Die Welt
- Journal
- Die Welt
- Volume
- 11 (1907)
- Issue
- 24 (14.6.1907)
- Date
- 1907-06-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Petroleum, Der Import von Petroleum hat sich in den letzten sechs oder sieben Jahren verdoppelt, und zwar teilweise durch seine zunehmende Verwendung für Leuchtzwecke (statt Olivenöl) seitens der eingeborenen Bevölkerung und andernteils durch die Einführung von Petroleummotoren zu Kraftzwecken. Die Ausfuhr. Die Zunahme des Exports war am bedeutensten bei Orangen; Seife, Sesam, Koloquinten und Devotionalien.*) Der Orangenhandel hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt. Die Herstellung von Devotionalien ist eine andere blühende Industrie, deren Ausfuhr sich seit 1902 vervierfacht hat. Der Export von Se^sam und Wolle ist nach einigen minder guten Jahren wieder auf der früheren Höhe angelangt. Die Eisenbahn Jaffa - Jerusalem. Die „Societe de Chemin de Fer Ottoman de Jaffa ä Jerusalem ut prolongements", die in französischen Händen ist, scheint sich :inanziell in günstiger Lage zu befinden. Dieses Resultat ist auf die stetige Zunahme der Bevölkerung Jerusalems (jetzt ca. 70 000) wie auf die sich jährlich steigernde Anzahl von Pilgern und Touristen :urückzuführen, die die heilige Stadt besuchen. Der folgende Ausug gibt ein Bild vom Verkehr der Bahn: Passagiere I. Klasse 9 500 II. „ 91500 Total 101000 Güterverkehr 34 000 Tonnen. Einnahmen: Passagierverkehr 412 000 Mk. Güterverkehr 336 000 „ Summa 748 000 „ Betriebskosten: 264 000 „ Überschuss:**) 484 000 „ Öffentliche Arbeiten. Mit Ausnahme der fertig gestellten Landstraße zwischen Jaffa nd Nablus (Sichern) und der zwischen Jerusalem und Jericho via totes Meer), die in Arbeit ist, wurden im Laufe des Jahres 906 keine öffentlichen Arbeiten unternommen. ***) II. Jaffa. Vizekonsul Falanga berichtet wie folgt: Allgem eines. Ungeachtet der hohen Preise fast aller von Europa bezogenen Varen zeigt der Handel Jaffas im Jahre 1906 eine merkliche Veresserung gegenüber den voraufgehenden Jahren. Dieser Fortschritt rklärt sich daraus, daß die guten Ernten viel Geld unter die Leute gebracht haben. Die Bevölkerung. Die Bevölkerung Jaffas wächst andauernd, sie wird zurzeit if ca. 45 000 Einwohner geschätzt, worunter 10 000 Juden ****). *) Schnitzereien und Schmucksachen von religiösem Charakter.!ie Arbeiten in Perlmutter sind in den Händen der Bethlehemiter ■ bristen. Ganz Bethlehem lebt von dieser Industrie. Die rbeiten in Olivenholz werden in Jerusalem zu drei Vierteln •■Jtwa 75 Arbeiter) von Juden, der Rest von Christen angefertigt, ^abei wird das fünffache Jerusalemer Kreuz vielfach von Juden geschnitzt, ebenso wie sich auch die Christen hebräischer Schriftlichen bei ihren Artikeln bedienen. **) Der Überschuß des Vorjahres hatte 427 000 oder 61 % der Bruttoeinnahmen betragen. (Obiges Resultat pro 1906 entspricht ••■a. 643 4 0 o.) ***) Abgesehen von der Landungsbrücke in Gaza (s. u.). ****) Die Ziffer für Jaffa dürfte um einige Tausend zu niedrig angegeben sein. Dagegen beträgt die Zahl der Juden heute erst 5W) ca. 8000. Außer diesen 10 000 Juden in der Stadt selbst gibt es ca. 3000 jüdische Ansiedler in 9 Kolonien in der Nähe Jaffas. Diese letzteren sind alle Landwirte und besitzen ca. 6000 Hektar Land, worauf sie Orangen, Wein und verschiedene Arten Getreide bauen. Die Banken. Die vier hauptsächlichsten Banken (die Banque Ottomane, der Credit Lyonnais, die Anglo-Palestine Company Ltd. und die Deutsche Palästina-Bank) waren alle mit dem Geschäft des Jahres 1906 zufrieden. Sie hielten ihren Zinsfuß auf 6—8 %, und erhöhten ihn erst gegen Ende des Jahres auf 9 %, als der Zinsfuß in England auf 6 °/o gestiegen war. Schi ff ah rt. Die Postdampfer der regulären Linien (Messageries Maritimes, Österreichischer Lloyd, Khedvial-Linie, Russische Gesellschaft und Florio Rubattino) liefen Jaffa wie üblich an. Außerdem kamen mehrere Frachtdampfer verschiedener Nationalitäten; sie brachten Reis, Bauholz und Petroleum und nahmen Getreide als Rückfracht. Die „Prince-Linie" fährt fort, ihre Dampfer alle 14 Tage zu senden. Durch eine Übereinkunft zwischen dieser und der Liverpooler Linie wird der Orangentransport jetzt von Booten besorgt, die nur noch Malta anlaufen, wobei beide Gesellschaften ihre Dampfer abwechselnd senden. Dieses Arrangement scheint den Beifall der beteiligten Kreise zu finden. Das Zollamt. Verschiedene Pläne für den Bau eines neuen Zollamtes werden von Zeit zu Zeit ventiliert, doch ist noch nichts entschieden worden Inzwischen leidet der Handel Jaffas sehr unter der Kleinheit und Unzugänglichkeit der bisherigen Lokalitäten.*) Die Einfuhr. Der Import britischer Waren nahm zu bei: Kohle, Eisen, Maschinen, landwirtschaftlichen Geräten und Drogen. Vieh-Einfuhr. Etwa 15 000 Schafe und 1000 Ochsen wurden für Schlachtzwecke von Mersina und Alexandrette her importiert. Der Ausfuhr. Durrah und Sesam wurden 1906 in größern Quantitäten exportiert als in dem Vorjahre. Orangen. Die Orangenernte steht sehr gut; bis zum Ende des Jahres waren 163 000 Kisten bereits nach Liverpool verschifft, und der weitere Versand wurde noch auf 360 000 Kisten geschätzt, also zusammen über 500 000 Kisten — ca. 150 000 Kisten mehr als im Vorjahre. **) Andere Produkte. Auch alle andern landwirtschaftlichen Produkte standen sehr befriedigend. Baumwolle. Die Aussichten für die Entwickelung des Baumwollbaues in Palästina sind jetzt besser als zuvor. Von den verschiedenen Versuchen, die in den letzten 3 Jahren gemacht wurden, hat einer :!:) Inzwischen (Anfang 1907) ist zwar nicht die lange erwartete Verlegung des Zollamtes Tatsache geworden, wohl aber hat man durch einen beträchtlichen Anbau den Raum vergrößert und durch Schaffung eines besonderen Ausganges für Personen, sowie durch Anlegung eines kleinen Piers die Zugänglichkeit des Zollamtes bedeutend verbessert. — Erstaunlich war dabei, daß alle diese Änderungen samt den ziemlich stattlichen Neubauten nur wenige Tage in Anspruch genommen haben. Freilich baut man in Jaffa schon im Allgemeinen sehr schnell und dabei nicht schlecht. **) In Wirklichkeit war das Ergebnis noch besser. Der Orangenexport des Winters 1906 1907 erreichte fast 600 000. Kisten. 2*