren neu gebaut wurde, wächst in Bedeutung. Im Laufe des Jahrewurde dort eine Moschee gebaut und ein öffentlicher Garten angelegt. Einer der alten Brunnen wurde wieder in Stand gebrachi und eine Pumpe darüber installiert, die Beerseba mitWasserversorgt. ***.- *) 35 000 Tons im Werte von 3 600 000 Mk, (meist nach Großbritannien — ein Teil nach Ägypten). — Aller sonstige Export betrug in diesem Jahre nur eine halbe Million Mark, wovon 2|s in Weizen. **) Hierzu ist zu bemerken, daß Gaza nicht direkt am Meere liegt, sondern 3 V* km (nicht wie öfters angegeben wird 5 km — die Straße selbst ist nicht länger als 3^ km) landeinwärts. In alter Zeit hatte Gaza nahe der jetzigen Landungsstelle einen Hafenplatz von ziemlicher Bedeutung; — jetzt soll wieder ein solcher geschaffen werden, aber wie man sieht, wird das noch einige Zeit erfordern. Eine Verlängerung des Steges um weitere 30 Meter wird noch in diesem Jahre vorgenommen werden. Hiernach wird die Anlage allen gerechten Anforderungen entsprechen. — Von größter Bedeutung für den Schiffsverkehr, wie auch für die Entwickelung des Hafenplatzes wäre es, wenn Gaza mit dem Meere durch eine kleine Transportbahn und später erst durch eine Trambahn verbunden würde. Der Transport des Getreides durch Kamele ist so teuer, daß eine solche Anlage sich sehr gut rentieren müßte. (Siehe hierüber auch den deutschen Konsularbericht pro 1899, abgedruckt in „Palästina" 1902, Seite 39—40.) ***) Siehe auch meinen Artikel „Beerseba" in der „Welt" 1906 Nr. 32. An unsere Leser! Die Jubiläumsnummer der „Welt", von der wir eine mehrfach verstärkte Auflage anfertigen ließen, ist bis auf eine ganz kleine Anzahl von Exemplaren auf Kunstdruckpapier vergriffen. Die letzteren geben wir, solange der Vorrat reicht zum Preise von Mk. 1,50 (zuzüglich 20 Pfennige Porto fürs Inland und 30 Pfennige fürs Ausland) ab. Sollte noch eine entsprechende Anzahl von Exemplaren bestellt werden, sind wir eventuell bereit, zum Zwecke der Agitation eine Neuauflage herstellen zu lassen. Bestellungen wolle man daher baldigst aufgeben. Expedition „DIE WELT-.